Geschichtsforum.de
Die Community für Geschichtsinteressierte und Geschichtsfans


Alt 24.12.2015, 15:54   #421
Mitglied
 
Registriert seit: 07.2014
Ort: Wien
Beiträge: 625
Teresa C. wird schon bald berühmt werden
Zitat:
Lili Beitrag anzeigen
...Nicht so bekannt aber auf jeden Fall lesenswert: "Die Stimme" von Judith Merkle Riley. Hier wird ein fiktives Frauenschicksal im Mittelalter dargestellt. Lesenswert gerade für Leute die sich für den mittelalterlichen Alltag, die Lebens- und Denkweise interessieren.
Für die Entstehungszeit (Anfang der 1990er-Jahre) ein sehr interessantes Buch und auch die beiden Fortsetzungen, obgleich abenteuerlicher, aber auch humorvoller haben mir gut gefallen, ebenso wie weitere Bücher der Autorin. Sehr traurig, dass sie nicht viele Bücher geschrieben hat und relativ früh gestorben ist.

Zitat:
Sledge Beitrag anzeigen
Also bei historischen Romanen fallen mir noch die 2 Bücher von Dumas ein: "Die drei Musketiere" und "Der Graf von Monte Christo".

Was mir daran besonders gefällt ist die Art der Konversation zwischen den Charakteren.
Am besten finde ich allerdings noch immer die "Bartolomäusnacht" ( "La Reine Margot" ) von ihm.

Was die Historizität betrifft, sind natürlich aus heutiger Sicht Abstriche zu machen. (Beispiel: Heute wird z. B. davon ausgegangen, dass Jeanne D'Albret eines natürlichen Todes starb. Allerdings dürfte zu Dumas' Zeiten ihre angebliche Ermordung durch Katharina de Medici als historisch gegolten haben.

Mit Blick auf Historizität dürfte es heute zwar problematisch sein, wenn der Autor die Bartolomäusnacht und ganze Reihe weitere Aktionen als Mordanschläge auf Henri de Navarra (dem späteren König Henri IV.) motiviert, mit denen Katharina de Medici versucht, ihn auszuschalten versucht, um die Propheizeiung zu verhindern, dass er einst als König von Frankreich ihre Familie ablösen wird. Aber wie das umgesetzt ist - das ist wirklich beste Unterhaltung, obwohl zumindest der zeitgenössischer Leserschaft sicher bewusst war, dass jeder dieser Mordanschläge, so raffiniert sie auch geplant sein mögen und so perfekt sie auch sind, natürlich schief gehen wird, da ihnen bekannt das Schicksal des historischen Henri de Navarra sicher bekannt war.

Das Buch ist eindeutig besser, als die Verfilmung mit Isabelle Adjani, die aber auch schon wieder mehr als zwanzig Jahre zurück liegt. Allerdings ist anzumerken, dass gerade die Gedankengänge der historischen Figuren - hier denkt jede/r eigentlich nur an sich selbst -, die für mich einen wesentlichen Reiz des Buches ausmachen, in einem Film vermutlich gar nicht umzusetzen gewesen wären.

Wer die "Drei Musketiere" liebt, kommt übrigens in diesem Buch auch auf seine Rechnung, auch wenn es für die "Musketiere" in diesem Buch kein Happyend gibt.

Abgesehen davon, dass Umberto Eco das Buch gekannt haben dürfte (die "Tatwaffe" für "La nome della rosa" dürfte er hier gefunden haben), habe ich mir schon oft gedacht, ob dieses Buch nicht auch eine gute Lektüre für Leute ist, die den Ehrgeiz haben, einen wirklich guten historischen Roman zu schreiben, denn ein wenig von dem Einfallsreichtum, den Autor (und ein Team) hier zeigen, wäre dem heutigen Buchmarkt nur zu wünschen.
__________________
------------------------------------
Die Wahrheit findet man nicht in irgendwelchen Berichten, sondern in den Rechnungsbüchern.
(Josephine Tey)
Teresa C. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.05.2016, 16:52   #422
Mitglied
 
Registriert seit: 07.2014
Ort: Wien
Beiträge: 625
Teresa C. wird schon bald berühmt werden
Plautus im Nonnenkloster, Novelle von Conrad Ferdinand Meyer

Plautus im Nonnenkloster (von Conrad Ferdinand Meyer)

Historische Romane oder Romane, die historisch sein wollen, sind zurzeit große Mode, und das Konzil von Konstanz wird aus Anlass des 600jährigen Jubiläums zurzeit auch am Buchmarkt entsprechend mit Publikationen unterschiedlicher Qualität bedacht (oder auch vermarktet).

