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| | #1 |
| Gast
Beiträge: n/a
| Guten Tag Ich beschäftige mich mit der Frage ob es denn im Mittelalter auch mal gerechte Könige gab? Wenn man sich die Geschichte anschaut dann sieht man das die meisten Könige sehr Brutal waren und auch nicht wirklich gerecht zu ihren Untertanen waren. Es wurden Leute getötet und gefoltert ohne meistens einen Beweiß zu haben usw. Deshalb meine Frage gab es einen König der gerecht war zu seinem Volk? Jetzt wird man sagen das war eine andere Zeit das war alles völlig normal. Aber Menschen hatten schon immer Gefühle konnten auch schon immer zwischen gerecht und ungerecht entscheiden. Wieso waren die Leute im Mittelalter so kalt und herzlos? Ist denn Mitleid eine Erfindung der Neuzeit? |
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| | #2 | ||||||
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 29.818
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Ich gehe mal davon aus, dass du mit deinem Beitrag provozieren möchtest, um Antworten zu erhalten. Ich lasse mich also mal provozieren. Zitat:
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__________________ Chi vuku zik Ah xel roxa ru camay zak yuhuh. Und darum Kinder eins bedenket: Wer Trollen respondieret Zeit verschenket! | ||||||
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| | #3 | |
| Mitglied Registriert seit: 07.2008 Ort: Schleswig-Holstein
Beiträge: 1.646
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Gerechtigkeit ist im Grunde ein idealer Zustand. Sollte man ihn irgendwann erreichen, dann müsste man in ihm verharren, ansonsten käme es wieder zur Ungerechtigkeit. Das würde Stillstand bedeuten. Du meinst aber sicher, ob es Könige gab, die auf das Wohl ihrer Untertanen bedacht waren und nicht nur an sich und ihre Standesgenossen dachten. Es gibt da die Gestalt des König Artus, ein mittelalterliches Idealbild. Auch dem realen Richard Löwenherz sagte man im Volksmund nach ein guter und weiser König gewesen zu sein. Richard verstand sich allerdings recht gut auf Propaganda und so sagte man z.B. seinem Schwert Wunderkräfte nach. So soll er zusammen mit sechs Rittern dreitausend Sarazenen in die Flucht geschlagen haben ... Gottes Gerechtigkeit.
__________________ "...solang die Semmelnknödeln aus mehreren Semmeln gemacht werden, sagt man unerbitterlich: Semmelnknödeln." Karl Valentin | |
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| | #4 | |
| Mitglied Registriert seit: 11.2008 Ort: Chemnitz
Beiträge: 1.394
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__________________ Und aus dem Chaos sprach eine Stimme: Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen. Und ich lächelte und war froh - und es kam schlimmer! | |
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| | #5 | |
| Mitglied Registriert seit: 09.2006 Ort: Hessen
Beiträge: 4.039
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Zitat:
Die Barmherzigkeit, die misericordia war durchaus eine Tugend, die einen Herrscher schmückte. Sieht man sich das Szenario mittelalterlicher Rechtskultur an stellen sich die Haare auf, die Folter als ein Mittel der Wahrheitsfindung erscheint furchtbar, furchtbarer noch, wenn man feststellt, dass sie im Gegensatz zum Ordal, dem Gottesurteil rational und fortschrittlich war. Es gab keinen Anspruch den Delinquenten zu bessern, es hätten auch die dazu nötigen Gefängnisse gefehlt. So gesehen sind die "Spiegelnden Strafen des Mittelalters", das "Theater des schreckens, "Das fest der Matern" nur vordergründig Grausamkeiten. die Strafen mussten grausam sein und öffentlich, sonst hätten sie ihren Sinn verloren. Fürstinnen wie Elisabeth von Thüringen widmeten sich der Armenfüesorge und Krankenpflege. Das Kaiserehepaar Heinrich II. und Kunigunde brachten es bis zu Heiligen.
