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Alt 05.01.2017, 21:34   #1
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Der Medicus

Ich habe mich schon häufiger hier im Forum dergestalt geäußert, dass ich kein Fan Historischer Romane* bin (wobei ich damit sicher vielen Historischen Romanen unrecht tue). Den Medicus habe ich gleich zwei Mal zur Verfügung (einmal stammt er aus dem Bestand meiner Eltern, woher ich ihn das zweite Mal habe, weiß ich nicht) aber kein Mal gelesen. Bzw. ich habe ihn mal angefangen, mich aber bereits auf den ersten Seiten so über historische Fehler geärgert, dass ich das nicht als Lesegenuss empfinden konnte und daher ist der Medicus eines der wenigen Bücher, welches ich absichtlich nicht zu Ende gelesen habe.

Nun läuft ja in den letzten Tagen auf verschiedenen Programmen der Kinofilm im Zweiteilerformat und bei der Darstellung der Konflikte in Persien frage ich mich, ob hier nicht - das Buch erschien ja 1986 in der englsichen Originalausgabe - die politische Situation der achtziger Jahre dargestellt ist: Nicht der sunnitische Islamismus sondern der shi'itisch-iranische Islamismus (es ist im Übrigen falsch, wenn die Konflikte der islamischen Welt als Stellvertreterkrieg zwischen Saudis und Iranern dargestellt werden, die meisten 12er-Shi'iten schauen weniger nach Teheran als nach Baghdad) war ja damals das beherrschende Thema in den Nachrichten über den Nahen Osten. Ayatollah Khomenei, der 1979 eine radikale Neu-Auslegung der Shi'a und Antikolonialismus (weshalb er anfänglich bei der Linken nicht unbeliebt war) miteinander verknüpfte, schmiss den Schah und die Amerikaner aus Persien raus.
Wenn ich nun den Film Der Medicus sehe, lange nach der islamischen Revolution und dem Tod Khomeneis gedreht sehe, sehe ich in den Mullahs und den mit ihnen verbündeten Seldschuken die gegen den Schah kämpfen ein Abbild der Ereignisse 1979; nur dass hier eben die Seldschuken bzw. Türken keine Rolle spielten sondern die Studenten. Wie ist das im Buch? Bzw. ist die Darstellung im Film, die ja gut 30 Jahre zu spät kommt, um aktuell zu sein der im Buch geschuldet? Soviel ich weiß, soll sich der Film ja ansonsten recht auffällig vom Buch unterscheiden.




*Ich unterscheide zwischen historischen Romanen, also Romanen die alt sind, wie etwa Don Quijote de la Mancha oder Apuleius' Goldesel oder Fontanes Effie Briest und Historischen Romanen als Gattungsbezeichnung
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Alt 05.01.2017, 22:54   #2
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Ich habe dieses Machwerk einmal während der Sommerferien angefangen zu lesen als nichts Anderes zur Hand war. Eine spanische Ausgabe die meiner Schwiegermutter gehörte , die ganz begeistert davon war.

Gleich zu Beginn haben mich ebenfalls die vielen geschichtlichen Fehler geärgert (z.B. das alle Personen Nachnahmen hatten, sogar die Weisenkinder auf der Strasse). Es reichte mir dann jedoch definitiv, als die beiden Hauptdarsteller durch Frankreich über die Römerstrassen reisen (im 11. Jahrhundert wohlgemerkt) nach Strassburg kommen (wo bereits der Münster errichtet wird) und ihren (französischen) Gastgeber dort fragen wie es sich so nah an Deutschland lebt (!!!!!).

Da war Schluss. Also kann ich leider auch nichts über den persischen Teil berichten.
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Geändert von Bdaian (05.01.2017 um 22:56 Uhr).
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Alt 05.01.2017, 23:36   #3
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Ich habe das Buch vor langer Zeit gelesen (schätzungsweise erste Hälfte der 90er Jahre), an historische Fehler oder andere Details erinnere ich mich nicht mehr. Zu den Römerstraßen möchte ich jedoch anmerken, dass diese auch lange nach dem Ende des Römerreiches noch in Benutzung waren (und wohl die ein oder andere noch ist), so dass diese als Transportweg im 11. Jahrhundert nicht ganz unwahrscheinlich sind.

