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Alt 16.03.2013, 20:31   #1
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"Unsere Mütter, unsere Väter"

Ab morgen läuft im ZDF der Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter".

Aus der Beschreibung des Senders:

Zitat:
Sie heißen Wilhelm und Friedhelm, Charlotte, Greta und Viktor. Sie sind jung und haben den Kopf voller Ideen, voller Pläne. Die Welt liegt ihnen zu Füßen. Und vom Leben mit seinen Verheißungen, so glauben sie, trennen sie nicht mehr als ein paar Monate. Schon an Weihnachten nämlich wird er beendet sein, der neue Krieg im Osten, siegreich versteht sich: Berlin im Juni 1941, wenige Tage vor dem Überfall auf die Sowjetunion.

Wir wissen, dass es anders kommen wird. Wissen um millionenfachen Tod und systematische Vernichtung, um den menschenverachtenden Irrsinn eines Regimes, das sein Ende erst findet, als Deutschland in Trümmern liegt.

Von der Generation kaum 30-jähriger Frauen und Männer, die 1945 vor den Ruinen ihres noch jungen Lebens standen, erzählt der Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter". Und versucht, anhand von fünf fiktiven Lebensgeschichten für unsere Zeit erlebbar zu machen, was dieser Krieg bedeutet haben muss – an der Front und Zuhause. Mit einem genauen Blick auf die Figuren, ihre Haltungen, Hoffnungen und Sehnsüchte ergibt das weit mehr als einen Kriegsfilm: "Unsere Mütter, unsere Väter" versucht das bewegende Porträt einer schuldhaft verstrickten Generation – eine epische Geschichte über Freundschaft und Erwachsenwerden in der dunkelsten Epoche unseres Landes.


Zeitgeschichte, zeitgemäß erzählt - ZDF.de

Schaut ihr euch den Film an?

Bin mal gespannt, ob er was taugt. Die Vorschusslorbeeren sind jedenfalls allseits vorhanden, auch in in dieser Hinsicht kritischeren Publikationen wie Spiegel, Stern usw.
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Alt 17.03.2013, 18:48   #2
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Ich werde ihn mir ansehen, allerdings mehr als skeptisch sein. Ich bin sehr gespannt, wie das Thema Verführung, Mitläufertum und Distanz bzw. auch Widerstand szenisch aufgelöst wird.

Und ich hoffe, es werden mehr als nur Klischees, Romanzen und Kriegsszenen zu sehen sein.

Insgesamt ein sehr schwieriges und sehr dornenreiches Thema, bei dem man sehr viel falsch machen kann. Falsch im Sinne einer beschönigenden Darstellung, oder auch durch einesimplifizierende kritische Sichtweisen.
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Alt 17.03.2013, 21:54   #3
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Den erstenTeil fand ich ja sehr stereotyp.
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Alt 17.03.2013, 22:20   #4
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Der Skeptizismus war berechtigt.
Leider ist es eine sehr glatte Produktion, vielleicht auch etwas zu geschichtspädagogisch angelegt.
Vom filmischen Standpunkt her lässt "Unsere Mütter, unsere Väter" es nicht zu, dass die Charaktere etwas entwickelt werden. Die Anfangsszene ist noch nicht beendet, da taucht schon der erste Gestapo-Mann auf, und das Thema "Swingverbot" wird abgearbeitet. Fast in jeder Szene passiert etwas wichtiges, dass mit den NS-Verbrechen direkt im Zusammenhang steht. Damit meine ich nicht, dass das nicht thematisiert werden sollte, aber es wirkt gleich so bemüht und gedrängt.
Die Optik des Filmes ist gut und man merkt, dass er sich an den großen Vorbildern wie "Band of Brothers" orientiert. Massenszenen gab es bisher nicht zu sehen.
Die historische Akkuratheit - na ja....
Leider zählt "Unsere Mütter, unsere Väter" zu der Sorte Produktionen, die Details gleich von Anfang an für komplett unwichtig hält.
Offenbar dachten sich die Macher die Einheit der Brüder als eine der Infanterie-Divisionen, die entlang der Rollbahn nach Moskau vorstoßen. Die eingeblendeten Daten zu Orten und Zeit ergeben, tiefergründig betrachtet, keinen Sinn.
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Alt 17.03.2013, 23:01   #5
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"Band of Brothers light" gewissermaßen...

