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helft mir!!! 24.02.2013 13:29

Schattenseiten der goldenen Zwanziger
 
Hallo!
Ich muss bald ein Referat über die goldene Zwanziger halten und brauche dafür Bilder und Zitate. Allerdings finde ich zu den Schattenseiten der goldene Zwanziger so gut wie gar nichts :(
Könnte mir da vielleicht jemand helfen?
Ich bin schon am verzweifeln...
DANKE!!!

El Quijote 24.02.2013 13:34

Da wären die Themen Arbeitslosigkeit, Galoppierende Inflation (dazu gibt es ganz wunderbare Bilder!), Weltwirtschaftskrise, Radikalisierung der Gesellschaft bzw. Republik ohne Republikaner/Demokraten mit politischer Gewalt und gezielten Mordanschlägen etc.
Du solltest dir die Frage stellen, für wen die Goldenen Zwanziger eigentlich golden waren.

dekumatland 24.02.2013 13:51

Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz (Roman 1929) - der handelt u.a. von den Schattenseiten.

Thristan 24.02.2013 14:21

@helft mir!!!

Man bedenke auch den etwas lockeren Umgang mit Morphium, Heroin und Kokain...

Melchior 25.02.2013 09:17

Zitat:

helft mir!!! (Beitrag 664539)
Hallo!
Ich muss bald ein Referat über die goldene Zwanziger halten und brauche dafür Bilder und Zitate. Allerdings finde ich zu den Schattenseiten der goldene Zwanziger so gut wie gar nichts :(
Könnte mir da vielleicht jemand helfen?
Ich bin schon am verzweifeln...
DANKE!!!

@helft mir,

als die "Goldenen Zwanziger Jahre" bezeichnet man in Deutschland die Zeit ab der Währungsstabilisierung im November 1923 bis zum Beginn der Weltwirtschaftskrise im Herbst 1929. Soweit, denke ich, besteht Einigkeit.

Jetzt käme die Frage, was waren "Schattenseiten"? Arbeitslosigkeit gab es, aber keine Massenarbeitslosigkeit, Armut auch, aber die gab und gibt es immer.

ElQ benannte das Stichwort: "Demokratie ohne Demokraten", da findest Du massig Zitate und auch Bilder.

Ich möchte ergänzen; das Reparationsproblem, Stichwort für die "Goldenen Zwanziger", der Dawes-Plan:

dawes-plan - Google-Suche

Käme die Polarisierung bei dem Volksbegehren und dem letztlich gescheiterten Volksentscheid zur "Fürstenentschädigung".

Fürstenenteignung ? Wikipedia

Dann "Panzerkreuzerbau":

Der Panzerkreuzerbau

1925, die Wahl Hindenburgs zum Reichspräsidenten.

Für Deinen Zeitraum sieben Kabinette (mit Übergangszeiten neun), deutet auf eine gewisse politische Instabilität hin:

Reichsregierung (Weimarer Republik) ? Wikipedia

Wenn Du weitere Fragen hast, schreib einfach.

M.

El Quijote 25.02.2013 09:48

Zitat:

Thristan (Beitrag 664550)
@helft mir!!!

Man bedenke auch den etwas lockeren Umgang mit Morphium, Heroin und Kokain...

Walter Benjamin und seine Selbstversuche dürften aber ein schwer verdaulicher Lesestoff sein...

Turgot 25.02.2013 10:23

Ein trübes Kapitel jener Jahre betraf das Militär.

So unterhielt die Reichswehr beispielsweise eine Panzerschule in Kasan, ein Gastestgelände bei Volsk und eine Kampffliegerschule in Lipeck. Alles ganz klare Verstöße gegen den Versailler Vertrag. In der Marine war das reviosonistische Denken ebenfalls sehr ausgeprägt. Man dachte an eine Revanche, um es beim nächsten Male besser zu machen.

