| Fernsehtipp | |||
| Gefährliche Mission: Christianisierung im Frankenreich | Fr | 17:20 Uhr | |
| Kopfüber in die 70er (1/2) Büstenhalter und Barrikaden | Sa | 12:45 Uhr | |
| Kopfüber in die 70er (2/2) Minipli und Megafon | Sa | 13:30 Uhr | |
| | #41 |
| Mitglied Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 12.386
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Ich habe mir heute Nacht, aus heutigem Anlass, einiges über Goerdeler reingezogen. Goerdeler war anscheinend tatsächlich gegen das Attentat, nennt den Eid als Grund, der anscheinend schon unmittelbar nach Abgabe zumindest bei Beck zu Gewissenskonflikten führte. Anscheinend hat die damalige Generalität die Unterschiede zum Eid im Heer des Kaiserreichs sehr bewusst wahrgenommen. Sieht aber als Hauptgrund für das Scheitern des Attentats den Bruch des Gebotes Gottes: Du sollst nicht töten! |
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| | #42 | |
| Mitglied | @ silesia, Repo: Bitte ertragt, dass ich meinen Zettelkasten bis zur Neige leere und danach, wenn nötig, auf Eure Beiträge eingehe. II. Gravamina (Forts.) 2. Gegenstand des Eides Wenn man die drei Eidesformeln grammatikalisch auslegt, fallen Änderungen auf
Zitat:
__________________ Man soll sich vor Menschen hüten, die nur ein Buch gelesen haben (Giacomo Casanova) | |
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| | #43 | |
| Mitglied Registriert seit: 04.2005
Beiträge: 12.386
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Zitat:
Diese Unterschiede hat Beck anscheinend schon 1934 gesehen. | |
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| | #44 |
| Mitglied | II. Gravamina (Forts.) 3. Der religiöse Aspekt Soweit ich sehe, ist dieser Aspekt noch etwas unterbelichtet, was seiner Bedeutung nicht gerecht wird. (Wie immer in solchem Kontext versuche ich so neutral wie möglich zu formulieren. )Zunächst ist festzustellen, dass die Entstehung des Eides unlösbar verbunden ist mit einer metaphysischen Dimension. Nach Friesenhahn (aaO, S. 3) geht es im Prinzip darum, Mißtrauen gegenüber dem, der eine Beteuerung / ein Versprechen hinsichtlich seines zukünftigen Verhaltens - sog. promissorischer Eid - abgibt, dadurch zu kompensieren, dass die Beteuerung bei Anrufung "irgend einer übermenschlichen Macht" erfolgte, "wobei der Gedanke lebendig war, daß diese Macht ihn strafen werden", wenn er sein Versprechen nicht halten würde. Eidesbruch wurde deshalb jahrhundertelang als Religionsdelikt betrachtet und geahndet (S. 135; vgl. auch die Ausführungen zum Fahneneid S. 98 ff.); heute wird "nur" die Pflichtverletzung als solche verfolgt. Über Hitlers Religiosität - oder um die Stellung der Kirchen zum Problem - zu diskutieren, ist hier nicht der Ort. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, dass sich die bewaffnete Macht in Deutschland von jeher, auch nach 1933, bewusst zum christlichen Gott bekannte. Als Beispiel sei das berühmte Koppelschloss-Motto "Gott mit uns" genannt, aber auch das Schrifttum. In der Verfügung über "Die Pflichten des deutschen Soldaten" beispielsweise, die Reichswehrminister Blomberg am 25.5.1934 erlies (zit. b. Demeter, S. 308 f.), ist ausdrücklich erwähnt, dass der Soldat "aufrecht und treu, gottesfürchtig und wahrhaft ..." sein soll. Demeter ist explizit der Auffassung, dass der Eid 1934 auch und gerade "unter dem Schatten jenes Schwures 'bei Gott' (stand)"! Für die damalige Zeit dürfte das zutreffen. In dem Maße, wie der metaphysische Aspekt in Staat und Gesellschaft insgesamt zurücktritt, verliert freilich auch die Schwurformel an Bedeutung; die WRV verzichtete deshalb, wie erwähnt, auf die religiöse Beteuerung. Bei der Schaffung des Grundgesetzes und der nachfolgenden Gesetze war die Frage sehr umstritten, und herausgekommen ist schließlich ein Kompromiss: Man kann je nach Kontext (1) mit Gott schwören, (2) ohne Gott schwören oder (3) den Schwur durch eine andere Form der feierlichen Beteuerung ersetzen. Der Staatsrechtler Friesenhahn merkt dazu an (S. IX): "Die Worte 'ich schwöre' in dem ohne Anrufung Gottes geleisteten weltlichen Eid haben sowohl für das Gewissen des Amtsträgers wie in ihrer sozialen Funktion dieselbe Bedeutung wie die Worte 'ich gelobe'."
