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Alt 12.08.2016, 12:07   #1
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Sulpicius ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Der Skeptizismus in Rom

Liebe Alle,

ich beschäftige mich momentan (vor allem von einem rechtshistorischen Standpunkt aus) mit Entfaltung und Einflussnahme philosophischer Denkrichtungen in der römischen Geschichte. Neben (vielleicht) evidenteren Beispielen, wie etwa der Einfluss der Stoa (insbesondere auch auf das vorklassische Recht) interessiert mich gerade auch der Einfluss der skeptischen Philosophie in Rom.

Dabei interessiert mich hier zunächst weniger die Prägung der Jurisprudenz, als viel mehr der skeptische Einfluss im Allgemeinen und in den verschiedensten Bereichen des sozialen und kulturellen Lebens. Sind euch bekannte Skeptiker in der römischen Geschichte bekannt? Beispiele für den Einfluss skeptischer Ideen?

Der römische Skeptizismus ist sicher eng mit Philon von Larisa verbunden, zu dessen Schülern auch Cicero gehörte (wobei Ciceros Verhältnis zum Sekptizismus schon wieder fraglich scheint).

Würde mich riesig freuen, wenn hier noch jemand etwas Input hätte
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Alt 12.08.2016, 13:44   #2
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jschmidt ist ein Lichtblickjschmidt ist ein Lichtblickjschmidt ist ein Lichtblickjschmidt ist ein Lichtblickjschmidt ist ein Lichtblick
Zitat:
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Sind euch bekannte Skeptiker in der römischen Geschichte bekannt? Beispiele für den Einfluss skeptischer Ideen?
Wusste bis jetzt nicht mal, dass es einen "römische(n) Skeptizismus" gibt...

Von denen, die sich im römischer Zeit mit dem Skeptizismus beschäftigt haben, sind neben Cicero vermutlich Sextus Empiricus und Agrippa zu nennen. Letzterer wird von Fogelin ausführlich [1] gewürdigt. Gehen Deine Recherchen in diese Richtung?

PS: Favorinus fällt mir noch, war ein Kumpel von Plutarch.


[1] Pyrrhonian reflections on knowledge and justification. New York 1994, part II. Für dieses Thema reichen aber meine Englischkenntnisse nicht aus...
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Man muß die Dinge so einfach wie möglich machen. Aber nicht einfacher. (Einstein)

Geändert von jschmidt (12.08.2016 um 13:57 Uhr). Grund: PS
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Alt 15.08.2016, 09:26   #3
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Sulpicius ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Zitat:
jschmidt Beitrag anzeigen
Wusste bis jetzt nicht mal, dass es einen "römische(n) Skeptizismus" gibt...

Von denen, die sich im römischer Zeit mit dem Skeptizismus beschäftigt haben, sind neben Cicero vermutlich Sextus Empiricus und Agrippa zu nennen. Letzterer wird von Fogelin ausführlich [1] gewürdigt. Gehen Deine Recherchen in diese Richtung?

PS: Favorinus fällt mir noch, war ein Kumpel von Plutarch.


[1] Pyrrhonian reflections on knowledge and justification. New York 1994, part II. Für dieses Thema reichen aber meine Englischkenntnisse nicht aus...
Danke dir für die Anregungen und die Literaturempfehlung. Ja, das geht in genau die richtige Richtung. Danke!
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Alt 15.08.2016, 17:04   #4
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Mashenka wird schon bald berühmt werden
Zitat:
Sulpicius Beitrag anzeigen
Ja, das geht in genau die richtige Richtung. Danke!
Wie weit geht eigentlich der Skeptizismus, zu dem Du nach Anzeichen in »Bereichen des sozialen und kulturellen Lebens« suchst? Der ›ultraorthodoxe‹ Skeptizismus würde ja eigentlich Erfindungen/Neuerungen eher behindern als fördern, oder? (Und tatsächlich, die Römer waren weniger die großen Erfinder, sondern mehr die Anwender )
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Alt 16.08.2016, 14:51   #5
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Sulpicius ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Zitat:
Mashenka Beitrag anzeigen
Wie weit geht eigentlich der Skeptizismus, zu dem Du nach Anzeichen in »Bereichen des sozialen und kulturellen Lebens« suchst? Der ›ultraorthodoxe‹ Skeptizismus würde ja eigentlich Erfindungen/Neuerungen eher behindern als fördern, oder? (Und tatsächlich, die Römer waren weniger die großen Erfinder, sondern mehr die Anwender )
Dazu muss kurz einmal ausführen, wie ich überhaupt auf die Überlegung gekommen bin.
Ich habe das Thema, wie erwähnt, von einem rechtshistorischen Standpunkt aus aufgegriffen. Eine interessante Ansicht in der Rechtshistorik sieht die sogenannte "Rechtsschule der Prokulianer" skeptisch geprägt. Das ist insofern bzgl. deiner Anmerkung hinsichtlich Erfindungen/Neuerungen interessant, als dass die Prokulianer auch als progressive Rechtsschule verstanden werden. Anders als die traditionalistisch geprägten Sabinianer (Sabinianer und Prokulianer haben sich in vielen Rechtsfragen ggü. gestanden) haben die Prokulianer eher neue Ideen befördert.