__________________ Man muss das Grundgesetz vor seinen Vätern schützen und die Verfassung vor ihren Schützern | |
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| | #6 | |
| Mitglied Registriert seit: 11.2008 Ort: Chemnitz
Beiträge: 1.394
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__________________ Und aus dem Chaos sprach eine Stimme: Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen. Und ich lächelte und war froh - und es kam schlimmer! | |
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| | #7 |
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 29.818
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Man war im Mittelalter nicht dumm und war sich des Problems, welches die Folter mit sich brachte, vollauf bewusst und berücksichtigte dies, indem man sie regulierte. Es bringt allerdings nichts, dies ausschließlich aus heutiger Perspektive zu beurteilen. Um das Inquisitionsverfahren nicht nur zu verurteilen, sondern auch zu verstehen, muss man einiges wissen. In einem ordnungsgemäßen Untersuchungsverfahren wurde zunächst befragt, dann wurden, wenn man dem Angeklagten nicht glaubte, die Instrumente gezeigt, wenn er dann immer noch nicht gestand, kam es zur peinlichen Befragung, ergo Folter. Gefoltert werden durfte nur ein Mal. Nach der Folter musste der Delinquent das Geständnis wiederholen. Wenn er es widerrief, durfte er nicht erneut gefoltert werden. Der Scharfrichter, der auch für die Folter zuständig war, hatte dafür zu sorgen, dass der Delinquent a) bei Bewusstsein blieb (sonst konnte man ihn nicht befragen) und b), dass er keine bleibenden Schäden davontrug (von Psychologie, und dass Schäden nicht nur körperlich sein könnten, hatte man damals keine Ahnung). Es galt nämlich mit der Einführung des Inquisitionsverfahrens die Unschuldsvermutung. Allerdings hatte man außer der Folter kein Instrumentarium, die Wahrheit herauszufinden. Nicht umsonst sind aus dem SpätMA Beschwerden von Badern und Ärzten erhalten, die gegen die Scharfrichter gerichtet waren, die Nachts heimlich Patienten behandelten. Die Scharfrichter hatten nämlich aufgrund ihrer Praxis in der Wundversorgung mehr Kenntnisse, als die eigentlichen Ärzte und die Menschen wussten das (allerdings waren Scharfrichter Unehrliche, mit denen man eigentlich nicht verkehrte). Also: Die Folter - aus heutiger Sicht selbstverständlich zu verurteilen - war gegenüber dem willkürlichen Gottesurteil ein Fortschritt, die Angeklagten erhielten erstmals Rechte! Körperliche Schäden wusste ein guter Scharfrichter schon aus eigenem Interesse zu vermeiden. Ein Gottesurteil dagegen endete immer tödlich. Man muss betrachten, was vorher war, nicht was heute ist. Fingerabdruck und DNA-Vergleich kannte man noch nicht. Nach mittelalterlichem Verständnis war auch eine Zeugenaussage nur dann möglich, wenn der Zeuge den Tatvorgang auch wirklich gesehen hatte. Nehmen wir an, ein mittelalterlicher Zeuge sah zwei Personen in einen Raum gehen, heraus kommt eine Person, die zweite Person wird bestialisch zugerichtet tot im Raum aufgefunden, Türen und Fenster gab es nicht. Heute würde man sagen: Klarer Fall, Person A hat Person B getötet. Das war im Mittelalter nicht so. Da galt, das Person A und Person B zwar gemeinsam in den Raum hineingingen, aber was dann in dem Raum passierte, hatte ja niemand gesehen. Im Gottesurteil musste Person A nun ihre Unschuld durch einen Kampf oder eine Probe beweisen. Im Inquisitionsprozess wurde Person A befragt und ggf. gefoltert (die Folterung war eine Eskalationsstufe des Untersuchungsverfahrens, sie wurde nicht zwingend angewendet), um herauszufinden, ob Person A, Person B getötet hatte. Denn für das Mittelalter war auch die Möglichkeit real, dass der Teufel selbst, der eben nicht an die Gesetze der Physik gebunden war, für den Zustand von Person B verantwortlich war, ohne das Person A etwas damit zu tun hatte.
__________________ Chi vuku zik Ah xel roxa ru camay zak yuhuh. Und darum Kinder eins bedenket: Wer Trollen respondieret Zeit verschenket! Geändert von El Quijote (25.05.2012 um 22:26 Uhr). |
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| | #8 |
| Mitglied Registriert seit: 12.2011
Beiträge: 283
![]() | Mitleid ist ein Gefühl, die Gehirne der damaligen Menschen funktionierten wie unsere, folglich gab es Mitleid. Dass das Mittelalter grausamer, herzloser oder unzivilisierter als andere Epochen war, ist ein weitverbreitetes Klischee.
__________________ Besorgt mir ein schönes Gebüsch! Geändert von ketzer97 (26.05.2012 um 12:38 Uhr). |
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| | #9 |
| Mitglied Registriert seit: 12.2011
Beiträge: 283
![]() | Über Sinn und Unsinn mittelalterlicher Justiz haben wir hier schon einmal diskutiert, das wird dich vielleicht interessieren: Mittelalter
__________________ Besorgt mir ein schönes Gebüsch! |
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| | #10 |
| Mitglied Registriert seit: 09.2009
Beiträge: 2.620
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | @ElQ Der Dekalog gilt nur für den, der ihn in sein Credo aufnimmt, ansonsten wird Dir jeder Philosoph und Theologe Dein Argumentarium "in der Luft zerreißen". Die Bewertung, ob es "gerechte" Herrscher im MA gab, ist aus geschichtsphilosophischer Sicht m.E. nicht beantwortbar, Du stellt in Deinem Posting auf positives Recht ab, ich stelle das überpositive Recht einfach mal dagegen. Also Ranke vs. Kant. Könnte spannend werden. M.