Ralf.M 25.02.2013 12:13

Die „Goldenen Zwanziger“ ...
Da denke ich an Josephine Baker im Bananenröckchen :).
Das war zu dieser Zeit schon was!
Sie brachte auch den Charleston vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten nach Europa.

Ergänzend dazu was hier bereits geschrieben wurde, vielleicht ein konkretes Beispiel aus der unmittelbaren Vorzeit der „Goldenen Zwanziger“.

1920 - „Noch immer Lebensmittelkarten“.

Dazu schreibt der Chronist für die Stadt Erfurt:

„Auch im zweiten Jahr der ungeliebten Republik waren noch immer Marken bzw. Bezugsscheine gültig. So standen jedem Erfurter am 1. April z.B. 125 Gramm Käse zu. Die Freibank des Schlachthofes gab an diesem Tag Wurst und minderwertiges Fleisch an die Inhaber der Markennummern 1 – 100 ab. Für die Woche bekamen die Erfurter 3 Pfund Auslandskartoffeln, wobei das Pfund 30 Pfennige kostete. An Fett erhielten die Einwohner laut Magistratsvorlage pro Kopf 50 Gramm Schmalz oder 50 Gramm Auslandsbutter sowie eine Sonderration der Reichsfettstelle 110 Gramm Auslandsmargarine.“

In der weiteren Folge dieses Artikels wird dann über beschlagnahmte Lebensmittel geschrieben.

Quelle: Hans-Peter Brachmanski: „Das war das 20. Jahrhundert in Erfurt“. Herausgeber: Wartberg Verlag, 1. Auflage 2000.

steffen04 25.02.2013 12:59

Zitat:

Thristan (Beitrag 664550)
@helft mir!!!

Man bedenke auch den etwas lockeren Umgang mit Morphium, Heroin und Kokain...


Er sucht die Schattenseiten!!

Ralf.M 25.02.2013 15:49

Möglicherweise sind uns die „Goldenen Zwanziger“ näher als mancher glaubt.
Hier ein Artikel von „Spiegel-Online“ aus dem Jahre 2010:

è Klick.

Thristan 25.02.2013 16:52

@steffen04

:devil: Ein Schelm, wer dabei Böses denkt...

Thristan 25.02.2013 19:10

@helft mir!!!

Man könnte auch anführen, dass in den Zwanziger Jahren der Spezialisierungsgrad und die Komplexität der Industrie und Chemie zunahm, aber Sicherheitsstandards und Ausbildungsstände nur ungenügend dem technologischen Fortschritt folgen konnten.

Als Beispiele für große Unglücke, die aus diesen Mißständen resultieren, wären zu nennen:

Die Explosion des Oppauer Stickstoffwerkes 1921

Explosion des Oppauer Stickstoffwerkes ? Wikipedia

und

Das Lübecker Impfunglück 1930 (gehört noch zu den 1920er Jahren)

Lübecker Impfunglück ? Wikipedia

Scorpio 26.02.2013 12:06

Liste der Anhänge anzeigen (Anzahl: 1)
Zitat:

helft mir!!! (Beitrag 664539)
Hallo!
Ich muss bald ein Referat über die goldene Zwanziger halten und brauche dafür Bilder und Zitate. Allerdings finde ich zu den Schattenseiten der goldene Zwanziger so gut wie gar nichts :(
Könnte mir da vielleicht jemand helfen?
Ich bin schon am verzweifeln...
DANKE!!!

Ich muss dabei an George Groszs Gemälde "Die Stützen der Gesellschaft" denken.


Das Gemälde legt die Hand auf die Wunde und spielt darauf an, dass die Weimarer Republik eine Republik ohne Republikaner war und innerhalb des Beamtenapparats, in Justiz, Militär und Presse im Grunde genommen die alten Eliten den Ton angaben, die stark revanchistisches und revisionistisches Gedankengut vertraten und die republik ablehnten, die ihre Gehälter bezahlte.

Die Zwanziger mögen in kultureller Hinsicht ein glanzvolles Zeitalter gewesen sein, für Zeitgenossen, die im Krieg oder durch Inflation ihr Vermögen verloren hatten, war es eine schwierige Zeit, und der Krieg hatte ohnehin zu einer Verrohung beigetragen.