Ein guter Anlass, sich wieder einmal mit einem heute wohl eher vergessenen Autor des 19. Jahrhunderts zu beschäftigen: Conrad Ferdinand Meyer, der mehrere historische Novellen hinterlassen hat. "Plautus im Nonnenkloster", erstmals publiziert 1882, spielt während des Konzils von Konstanz und gehört zu den wenigen heiteren Werken des Autors. (Allerdings handelt es sich um einen eher feinen und subtilen Humor.) Wie alle Novellen des Autors gibt es eine Rahmenhandlung, auf der jemand (hier die Hauptfigur Poggio selbst) die Geschehnisse der eigentlichen Handlung berichtet.

Zum Inhalt:
Im Herbst 1417 wird Poggio Bracciolini berichtet, dass in einem in der Nähe von Konstanz gelegenen Nonnenkloster ein Plautus-Codex aufbewahrt werde. Obwohl die Wahl des neuen Papstes unmittelbar bevorsteht, ist es für Poggio wichtiger den Plautus an sich zu bringen. Also bricht er zum Kloster auf, wobei er es auch mit den zweifelhaften Zuständen, die dort herrschen und einem unglücklichen Liebespaar zu tun bekommt.

Poggio Bracciolini (1380 - 1459), der Protagonist und Erzähler dieser Novelle, hat tatsächlich gelebt. Er gilt als einer der wichtigsten Humanisten der italienischen Renaissance und einer ihrer Wegbereiter. Zu seinen Verdiensten gehört es, dass er einige der bedeutendsten Werke der Antike wiederentdeckte und der europäischen Geisteswelt erneut zugänglich machte, und dieser Aspekt ist auch in die Handlung der Novelle eingeflossen. Der historische Poggio hat sich tatsächlich auf dem Konzil von Konstanz aufgehalten und ist auch die Handlung der Novelle weitgehend Erfindung, so fällt sie doch in die Kategorie: wenn schon nicht tatsächlich, dann gut erfunden.

Obwohl die Handlung selbst fiktiv ist und ich keineswegs behaupten würde, dass Meyers historische Figuren tatsächlich so gewesen sein müssen, wie er sie beschreibt,, habe ich den historischen Hintergrund bei ihm und seine (historischen und fiktiven) Figuren wesentlich authentischer gefunden im Vergleich zu fast allen historischen Romanen des 21. Jahrhunderts, die ich inzwischen gelesen habe. Die Novelle vermittelt eine gewisse "Normalität", die sehr erfrischend ist, vielleicht gerade, weil hier keine Geschehnisse von weltbewegender Bedeutung abgehandelt werden.

Wie die meisten Werke der Weltliteratur, die bei Amazon gratis auf den Kindle geladen werden könnten, gibt es auch hier keine Extras wie z. B. ein Nachwort oder erklärende Fußnoten. Aber was spricht dagegen, diese Geschichte einfach auf sich wirken zu lassen und sich selbst dazu einige Gedanken zu machen?
__________________
------------------------------------
Die Wahrheit findet man nicht in irgendwelchen Berichten, sondern in den Rechnungsbüchern.
(Josephine Tey)
Teresa C. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.05.2016, 17:37   #423
Moderator
 
Mitgliederbild von El Quijote
 
Registriert seit: 04.2005
Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 39.872
El Quijote ist ein wunderbarer AnblickEl Quijote ist ein wunderbarer AnblickEl Quijote ist ein wunderbarer AnblickEl Quijote ist ein wunderbarer AnblickEl Quijote ist ein wunderbarer AnblickEl Quijote ist ein wunderbarer AnblickEl Quijote ist ein wunderbarer AnblickEl Quijote ist ein wunderbarer AnblickEl Quijote ist ein wunderbarer Anblick
Zitat:
Teresa C. Beitrag anzeigen
Historische Romane oder Romane, die historisch sein wollen, sind zurzeit große Mode,
Plautus ist beides: ein historischer Roman, also ein Roman der bereits so alt ist, dass er das Attribut historisch verdient und ein Historischer Roman, also ein Teil des Genres. Die aktuelle "Mode" hält aber seit bereits mehr als 20 Jahren beinahe ungebrochen an - mindestens seit den Säulen der Erde, die irgendwann Anfang der 90er erschienen. Die meisten sind auch - hat man das Gefühl - im MA verhaftet.
__________________
Chi vuku zik Ah xel roxa ru camay zak yuhuh.

Und darum Kinder eins bedenket: Wer Trollen respondieret Zeit verschenket!
El Quijote ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.05.2016, 18:36   #424
Mitglied
 
Mitgliederbild von Ralf.M
 
Registriert seit: 09.2012
Ort: Erfurt
Beiträge: 1.870
Ralf.M ist ein sehr geschätzer MenschRalf.M ist ein sehr geschätzer Mensch
Ich lese zurzeit von Friedrich Parrot (1792 in Karlsruhe, 1841 in Tartu/Estland) die „Reise zum Ararat.

