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Alt 07.02.2017, 14:45   #61
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Solwac ist ein sehr geschätzer MenschSolwac ist ein sehr geschätzer Mensch
Zitat:
Matze007 Beitrag anzeigen
Wie wirkte sich denn die erste sowjetische A-Bombe auf die US-amerikanische Sicht aus ? Wie überraschend kam das ?
Da 1949 der numerische Vorteil deutlich bei den USA lag und die Bomberflotte als Trägerwaffe zur Verfügung stand, dürfte sich nicht plötzlich alles geändert haben. Strategie war die Androhung eines Präventivkrieges mit den von thanepower gelieferten Zahlen. Diese Zahlen dürften vor allem von der Zahl der verfügbaren amerikanischen Sprengköpfen beeinflusst worden sein.

Die immer weiter steigende Zahl von Zielen dürfte stärker als die Verfügbarkeit sowjetischer Kernwaffen den Wechsel zur massiven Vergeltung verursacht haben.

Besonders überraschend kann die Nachricht der ersten sowjetischen Bombe nicht gekommen sein. Es war klar, dass die Theorie schon während des Krieges in der UdSSR bekannt war. Ebenso war bekannt, dass deutsche Wissenschaftler auch im Osten ihr Wissen teilten und dass direkt 1945 mit dem Aufbau einer kerntechnischen Industrie begonnen wurde. Ebenso war 1948 während der Berliner Blockade deutlich geworden, dass Stalin alle Anstrengungen unternehmen würde um der amerikanischen Drohung etwas entgegen zu setzen.

Der genaue Zeitpunkt mag also etwas später eingeschätzt worden sein, aber die Entwicklung als solche war erwartet worden.
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Alt 08.02.2017, 20:08   #62
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hatl ist ein sehr geschätzer Menschhatl ist ein sehr geschätzer Mensch
Zitat:
Matze007 Beitrag anzeigen
Wie wirkte sich denn die erste sowjetische A-Bombe auf die US-amerikanische Sicht aus ? Wie überraschend kam das ?
Matze,..
Wie überraschend kam das?
Es war wohl von Anfang klar, dass die USA ihr Kernwaffen-Monopol nicht dauerhaft erhalten können werden. Darauf weist bereits das Stimson-Memorandum kurz vor dem Trinity-Test hin.
Es also eine Frage der Zeit sei, dass auch andere Nationen sich in den Besitz der Atombombe (Spaltungsbombe) bringen würden.
Es ging also darum wie lange das dauert, und da war die politische Seite zuversichtlicher, als die der Techniker, die, wie ich es verstehe, von einen zutreffenderen Zeitrahmen ausging.

Die unmittelbare politische Reaktion war eine neue Bewertung der Sicherheitslage (NSC-68).

Und noch während NSC-68 in Arbeit ist verkündet Truman am 31. Januar 1950 (seit September 1949 weiß man, dass die SU die Spaltungsbombe hat) den Beschluss die weit mächtigere Fusionsbombe (Wasserstoff-Bombe) zu bauen, was sofort in Angriff genommen wird.