__________________ Man soll sich vor Menschen hüten, die nur ein Buch gelesen haben (Giacomo Casanova) |
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| | #45 |
| Mitglied | III. Historische Bewertung Hierzu fasse ich mich kurz, weil Gandolf (#22, 24) und andere (#26, auch #29 im Stauffenberg-Thread) schon Wesentliches genannt haben. Nur zwei Expertenmeinungen: Salewski (aaO, S. 82) konstatiert: "Die Eidesleistung auf Hitler war nach dem Zweiten Weltkrieg das wichtigste Argument zur Beantwortung der Frage, warum ein Teil des Offizierskorps Widerstand leistete, der andere Hitler bis zum Ende die Treue hielt. Alle nächträglichen Urteile über die Vereidigung sind daher mit größter Vorsicht zu bewerten." Demeter (aaO, S. 189) sieht das Hauptproblem darin, dass 1934 der "absolute(n) Gehorsam weit über alle anderen soldatischen Tugenden hinaus zum absoluten Wert, zum Tabu erhoben" wurde. Er zieht eine kurze Parallele zu Auffassungen in anderen Ländern, indem er darauf hinweist (S. 144), dass etwa Maxime Weygand es für "höchst wichtig [hielt], daß der Offizier sich von jedem Eid freihält, der einer Person geleistet wird" - interessant auch deshalb, weil Weygand zeitlebens ein "Rechter" war und als verkappter Monarchist galt. - Vielleicht lohnt es sich, die Komparatistik etwa zu vertiefen. [Habe mein Zeilen-Kontingent hiermit wohl erschöpft.]
__________________ Man soll sich vor Menschen hüten, die nur ein Buch gelesen haben (Giacomo Casanova) |
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| | #46 | |
| Moderator | Zitat:
Aus Sicht der Ereignisse des Röhm-Putsch ist der Eid ebenfalls interpretierbar. Hitler ließ seine paramilitärische Schutzwache SA enthaupten, was durch den Treueschwur der Reichswehr zu kompensieren war. | |
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| | #48 | ||
| Premiummitglied | Zitat:
Zitat:
documentArchiv.de - Verfassung des Deutschen Reichs ["Weimarer Reichsverfassung"] (11.08.1919) Leider kann ich nur Mutmaßungen und keine Originalquelle aufbieten. Hitlers Buckelei am Tag von Potsdam mag aber ein Indiz sein, um das Gesagte zu stützen.
