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Alt 23.09.2006, 23:39   #1
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KZ Buchenwald: Selbstbefreiung?

Am Rande des Geschichtsunterrichts kam die Selbsbefreiung des Lagers Buchenwalds zu sprache-aber wirklich nur am rande.
Im Internet hab ich dann gelesen dass das eine serh "umstrittene" Geschichte ist.
Kann man denn nun von einer Selbsbefreiung der Insassen reden oder ist das ein Mythos?
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Alt 24.09.2006, 00:49   #2
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Quelle: Gedenkstätte Buchenwald


1945

Januar
Vor der heranrückenden Roten Armee löst die SS die noch bestehenden Arbeits- und Konzentrationslager im besetzten Polen auf und treibt die Insassen auf mörderische Evakuierungsmärsche. Am 18. und 20. Januar treffen 4200 Juden aus Tschenstochau (Czestochowa) ein, vom 22. Januar bis 5. Februar 7350 in der Mehrzahl Juden aus Auschwitz und vom 10. Februar bis 5. März weitere 7800 vorwiegend jüdische Häftlinge aus Groß-Rosen. Diejenigen, die in Buchenwald lebend ankommen, sind von Erschöpfung, Hunger und Kälte gezeichnet und oftmals todkrank. In den meist offenen Stückgutwaggons liegen Hunderte von Toten.

Februar
Buchenwald ist das größte unter den noch bestehenden Konzentrationslagern. Ende Februar befinden sich im Stammlager und in 88 Außenlagern 112000 Menschen hinter Stacheldraht, davon 25000 Frauen. Ein Drittel der inhaftierten Männer und Frauen sind Juden. Das am nördlichen Rand der Buchenwalder Barackenstadt gelegene Kleine Lager wird ab Januar zum Auffangbecken für die Massentransporte. Tausende werden von dort aus in das KZ Mittelbau und in Außenlager weitergeschickt. Die Zahl der Sterbenden, Kranken und Schwachen, die im Kleinen Lager zurückbleiben, steigt täglich. Im Keller einer SS-Kaserne werden Sondergefangene untergebracht, darunter Dr. Dietrich Bonhoeffer. Familienangehörige der am Attentat auf Hitler beteiligten Offiziere und Politiker werden in der Isolierbaracke neben dem "Sonderlager Fichtenhain" interniert, wo sie bis zum April bleiben.

März/April
Bis zuletzt hält die SS ihr Zwangsarbeitssystem aufrecht. Erst bei unmittelbarer Frontnähe werden die Außenlager geräumt. Die SS metzelt die Gehunfähigen nieder und richtet Massaker in Leipzig, Gardelegen und Ohrdruf an.

Anfang April
Am Abend des 6. April befinden sich im Stammlager auf dem Ettersberg 47500 Häftlinge, davon 22900 in den Baracken des Hauptlagers und 18000 in den Pferdeställen des Kleinen Lagers. Im Gelände der Deutschen Ausrüstungswerke hat die SS bereits am Vortag 6600 Juden zur Evakuierung zusammengetrieben. Lagerkommandant Pister befiehlt die Räumung des Lagers.

7. bis 10. April
28000 Menschen aus dem Stammlager werden in Richtung der Konzentrationslager Dachau und Flossenbürg sowie zum Ghetto Theresienstadt per Bahn in Marsch gesetzt oder zu Fuß getrieben. Tausende kommen auf diesen Märschen um.

Am 11. April erreicht die 6. Panzerdivision der 3. US-Armee das Konzentrationslager Buchenwald. Nach der Flucht der SS besetzen Häftlinge des Lagerwiderstandes noch während der Kämpfe die Türme und übernehmen die Ordnung und Verwaltung des Lagers. 21.000 Häftlinge erleben ihre Befreiung und die Ankunft der US-Armee.

Seit Jahresbeginn 1945 bis zum 11. April sind im KZ Buchenwald 13969 Menschen gestorben. Hunderte gehen noch in den ersten Wochen nach der Befreiung an den Folgen der Haft zugrunde. Über die Toten der Evakuierungsmärsche gibt es nur Schätzungen. Sie liegen bei 12 bis 15000 Opfern.

13. April
Auf einer Versammlung deutscher und österreichischer Sozialdemokraten, an der auch französische, polnische, belgische, tschechische, dänische und niederländische Sozialisten teilnehmen, verliest Hermann L. Brill das "Manifest der demokratischen Sozialisten des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald". Es ist das wichtigste programmatische Dokument für den Weg in die Nachkriegszeit, das in Buchenwald verfaßt wird.

