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Alt 13.03.2017, 15:46   #1
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Michael McNally: "Ramilies 1706..."

Michael McNally: "Ramillies 1706 - Marlborough's Tactical Masterpiece" (2014)
Osprey-Publishing, 96 Seiten

Ich habe vor 2 Wochen etwa McNallys Buch über die Schlacht bei Ramillies erhalten. Anders als auf Deutsch, erfreuen sich solche militärischen Themen noch immer gerade in Großbritannien großer Beliebtheit. Neben Helion ist Osprey einer der wichtigsten Verlage in der Hinsicht. Leider ist die Seitenzahl bei den Bänden der Campaign-Reihe deutlich begrenzt.

Gerade deswegen erstaunt, dass sich der Autor etwa über die Hälfte des Buches über die Kriegsursache und den Kriegsverlauf auslässt. Über die Zusammensetzung der Armeen und ihre Bewaffnung erfährt man hingegen wenig. In sehr kurzen Artikeln werden die Befehlshaber beider Seiten vorgestellt. Werden Unterführer bis hin zu Brigadechefs oder sogar Bataillonskommandeure im Text erwähnt, so werden auch zumeist kleine interessante Anmerkungen nicht vergessen, die zum Verständnis durchaus nützlich sind. Es erstaunt dabei aber, dass es zu Wiederholungen kommt - so wird manchmal im Begleittext der Illustrationen dasselbe gesagt wie im Text. Die Karten der Feldzüge und des Schlachtverlaufes sind nicht besonders detailliert. Die einseitigen Karten wurden von innen lesbar gemacht, was scheinbar ein Flüchtigkeitsfehler der Produktion war. Gerade vom Dorf Ramillies hätte man sich eine Detailkarte gewünscht. Wie in vielen modernen Büchern sind die zeitgenössischen Darstellungen oftmals so klein, dass man praktisch nichts erkennen kann, auch mit einer Lupe nichts. Moderne Illustrationen hingegen sind ganzseitig in Farbe in kleiner Zahl oder einfarbig. Die Illustrationen sind ganz in Ordnung, ohne jetzt wirklich zu begeistern. Zahlreiche v.a. Schwarz-Weiß-Fotos des heutigen Zustandes des Schlachtfelds sind teilweise durchaus überaus nützlich. Obwohl der Text zur Schlacht selbst v.a. am Anfang etwas hölzern daher kommt und stilistisch (z.B. Wiederholung des selben Wortes in aufeinander folgenden Sätzen) nicht gerade schön ist, gewinnt er doch zunehmend. Die Erwägungen der Feldherren beider Seiten werden packend geschildert. Gerade das negative Bild von Villeroi als salopp gesagt vom König favorisierter Trottel wird ein bisschen zurecht gerückt. Marlboroughs Stärken werden hervorragend ausgearbeitet. Den Geländehindernissen und Problemen dadurch für die Verschiebung der Truppen v.a. auf französischer Seite wird Rechnung getragen. Die Beschreibung der Schlacht scheint mir sehr packend und durch einige Augenzeugenschilderungen auch obendrein aufgewertet.
Trotz ein paar Schwächen schafft es McNally ein spannendes Buch zu Marlboroughs großem Sieg vorzulegen. Für Interessierte am Spanischen Erbfolgekrieg ein Muss.
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Alt 13.03.2017, 20:33   #2
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Vielen Dank für den Hinweis und ein paar eigene Punkte.

Der Spanische Erbfolgekrieg ist sicherlich eine relevante Periode der europäischen Geschichte, die aber erstaunlicherweise aus deutscher Sicht eher unterbewertet ist und hinter die napoleonischen Kriege oder die von FdG zurücktritt.

Sie ist bereits wegen der teilnehmenden Persönlichkeiten interessant, ein Marlborough als "Schüler" eines Turenne. Ein "Prinz Eugen" als "Partner" in den Schlachten gegen Frankreich. Im Kontext der Befreiung der Niederlande und Belgiens. Ein Vauban und ein Ludwig XIV. im Hintergrund (vgl. z.B. die Darstellung bei Montgomery, S. 291ff)

Es sind aber auch die militärischen Leistungen des Feldzuges von Marlborough, die bemerkenswert sind. Der Marsch an die Donau, der Wien "rettete" (Blenheim / Höchstädt). Und durch den Sieg bei Ramilies die Unabhängigkeit von Belgien sicherte (vgl. Churchill, bd. III, S. 70).

Die "taktischen" Siege von Marlborough in Blenheim, Oudenaarde, Ramilies und Malplaquet begründen dabei seine Einordnung als einer der bedeutenden Feldherren in seinem Jahrhundert.