Unabhängig von gewissen Freiheiten bei der historischen Darstellung fand ich das Buch sehr spannend geschrieben (wie auch der Fortsetzungsroman in Amerika im 19. Jhdt. oder den im Spanien spielenden Medicus von Saragossa).
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Alt 06.01.2017, 10:03   #4
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Ich habe mich durchgequält. Aber an mehr als einen Teil der Story erinnere ich mich nicht. Ich habe schlimmeres gelesen, aber dass kaum etwas hängen geblieben ist, sagt schon genug.
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Alt 06.01.2017, 10:17   #5
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Und hattest du beim Lesen den Eindruck, dass bei den Konflikten in Isfahan eigentlich die Realität (aus wetlicher Sicht) der 1980er Jahre abgebildet wurde?
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Alt 06.01.2017, 10:44   #6
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Ich hatte den Eindruck, dass da der Orient dargestellt wurde, den Klein-Fritzchen sich so vorstellt. Unabhängig von Politik ist das natürlich auch von der Entstehungszeit abhängig.
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Alt 06.01.2017, 11:58   #7
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balkanese befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Zitat:
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...Wie ist das im Buch?..
Ist halt schon 20 Jahre her, aber ich hab das zentral mehr als militärisches Geschehen in Erinnerung, die kämpfen schon immer gegen die, ich glaubte Afghanen, aber vielleicht warens auch Seldschuken, die Armee will dem Feind einen Hinterhalt legen, wird aber umgangen und die Hauptstadt liegt schutzlos dem Feind ausgeliefert woraufhin die Bevölkerung flieht; welche Flucht ja nicht zur Story passen würde wenn da die herbeigerufenen Befreier gekommen wären.

Zitat:
Riothamus Beitrag anzeigen
Ich hatte den Eindruck, dass da der Orient dargestellt wurde, den Klein-Fritzchen sich so vorstellt.
Dazu zeitgeistig noch etwas Sex^^
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Alt 06.01.2017, 12:27   #8
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Zitat:
balkanese Beitrag anzeigen
woraufhin die Bevölkerung flieht; welche Flucht ja nicht zur Story passen würde wenn da die herbeigerufenen Befreier gekommen wären.
Außer der Familie des Schahs sind 1979 eine ganze Menge Leute aus dem Iran geflohen. Zunächst vor allem Handlanger des Regimes, sofern sie konnten, später auch Leute, die einen "westlichen" Lebensstil pflegten. Hinzu kamen religiöse Minderheiten, etwa die persischen Juden.
Bis heute leben zwar noch ca. 20 - 25.000 Juden im Iran, aber der jüdische Exodus setzt sich fort. (Besonders unter Ahmadinnedschad hatte sich die Situation für Juden im Iran wieder verschlimmert. Am al-Quds-Tag droht Iran Israel jedes Jahr aufs Neue die Vernichtung an.) Insofern kann man durchaus der Auffassung sein, dass die Flucht im Roman tatsächlich zu den historischen Ereignissen 1979 passen würde. Aber soweit wollte ich gar nicht gehen. Mir geht es in erster Linie um den Konflikt radikaler Mullahs mit dem Schah. Meines Erachtens verlagert der Film (und ich frage nach dem Roman) einen Konflikt aus seiner Abfassungsgegenwart des Romans der 1980er Jahre in das 11. Jhdt., auch um von "der guten alten Zeit" zu träumen.
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Alt 06.01.2017, 12:33   #9
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Die große Änderung im Film ist das der Medicus jetzt eine neue Geliebte bekommt keine katholische Schottin (glaub ich) sondern eine Jüdin (die vollgespritzte Lippen hat was wirklich nicht in Mittelalter passt).

Beim Konflikt ist es halt der Kampf Islamisten gegen Aufklärung, der Schah gegen die Mullahs und die Seldschuken, wem das zu viel Tagespolitik ist sollte den Film nicht sehen.

Sonst halt normanische Namen bevor die Normanen überhaupt England erobert haben, die Pest im Hochmittelalter, ein Verbot für Christen sich im Orient niederzulassen (da bin ich mir nicht sicher sowas nicht gab) u.s.w.

Geändert von Zoki55 (06.01.2017 um 12:35 Uhr).
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Alt 06.01.2017, 12:50   #10
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Mir geht es wirklich nicht um eine Sammlung historischer Fehler in Buch oder Verfilmung, sondern um die Darstellung des Konfliktes mit den Mullahs. Wie wird dieser Konflikt im Roman dargestellt? Haben die Mullahs Züge von Khomeini?
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