Ein paar Sachen haben mich schon gestört. Dass sich im Sommer 1941 mitten in Berlin ein Offizier der Wehrmacht regelmäßig mit seinem alten Kumpel, dem jüdischen Schneider trifft.

Dass dieser Jude ganz frei in Gaststätten, Kinos usw. gehen kann, obwohl dies damals bei Strafe verboten war.

Dass bei der Darstellersuche so nach Stereotypen ausgewählt wurde. Der deutsche Soldat ist kernig und blond, die Juden sind schwarzhaarig, der SS-Mann hat einen stechenden Blick.

Aber es laufen ja noch 2 Teile.
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Alt 17.03.2013, 23:09   #6
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Zitat:
Jacobum Beitrag anzeigen

Dass dieser Jude ganz frei in Gaststätten, Kinos usw. gehen kann, obwohl dies damals bei Strafe verboten war.

Dass bei der Darstellersuche so nach Stereotypen ausgewählt wurde. Der deutsche Soldat ist kernig und blond, die Juden sind schwarzhaarig, der SS-Mann hat einen stechenden Blick.

Aber es laufen ja noch 2 Teile.

Hallo Jacobum,

das fiel mir auch auf, zumal dann ab 1. September 1941 der Davidstern getragen werden musste.
Allerdings kann man hier noch so argumentieren, dass der junge Jude nach Möglichkeit seine Religion verheimlichte.
Die Lage der Juden in Berlin war besonders, da hier zum Zeitpunkt des Films noch mehrere zehntausend Juden lebten, während große Teile des Reiches bereits "judenfrei" waren bzw. in kleineren Orten nur noch wenige, nicht emigrierte Juden lebten - meist Alte und Arme.
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Geändert von Ashigaru (17.03.2013 um 23:14 Uhr).
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Alt 17.03.2013, 23:17   #7
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Mal 'ne Frage an die Uniformkenner:

Wie ist das mit dem Kragenspiegel des SS-Mannes: Am linken Kragenspiegel der Dienstgrad (hier 4 Sterne = Sturmbannführer), auf dem rechten die SS-Rune? Im Film war der rechte Kragenspiegel aber schwarz.
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Alt 17.03.2013, 23:23   #8
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Das sich jüdische Menschen in Kinos, Theater etc. wagten, trotz Verbot und trotz des Gesetzes des trages vom Davidstern, entspricht den Tatsachen.

Diese kann man in diversen Quellen nachlesen, sei es bei Erinnerungen von Überlebenden oder auch in amtlichen Dokumenten der Gestapo.
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Geändert von ursi (18.03.2013 um 07:33 Uhr).
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Alt 18.03.2013, 07:29   #9
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Und war es üblich, daß zwei Brüder in derselben Kompanie waren..?
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Alt 18.03.2013, 10:42   #10
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thanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekannt
Zitat:
Ashigaru Beitrag anzeigen
Leider ist es eine sehr glatte Produktion, vielleicht auch etwas zu geschichtspädagogisch angelegt.
......
Vom filmischen Standpunkt her lässt "Unsere Mütter, unsere Väter" es nicht zu, dass die Charaktere etwas entwickelt werden. Die Anfangsszene ist noch nicht beendet, da taucht schon der erste Gestapo-Mann auf, und das Thema "Swingverbot" wird abgearbeitet. Fast in jeder Szene passiert etwas wichtiges, dass mit den NS-Verbrechen direkt im Zusammenhang steht.
Genau dieser Punkt ist für mich am problematischten. Für mich war der 1. Teil eine schnelle Collage von sehr unterschiedlichen Geschichten. Jede Geschichte wäre es wert gewesen, separat erzählt zu werden.

Im Rahmen dieser schnellen Szenenabfolge wird die "häßliche" Seite des NS-Regimes gezeigt und die Probleme der kognitiven und der emotionalen Verarbeitung.

Es wird aber zu wenig der Rahmen gezeigt, in dem erklärt werden kann, warum die einzelnen Individuen auf diese Weise agierten. Und genau dieses hätte eine didaktische Möglichkeit zum Verständnis eröffent.