Marlborough ist aber in militärhistorischer Hinsicht besonders interessant, weil er ähnlich wie FdG bei seinen Schlachten die frühe Entscheidung gesucht hatte. Und dieses als Grund für seine militärischen Erfolge angesehen wird, die sich dann auch in politischen Gewinnen niederschlug.

Folgt man David Chandler in Lynn (S. 273) dann "from first to last he was the proponent of the major battle as the sole means to break an enemy`s military power ans thus his will to resist."

Dabei verfolgte Marlborough in seiner Periode unkonventionelle Strategien, indem er das tat, was man eigentlich nicht erwartet hatte: Seine Handlungen waren überraschend, weil es den militärischen Lehren der damaligen Zeit widersprach (Brauer & van Tuyll, Pos. 3267).

Er griff bei Blenheim an, obwohl sein Gegner numerisch überlegen war. Und eigentlich hatten die Franzosen erwartet, dass er sich zurück ziehen würde.

Ähnlich bei Ramilles. In dieser Schlacht griff Marlborough erneut zu einem Zeitpunkt an, als sein Gegner es nicht erwartet hatte und eigentlich Passivität vermutete.

In diesem Sinne kann man das strategische Verständnis der Schlachten auf eine Ebene mit FdG bzw. mit Napoleon stellen. Und so schreiben Brauer & van Tuyll:

"M. apparently did believe that decisive victories, even with risks, would be more likely to lead to a favourable result, for both allies." (Pos. 3285)


https://de.wikipedia.org/wiki/John_C...of_Marlborough

https://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_von_Savoyen

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Ramillies

https://de.wikipedia.org/wiki/Zweite...B6chst%C3%A4dt


Brauer, Jurgen; van Tuyll, Hubert P. (2009): Castles, battles, & bombs. How economics explains military history. [Nachdr.]. Chicago, Ill.: University of Chicago Press.
Churchill, Winston (1957): Geschichte. 1. Aufl. 4 Bände. Bern: Alfred Scherz Verlag.
Lynn, John A. (2013): The wars of Louis XIV, 1667-1714. Milton Park, Abingdon, Oxon: Routledge
Montgomery, Bernard L. (1999): Kriegsgeschichte. Weltgeschichte der Schlachten und Kriegszüge. Frechen: Komet.
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Geändert von thanepower (13.03.2017 um 21:24 Uhr).
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Alt 14.03.2017, 11:36   #3
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Noch eine weitere Anmerkung, da die Bewertung von Marlborough in der Militärhistorie einer Veränderung unterlag.

In Anlehnung an Delbrück formuliert Heuser (S. 94ff), dass es zwei Gruppen von Generalen gegeben hätte.

1. Heerführer, die auf eine Vernichtung durch eine Schlacht abzielten. Und dazu zählte Delbrück Alexander d. Großen, Ceasar, Napoleon Gneisenau und Moltke.
und
2. Heerführer, die auf die Erschöpfung des Gegners abzielten. Und dazu zählte er Perikles, Hannibal, Gustaf Adolf, Eugen, Marlborough, FdG und Wellington.

Die heutige Einschätzung, so Heuser, hat sich dahingehend gewandelt, "that Frederick, like Tilly or Marlborough, might have wished for quick wars with decisive battles.." aber waren durch die historischen Umstände gewungen, auch andere Formen der Kriegsführung zu akzeptieren.(ebd. S. 94/95)

Die zentralen Einschränkungen resultierten dann aus der mangelnden Mobilität der Heere und der einschränkenden Logistik.

Heuser, Beatrice (2010): The evolution of strategy. Thinking war from antiquity to the present. Cambridge, UK, New York: Cambridge University Press.
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Alt 14.03.2017, 12:37   #4
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Bei Marlborough ist ja auch die Frage, ob man den Feldzug betrachtet wie er ablief oder Marlboroughs Intentionen. Ich bin da ganz bei Dir, thanepower, dass Marlborough die Entscheidung suchte. Erst das Netz von Festungen in Flandern und Nordfrankreich hat ihn daran gehindert. Wäre es nach ihm gegangen, so wäre er schon 1705 südlich des späteren Hauptkriegsschauplatzes nach Frankreich vorgestoßen und hätte damit Frankreich zur Aufgabe gezwungen. Die Niederländer aber verweigerten dem Plan ihre Unterstützung und forderten die Konzentrierung der Kräfte in den spanischen Niederlanden. Erst sein weiteres Verhalten indem er drohte die Verteidigung aufzugeben und sich ungewohnt zögerlich gab, zwang die Niederländer zu einer Art Kompromiss, welcher dann 1706 in die Offensive - wenn auch wieder in dem Festungsgewirr von Flandern - mündete. Die Franzosen mochten die schlechteren Truppen gehabt haben, aber die Uneinigkeit im Alliierten Lager machte zumindest zum Teil die Vorteile der Verbündeten wieder wett.