Danach kommt endlich F. Nansen (1861 bei Oslo, 1930 bei Oslo) mit seiner Reisebeschreibung „In Nacht und Eis“ an die Reihe.
__________________
Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben“.
Theodor Fontane 1819 - 1898
Ralf.M ist offline   Mit Zitat antworten
Sponsored Links


Alt 02.05.2016, 22:03   #425
Mitglied
 
Registriert seit: 07.2014
Ort: Wien
Beiträge: 625
Teresa C. wird schon bald berühmt werden
Zitat:
El Quijote Beitrag anzeigen
Plautus ist beides: ein historischer Roman, also ein Roman der bereits so alt ist, dass er das Attribut historisch verdient und ein Historischer Roman, also ein Teil des Genres. Die aktuelle "Mode" hält aber seit bereits mehr als 20 Jahren beinahe ungebrochen an - mindestens seit den Säulen der Erde, die irgendwann Anfang der 90er erschienen. Die meisten sind auch - hat man das Gefühl - im MA verhaftet.
Als Roman würde ich "Plautus im Nonnenkloster" nicht bezeichnet, dazu ist das Werk einfach zu kurz. Die Einstufung als historische Novelle finde ich da zutreffender.

Außerdem zeigt mir der "Plautus" noch eines. Auch bei einem historischen / Historischen Werk ist das Entscheidende letztlich eben nicht, ob der historische Hintergrund authentisch oder gut recherchiert ist, sondern das Werk muss mich in jedem Fall als Werk überzeugen. Ein schlecht erzähltes Werk wird auch nicht dadurch besser, dass die Historizität besonders gut recherchiert ist. Ist das Werk dagegen gelungen, dann sind selbst historische Unrichtigkeiten, Schnitzer etc. nicht mehr wirklich von Belang.

Oder anders ausgedrückt: ein schlechter historischer Trivialroman ist noch immer ein schlechter Roman, und das kann auch nicht dadurch verbessert werden, wenn er wenigstens historisch stimmig ist.

Meyers Novellen und auch sein historischer Roman haben mich stets als historische Erzählungen überzeugt, auch wenn vielleicht das Historische bei ihnen nicht immer in jedem Punkt richtig war (bzw. seit der neueren Forschung überholt ist).
__________________
------------------------------------
Die Wahrheit findet man nicht in irgendwelchen Berichten, sondern in den Rechnungsbüchern.
(Josephine Tey)
Teresa C. ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.09.2016, 10:26   #426
Mitglied
 
Registriert seit: 09.2016
Beiträge: 1
BillGunn316 ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Hallo zusammen,

ich lese gerade die "Henkerstochter" von Oliver Pötzsch - gefällt mir gut, muss ich sagen. Auch historisch meiner Meinung nach gut recherchiert. Sicherlich auch dadurch bedingt, dass der Autor seine eigene Familiengeschichte mit einfließen lässt.

VG Mattes
historische-romane.com
BillGunn316 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.09.2016, 15:01   #427
Mitglied
 
Registriert seit: 07.2014
Ort: Wien
Beiträge: 625
Teresa C. wird schon bald berühmt werden
Mir hat die bisherige Henkerstochter-Serie (Pötzsch hat inzwischen schon mehrere Fortsetzungen geschrieben) auch sehr gut gefallen. Einige spätere Bücher wie z. B. "Die Henkerstochter und der schwarze Mönch" oder "Die Henkerstochter und der Teufel von Bamberg" habe ich allerdings noch besser gefunden. Nur der Titel ist etwas irreführend, denn die Titelheldin Magdalena ist zwar eine Hauptfigur, aber in Wirklichkeit bildet sie mit ihrem Vater und ihrem Freund ein"Trio", und im Laufe weiterer Bände werden noch andere Familienmitglieder immer wichtiger.

Die Folgebände sind übrigens auch eine nette Fremdenverkehrswerbung für unterschiedliche Orte und Gegenden in Bayern, aber es ist eine der wenigen Buchserien, wo ich wirklich Lust auf Reisen bekommen habe.
__________________
------------------------------------
Die Wahrheit findet man nicht in irgendwelchen Berichten, sondern in den Rechnungsbüchern.
(Josephine Tey)
Teresa C. ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist aus.
HTML-Code ist aus.
Trackbacks are aus
Pingbacks are aus
Refbacks are aus


Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Liegt der Sagenfigur Siegfried eine historische Gestalt zu Grunde? Backup Völkerwanderung und Germanen 581 09.01.2016 18:57
Historische Atlanten El Quijote Geschichtsmedien und Literatur 20 25.07.2013 17:00
Historische Romane über die Zeit d. frz. Revolution Sena Geschichtsmedien und Literatur 6 27.06.2005 08:15
Historische Romane über England Teja Geschichtsmedien und Literatur 18 26.04.2005 02:14


Alle Zeitangaben in WEZ +1. Es ist jetzt 03:16 Uhr.


Powered by: vBulletin Version 3.8.9 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
SEO by vBSEO 3.3.2 ©2009, Crawlability, Inc.
Copyright © 2000-2016 Geschichtsforum.de