16. April
Auf Befehl des amerikanischen Kommandanten müssen 1000 Weimarer Bürger das Lager besichtigen, in dem die Spuren des Massensterbens und der Greuel noch für jeden sichtbar sind.

19. April
Internationale Trauerfeier für die Toten des Lagers. Die Überlebenden geben sich ein Versprechen, das später als "Schwur von Buchenwald" bekannt wird.

Mai bis August
Die Überlebenden verlassen in Gruppen das Lager.

Juli/August
Übergabe des Lagers an die sowjetische Militäradministration. Einrichtung des sogenannten "Speziallagers Nr. 2".

Insgesamt eine Viertelmillion Menschen aus allen europäischen Ländern waren von Juli 1937 bis April 1945 im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Die Zahl der Opfer wird auf etwa 56000 geschätzt. 34375 Tote sind in den Unterlagen des Lagers registriert. Nicht erfaßt wurden die durch Genickschuß ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen, die im Krematorium Buchenwald hingerichteten Gestapo-Häftlinge (geschätzt 1100), die mit "Evakuierungstransporten" aus Lagern des Ostens im Frühjahr 1945 tot in Buchenwald ankommenden Menschen und die Opfer der "Evakuierungsmärsche" im April 1945 (geschätzt 12000 bis 15000). Unter diesen Toten waren etwa 11000 Juden.


Aus Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Buchenwald

Die Befreiung

Als sich Anfang April 1945 die 3. US-Army dem Lager näherte, versuchte die SS, auf Weisung Himmlers, das Lager zu evakuieren. Die Häftlinge sollten auf Todesmärschen in Konzentrationslager nach Österreich oder Süddeutschland gebracht werden. Die Evakuierung des Lagers begann am 5. April. Die Widerstandsgruppe verzögerte die Evakuierung nach Kräften, um möglichst vielen Häftlingen die Befreiung durch die Amerikaner zu ermöglichen. Zwar verfügte man auch über einige wenige Waffen, an deren Einsatz war jedoch erst beim Herannahen der Amerikaner zu denken, da sie nichts gegen die Übermacht der Wachmannschaften hätte ausrichten können. Mit Bummeltaktik und einem Verwirrspiel durch das Verstecken von Häftlingen gelang es, die Evakuierungen über Tage zu verzögern. Die illegale Lagerleitung sendete am 8. April 1945 über einen heimlich installierten Sender einen Hilferuf an die herannahenden amerikanischen Truppen ab. Die Amerikaner rieten zur Ruhe bis zur Befreiung. Am 11. April 1945 kam es endlich zu Frontkämpfen in unmittelbarer Nähe des Lagers. Bis zu dieser Zeit war es der SS aufgrund der Verzögerungstaktik der Widerstandsgruppe nur gelungen, etwa die Hälfte der Häftlinge auf Todesmärsche zu schicken. Gegen 11 Uhr begann die Ausgabe von Waffen an ausgewählte Widerständler, die daraufhin Stellung bezogen. Um 12.00 Uhr begannen die noch verbliebenen Wachmannschaften sich aus dem Lagerbereich zurückzuziehen und Stellung im SS-Bereich oder im umgebenden Wald zu beziehen. Um ca. 14.30 Uhr erreichte eine Vortruppe der 6. Panzerdivision der 3. US-Armee den SS-Bereich des Konzentrationslagers. Die Häftlinge konnten dann sogar noch ein kurzes Scharmützel am Torgebäude und den benachbarten Wachtürmen beginnen und anschließend einige nicht geflüchtete Angehörige des SS-Wachpersonals entwaffnen. Auch das Lagertor konnte sodann geöffnet werden. Um 16.00 Uhr war das Lager schließlich befreit. Ein amerikanischer Lagerkommandant wurde am 13. April berufen.[1]

Eine gewaltsame Selbstbefreiung in der Form, wie es der Roman Nackt unter Wölfen schildert, hat es nicht wirklich gegeben. Die Anzahl der heimlich im Lager befindlichen Waffen war zu gering und die physische Verfassung der Häftlinge viel zu angegriffen, als dass ein effektiver Widerstand gegen das SS-Wachpersonal ohne Hilfe der amerikanischen Truppen möglich gewesen wäre. Die Vorstellung von der selbstständigen Befreiung des Lagers durch die Häftlinge wurde durch das DDR-Regime forciert, da sie gut in den sozialistisch-antifaschistischen Gründungsmythos passte und eine Befreiung durch den US-amerikanischen Klassenfeind nicht opportun war. Freilich blieb in diesem Zusammenhang ebenso eine Erwähnung bzw. Würdigung nichtkommunistischer Häftlinge außen vor.