Villeroi hatte ja 1706, obwohl zahlenmäßig unterlegen und durch die Bündelung seiner Kräfte seine Festungsverteidigungen schwächend, selber angreifen müssen, da Louis XIV scheinbar kein Einsehen in die Situation hatte. Ungewöhnlich war bei Ramillies wie rücksichtslos Marlborough den Sieg auszuweiten vermochte. Andere Feldherren seiner Zeit, so lässt McNally durchscheinen, hätten sich mit dem geordneten Rückzug begnügt. Der Angriff durch Lumleys und Orkneys Truppen vom rechten Flügel verwandelten den französisch-spanischen Rückzug eher in eine Flucht, was dann auch zu zahlreichen Gefangenen führte. Immerhin hatten die Franzosen, in dem Fall d'Artagnan, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Statt Ramillies immer weiter zu verstärken, hatte er primär darauf gesetzt für Guiscards geschlagene Kavallerie einen Rückzugspunkt zu schaffen. Hätte er anders gehandelt, wäre aus Ramillies vielleicht ein zweites Blindheim geworden und die Niederlage der Franzosen wäre noch fataler gewesen.
Anders als die Franzosen waren Marlborough und ebenso Prinz Eugen fähig auf dem Schlachtfeld ihren Plan entscheidend zu verändern, wenn sich die Gelegenheit bot. Allerdings muss man dazu sagen, dass Marlborough - da Du seinen kühnen Angriff ansprichst, der unerwartet gewesen sei - auf vorzügliche, überlegene Truppen vertrauen konnte. Bei Höchstätt war es ja bereits genauso, dass die englische Infanterie und alle anderen Verbündeten, die das moderne Peletonfeuer eingeführt hatten, den Franzosen mit ihrem gliederweisen Feuern haushoch überlegen waren. Jeff Berry erklärt sehr gut die Funktionsweisen der verschiedenen Kampfweisen: Obscure Battles: Blenheim 1704 Diese starke taktische Überlegenheit erklärt die Zuversicht der alliierten Kommandeure auch in Situationen nummerischer Unterlegenheit an einem Punkt oder sogar in einer Kombination derselben mit besserer Deckung etc. auf Seiten der Franzosen siegreich zu bleiben. Orkney bspw. hat bei Ramillies garnicht eingesehen sich zurückzuziehen, da ihm der Feind keineswegs so stark erschien sich gegen ihn zu behaupten. Nur hätte auch ein Erfolg von seinem Infanterieflügel garnicht in Marlboroughs Plan gepasst.


Sehr detaillierte Karten zu Ramillies liefert "Obscure Battles" ebenfalls:
Obscure Battles: Ramillies 1706
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Alt 14.03.2017, 19:42   #5
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Zitat:
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Bei Höchstätt war es ja bereits genauso, dass die englische Infanterie und alle anderen Verbündeten, die das moderne Peletonfeuer eingeführt hatten, den Franzosen mit ihrem gliederweisen Feuern haushoch überlegen waren.
Vielen Dank für die beiden Links, die die Schlachten sehr detailliert und kompetent beschreiben. Lesenswert!

Obiger Hinweis ist wichtig für das Verständnis der Veränderung in der Kriegsführung - Revolution in Military Affairs - in dieser historischen Periode um 1700.

So weist beispielsweise Howard darauf hin, dass zwei Entwicklungen im Bereich der Infantrie relevant waren (ebd. Pos. 770ff) Das bis dahin klassische Luntenschloss wurde durch das Gewehr mit einem Steinschloss ersetzt. Die Geschwindigkeit des Schießens wurde dadurch deutlich gesteigert und ebenso die Zuverlässigkeit des Schießens.

Durchschnittlich trainierte Soldaten konnten ein Feuer von 3 Salven pro Minute aufrechterhalten. Und in einer Formation einer Dreierreihe konnte damit ein kontinuierliches Feuer abgegeben werden. Die einzelnen Soldaten trugen dabei ca. 40 bis 60 Papierpatronen mit sich.

Die Lineartaktik wurde für die meisten Armeen die bevorzugte Formation beim Feuerkampf.

Vor allem auf die Schiessausbildung hatte Marlborough Wert gelegt, sodass seine Truppen - wie Brissotin schon ausgeführt hatte - im Infantriekampf deutliche Vorteile genossen.