Es ist ja so, wer eine Atombombe bauen kann, der kann auch viele bauen und wird es auch tun.
So jedenfalls die amerikanische Sicht der Zeit. „.. the eventual Soviet accumulation of such a stockpile was virtually inevitable „
'eine letztliche sovietische Anhäufung eines solchen Arsenals erschien unausweichlich' (Übersetzung durch mich)
'und es war nun unverzichtbar führend zu sein.' (Freedman – The Evolution of Nuclear Strategy – Kapitel 5 - The Soviet Bomb)
Die Reaktion der USA besteht in der rasanten Anhäufung von Atomwaffen.
Darin kann man eine Eigendynamik als Vehikel der menschlichen Dummheit sehen.
Denn man hätte sich ja mal besuchen können und reden.
Etwa so: „Wenn ich Moskau und Leningrad und Stalingrad wegputzen kann, und du Washington und New York und Detroit, lassen es wir dann dabei bleiben, oder muss wirklich jeder daran glauben müssen wenn wir aufeinander losgehen?“
Aber das kam ansatzweise erst 45 Jahre später.
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"Wir wissen nun, dass eine Regierung des organisierten Geldes genauso gefährlich ist, wie eine Regierung des organisierten Verbrechens." FDR
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Alt 08.02.2017, 21:37   #63
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hatl ist ein sehr geschätzer Menschhatl ist ein sehr geschätzer Mensch
Zitat:
hatl Beitrag anzeigen
..
Aber das kam ansatzweise erst 45 Jahre später.
35 Jahre waren es.
Mei, die Zahlen ...
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Alt 03.04.2017, 17:41   #64
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Matze007 wird schon bald berühmt werden
Interessant finde ich, dass ein Waffensystem nicht zur Einsatzreife gebracht wurde weil es als "too provocative" angesehen wurde und man befürchtete, die Gegenseite würde etwas ähnliches bauen (sicher spielten aber auch andere Gründe eine Rolle).
Ich spreche vom Marschflugkörper "Pluto", dessen Konzept selbst für Zeiten nuklearer Hochrüstung mit "monströs" noch verniedlichend beschrieben wäre.
https://de.wikipedia.org/wiki/Pluto_...lugk%C3%B6rper)
Zitat:
Schon die bei Mach 3 im Tiefflug entstehende Druckwelle von Pluto wurde mit 162 dB[1] Schalldruckpegel als potenziell tödlich erachtet. Weiterhin hätte Pluto im Flug nicht nur seine Umgebung aufgrund fehlender Abschirmung des Reaktors mit starker Neutronen- und Gammastrahlung bestrahlt, sondern auch die Luft, welche das Triebwerk passierte, mit Radioisotopen kontaminiert. Der Flugkörper hätte zusammen mit der erzeugten Druckwelle bis zu seinem Ziel eine Spur der Zerstörung gezogen.
Als eigentliche Bewaffnung waren sechzehn Wasserstoffbomben von je einer Megatonne TNT Sprengkraft vorgesehen.[2] Die Konstrukteure planten, dass Pluto nach dem Abwurf der Bomben auf die programmierten Ziele weiter für Minuten oder Stunden über der UdSSR kreisen sollte, um bis zum Absturz weitere Gebiete durch seinen Überflug zu zerstören oder radioaktiv zu kontaminieren.
Zitat:
Trotz dieses erfolgreichen Tests wurde am 1. Juli 1964, sechseinhalb Jahre nach dem Beginn, das „Projekt Pluto“ endgültig gestoppt – in der Erklärung des Verteidigungsministeriums und des Außenministeriums der Vereinigten Staaten deklariert als „being too provocative“. So rechnete man auch mit einem sowjetischen, für die USA nicht abfangbaren Gegenstück.
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Alt 03.04.2017, 18:03   #65
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thanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekannt
Sorry, aber die Begründung fü das Einstellung der Entwicklung dieser "Waffe" ist schlichtweg "schwachsinnig".

Technisch zum damaligen Zeitpunkt nicht machbar, da nahezu alle Technologie, die dafür notwendig gewesen wären, nicht vorhanden waren.

Im Prinzip entsprang es zwei Überlegungen.

Mit einer Rakete wollte man damit das machen, was das SAC mit seinen strategischen Bombern bereits die ganze Zeit tat, sie rund um die Uhr in der Luft zu halten.

Zudem war die Idee in einer Periode angesiedelt, in der man die Gefahren radioaktiver Verstrahlung, auch im Rahmen von Unfällen nicht korrekt einschätzen konnte. Dennoch begann man zu erahnen, dass diese Technologie technisch sehr anfällig sein würde mit nicht kontrollierbaren Folgen in der Folge eines Absturzes.

Wie dann bei einer Reihe von Abstürzen von strategischen Bombern es fast zu Explosionen der A-Waffen gekommen wäre.

https://books.google.co.id/books?id=...ontrol&f=false

Das Projekt gehört zweifellos in den Bereich größenwahnsinniger Waffensysteme und schlägt die "Maus" noch um Längen.
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When the facts change, I change my mind. What do you do, sir? J.M. Keynes

Geändert von thanepower (03.04.2017 um 18:06 Uhr).
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Alt 03.04.2017, 18:22   #66
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Vielleicht wählte man diese Begründung um den Sowjets zu signalisieren dass man es hätte bauen können, wer weiß. Ist schon verdächtig, wenn Militärs plötzlich sagen "also dieses System ist einfach zu tödlich, das entwickeln wir nicht weiter", das stimmt
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Alt 04.04.2017, 20:12   #67
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hatl ist ein sehr geschätzer Menschhatl ist ein sehr geschätzer Mensch
Zitat:
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Interessant finde ich, dass ein Waffensystem nicht zur Einsatzreife gebracht wurde weil es als "too provocative" angesehen wurde ...
Matze, ich würde Thane zustimmen, insofern eine sinnvolle Machbarkeit technisch noch nicht gegeben war.