So ist der Inhalt in den "Zerhacker" der nachträglichen Bearbeitung gekommen und der Inhalt ist auf der Strecke geblieben, um den "Unterhaltungswert" ala Hollywood zu steigern.

Dieses Muster der Desinformation durch eine überschnelle Abfolge von Szenen hat Wember am Beispiel von Dokumentarfilmen empirisch belegt, mit dem verheerenden Ergebnis, dass sich viele Zuschauer informiert fühlen, aber bei faktischer Nachfrage nahezu keine Informationen sinnvoll reproduzieren können.

Wie informiert das Fernsehen? - Bernward Wember - Google Books

Objektiver Dokumentarfilm?: Modell einer Analyse und Materialien fur den ... - Bernward Wember - Google Books

Dieses Muster der "Augenerotik" hat vor allem auch Knilli aufgearbeitet. Teils auch am Film "Holocaust".

Friedrich Knilli ? Wikipedia

Betrifft: Holocaust - Frank Ostermann, Heino Mass, Friedrich Knilli, Siegfried Zielinski, Westdeutscher Rundfunk, Technische Universität Berlin - Google Books

Insgesamt ist es bis zum jetzigen Zeitpunkt ein Beispiel für "Histotainment", dass in seinem Muster nahezu jede Epoche beliebig inszenieren kann.

Einer heutigen Generation, die das 3. Reich nicht kennt, kann dieser Film nichts wirkliches erklären. Außer, dass es wie in jedem "Spielfilm" die "Guten" und die "Bösen" gibt. Wer hätte das gedacht? Und da wir das Ende für 1945 auch schon kennen, die "Guten" siegen werden.
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Alt 18.03.2013, 10:51   #11
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Aber wird nicht gerade auch der Sündenfall der einzelnen Personen dargestellt?
- Wilhelm erschießt den Politkommissar und lässt es zu, dass Friedhelm von den Kameraden truppen- und weltbildkonform geprügelt wird.
- Friedhelm, bisher kritischer Gegner des Krieges, schlägt vor die Bauern über's Minenfeld zu schicken.
- Charlotte verrät die jüdische Ärztin, die ihr über die erste Krise im Feldlazarett geholfen hat und bereut dies eigentlich erst, als der SD sie abholen kommt?
...
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Alt 18.03.2013, 10:59   #12
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Wer hat eigentlich die Diskussion bei Maybritt Illner gesehen?
Ich fand die Auswahl der geladenen Gäste etwas seltsam. Am interessantesten fand ich die drei Herren, Cohn-Bendit hat mir ausnehmend gut gefallen. Bei Katharina Schüttler (die Schauspielerin, die im Film die Greta spielt) habe ich mich gefragt, was die da soll. Sie hat mir ein wenig leid getan, weil sie kaum etwas beitragen konnte bzw. Frau Illner sie nicht wirklich etwas hat entwickeln lassen. Sie hätte ja durchaus etwas über ihre Großmutter zu erzählen gehabt, das wurde aber irgendwie abgewürgt.
Die Doku war normaler Knopp-Style, ein Mix aus Zeitzeugen, Originalaufnahmen und Spielszenen aus dem Film.
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Alt 18.03.2013, 10:59   #13
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also alles nur individuelles Versagen?
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Alt 18.03.2013, 11:05   #14
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Zitat:
thanepower Beitrag anzeigen
also alles nur individuelles Versagen?
Nein, notwendige Entwicklung/Verrohung/Abstumpfung hin zu Vernichtungskrieg und Holocaust.
Glaubst du, dass - wenn man am 1. September 1939 jeden, der im Laufe des Krieges Unrecht auf sich lud, darüber informiert hätte, was er bis zum 8. Mai 1945 für Unrecht auf sich geladen haben würde (und zwar vom Eisenbahner, über den Finanzbeamten zum Polizisten, Wehrmachtssoldaten und SS-Mann) - der Krieg in dieser Form möglich gewesen wäre?
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Alt 18.03.2013, 11:13   #15
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ursi ist jedem bekanntursi ist jedem bekanntursi ist jedem bekanntursi ist jedem bekanntursi ist jedem bekanntursi ist jedem bekanntursi ist jedem bekannt
Ich habe mir den ersten Teil auch angeschaut. Nun ich erwarte von solchen Filmen eigentlich nicht das sie Geschichte aufarbeiten. Egal um welches historische Thema es sich handelt. Klar der Film zeigt nur die Oberfläche, jedes angeschnittene Thema wäre ein Film wert.