Diese Form des Kampfes wurde noch bis in die Zeit der napoleonischen Kriege beibehalten und die Soldaten unter Wellington kämpften mit ähnlichen Waffen und einer ähnlichen Kamfpweise.

https://de.wikipedia.org/wiki/Steinschloss

Die zweite Innovation betraf das "Ring-Bayonet", das auf den Lauf aufgesteckt werden konnte und das Weiterschießen ermöglichte. In der Konsequenz setzte sich eine einheitliche Bewaffnung der Infantrie durch und die Pikenträger wurden abgeschafft. Der Musketier ersetzte den Pikenier.

Diese Neuerungen veränderten nicht nur die Bedeutung der Infantrie auf dem Schlachtfeld. Diese Neuerungen erhöhten gleichzeitig die Mobilität, da durch geringere zu tragende Gewichte, die Marschleistung verbessert werden konnte.

Die Auflockerung der Formationen im Kampf macht aber auch deutlich, das der individuelle Stress des Kämpfers zunimmt. Er ist nicht mehr so eng in die Formation eingebunden. Diese Entwicklung hin zum "Einzelkämpfer" stößt eine Entwicklung an, die militärisch noch nicht abgeschlossen ist.

Relevant wurde diese Entwicklung zunächst während der napoleonischen Kriege durch die "Jägerformationen" oder die "Tirailleure", die den individuellen Schützenkampf als "Plänkler" bzw. als "Scharfschützen" führten.

Howard, Michael (2009): War in European history. Updated ed. New York, NY: Oxford University Press.
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Alt 14.03.2017, 22:36   #6
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Zitat:
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...
Die zweite Innovation betraf das "Ring-Bayonet", das auf den Lauf aufgesteckt werden konnte und das Weiterschießen ermöglichte. In der Konsequenz setzte sich eine einheitliche Bewaffnung der Infantrie durch und die Pikenträger wurden abgeschafft. Der Musketier ersetzte den Pikenier.

...
Im deutschen Sprachgebrauch Tüllenbajonett. "Ring-Bajonet" ist ein unnötiger Anglizismus.
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Alt 15.03.2017, 10:53   #7
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Zitat:
Bdaian Beitrag anzeigen
Im deutschen Sprachgebrauch Tüllenbajonett. "Ring-Bajonet" ist ein unnötiger Anglizismus.
Kann es sein, dass im Englischen zwischen drei Bajonetten unterschieden wird?
Es gibt das Spundbajonett, welches das weitere Feuern unmöglich machte und eine Form des Tüllen- oder Dillenbajonetts, welche zwar erlaubte ein Mal zu feuern bei aufgepflanztem Bajonett, aber das Laden praktisch unmöglich machte, weil man dazu das Bajonett abnehmen musste. Dann wurde das Bajonett mit seitlichem Arm entwickelt. In einigen Armeen hielten sich die Spundbajonette erstaunlich lange. An dem Lauf des Gewehrs musste sich ja eine Bajonettwarze befinden, woran man das Tüllenbajonett anbringen konnte, damit es nicht im Laufen abfiel und Kameraden verletzte. Die Sachsen haben m.W. kurz vor der Einführung des Tüllenbajonetts noch eine Menge Musketen beschafft, wo dann weiterhin das Spundbajonett aufgepflanzt werden musste. Allerdings muss man dazu sagen, dass das Auf- oder Abpflanzen eines Bajonetts nun auch nicht soviel Zeit erfordert. Das Anhalten einer Einheit aus dem Lauf und das Ausgeben des Befehls dazu, Schultern wieder weiter laufen schon eher.

Zur Waffentechnik: mir war gestern im Gespräch mit Artorius aufgefallen, dass die britischen Grenadiere scheinbar keine Handgranaten mehr mit sich führten. Beim Sturm auf den Friedhof von Ramillies, erwähnen auch Zeitgenossen, dass den Grenadieren die Verwendung ihrer Äxte befohlen wurde, um das Friedhofstor aufzubrechen. Petarden oder Handgranaten scheinen nicht zum Einsatz gekommen zu sein.
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Alt 15.03.2017, 17:21   #8
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Zitat:
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Kann es sein, dass im Englischen zwischen drei Bajonetten unterschieden wird?
Es gibt das Spundbajonett, welches das weitere Feuern unmöglich machte und eine Form des Tüllen- oder Dillenbajonetts, welche zwar erlaubte ein Mal zu feuern bei aufgepflanztem Bajonett, aber das Laden praktisch unmöglich machte, weil man dazu das Bajonett abnehmen musste. Dann wurde das Bajonett mit seitlichem Arm entwickelt.
Nicht das ich wüsste. Das Tüllenbajonett ohne angewinkelten Arm war nur eine kurze Übergangslösung und es ist mir kein besonderer Name dafür geläufig, weder auf Deutsch noch auf einer anderen Sprache. Im englischen sind "Ring" "Socket-Bayonet" synonyme, der Begriff Spike-Bajonett bezieht sich dagegen auf die Klingenform und nicht auf die Befestigungsart.
Eine ähnliche Lösung kam mit den Hinterladerwaffen wieder auf, als aufsteckbarer Dorn (z.B. beim französischen MAS 36) oder als Klappbajonett.