Aber das ist schon ein irres Vieh, das Du da eingestellt hast.
Projektleiter ist wohl die Firma Vought die eine Ausschreibung der Atomenergiekommision zu diesem Thema gewinnt.
Laut der Quelle erforscht Vought bereits unmittelbar nach dem Krieg die Möglichkeit einen nuklearen Staustrahlantrieb zu verwirklichen. slam
Das passt insgesamt in diese Zeit. Nach dem „durchschlagenden“ Erfolg in Japan beginnt man eifrig alle nur erdenklichen Möglichkeiten der „Nutzbarmachung“ zu untersuchen, und bald hat man auch Kraftwerke, ...immer kleinere.

Interessant fand ich dazu Grönland/Project Iceworm.
Es wird ein Raketenstützpunkt in Grönland angestrebt (1960) und als erstes schafft man einen kleinen Kernreaktor hin, weil es da ja kalt ist. Den Reaktor baut, folgt man Wiki, eine Lokomotiv-Fabrik. https://de.wikipedia.org/wiki/Army_N..._Power_Program
Nukleare Aufbruchstimmung, all über all das Lechzen nach der Verheißung von Möglichkeiten. Die man nicht einmal zu träumen wagte. Und wer vorne weg ist, ist auch gleich noch 'vorneweger'.
Es war wohl eine Art Forschungsprojekt, würde ich vermuten.

Du sagst es selber ja sehr zutreffend: „Ist schon verdächtig, wenn Militärs plötzlich sagen "also dieses System ist einfach zu tödlich, das entwickeln wir nicht weiter.."
Das wär wohl widersinnig.
Insbesondere hier vor dem Hintergrund einer eigenen, nahezu unbegrenzten, Vernichtungskraft.

Danke für den interessanten Farbtupfen auf der Leinwand der menschlichen Torheit.
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Alt 27.05.2017, 18:19   #68
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Das kleine Dilemma des Enthauptungsschlags: Mit wem kann man danach eigentlich verhandeln um die Sache irgendwie wieder stoppen zu können?
Vor allem, wenn die Gegenseite sich mit einem mehr oder weniger automatischen System vorbereitet.

Zitat:
Disastrously for the Carter administration, PD-59 leaked and caused a major stir in the press. The knowledge of the plan’s existence is possibly one reason among several why the Soviets developed the partly-automated Perimeter, or “Dead Hand,” nuclear weapons control system, which became operational in 1985. Were the Soviet leadership eliminated in a “limited” decapitation strike, Perimeter would take over and nuke America back to the stone age.
After retiring from the Soviet Strategic Rocket Forces, Gen.-Col. Varfolomei Korobushin noted that PD-59 would have “been futile” due to a system which would “automatically launch all missiles remaining in our arsenal even if every nuclear command center and all our leaders were destroyed.”
Thirty-seven years after Carter signed the order, important elements of PD-59 remain in place in the United States, which is modernizing its nuclear weapons—and has a new president who wants to expand them. Meanwhile, in Russia, Perimeter is apparently still online.
Zbigniew Brzezinski, ‘Limited’ Nuclear Warrior | War Is Boring
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Alt 27.05.2017, 21:07   #69
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Zitat:
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Das kleine Dilemma des Enthauptungsschlags: Mit wem kann man danach eigentlich verhandeln um die Sache irgendwie wieder stoppen zu können?
Vor allem, wenn die Gegenseite sich mit einem mehr oder weniger automatischen System vorbereitet.

Zbigniew Brzezinski, ‘Limited’ Nuclear Warrior | War Is Boring
Mit einem “Enthauptungsschlag” wird man ja nicht verhandeln wollen.
Aber Spass beiseite, es ist schon interessant, und auch grausig, dass Doomsday-Mechanismen installiert wurden.
Kann man noch verhandeln?
Also wenn ICBMs aufgestiegen sind, oder man auch nur glaubt, dass es so sei.

Es werden also (beiderseits) Automatismen installiert, die sind mehr oder weniger fein abgestuft, je nach Alarmierung, sprich empfundener Bedrohungslage in Kraft gesetzt werden, hoffentlich ohne Unfall, denn dauernd testen kann man sowas ja nicht.
Teilweise entstehen auch Automatismen ganz ungeplant, man könnte sagen von selbst.
Denn aus überraschend neuen Möglichkeiten ergibt sich in einer gegenerischen Wettbewerbssituation stets ein Handlungszwang.
Eigentlich sehen wir mehrere doomsday machines.
“Launch on warning” ist auch so eine.

Diese Frage "Mit wem kann man danach eigentlich verhandeln um die Sache irgendwie wieder stoppen zu können?
Vor allem, wenn die Gegenseite sich mit einem mehr oder weniger automatischen System vorbereitet."
ist eine der großen Grundfragen des tatsächlichen Ausbruchs des Ersten Weltkriegs.
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