Skeptizismus und Progressivität passen in diesem Zusammenhang aber auch zusammen, da die traditionelle römische Rechtslehre an übergeordneten Prinzipien ausgerichtet war (insb. aus dem Grundsatz der bona fides verschiedenste Verpflichtungen hergeleitet hat). Die skeptische Betrachtungen dieser kaum greifbaren "Über-Prinzipien" und das Besinnen auf "fest umschriebene" Rechtsinstitute war neuartig und zugleich von einer gewissen Ablehnung übergeordneter und ungreifbarer Dogmen geprägt.

Ultra-orthodoxer Skeptizismus verbirgt sich hier wohl nicht, hat man mit den neuen Rechtsinstituten doch selbst gewisse dogmatische Strukturen geschaffen. In gewisser Weise hat man das Recht aber "greifbarer" gemacht, es von der "unerkennbaren" Struktur übergeordneter Prinzipien in eine "erkennbare" und greifbare Sphäre geführt. Diese Überführung vom prinzipiellen Denken in ein greifbares institutionelles Denken wird bisweilen skeptisch geprägt gesehen.

Mich interessiert, ob es derartige Tendenzen auch in anderen, gleich welchen, sozialen und kulturellen Lebensbereichen gab bzw. ob heute in gewissen Prozessen (oder eventuell auch im Abbruch gewisser Entwicklungsprozesse) eine skeptische Prägung gesehen wird.

MfG
Sulpicius
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Alt 20.08.2016, 15:12   #6
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jschmidt ist ein Lichtblickjschmidt ist ein Lichtblickjschmidt ist ein Lichtblickjschmidt ist ein Lichtblickjschmidt ist ein Lichtblick
Zitat:
Sulpicius Beitrag anzeigen
Eine interessante Ansicht in der Rechtshistorik sieht die sogenannte "Rechtsschule der Prokulianer" skeptisch geprägt.
Auf welche/wessen "Ansicht" nimmst Du konkret Bezug?

Zitat:
... "Über-Prinzipien" und ... Rechtsinstitute
Das sind auch die beiden Kernbegriffe bei Behrends. [1] Dort findet sich auf S. 442 eine interessante Fußnote (73), die vermuten lässt, das "griechische Erbe" habe eher als Stoizismus denn als Skeptizismus das römische Recht beeinflusst.

Von den gängigen Einführungen nennt Heinrich Honsell [2] zehn Beispiele für die Unterschiede zwischen den beiden Rechtsschulen, erwähnt aber "Skeptizismus" mit keinem Wort.Wahrscheinlich muss man doch eher auf die englischsprachige Literatur zurückgreifen.


[1] Okko Behrends: Institut und Prinzip. Göttingen 2004.
Einen Einblick gewährt https://books.google.de/books?id=wMx...page&q&f=false
Gibt Alfons Weische (Cicero und die neue Akademie: Untersuchungen zur Entstehung und Geschichte des antiken Skeptizismus. 2. Aufl. Münster 1975) etwas zum Thema her?
[2] Römisches Recht. 8. Aufl. Berlin 2015
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Alt 03.09.2016, 23:18   #7
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Zitat:
jschmidt Beitrag anzeigen
Auf welche/wessen "Ansicht" nimmst Du konkret Bezug?

Das sind auch die beiden Kernbegriffe bei Behrends. [1] Dort findet sich auf S. 442 eine interessante Fußnote (73), die vermuten lässt, das "griechische Erbe" habe eher als Stoizismus denn als Skeptizismus das römische Recht beeinflusst.

Von den gängigen Einführungen nennt Heinrich Honsell [2] zehn Beispiele für die Unterschiede zwischen den beiden Rechtsschulen, erwähnt aber "Skeptizismus" mit keinem Wort.Wahrscheinlich muss man doch eher auf die englischsprachige Literatur zurückgreifen.


[1] Okko Behrends: Institut und Prinzip. Göttingen 2004.
Einen Einblick gewährt https://books.google.de/books?id=wMx...page&q&f=false
Gibt Alfons Weische (Cicero und die neue Akademie: Untersuchungen zur Entstehung und Geschichte des antiken Skeptizismus. 2. Aufl. Münster 1975) etwas zum Thema her?
[2] Römisches Recht. 8. Aufl. Berlin 2015
Zunächst einmal: entschuldige meine späte Antwort, aber im Urlaub war ich etwas inaktiv

Ich nehme tatsächlichen auf die Ansicht von Behrends Bezug, den ich meinen Lehrer nennen darf. Insofern habe ich den von dir zitierten Behrends-Text hier auch vorliegen. Dass die Prokulianer anderenorts (etwa bei Honsell) nicht mit dem Skeptizismus in Verbindung gebracht werden, liegt wohl darin begründet, dass Behrends tatsächlich eher eine absolute Mindermeinung vertritt. Die herrschende Meinung sieht in der klassischen Juristerei ja nahezu gar keine Systematik und glaubt an eine kasuistisch geprägte Rechtsordnung.

Die Schrift von Alfons Weische hört sich gut an. Die werde ich mir mal besorgen.
Ich hoffe die Tage etwas mehr Zeit in die Thematik stecken zu können und dann hier auch ein Feedback geben zu können.
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