__________________ hier entsteht in nicht absehbarer Kürze eine neue Signatur | ||
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| | #49 | |
| unvergessen Registriert seit: 03.2004 Ort: Am Tor zum Spessart
Beiträge: 10.680
![]() | Zitat:
Es ist ein kalter Montag, dieser 30. Januar 1933. Kurz vor 11:00 Uhr betritt Adolf Hitler durch einen Hintereingang die Reichskanzlei. Sein Ziel: Die Vereidigung durch Reichspräsident von Hindenburg Teil 3 | Adolf Hitler wird zum Reichskanzler ernannt | MDR.DE
__________________ Wer kann was Dummes, wer was Kluges denken, Das nicht die Vorwelt schon gedacht? Faust II, Vers 6809 f. | |
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| | #50 |
| unvergessen Registriert seit: 03.2004 Ort: Am Tor zum Spessart
Beiträge: 10.680
![]() | Es gab doch keine Vereidigung des Reichskanzlers: Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler und die Vereidigung seines Kabinetts am 30. Januar 1933 Das Kabinett wurde vereidigt nicht der Kanzler: Innenpolitik Detaillierter: Weimar, 1918-1933: die Geschichte ... - Google Bcher
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| | #51 |
| Premiummitglied | Meine Frage bzw. die Argumentaion zielt natürlich darauf ab, ob der Widerstand sich auf die Formel beziehen konnte, die Hitler zu schwören hatte. Legt man die Formel für den Reichspräsidenten zugrunde, dann wird sofort ersichtlich in welchem Umfang Hitler bereits 1939 diese Eidesformel gebrochen hat. Es ist aber eigentlich nicht vorstellbar, dass Hindenburg an diese Formel gebunden war und die Minister des Kabinetts. Und Hitler die Ausnahme von dieser Vereidigung gewesen sein soll. Selbst wenn man berücksichtigt, dass die Dimensionen der Verbrechen von Hitler für die Mehrzahl der Militärs nicht erkennbar waren, hatten sie dennoch Einsichten in Verstöße, die ihren Bereich betreffen. |
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| | #52 |
| Moderator | Die Vereidigung von Reichskanzler und den übrigen Ministern der Regierung Hitler (Ausnahme Blomberg) erfolgte gegen 12.00 am 30.1.1933. Der Amtseid für Minister und Kanzler war identisch: "Ich schwöre, ich werde meine Kraft für das Wohl des deutschen Volkes einsetzen, die Verfassung und die Gesetze des Reiches wahren, die mir obliegenden Pflichten gewissenhaft erfüllen und meine Geschäfte unparteiisch und gerecht gegen jedermann führen." Gesetz über die Rechtsverhältnisse des Reichskanzlers und der Reichsminister (Reichsministergesetz). 27. März 1930. (RGBL 1930 Teil I, S. 96.) Text: Powered by Google Docs |
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| | #53 |
| unvergessen Registriert seit: 03.2004 Ort: Am Tor zum Spessart
Beiträge: 10.680
![]() | Überzeugt mich nicht, vom Reichskanzler ist nirgends die Rede. § :2. Die Reichsminister erhalten eine vom Reichspräsidenten vollzogene und vom Reichskanzler gegengezeichnete Urkunde über ihre Ernennung; die Urkunde für denReichskanzler ist von ihm selbst gegenzuzeichnen. Mit der Aushändigung der Urkunde beginnt das Amtsverhältnis der Reichsminister. In der Urkunde soll der übertragene Geschäftszweig (§ 6) angegeben sein. 3. .Die Reichsminister leisten bei der Übernahme ihres Amtes vor dem Reichspräsidenten folgenden Eid:...
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| | #54 |
| Premiummitglied | "Die nachstehend für die Reichsminister gegebenen Vorschriften gelten für den Reichskanzler entsprechend." In dem §1 des Link von Silesia findet sich die entsprechende Passage. insofern gilt der Eid, der für dei Minister genannt wird entsprechend auch für den Reichskanzler. Vielen Dank für die Infos. ich finde sie eigentlich sehr aufschlussreich. |
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| | #55 | |
| Moderator | Zitat:
Der Reichskanzler wird tatsächlich an die Minister-Regelungen "angehängt". Eingangs hatte ich auch den Verweis auf Vogelsang (Reichswehr, Staat und NSDAP, S. 397) unterlassen. Hitler hat somit auf die Weimarer Verfassung den Amtseid abgelegt. | |
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| | #56 |
| Premiummitglied | Eid auf Hitler? impliziert auch immer die Frage des Gewissenskonflikts. Und dieser Aspekt ist bei dem Buch von Enzensberger, das sich nahe an den historischen Fakten bewegt (soweit ersichtlich), hervorragend aufbereitet. Hammerstein oder Der Eigensinn: Eine deutsche Geschichte - Hans Magnus Enzensberger - Google Books Streckenweise eine interessante Schilderung des damaligen Milieus der höheren Militärs und anderer konservativer administrativer Eliten. Und zumindest Hammerstein zog für sich, politisch weitsichtiger, erst die politischen Konsequenzen und dann auch die privaten Konsequenzen. Kurt von Hammerstein-Equord ? Wikipedia Und erlebte damit auch die Ausgrenzung aus dem ehemaligen Kreis seiner "Kollegen".
__________________ "Nicht lachen, nicht trauern, nicht verachten, sondern verstehen." Spinoza |
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