Nach der Befreiung konfrontierten die Amerikaner eine größere Anzahl von Einwohnern der Stadt Weimar mit den Leichenbergen im KZ. Die Mehrheit dieser Bürger behauptete jedoch, nichts oder zumindest nichts Näheres von den Vorgängen im Lager gewusst zu haben.

An die bewaffneten Aufständischen erinnert das weithin sichtbare Denkmal von Fritz Cremer, das zu DDR-Zeiten nach dem Abbruch des dort früher stehenden Bismarckturms errichtet wurde. Finanziert wurde die Errichtung der Gedenkstätte 1955 durch einen Spendenmarkenverkauf des Kuratoriums für den Aufbau nationaler Gedenkstätten.
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Alt 24.09.2006, 02:23   #3
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Zitat:
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Am 11. April erreicht die 6. Panzerdivision der 3. US-Armee das Konzentrationslager Buchenwald. Nach der Flucht der SS besetzen Häftlinge des Lagerwiderstandes noch während der Kämpfe die Türme und übernehmen die Ordnung und Verwaltung des Lagers.
Ich verstehe das so, daß die Amis mit den Faschisten außerhalb des Lagers gekämpft haben (innerhalb ging ja schwer; da war ja alles voller Menschen), während die Häftlinge die verbliebenen Wachmannschaften im Lager besiegten. Ich hab mir den Film eben noch mal angesehen. Es verlief exakt wie im ersten Zitat. Sogar die Uhrzeiten stimmen. Das wurde uns übrigens auch vom Lagerkommandanten selbst bestätigt, der Mitte der 60er Jahre unsere Klasse besucht hat. Daß die Amerikaner direkt an der Befreiung des Lagers beteiligt waren, ist nirgendwo bestätigt.
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Alt 24.09.2006, 03:29   #4
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Zitat:
Das wurde uns übrigens auch vom Lagerkommandanten selbst bestätigt, der Mitte der 60er Jahre unsere Klasse besucht hat.
Das würde mich interessieren: wer war dieser Lagerkommandant und wieso konnte er noch in den 60er Jahren Schulklassen besuchen?
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Alt 24.09.2006, 08:34   #5
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Der Mythos von der Befreiung

Selbstbefreiung oder Befreiung von außen? In der geschichtlichen Darstellung der DDR wurde die Widerstandsbewegung im KZ Buchenwald heroisiert. Der Mythos von der Selbstbefreiung dominierte die sozialistische Geschichtsschreibung. Tatsächlich hat es ein illegales Lagerkomitee gegeben, das auch den Widerstand gegen die SS organisierte. Ohne die Hilfe der US-Armee hätten die Häftlinge jedoch keine Chance gehabt, denn sie verfügten nur über wenige Waffen - nach Schätzungen von Volkhard Knigge, Direktor der Gedenkstätte Buchenwald, waren es etwa 70 -, mit denen sie auf keinen Fall in der Lage gewesen wären, die SS zu überwältigen.

http://kriegsende.ard.de/pages_std_l...145578,00.html

Offensichtlich zwei Geschichtsbilder.
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Alt 24.09.2006, 10:46   #6
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Hat das illegale Lagerkommitee schon früher Widerstand geleistet, oder was hat es vor der Befreiung(durch auch immer) getan?
Den Wiki artikel hatte ich gelesen, ich würde euch mal um persönliche einschätzungen bitten, da es ja wie Mercy sagt, 2 untrschiedliche Bilder gibt.
Gab es ein solches illegales Lagerkommite auch in andren Lagern?


Das mit dem Lagerkommandanten würde mich auch intressieren-wie ein bekannter SS-Nazi in den 60ern durch Schulklassen touren kann...

Geändert von Simon (24.09.2006 um 10:49 Uhr).
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Alt 24.09.2006, 11:37   #7
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Zitat:
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Das mit dem Lagerkommandanten würde mich auch intressieren-wie ein bekannter SS-Nazi in den 60ern durch Schulklassen touren kann...
Da wäre zunächst mal zu klären, um wen es sich handelt.
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Alt 24.09.2006, 12:17   #8
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Eeeeentschuldigt bitteeee!!!

