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Alt 17.02.2012, 21:15   #101
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Ich bin gerade auf eine Vorkriegsausführung von Kpt z.S. Heinrich gestoßen. 10. Dezember 1913:

"Das Wesen eines UBootes ist die möglichst ausgedehnte und unabhängige Verwendung eines Torpedospezialfahrzeuges unter Wasser. Demnach steht die Frage, wie lange kann das UBooot unter Wasser manövrieren, vor der Frage, mit welcher Geschwindigkeit kann das Boot unter Wasser fahren, natürlich unter Voraussetzung, dass eine untere Grenze als Unterwasserhöchstgeschwindigkeit als richtig erkannt und erreicht wird.
Der Krieg wird verlangen, dass ein UBoot breite Sicherungszonen und Blockadegürtel ungesehen, d.h. Unterwasser wird passieren müssen, um an sein eigentliches Angriffsobjekt heranzukommen. Solche Zonen mit einer Breite von 40 -60 sm werden keine Seltenheit sein. Demnach wird man nicht zu niedrig greifen, wenn den Unterwasserradius auf 100 sm ansetzt. Diese Forderung erfüllt das Projekt 31. Für dieses sind konstruktiv errechnet 120 sm/ 5 kn. 5 kn sind gering, aber ausreichend. Jede Steigerung bringt sofort einen sehr großen Abfall am Aktionsradius.
Von U5 bis U 44 haben unsere Boote eine Unterwassergeschwindigkeit von 10 kn, Projekt 31 sieht 11 kn, das Dampfnatronboot 12 kn vor. 11 kn erscheinen als ausreichend. Die projektierte E-Anlage von Projekt 31 mit 3 Batterien, gegen 2 der Boote 43/44, erfüllt diese Forderung. Dagegen ist eine Sicherstellung eines höheren Aktionsradius als 100 sm zwar nicht notwendig, aber erwünscht.
In umgekehrter Reihenfolge stehen die Forderungen für die Überwasserfortbewegung der UBoote. Wir wollen das UBoot für selbständige Fernunternehmungen verwenden. Je schneller es auf den eigentlichen Schauplatz seiner Tätigkeit gelangt, um so besser. Auf dem Schauplatz seiner Verwendung in schwierigen Gewässern angelangt, wird eine hohe Überwassergeschwindigkeit das Boot selbständiger machen, indem es sich dem Gegner leichter entziehen kann, wenn einmal gesichtet und nur über geringe Unterwasserkapazität verfügend. Dementsprechend fordert TI als nächstes Etappenziel 20 kn. BV geht weiter und fordert angesichts der erheblichen Geschwindigkeitsabfälle bei Wind und Seegang als Mindestgrenze 22 kn."


TI = Inspektion des Torpedowesens
BV = Abteilung für Torpedowesen und FT in B des RMA
FT = Funktelegraphie
B = Werftdepartment
RMA = Reichmarineamt
Projekt 31 - Länge 72 m, Verdrängung ausgetaucht 875 t, getaucht 1282 t

Zu dieser Zeit war die Technik noch sehr unausgereift und man hatte keine rechte Vorstellung, was man damit anfangen konnte. Das reichte bis in den Krieg hinein.
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Alt 19.02.2012, 19:58   #102
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Ich möchte noch etwas hinzufügen:
Dem Konzept des dieselelektrischen U-Bootes stand man vor dem Krieg noch skeptisch gegenüber. Die Diesel waren noch nicht betriebssicher genug, sodass man ihnen längere Fahrten nicht zutraute. Man wünschte sie sich so sicher, wie die Dampfmaschine. In diese Richtung ging auch ein Projekt, das Dampf-Natron-Boot. Ein ölbefeuerter Kessel trieb dabei eine normale Dampfmaschine an. Für die Unterwasserfahrt konnte der Dampf vorher in Natronlauge gebunden und dann für diese wieder freigegeben werden. Allerdings stellte der Kessel eine ständige Wärmequelle, die zu unangenehmen Temperaturen im Boot führte, dar.
Die elektrischen Batterien waren dagegen sehr teuer und wartungsbedürftig. Eigentlich ähnliche Probleme, wie heute beim Elektroauto. Eine Batterie von 220 Zellen, wog 350 kg, gab 210 Volt bei 8.000 Amperstunden ab. Sie kostete 220.000 Mark und hatte bei guter Wartung eine Lebensdauer von 4 Jahren.
Man versuchte auch, eine Dieselmotorenanlage für die Unterwasserfahrt mit Stickstoffdioxid als Sauerstofflieferant zu betreiben. Die Anlage explodierte allerdings im Laufe des Versuchsbetriebes und das Projekt wurde seitdem nicht weiter verfolgt. Die gewonnenen Leistungsdaten waren jedoch interessant. Das Boot hätte bei 15kn Unterwasserfahrt 225sm zurücklegen können, mit 8kn sogar 800sm.


KKpt. Michaelis vom Stab der UI an den Staatssekretär des RMA, 25. Juli 1913:

"Das Uboot, Entwurf 31 der Torpedoinspektion, ist nach meiner Überzeugung das nächste Glied in der Entwicklung unseres ölelektrischen Bootstyps.
Ich schlage deshalb E. Exellenz vor, die Ubootsneubauten des Jahres 1914, soweit nicht andere, noch zu erwähnende Rücksichten eine Einschränkung bedingen, in ihren Hauptwesenszügen nach diesem Entwurf bauen zu lassen.
In der Anlage ist der Entwurf 31 den Booten U 19, 27, 43 Und >F< entgegengestellt. Die Entwicklung wird durch zwei Hauptfaktoren beeinflusst: Die Leistung der z.Zt. als praktisch möglich erkannten Ölmaschineneinheiten und die notwendige Steigerung der Kapazität der Akkumulatorenbatterie.
Ich halte eine Einheit von 1500 PS für die nächste richtige Stufe. Eine zwischen 1000 und 1500 PS liegende Leistung würde nur eine unbedeutende Geschwindigkeitssteigerung bringen, eine größere Leistung als 1500 PS erscheint jetzt noch als ein zu großer Sprung.
Bisher ist die Kapazität der Akkumulatorenbatterie bis U 44 nicht gesteigert worden. Das hatte bei größerem Deplacement von U 17 ab naturgemäß ein geringes Fallen des Unterwasseraktionsradius zur Folge. Zur Steigerung derselben muss also eine Kapazitätserhöhung ins Auge gefasst werden. Unter Beibehaltung der jetzigen Zellenabmessungen und der jetzigen Netzspannung kann das nur sprungweise um volle Batterien um 112 Zellen geschehen."
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Alt 01.11.2012, 09:50   #103
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Eine Bibliographie zum Thema, deckt das 20. Jahrhundert ab:

Submarine Warfare in the 20th & 21st Centuries: A Bibliography
Dudley Knox Library, Naval Postgraduate School
http://edocs.nps.edu/npspubs/scholar...ine_biblio.pdf
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