Nur geht es in diesem Film und diese fünf Freunde die den Krieg unterschiedlich erleben. An der Front, in Berlin und wo uns die nächsten Teile noch hinführen. Diese unterschiedlichen Erlebnisse werden nicht schlecht dargestellt. So zum Beispiel als die beiden Frauen zum Lazarett kommen und dort ihre auswendigelernten ideologischen Sprüche aufsagen, noch lachen - das ihnen aber bald vergeht. Dann der Verrat der jüdischen Ärztin, was auch der Wirklichkeit entsprach. Ebenso, dass sich Juden in Berlin in Kinos, Theater oder Restaurants wagten. Ob dann das gerade so ablief wie im Film gezeigt, darüber kann man sich streiten. Aber im Grunde entspricht es schon der historischen Wahrheit.

Es geht doch darum, wie die fünf den Krieg erleben, wie sie sich verändern - das ist für mich die Kernaussage dieses Dreiteilers.
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Geändert von ursi (18.03.2013 um 11:23 Uhr).
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Alt 18.03.2013, 11:21   #16
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Mitgliederbild von Conzaliss
 
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Zitat:
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Und war es üblich, daß zwei Brüder in derselben Kompanie waren..?
Ja, das gab es wirklich - üblich war es vielleicht nicht...
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Alt 18.03.2013, 11:57   #17
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Mal 'ne Frage an die Uniformkenner:

Wie ist das mit dem Kragenspiegel des SS-Mannes: Am linken Kragenspiegel der Dienstgrad (hier 4 Sterne = Sturmbannführer), auf dem rechten die SS-Rune? Im Film war der rechte Kragenspiegel aber schwarz.
Der Obersturmbannführer war vom SD, dort war der rechte Kragenspiegel schwarz.

Aber sonst stimmten verschiedene Details nicht.

Die Angehörigen der Gestapo trugen keine Uniform, es sei denn, sie wurden in militärischen Operationsgebieten eingesetzt, also gewiss nicht in Berlin. Sie hatten im Dienst auch keine SS-Dienstgrade, sondern alle Dienstränge begannen mit "Kriminal....".

Ein militärischer Gruß ohne Kopfbedeckung durch Anlegen der Hand an die Stirn (Friedhelm) war unbekannt. Vielmehr galt hier schon vor dem Krieg, dass der Deutsche Gruß zu verwenden war.

Ein Wehrmachtsoffizier hätte niemals einen Angehörigen des SD mit "Herr" Obersturmbannfürer angeredet (Wilhelm). Es wurden hier immer nur die SS-Dienstgrade ohne "Herr" als Anrede verwendet.
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Alt 18.03.2013, 11:57   #18
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Aber wird nicht gerade auch der Sündenfall der einzelnen Personen dargestellt?
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- Friedhelm, bisher kritischer Gegner des Krieges, schlägt vor die Bauern über's Minenfeld zu schicken.
- Charlotte verrät die jüdische Ärztin, die ihr über die erste Krise im Feldlazarett geholfen hat und bereut dies eigentlich erst, als der SD sie abholen kommt? ...
Zitat:
thanepower Beitrag anzeigen
also alles nur individuelles Versagen?
Selbstverständlich liegt (auch) individuelles Versagen vor. Entschuldigend ist nur anzuführen, dass der Mensch als "Mensch" entsprechend der Situation handelt, in die er gesteckt wird. Da der Mensch (in der Summe) nun einmal unverbesserlich ist und zwei Medaillen hat, wird er in einer unmenschlichen Situation auch so handeln. (Damit ist natürlich nicht gemeint, dass sich aus dem menschl. Charakter heraus ein Verbrechen rechtfertigen läßt!)
Die individuellen Beispiele sind nach meinem Dafürhalten gut gewählt, zeigen sie auch, wie dicht menschl. Wohl- und Fehlverhalten nebeneinander liegen können.
Auch noch den verbrecherischen Rahmen dichter zu erzählen, das sprengt wohl die Möglichkeiten und auch das Anliegen des Films.
Zitat:
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... zum Beispiel als die beiden Frauen zum Lazarett kommen und dort ihre auswendigelernten ideologischen Sprüche aufsagen, noch lachen - das ihnen aber bald vergeht...
Eine der (bislang) wohl besten Szenen. Ich meine die Mimik der Oberschwester, die damit alle fasch. Ideologie ab absurdum führt. Grandios gespielt!

