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Alt 17.09.2014, 19:16   #1
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Das bestätigende sächsische "no" - ein westslawisches Substrat?

Ich habe derzeit beruflich viel mit Sachsen zu tun, dabei ist mir aufgefallen, dass viele Sachsen zur Bestätigung "no" sagen. Es ist wirklich ein "no" und nicht etwa ein "nö" ([nə]).

Also:
- Du bist damit einverstanden?
- No.

Nicht:
- Du bist damit einverstanden, nə? (=nicht wahr?)

Meine Arbeitshypothese wäre, dass es sich bei diesem "no" um ein westslawisches Substrat, wie es im Polnischen, Schlesischen und Tschechischen vorkommt, handelt. Vermutlich auch im Sorbischen, aber da weiß ich es nicht genau. Die Begründung ist genau dieses Vorkommen in den westslawischen Sprachen.

Ist das plausibel? Wahrscheinlich? Oder gibt es sinnvollere Erklärungen?
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Alt 17.09.2014, 20:11   #2
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Daran erkennt man Dresdener . Die sagen statt "ja" "nu". Im restlichen Sachsen ist das weniger gebräuchlich. Das ist eine Abkürzung für "na klar" ,wird in Dresden und Umgebung aber als "nu klar" gesprochen. Das klar hat man irgendwann weggelassen und es blieb nur noch "nu" übrig. Mit slawisch dürfte das nichts zu tun haben.
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Alt 17.09.2014, 20:49   #3
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Muss Galeotto zustimmen; außer das der fränkische Teil Thüringens selten zur Umgebung Dresdens gezählt wird, die Wendung aber auch da gebräuchlich ist (zumindest kenne sie von da).
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Alt 17.09.2014, 21:19   #4
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„No“ ist mir in der sächsischen Sprache nicht geläufig.

Nu“ als Bestätigung eher.

Es gibt auch „nor“.
Beispiel -> nor: Scheenes Weddor heude, nor?
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Theodor Fontane 1819 - 1898
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Alt 17.09.2014, 21:39   #5
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Das no (gedehntes o) gesprochen noo bzw. auch nu als Zustimmung kann sich auch schlichtweg von der Interjektion na abgeleitet haben. In der sächsischen Sprache z.B. in der Oberlausitz gilt es als Gesprächspartikel der Bejahung.
Beispiel für eine intensive Verneinung z.B. Nu nee! übersetzt Niemals ! Aber nein!
In der tschechischen Sprache umgangssprachlich z.B. No tak jistě! - Na sicher !
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Alt 17.09.2014, 21:46   #6
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Zitat:
Ralf.M Beitrag anzeigen
Es gibt auch „nor“.
Beispiel -> nor: Scheenes Weddor heude, nor?
"Nor" ist chemnitzer sächsisch und leitet sich von "nicht wahr?" ab. Ursprünglich hieß es "ni wor?" und wurde schließlich zum "nor" zusammengezogen.
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Alt 18.09.2014, 01:05   #7
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Zitat:
El Quijote Beitrag anzeigen
Meine Arbeitshypothese wäre, dass es sich bei diesem "no" um ein westslawisches Substrat, wie es im Polnischen, Schlesischen und Tschechischen vorkommt, handelt.
im Polnischen ist mir das bislang nicht aufgefallen (allerdings kann ich nicht fließend polnisch sprechen)
zum Tschechischen kann ich nichts beitragen

aber was verstehst du unter Schlesisch?
was den süddeutschen (dem Bayrischen und Sächsischen verwandten) schlesischen Dialekt betrifft, so ist nach meiner laienhaften Kenntnis dort das "no" eine regionale Variante von der Füllfloskel "nun" (no da sag mal / na was meinste / no da chab ich ihm usw.)
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Alt 18.09.2014, 01:56   #8
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Zitat:
dekumatland Beitrag anzeigen
im Polnischen ist mir das bislang nicht aufgefallen (allerdings kann ich nicht fließend polnisch sprechen)
zum Tschechischen kann ich nichts beitragen