Zitat:
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Das mit dem Lagerkommandanten würde mich auch intressieren-wie ein bekannter SS-Nazi in den 60ern durch Schulklassen touren kann...
Wieso schrieb ich Lagerkommendant? Ich sollte wirklich zu nachtschlafender Zeit keine solchen Beiträge mehr verfassen. Mir ist erst an Euren Entgegnungen aufgefallen, was ich da geschrieben habe... Ich meine den Chef der Häftlings-Lagerselbstverwaltung, Krämer oder Kramer. Der war ja nun Kommunist und hat das Lager überlebt. Und so schätzungsweise 1964 hat er an einem Pioniernachmittag unsere Schulklasse besucht. Ein kleiner und eher stiller Mann. Wir hatten "Nackt unter Wölfen" als Film gesehen und durften ihn dazu ausfragen. Ich weiß nicht mehr, ob er noch Oberkapo war, als sich das Lager befreite (er meinte, die Leute mit dieser Aufgabe wurden öfter ausgewechselt), aber jedenfalls war er dabei. Und das Lager wurde tatsächlich mit Waffengewalt genommen. Daß die SS da schon weg war und die meisten anderen Nazis auch, widerspricht keinem der Berichte, auch nicht dem Film. Auch ist es klar, daß die Häftlinge nur Waffen anwenden konnten, wenn der Einmarsch der Amis unmittelbar bevorstand, Es kommt im Film auch immer wieder zum Ausdruck, daß Verzögerungstaktik bis zur letzten Stunde angewendet wurde. Weil ein Aufstand auch nur eine Stunde zu früh nie gewonnen werden konnte. Keiner kommt wohl ernsthaft auf die Idee, daß die Buchenwaldler auf sich alleingestellt gegen die SS gekämpft hätten. Das hätte geendet wie im Warschauer Ghetto. Also ich sehe da nicht zwei gegensätzliche Geschichtsbilder; es sind nur Nuancen, um die sie sich unterscheiden.

Daß die Geschichte später in der DDR heroisiert wurde und nicht in der BRD, dürfte wohl daran liegen, daß man den Amis nicht einen Teil ihres Triumphes nehmen wollte. Aber wurden überhaupt in der BRD irgendwo KZ-Häftlinge überregional geehrt? Weiß ich jetzt ehrlich nicht.
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Alt 24.09.2006, 12:34   #9
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Alt 24.09.2006, 13:11   #10
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Wir fällt spontan Dietrich Bonhoeffer ein.
Ja stimmt, bei kirchlichen Angestellten wurde das praktiziert. Denke da auch grad an Maximilian Kolbe. Wobei ich bei Martin Niemöller als Pazifist schon wieder nicht so sicher wäre. Die Ehrungen waren also auf jeden Fall selektiv. Wobei bisher beide Seiten Schwule und Zigeuner (da ich nicht weiß, ob es Sinti oder Roma waren, sag ich mal so... ) "vergessen" haben.
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Alt 24.09.2006, 13:22   #11
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Aber wurden überhaupt in der BRD irgendwo KZ-Häftlinge überregional geehrt? Weiß ich jetzt ehrlich nicht.
Die KZ-Häftlinge gibt es in der Tat nicht im offiziell/offiziösen deutschen Gedenkkanon (ich weiß, dass das ein etwas merkwürdiger Begriff ist, aber es ist schwer diesen allmählichen Prozess anders zu beschreiben). Es gibt die Gedenkveranstaltungen zum 9. November, seit einigen Jahren auch am achten Mai. Dagegen fanden die KZ-Häftlinge (als allerdings auch unheimlich heterogene Opfergruppe, in der ja die Juden z.B. auch eingeschlossen sind) keinen spezifischen Platz in der deutschen Erinnerungskultur. Ausnahme stellen freilich die Gedenkstätten in Buchenwald, Dachau etc. dar und sicher auch die damit verbunden Besuche von Schülern.
Kann mir schon vorstellen, dass das in der DDR anders war - auch vor dem Hintergrund, dass die Inhaftierung in den KZs, aber auch das Leben in der Illegalität zum persönlichen Lebenshintergrund vieler Kommunisten gehörte.
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Alt 24.09.2006, 13:27   #12
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Hat das illegale Lagerkommitee schon früher Widerstand geleistet, oder was hat es vor der Befreiung(durch auch immer) getan?
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Es gab seit beginn des KZ's einen Widerstand. Wobei man diesen Widerstand nicht mit einem kämpferischen Widerstand vergleichen kann. Es war ein unterirdischer Kampf gegen die SS von der politischen Abteilung des KZ’s