__________________ Hic Rhodus, hic salta! |
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| | #11 | |
| Moderator Registriert seit: 04.2005 Ort: En un lugar de la Mancha de cuyo nombre no quiero acordarme...
Beiträge: 29.818
![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() | Zitat:
*Außer im bellum iustum , ohne das hier in der gebotenen Differenziertheit ausführen zu wollen.
__________________ Chi vuku zik Ah xel roxa ru camay zak yuhuh. Und darum Kinder eins bedenket: Wer Trollen respondieret Zeit verschenket! | |
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| | #12 | |
| Mitglied Registriert seit: 05.2007 Ort: Berlin
Beiträge: 1.569
![]() ![]() ![]() ![]() | Offensichtlich gab es die: Zitat:
Wieviel das mit heutigen Vorstellungen zu tun lass ich mal dahin gestellt; dass scheint ja das eigentlich Problem zu sein...
__________________ "Klug hat der Mann gehandelt, der die Menschen lehrte, den Worten auch der Anderen Gehör zu schenken." Euripides | |
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| | #13 |
| Mitglied Registriert seit: 07.2008 Ort: Schleswig-Holstein
Beiträge: 1.646
![]() ![]() ![]() | Weshalb es einen Mangel an gerechten Königen gab, beantwortet vielleicht Heinrich Heine mit folgenden Zeilen: Warum muss der Gerechte so viel leiden auf Erden? Warum muss Talent und Ehrlichkeit zugrunde gehen, während der schwadronierende Hanswurst sich räkelt auf Pfühlen des Glücks und fast stinkt vor Wohlbehagen?
__________________ "...solang die Semmelnknödeln aus mehreren Semmeln gemacht werden, sagt man unerbitterlich: Semmelnknödeln." Karl Valentin |
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| | #14 |
| Mitglied Registriert seit: 05.2007 Ort: Berlin
Beiträge: 1.569
![]() ![]() ![]() ![]() | Rurik, das sind Fragen, keine Antworten... ![]()
__________________ "Klug hat der Mann gehandelt, der die Menschen lehrte, den Worten auch der Anderen Gehör zu schenken." Euripides |
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| | #15 | |
| Mitglied Registriert seit: 12.2008 Ort: da wo Hessen entstand
Beiträge: 491
![]() | Zitat:
![]() Gerecht, Heilig, Ungerecht, jeder König war auch ein Kind seiner Zeit. Mit teilweisen anderen Voraussetzungen zu seinem Machterhalt. Dies aus einer Gegenüberstellung von verschiedenen Personen aus verschiedenen Epochen zu handhaben, ist sehr schwierig. Ist meiner einer Meinung. en hesse
__________________ Da tanzen die Elfen auf grünem Land, Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand. | |
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| | #16 |
| Mitglied Registriert seit: 12.2011
Beiträge: 283
![]() | Wie definiert man denn überhaupt "gerecht" in diesem Kontext? Im juristischen Sinne waren die mittelalterlichen Herrscher sicher mehrheitlich tadellos gerecht, hielten sie sich doch an geltendes Recht und Gesetz. Die rücksichtslose Willkür, an die der Threadersteller wohl dachte, kam sicher vor, bildete dann doch eher die Ausnahme von der Regel und war für den Regenten auch nicht unbedingt von Vorteil (als Beispiel für mittelalterliche Despotie mag hier Phillipp der Schöne dienen). Generell konnte der König/Kaiser nicht einfach machen was er wollte; er hätte sich Adel, Klerus und Volk zu Feinden gemacht und damit eine Rebellion riskiert. Ach ja: Die brutalsten Regimes der Geschichte hat übrigens die Neuzeit hervorgebracht. Rücksichtslose Machtpolitik gab es immer und wird es immer geben, bisher hat jedenfalls noch keine Veränderung der Menschheit zu einem Ende aller Gewaltherrschaft geführt. Noch ein Tipp für den Ersteller: Deinem Nick nach zu urteilen bist du vielleicht ein Freund der besagten Buch-/Fernsehreihe. Richte daran nicht dein Bild historischer Epochen aus, denn meistens haben solche Fantasyromane herzlich wenig mit der geschichtlichen Realität zu tun!
__________________ Besorgt mir ein schönes Gebüsch! Geändert von ketzer97 (27.05.2012 um 09:28 Uhr). |
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| | #17 |
| Mitglied Registriert seit: 12.2011
Beiträge: 283
![]() | In den meisten Fällen wäre der Hanswurst ohne das oben genannte Talent wohl gar nicht in seine Position gekommen oder hätte sie zumindest nicht halten können.
__________________ Besorgt mir ein schönes Gebüsch! |
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| | #18 |
| Mitglied Registriert seit: 12.2011
Beiträge: 283
![]() | Die aber im Ideal wiederum stets wohltätig und großherzig ihren Untertanen gegenüber sind.
__________________ Besorgt mir ein schönes Gebüsch! |
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