aber was verstehst du unter Schlesisch?
was den süddeutschen (dem Bayrischen und Sächsischen verwandten) schlesischen Dialekt betrifft, so ist nach meiner laienhaften Kenntnis dort das "no" eine regionale Variante von der Füllfloskel "nun" (no da sag mal / na was meinste / no da chab ich ihm usw.)
Da El Q oben von westslawischen Sprachen schrieb, vermute ich, dass er den schlesischen, slawischen Dialekt meint, der in Oberschlesien gesprochen wird, das sog. Wasserpolnisch.
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Alt 18.09.2014, 20:27   #9
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Zitat:
Carolus Beitrag anzeigen
Da El Q oben von westslawischen Sprachen schrieb, vermute ich, dass er den schlesischen, slawischen Dialekt meint, der in Oberschlesien gesprochen wird, das sog. Wasserpolnisch.
Richtig.

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Alt 18.09.2014, 21:25   #10
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Die gesteigerte Bejahung von "nu" ist "nu freilich".
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Geändert von Galeotto (18.09.2014 um 21:27 Uhr).
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Alt 18.09.2014, 21:28   #11
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Das ist doch wohl eher österreichisch-bajuwarisch und damit ein Adverb von frei.
So ganz habt ihr mich noch nicht überzeugt. Es mag natürlich auch so sein, dass eine sächsische KOntraktion unter westslawischem Einfluss ein Eigenleben entwickelt hat.
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Alt 18.09.2014, 21:41   #12
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Zitat:
El Quijote Beitrag anzeigen
Das ist doch wohl eher österreichisch-bajuwarisch und damit ein Adverb von frei.
So ganz habt ihr mich noch nicht überzeugt. Es mag natürlich auch so sein, dass eine sächsische KOntraktion unter westslawischem Einfluss ein Eigenleben entwickelt hat.
"freilich" war früher in Deutschland verbreitet. In Büchern des 19. Jh. kommt "ei freilich" öfters vor.
Einen slawischen Ursprung von "nu" halte ich für fraglich. In anderen Regionen sagt man halt "na klar" und in Dresden und der sächs. Schweiz sagt man eben "nu klar".
Zum "nu" :
nu | Sächsische Vokabeln
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Alt 20.09.2014, 14:34   #13
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Zitat:
Galeotto Beitrag anzeigen
Einen slawischen Ursprung von "nu" halte ich für fraglich.
Warum? Das ganze Gebiet war früher slawischsprachig, was sich in Orts- und Gewässernamen bis heute niederschlägt und ist von slawischen Sprachen umgeben.

Des Weiteren hatte ich ja meine Arbeitsthese modifiziert:

Zitat:
El Quijote Beitrag anzeigen
Es mag natürlich auch so sein, dass eine sächsische Kontraktion unter westslawischem Einfluss ein Eigenleben entwickelt hat.
Sprich, das sächsische nu (ich höre no) konnte ein Eigenleben als "ja" entwickeln, weil es dem slawischen no für "ja" phonetisch so ähnlich war und man gewissermaßen bereits daran gewöhnt war.

Zitat:
Galeotto Beitrag anzeigen
Der Link sagt leider zur Fragestellung gar nichts aus.

Mir ist natürlich klar, dass es sich um einen reinen Zufall halten kann, dass das sächsische nu und das slawische no phonetisch einander recht ähnlich sind und auch noch ähnliches bedeuten. Es gibt im Spanischen etwas ähnliches mit dem Arabischen, die Anrede Usted ('Sie') im Spanischen wurde von einigen als vom arabischen Wort Ustād abgeleitet erklärt, was in etwa unserem Professorentitel entspricht. Tatsächlich kann man aber, wenn man sich Usted in chronologischer Perspektive ansieht, sehen, dass es von Vuestra Merced ('Euer Gnaden') verschliffen wurde. Der inflationäre Gebrauch der ehrenvollen Anrede ging mit einer etwas nachlässigen Aussprache einher und so wurde die heutige spanische Sie-Form daraus. Und obwohl sich span. Usted und arab. Ustād einander so ähnlich "sehen" haben sie etymologisch nichts miteinander zu tun. Ich bin bereit, dasselbe für das sächsische nu/no zu akzeptieren, will also nicht unnötig an der Arbeitshypothese festhalten, aber noch fehlt mir das schlagende Argument gegen die etymologische Verbindung.
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Alt 20.09.2014, 14:43   #14
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Zitat:
El Quijote Beitrag anzeigen
Ich bin bereit, dasselbe für das sächsische nu/no zu akzeptieren, will also nicht unnötig an der Arbeitshypothese festhalten, aber noch fehlt mir das schlagende Argument gegen die etymologische Verbindung.
und welches ist das schlagende Argument für die genannte etymologische Verbindung?
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Alt 20.09.2014, 14:55   #15
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Dass es auffällig ist, dass ausgerechnet in einer Region, die diachron und synchron durch das Westslawische beeinflusst wurde und wird (früheres slawisches Siedlungsgebiet; grenzgehende Nachbarschaft zu slawischen Siedlungsgebieten [Sorbisch, Polnisch/Schlesisch, Tschechisch]) ein phonetisch gleiches oder sehr ähnliches Wort mit einer gleichen Bedeutung existiert, welches das Sächsische mit anderen Dialekten der eigenen Sprache eher nicht teilt.
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Alt 20.09.2014, 16:01   #16
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Zitat:
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Buddzsch