Grüße
excideuil
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Wenn der Staat am verdorbensten ist, gibt es die meisten Gesetze. Tacitus, Annales, 3,17,3
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Alt 18.03.2013, 12:06   #19
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thanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekannt
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Nein, notwendige Entwicklung/Verrohung/Abstumpfung hin zu Vernichtungskrieg und Holocaust.
Glaubst du, dass - wenn man am 1. September 1939 jeden, der im Laufe des Krieges Unrecht auf sich lud, darüber informiert hätte, was er bis zum 8. Mai 1945 für Unrecht auf sich geladen haben würde (und zwar vom Eisenbahner, über den Finanzbeamten zum Polizisten, Wehrmachtssoldaten und SS-Mann) - der Krieg in dieser Form möglich gewesen wäre?
Ja, er wäre möglich gewesen und auch so geführt worden. Nicht weil der Einzelne besonders dämonisch war, sondern weil die Zeiten der Krise die sozialen Beziehungen und ihre Werte entwurzelt hatte. Ein Zustand, an dem allerdings die Nationalsozialisten und Deutschnationalen kräftig mitgewirkt haben!

Im konkreten Fall war es vor allem der "Befehlsnotstand", der den einzelnen entlastet hat, ergänzt durch die "Banalität des Bösens". In Kombination mit "Sachzwängen", die durch die politische Führung des 3. Reichs vorgegeben wurde. Und natürlich nicht zuletzt der kollektiv wahrgenommene Zwang "Deutsch" bzw. "Patriotisch" zu denken.

@Ursi: Natürlich geht es um die Biographie der einzelnen Personen. Aber es geht auch um die Frage, was durch den Film erklärt wird, ob überhaupt etwas erklärt wird und damit zusammenhängend wie erklärt wird und ob das "Wie" nicht automatisch dazu führt, dass außer Unterhaltung und Grusel eigentlich nicht rüberkommt.

Ich hätte sehr gerne die didaktische "Begleitforschung" zu den medialen Wirkungen in unterschiedlichen Gruppen in Deutschland konzipiert und ausgewertet.
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Geändert von thanepower (18.03.2013 um 12:13 Uhr).
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Alt 18.03.2013, 12:06   #20
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Wer hat eigentlich die Diskussion bei Maybritt Illner gesehen?
Ich fand die Auswahl der geladenen Gäste etwas seltsam. Am interessantesten fand ich die drei Herren, Cohn-Bendit hat mir ausnehmend gut gefallen. Bei Katharina Schüttler (die Schauspielerin, die im Film die Greta spielt) habe ich mich gefragt, was die da soll. Sie hat mir ein wenig leid getan, weil sie kaum etwas beitragen konnte bzw. Frau Illner sie nicht wirklich etwas hat entwickeln lassen. Sie hätte ja durchaus etwas über ihre Großmutter zu erzählen gehabt, das wurde aber irgendwie abgewürgt.
Die Doku war normaler Knopp-Style, ein Mix aus Zeitzeugen, Originalaufnahmen und Spielszenen aus dem Film.
Problematisch fand ich, dass keine wirklichen Zeitzeugen dabei waren. Die ältesten Teilnehmer der Runde waren Dieter Thomas Heck ? Wikipedia (Jg. 1937) und Gunther Emmerlich ? Wikipedia (Jg. 1944), können also zu der Perspektive der "Twens", die im Film im Vordergrund stehen, nicht viel sagen. Dieter Thomas Heck ist übrigens im Kindergartenalter nach einem Bombenangriff verschüttet worden und wurde erst nach drei Tagen befreit. In der Talkshow ging es eher darum, wie dann die folgenden Generationen mit den Erlebnissen ihrer Eltern/Großeltern umgegangen sind.

In der nach der ersten Folge gezeigten Dokumentation wurden hingegen wirkliche Zeitzeugen interviewt.
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