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Alt 23.03.2017, 13:38   #1
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Johann Christoph von Bartenstein

Ich habe jetzt angefangen die Biographie des Ritters von Anreth zu Bartenstein zu lesen. Gibt es neuere Biographien zu diesem herausragenden Staatsmann im Österreich der Mitte des 18.Jh.? Wenn ich mich an Reed Browning erinnere, scheint das Urteil über Bartenstein als Staatsmann völlig uneins. Zwar genoss er um 1740 das größte Vertrauen beim Kaiserhaus - wie es Wikipedia tut, ihn der Niederlage im Türkenkrieg zu bezichtigen (https://de.wikipedia.org/wiki/Johann...de_von_Belgrad ) , halte ich für einen völligen Schmarrn - war aber doch sehr umstritten. Mal wird er als alter Trottel und manchmal als halbes Genie hingestellt. Vielleicht war er mehr Gelehrter als Staatsmann; das mag zum Bild Bartensteins beigetragen haben. Außerdem könnte es sein, dass man ihm wie es bei August III. und Brühl ja auch der Fall ist, die Verfehlungen seines Herrschers anlastet.

Bin auf Infos vielleicht auch aus Österreich gespannt.
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Alt 23.03.2017, 16:17   #2
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Ich hab zwar keine Biographie über Bartenstein gelesen, aber über seine Nachkommen geforscht - die sind in meinem unmittelbaren Umfeld gelandet!

Spannende Familie, die Bartenstein-Vrints-Sippe. Vor allem die Vrints - ursprünglich aus Spanien, dann in den Niederlanden, über Jahrhunderte kaiserliche Erbgesandte zu Bremen, dann kurz in Wien, Vermählung & Übernahme des Bartensteinvermögens, danach Gesandte in Kopenhagen und glanzvolles Finale im franzsiko-josephinischen Fin de Siecle mit Prunkpalais in Wien.
Epilog mit bitter-süßer Liebesgeschichte des letzten Vrints-Bartenstein-Erben mit Bauerstochter (die in Heirat endete nach dem Tod des gestrengen gräflichen Großvaters), der Liebe entspross eine Tochter die als wahre österreichische Patriotin der braunen Brut die Stirn bot und für Jahre nach Dachau kam.
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Alt 06.04.2017, 08:15   #3
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Bartenstein ist auf jeden Fall eine faszinierende Figur, vor allem durch dem Gegensatz in seiner Beliebtheit. Dem Adel Österreichs - Starhemberg und ein paar wenige ausgenommen - verhasst, aber dem Kaiser höchst vertraut. Die persönlich geschriebenen Briefe des Kaisers zeugen von seiner großen Vorliebe und Sorge für Bartenstein.

Während man ihm manchen Fehler vor 1740 vorwerfen mag - auch wenn ich bis jetzt nicht erkennen kann, worin denn seine Schuld am Türkenkrieg gelegen haben soll, insbesondere an dessen Ausgang - so waren seine Urteile im Österreichischen Erbfolgekrieg richtig. Er wollte statt dem Beharren auf Italien lieber Schlesien zurückerobern oder mit dem ohnehin von österreichischen Truppen 1742 besetzten Bayern eine Kompensation für den Verlust Schlesiens in Deutschland. Offensichtlich ganz richtig war seine Annahme, dass eine Vormacht in Deutschland für Österreich weitaus wichtiger war, als ein paar Besitztümer in Italien. Der Ausgang des Krieges in Italien zeigte ja dann sogar, dass auch dort letztlich gegen Spanien und Frankreich nichts zu erobern war. Mag er auch nicht das Genie gewesen sein, für das er sich laut Podewils - dem man sowieso einige Parteilichkeit im Urteil vorwerfen mag - angeblich gehalten hat, so war er doch ein vorrausblickender Staatsmann, der wahrscheinlich sogar besser als seine vielgepriesene Kaiserin die Folgen der Friedensschlüsse voraussah. Ob man entgegen dem Willen der englischen Regierung, vor allem von Cateret, allerdings den Krieg hätte weiterführen können, da Österreich, wie selbst Barteinstein feststellen musste - von England abhängig war, steht auf einem anderen Blatt.
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