Golo Mann schreibt in seiner Geschichte der Weimarer Republik sinngemäß.

"Wir gingen damals zur Schule, machten unsere Hausaúfgaben, kassierten unsere Strafen.., gelegentlich fiel die Schule aus, weil es nicht genug Kohlen gab, zum heizen und manchmal, wenn ein Minister umgebracht (z. B. Walther rathenau und Mathias Erzberger) wurde, bekamen wir schulfrei und freuten uns."


El Quichotes Tipp, sich die Frage zu stellen, für wen die 20er golden waren, kann ich nur unterstützen. Der lebenslauf dieses Herren ist vielleicht aufschlussreich:

http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Stinnes

Scorpio 27.02.2013 12:21

Zitat:

Thristan (Beitrag 664550)
@helft mir!!!

Man bedenke auch den etwas lockeren Umgang mit Morphium, Heroin und Kokain...

Der war vorher noch viel lockerer. In den USA wurde Anfang des 20. Jhds eine Kennzeichnungspflicht für Morphin, Kokain, Heroin und Cannabis eingeführt. Viele Produkte wie Marianis Cocawein verschwanden vom Markt und Coca- cola enthielt fortan kein Kokain mehr. 1910 einigte man sich auf einer 1. Internationalen Opiumkonferenz den Opiumhandel zu beschränken und zu kontrollieren. 1914 kam in den USA das amerikanische BtmG heraus, Cannabis wurde verboten, Morphin und Kokain wurden verschreibungspflichtig. Als 1917 die USA in den Weltkrieg eintraten, wurde auch den Drogen der Krieg erklärt, was insofern noch einen Sinnn ergab, denn der Stoff war made in Germany. Kokain kam von Merck, Heroin von Bayer. In God´s own country lag die Prohibition in der Luft, die 1920 wirksam wurde.

Mit dem Versailler Vertrag wurde Deutschland gezwungen, internationale Anti-Drogengesetze zu übernehmen, und 1929 wurde in der Weimarer Republik das Opiumgesetz verabschiedet, das bis 1972 gültig war, als das BtmG verabschiedet wurde. Im Vergleich zum BtmG war das Opiumgesetz der Weimarer Republik wesentlich liberaler.

Der Konsum von Morphin, Kokain und Heroin dürfte in der Weimarer Republik nicht größer gewesen sein, als der in der BRD.

In den 20er Jahren war allerdings weder Deutschland, noch die USA führend im Kokainkonsum sondern Russland, bzw die junge Sowjetunion wo der Kokainkonsum unter Jugendlichen ähnliche Blüten trieb wie heute in den Favelas von Rio de Janeiro.

Die Prohibition und der Aufstieg der organisierten Kriminalität wird man zu den Schattenseiten der "Roaring 20ies" zählen können.

Thristan 27.02.2013 16:44

Zitat:

Scorpio (Beitrag 664832)

Der Konsum von Morphin, Kokain und Heroin dürfte in der Weimarer Republik nicht größer gewesen sein, als der in der BRD.

Auch unter Berücksichtigung der Weltkriegs-Morphinisten? Ich denke viele linderten ihre seelischen und körperlichen Leiden nach 1918 mit einer "Massenflucht" in die Abhängigkeit. Dazu kommt das nur langsam wachsende Gefährlichkeits-Bewußtsein der Behörden, was sich dann allmählich in den von dir angesprochenen Gesetzen niederschlägt. Vorher waren die Schädigungen und Suchtwirkungen wohl noch nicht so untersucht, da man diese Stoffe als Arznei vertrieb.