Ich kenne das bestätigende no aus Thüringen, um Dresden heißt es nu, in Leipzig und Chemnitz wird es meinem Vernehmen nach als nun oder na verwendet ("nu komm").

In Duden und Grimmschen Wörterbuch (Eintrag 12 unter nun, nu) ist das bestätigende nu auch vermerkt.

Duden | nu | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft

Wrterbuchnetz - Deutsches Wrterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm

Zitat:
12) vor bejahendem und zugestehendem ja, freilich, gar, gut und dergl. oder vor verneinendem nicht.
a) affirmativ, nun ja (th. 42, 2189), besonders wenn die bejahrung zögernd oder widerwillig erfolgt: ...
Ich vermute, dass es ursprünglich nu(n) ja hieß. Nach Wegfall des ja blieb dann nu als Bestätigung übrig, no ist eine regionale Aussprachevariante.

Geändert von Heine (20.09.2014 um 16:07 Uhr).
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Alt 20.09.2014, 17:47   #17
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Mal eine Frage zwischen rein. Welche slawischen Wörter bzw. Wörter slawischen Ursprungs gibt es denn in den sächsischen Mundarten? Ich komme gebürtig zwar auch aus einer sächsischen Region, verweile aber seit langem schon in anderen Gefilden. Ich habe keine Erinnerung mehr an rein slawische Wörter. Mir fallen nur noch die Begriffe Kretscham für Gaststätte und Griebsch für Apfel ein, die wohl aus dem slawischen stammen.

Geändert von enrico (20.09.2014 um 18:00 Uhr).
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Alt 20.09.2014, 18:49   #18
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Hinzu kommen Slawismen, die sich im Gesamtdeutschen wiederfinden, wie Gurke und Grenze.
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Alt 20.09.2014, 19:00   #19
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Ich vermute, dass es ursprünglich nu(n) ja hieß. Nach Wegfall des ja blieb dann nu als Bestätigung übrig, no ist eine regionale Aussprachevariante.
Nun ja ist ja eigentlich nur ein Platzhalter - eigentlich "nun ja..." -, den man benötigt, wenn man einer Aussage widersprechen möchte oder eine Antwort auf eine (unangenehme) Frage geben muss und sich die Gedanken erst mal zurechtlegt. Nun ja geht eigentlich nie einer Bestätigung voraus. Insofern ist nicht ganz einzusehen, dass ein sächsisches nu/no hierher stammen sollte.
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Alt 20.09.2014, 19:55   #20
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Das ist eine Abkürzung für "na klar" ,wird in Dresden und Umgebung aber als "nu klar" gesprochen.
Da ich aus Thüringen sowohl "nu klar" als auch "nu"* in synonymer Verwendung kenne und das zweite daher auch für eine reine Verkürzung das ersten halte: Woher kommt eigentlich das "na" aus "na klar"?

"Nun ja" ist auch meinem Sprachgefühl nach keine Bejaung, auch wenns alleine steht und keine Erklärung mehr kommt.

* Ich hör da eher ein -u als ein -o, mag auch da Varianten geben.
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