„Niemals hätte des KL Buchenwald soviel Positives in dieser Hölle der SS erlebt, niemals wäre es am Ende zu einem beachtlichen Teil noch gerettet worden, wenn es der zähen, Todesverachtenden Arbeit politisch führender Menschen unter den Lagerinsassen nicht gelungen wäre, sich im Laufe der Jahre durchzusetzen.
Hauptgrundsatz dieser konsequenten, unerbittlichen Arbeit war es, gegen die SS eine undurchdringliche Mauer zu errichten, die nicht sichtbar war, aber überall dort in Wirksamkeit trat, wo ein SS-Angehöriger auftauchte." S. 111

„Die elastische Trennungswand gegenüber der SS war nur aufrechtzuerhalten, wenn das Lager von Häftlingsseite straff organisiert und einheitlich geleitet war.“ S. 112

Quelle: Der Buchenwald -Report


Das Lager wurde am 24.8.1944 bombardiert und bei dem allgemeinen Wirrwarr konnten die Häftlinge sich Gewehre, Pistolen, Karabinern und Handgranaten beschaffen. Diese Waffen wurden vergraben und eingemauert. Dies konnte nur durchgeführt werden, weil es innerhalb des Lagers eine gute Häftlingsorganisation gegeben hatte.

Als das Ende immer Näher kam, mussten die Häftlinge entscheiden: bewaffneter Aufstand oder Zuwarten. Man einigte sich darauf nicht zu provozieren, weil man nie wusste wie Himmler entscheiden konnte. Wenn er das Lager liquidieren wollte, hätten sie keine Chance gehabt.

Im Lager bereiteten zwei Gruppen unabhängig von einander einen Plan zur Übernahme des Lagers aus. Die eine Gruppe war die K.P (Kommunistische Partei) und die andere Gruppe war eine nicht kommunistische Gruppierung unter der Leitung von Captain Burney. Die Pläne unterschieden sich kaum, was nachher Befreiung herauskam. Der Unterschied bestand in der Hauptsache darin, dass die K.P. vom Besitz der realen Macht im Lager ausgehend, aus verständlichen konspirativen Gründen und aus alter Gewohnheit fast nur ihre eigenen Leute für die Übernahme vorsah, während die andere Gruppe nach dem alleinigen Prinzip der persönlichen Tüchtigkeit vorging ohne jede Berücksichtigung des Parteistandpunktes.

Am 11. April befanden sich noch 21 000 Häftlinge im Lager. Die Voraussetzung für eine Aktion war geschaffen, die SS griff nicht mehr ein, sie wurden zu den Dienststellen ausserhalb des Lagers beordert. Der Lagerschutz konnte die Wachtürme besetzen und die weisse Fahne auf Turm 1 hissen. So fanden die ersten Amerikaner das KZ Buchenwald vor. Die K.P. übernahm das Lager und ihr Plan wurde sofort umgesetzt und ihnen oblag die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Militärstellen.

Besorge dir doch das Buch: Der Buchenwald -Report von David A. Hackett, hier findest du alles zum KZ Buchenwald und auch viel über die politische Abteilung innerhalb des KZs.

Hier noch ein Link: http://kriegsende.ard.de/pages_std_l...145578,00.html
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Alt 24.09.2006, 15:49   #13
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danke für dei ausführliche Behandlung des Themas.
Werd mich mal nach dem Buch umschauen
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Alt 24.09.2006, 16:07   #14
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Hallo Saxo,

es ist halt schwer jemanden zu ehren, der nicht wg. seiner Leistungen, also seiner politischen Aktivität ins KL kam, sondern weil er das Pech hatte, einer bestimmten Gruppe (einschließlich "Rasse") anzugehören. Solcher Leute kann man gedenken, aber ehren kann man eben nur die, die etwas geleistet haben.
Dass die Ehrungen in beiden Deutschlands selektiv waren, dass wird wohl stimmen.
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Alt 24.09.2006, 16:47   #15
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Wenn etwas heroisiert wird, muß anderes klein gehalten oder unterdrückt werden. Da wird dann leicht ein Mythos inszeniert.
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