Scorpio 28.02.2013 12:11

Zitat:

Thristan (Beitrag 664858)
Auch unter Berücksichtigung der Weltkriegs-Morphinisten? Ich denke viele linderten ihre seelischen und körperlichen Leiden nach 1918 mit einer "Massenflucht" in die Abhängigkeit. Dazu kommt das nur langsam wachsende Gefährlichkeits-Bewußtsein der Behörden, was sich dann allmählich in den von dir angesprochenen Gesetzen niederschlägt. Vorher waren die Schädigungen und Suchtwirkungen wohl noch nicht so untersucht, da man diese Stoffe als Arznei vertrieb.

Das hohe Abhängigkeitspotenzial von Alkaloiden, die seit dem ausgehenden 19. Jhd in reiner, hochkonzentrierter Form zur Verfügung standen, wurde nur allmählich erkannt, und noch 1890 definierte ein bekanntes Lexikon Sucht als altes Wort für Seuche. Heroin sollte nicht abhängig machen und war noch um die Jahrhundertwende Bestandteil von Hustensäften, die auch Kinder bekamen. Es wurde meist oral genommen und wie abhängig es machte, konnte man erst feststellen, wenn die Zufuhr plötzlich unterbrochen wurde. Ärzte, die wie Louis Lewin vor zu großzügiger Verschreibung von Morphin und Kokain warnten, waren eher Außenseiter.

Kokain war das erste Lokalanästhetikum, im 1. weltkrieg das einzige. Es wurde in der Zahn- und Augenmedizin verwendet. Morphin und Dia-Morphin sind heute noch, Dia-Morphin seit 20 Jahren wieder verkehrsfähige Medikamente, die in der Schmerz- und Palliativmedizin unentbehrlich sind. Dia-Morphin besitzt gegenüber Morphin den Vorteil, dass es weniger das Brechzentrum im Gehirn reizt und um ca. 7 mal stärker ist. In GB, das sich nicht die Politik der USA aufdrücken ließ, war es noch oder schon in den 80er des 20. Jhds verkehrsfähiges analgetikum für Krebskranke, bevor die NL und die Schweiz es in den 1990er als Substitutionsmittel zuließen.

Als im Amerikanischen Bürgerkrieg erstmals in größerem Umfang Morphin verwendet wurde, gingen die Abgänge in den Lazaretten um 50% zurück. Das Medikament ließ sich besser dosieren, als Laudanum und mit der damals erfundenen Injektionsspritze konnten Schmerzen besser bekämpft werden. Etliche Kriegsveteranen brauchten es dann allerdings dauerhaft, und während Morphinismus vor dem Bürger- und dem Krimkrieg eher auf Ärzte, Apotheker und einige Autoren beschränkt war, verbreitete sich der Gebrauch von Morphin.
Kokain stimulierte Siegmund Freud, Sherlock Holmes, Queen Victoria, Leo XIII., Robert L. Stevenson, Sarah Bernard und Kaiserin "Sisi". Die psychotropen Wirkungen faszinierten Dr. Freud, der seinen Abriss der Psychoanalyse unter dessen Einfluss schrieb, die leistungssteigernden das königlich bayrische Militär. Im 1. Weltkrieg nahmen es viele deutsche und französische Jagdflieger, ähnlich wie im 2. Weltkrieg Pervitin.
In Russland verbreitete es sich während des Weltkrieges, und in den 20er war es in Berlin sehr weit verbreitet. Otto Dix malte seine "Koksgräfin", ein Schlager wurde geträllert: "mama, der Mann mit dem Kos ist da, und auch der Berlinismus "Kokolores reden" geht darauf zurück. In der Szene hieß Morphin "Benzin", Kokain "Benzol" wie Hans Fallada berichtete, der als schwerer Trinker mit Morphin vom Alkohol loskam, dafür aber bis zu seinem Tode Morphinist blieb.

Viele Kriegsversehrte, die den Krieg überlebt hatten, hätten sich aber vermutlich dagegen verwahrt, dass sie Morphinpräparate zur Flucht aus der Wirklichkeit missbrauchen. Für etliche Kriegsinvaliden war Morphin ein Medikament, dass ihnen ermöglichte, ein erträgliches Leben führen zu können.


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