Zitat:
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In einigen Armeen hielten sich die Spundbajonette erstaunlich lange. An dem Lauf des Gewehrs musste sich ja eine Bajonettwarze befinden, woran man das Tüllenbajonett anbringen konnte, damit es nicht im Laufen abfiel und Kameraden verletzte. Die Sachsen haben m.W. kurz vor der Einführung des Tüllenbajonetts noch eine Menge Musketen beschafft, wo dann weiterhin das Spundbajonett aufgepflanzt werden musste. Allerdings muss man dazu sagen, dass das Auf- oder Abpflanzen eines Bajonetts nun auch nicht soviel Zeit erfordert. Das Anhalten einer Einheit aus dem Lauf und das Ausgeben des Befehls dazu, Schultern wieder weiter laufen schon eher.
Spundbajonette haben sich im zivilen Bereich bei Jagdwaffen noch recht lange gehalten. Bei militärischen Gewehren wurden sie m.W. jedoch relativ schnell ersetzt. Eine Warze zur Befestigung auf den Lauf anzulöten war kein so großes Problem und die Vorteile der Tülle gegenüber dem Spund waren einfach zu groß. Das Spundbajonett musste mit Druck in den Lauf eingesetzt werden so dass es weder herausfiel noch bei Verwendung versehentlich abging. Das hiess jedoch auch, dass es nicht so leicht herauszuziehen war um mal schnell nachzuladen. Es bedeutete auch ein sehr großes Risiko in einer geladenen Waffe.
Aber es kann natürlich gut sein, dass in einigen "sparsamen" Armeen die Bestände noch "aufgebraucht" wurden.

Zitat:
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Zur Waffentechnik: mir war gestern im Gespräch mit Artorius aufgefallen, dass die britischen Grenadiere scheinbar keine Handgranaten mehr mit sich führten. Beim Sturm auf den Friedhof von Ramillies, erwähnen auch Zeitgenossen, dass den Grenadieren die Verwendung ihrer Äxte befohlen wurde, um das Friedhofstor aufzubrechen. Petarden oder Handgranaten scheinen nicht zum Einsatz gekommen zu sein.
Bis wann Granaten im Feld geführt wurden ist sehr unterschiedlich, in den meisten Armeen war das aber bis Ende des 18. Jahrhunderts der Fall. Die Spanier hatten sogar während der napoleonischen Kriege noch welche in Gebrauch.
Die kleinen Handgranaten der Grenadiere waren jedoch viel zu schwach um ein massives Tor zu demolieren. Petarden waren recht schwer und eher etwas für Pioniere und Sappeure und nicht für Grenadiere.
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Geändert von Bdaian (15.03.2017 um 17:34 Uhr).
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Alt 16.03.2017, 09:40   #9
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Zitat:
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Bis wann Granaten im Feld geführt wurden ist sehr unterschiedlich, in den meisten Armeen war das aber bis Ende des 18. Jahrhunderts der Fall. Die Spanier hatten sogar während der napoleonischen Kriege noch welche in Gebrauch.
Die kleinen Handgranaten der Grenadiere waren jedoch viel zu schwach um ein massives Tor zu demolieren. Petarden waren recht schwer und eher etwas für Pioniere und Sappeure und nicht für Grenadiere.
Bei Kurmainzern gab es wohl auch noch lange Handgranaten, auch bei gothaischen Grenadieren wie ich es in einem Beispiel aus dem Wasunger Krieg gelesen habe.
Die Granaten hätte ich jetzt "sinnvoll" gefunden, um die Verteidiger hinter dem Tor zu vertreiben. Da Marlborough ja auch seinen Belagerungspark dabei hatte, wären Petarden denkbar gewesen. Aus dem Englischen Bürgerkrieg erinnere ich mich daran, dass diese einfach von tapferen oder ausgelosten Leuten angebracht wurden. Großartige Kenntnisse brauchte man dafür nicht.
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