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Alt 24.06.2012, 07:06   #1
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Canoidea ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Altar, im Boden eingelassenes Loch

Ich habe irgendwann in einem historischen Roman gelesen, dass manchmal hinter dem Altar ein Loch in den Boden eingelassen wurde. In dem Roman wurde dort das Diebesgut versteckt. An die Erklärungen, weshalb sich überhaupt ein solches dort befindet, habe ich leider vergessen. Weiß hier jemand über die Bedeutung bescheid?
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Alt 24.06.2012, 10:01   #2
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In welcher Kultur war denn Dein historischer Roman beheimatet?
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Alt 24.06.2012, 11:07   #3
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Früher hat man in diesen Löchern hinter dem Altar die z.B. auf den Boden gefallenen Hostien in Weihwasser aufgelöst.

Ob dieser Ort geeignet für Diebesgut ist, wage ich zu bezweifeln.
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Alt 24.06.2012, 11:22   #4
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Canoidea ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Dieses Geschehen war in Deutschland, Bayern. Das Versteck für Diebesgut passte gut in den Roman. Mich interessiert eben die wirkliche Funktion dieses Loches. Habe vorher noch nie davon gehört. Vielleicht hat es einen Namen? Auf den Boden gefallene Hostien einweichen? Welchen Zweck erfüllt das? Wurden die dann wieder verwendet, die lösen sich ja auf...
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Alt 24.06.2012, 11:46   #5
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Was in Historischen Romanen steht, ist... naja..., es gibt wenige gute und viele schlechte davon.

Ob dieses Loch einen Namen hat (Hostienversenker z.B.) weiß ich nicht.
Um das Ritual zu verstehen, muss man in die Dogmen der katholischen Kirche gehen. Eines davon ist die Transubstantiationslehre (sprich das mal aus, ohne dir die Zunge zu verknoten).

Die Transsubstantiationslehre besagt, dass während der Eucharistiefeier, in der Wandlung, aus dem Brot und Wein wahrer Leib und wahres Blut Christi werden. Es handelt sich demnach nicht lediglich um eine symbolische Handlung, sondern um eine reale, wenn auch nicht äußerlich sichtbare Wandlung vom Brot und Wein in Leib und Blut. (Ob dies so ist und sein kann etc. brauchen wir hier nicht zu diskutieren.)

Wenn aber nun eine Hostie auf den Boden fällt, dann kann man sie den Gläubigen nicht mehr anbieten (es wird sicherlich Leute geben, die sie trotzdem essen oder Priester, die sie selber zu sich nehmen), einfach entsorgen geht aber auch nicht, da es sich ja - hier greift die Transsubstantiationslehre - um den wahren Leib Christi handelt. Also wird die Hostie im geweihten Boden der Kirche versenkt.
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Alt 24.06.2012, 12:36   #6
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Zitat:
El Quijote Beitrag anzeigen
Ob dieses Loch einen Namen hat (Hostienversenker z.B.) weiß ich nicht.
Man nennt diese Löcher im Kirchenboden auch Sacrarium/Sakrarium. Alternativen sind die Piscinae. Die Piscina eine Art Waschbecken, deren Abfluss auf den Friedhof (also auch in geweihte Erde) führt.
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Alt 24.06.2012, 14:00   #7
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Ja, genau, davon spreche ich. Das hab ich gesucht. Vielen Dank.
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Alt 24.06.2012, 16:17   #8
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Zitat:
El Quijote Beitrag anzeigen
Man nennt diese Löcher im Kirchenboden auch Sacrarium/Sakrarium. Alternativen sind die Piscinae. Die Piscina eine Art Waschbecken, deren Abfluss auf den Friedhof (also auch in geweihte Erde) führt.
Nanu, Piscina sind doch Fischbecken in römischen Villen? So was aber auch.
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Alt 24.06.2012, 21:10   #9
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Zitat:
hjwien Beitrag anzeigen
Nanu, Piscina sind doch Fischbecken in römischen Villen? So was aber auch.
Der Begriff erlebte schon in römischer Zeit einen Bedeutungswandel, wo auch z.B. Badebecken "piscina" heißen konnten. In Spanien und Portugal wird der Begriff noch heute für Schwimmbad verwendet.
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Alt 24.06.2012, 21:53   #10
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In mittelalterlichen Kirhen gab es teilweise auch Öffnungen im Boden die die Verbindung vom Chor/Altarraum zu einer darunter liegenden Krypta darstellten
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Alt 25.06.2012, 09:12   #11
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Du meinst im Sinne eines Zugangs oder eines Lichtschachtes (o.ä)?
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Alt 26.06.2012, 12:02   #12
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Mir hat man mal gesagt, dass in dieses Loch auch das Waschwasser für die Altartücher gegossen wurde, da man das auch nicht einfach so wegkippen wollte. Ob das stimmt weiß ich nicht.
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Wir leben in einem Jahrhundert, wo man Dinge sagt und schreibt, die sich unsere Vorfahren kaum zu denken getraut hätten. (Joseph Richter 1785)
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Alt 26.06.2012, 13:19   #13
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Zitat:
zaphodB. Beitrag anzeigen
In mittelalterlichen Kirhen gab es teilweise auch Öffnungen im Boden die die Verbindung vom Chor/Altarraum zu einer darunter liegenden Krypta darstellten
...
Mich würde auch interessieren, ob es sich hier um einen Gang, Abstieg handelt, oder welchen Zweck diese Verbindung hatte. Wann wurden diese gebaut?
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Alt 26.06.2012, 19:52   #14
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Nun, im berühmtesten Beispiel geht man im Petersdom hinab in die Vatikanischen Grotten. Such mal unter Krypta bei Wikipedia, und Du wirst zu einigen schönen Beispielen geleitet.
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Alt 29.06.2012, 21:40   #15
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ELQ, im Sinne eines Lichtschachtes .
Erstmals ist mir das in einer alten Beschreibung vom Mainzer Dom begegnet,wo sich unter dem Ostchor im ältesten Teil ds Doms die Nassauer Unterkapelle befindet. Und die hatte eine vertikale Verbindung zum darüber liegenden Ostchor. Über der Öffnung zur Unterkapelle befand sich im Chor ein steinerner Baldachin mit einem Martinsaltar.
Die Öffnung ist heute verschlossen, aber ähnliche "Lichtschächte" habe ich auch in anderen romanischen und gotischen Kirchen gefunden, ohne daß ich allerdings genau weiß,ob und welche bauliche und kultische Funktion ihnen zugedacht war.

Licht und Belüftung waren in der Regel durch seitliche Öffnungen und die Zugänge gewährleistet.
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