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| | #1 |
| Mitglied Registriert seit: 05.2007 Ort: Berlin
Beiträge: 1.268
![]() ![]() ![]() | Ritualisierte Kriegsführung Hallo, bei meiner Beschäftigung mit der Militärhistorik ist mir folgendes immer wieder aufgefallen: In manchen Zeiten scheint sich das Kriegswesen einer Epoche/Kultur in festgelegten Bahnen zu bewegen; es nahm fast den Charakter eines Rituals an, in dem jeder eine festgelegte Rolle oder Funktion ausübte, auch wenn der Ausgang natürlich offen blieb. Wenn es nicht um Krieg ginge wäre ich fast versucht, es mit einem sportlichen Wettkampf zu vergleichen... Ich möchte an ein paar Beispielen erläutern, was ich meine: Den Begriff „ritualisiert“ habe ich im Forum kürzlich im Zusammenhang mit der klassisch-griechischen Phalanx verwandt (Danke nachträglich für den Grünen in dem Zusammenhang... ). Das Buch „Die Kriege der griechischen Antike“* macht das an sieben Punkten fest, die tatsächlich lange Zeit über das militärische Geschehen in großen Teilen Hellas' dominierten:*Hrsg Joachim Hack; teilweise interessant, aber mE nicht unbedingt zu empfehlen, außer in diesem Punkt; und die miese Sicht auf Alexander ist interessant... 1. Formelle Kriegserklärungen, Waffenruhen und Verträge 2. Religiöse Rituale, Opfer u.ä. Vor dem direkten Aufeinandertreffen 3. Kampfhandlungen sind auf Frühjahr und Sommer und Tageslichtzeiten beschränkt 4. Schnelle Beendigung des Tötens nach Entscheid der Schlacht; lange Verfolgungen waren unüblich. Während der Schlacht bot der große Schild, der Helm und der Panzer einen hinlänglichen Schutz, so dass die Zahl der Toten und Verweundeten recht niedrig gelegen haben dürfte. 5. Vereinbarung über die Gefallenen; auch den Besiegten wurden normalerweise erlaubt, ihre Toten zu bergen, ohne dass diese geschändet wurden; die Bitte, dies tun zu drüfen, galt auch als Eingeständnis in die eigene Niederlage. 7. Begrenzung der Technik; lange Zeit dominierten die Hopliten als schwere, in der Phalanx fechtende Infantrie das Kriegsgeschehen alleine; effektive Leichtbewaffnete gab es vor dem 5. Jh. praktisch gar nicht, Reiter dienten nur zur Aufklärung. Damit blieben die Kampfhandlungen vornehmlich auf das Zusammentreffen der beiden Phalangen beschränkt. Solange alle Beteiligten sich diesen „Regeln“ unterwarfen war es möglich, dass Krieg eine nahezu alltäglich Sache war und durchaus als das Mittel der Wahl begriffen wurde, um Meinungsverschiedenheiten oder Landstreitigkeiten zwischen zwei oder mehreren poleis zu entscheiden, ohne dass dies regelmäßig zur Verheerung weiter Landstriche oder zum Tod unzähliger Menschen geführt hätte. In dieser Hinsicht scheint mit dem Aufstieg Athens seit den Perserkriegen und v.a. dem peloponnesischen Krieg eine eklatante Brutalisierung des Kriegsgeschehens eingetreten zu sein. Das zweite Beispiel stammt aus einer völlig anderen Zeit, anderen Kultur und anderem Kontinent: Die Stämme der Bantu bzw Nguni, die im 18. Jh. im südöstlichen Afrika lebten, betrieben nach allem, was ich darüber herausfinden konnten, ebenfalls eine stark ritualisierte Kriegsführung. Hierbei spielten Wurfspeere, entstanden aus Jagdwaffen, eine große Rolle; Zweikämpfe zwischen führenden Persönlichkeiten scheint es öfters gegeben zu haben, aber direkte Nahkämpfe mit vielen Beteiligten (und Opfern) waren sehr selten. Damit einher geht aber wieder die „Normalität“ des Krieges: Er scheint recht oft geführt worden zu sein. Auch hier setzt übrigens später eine erhebliche Brutalisierung ein; hierfür einfach nach Mfecane oder Shaka googeln... Als drittes Beispiel möchte ich die gleiche Zeit in Europa anführen: Die sog. Lineartaktik. Diese ist im Gegensatz zu Bsp 1 und 2 hervorragend belegt und untersucht, evtl erhellt dass (über 2.500 Jahre oder 25.000 km hinweg) etwas. Auch in Europa wurde im 18. Jh. der Krieg nach „Regeln“ geführt, die von der zur Verfügung stehenden Bewaffnung und der gesellschaftlichen Situation bedingt waren; Schlachten liefen nach einem fest eintrainierten Schema ab, an dem schon geringe Veränderungen (Friedrichs schiefe Schlachtreihe bspw) „revolutionär“ wirkten. Der „kleine Krieg“ abseits des Schlachtfeldes nahm zwar eine gewisse Rolle ein, aber selten eine wirklich kriegsentscheidende. Auch damals spielten Verträge, Kriegserklärungen etc. eine große Rolle: Der Hof bzw die Regierungen bestimmte, wann sich wo welche Truppen schlugen, und diese stellen die Kampfhandlungen ein, wenn die Regierungen sich einig wurden; der Kabinettkrieg ist wohl das Schlagwort. Und auch im 18. Jh. wurde Krieg vorwiegend in der warmen Jahreszeit und tagsüber geführt. Dank der Notwendigkeit, die stehenden Heere zu versorgen (und wenig Anlass/Möglichkeit zur Desertion zu nutzen), und dem daraus resultierenden Magazinal-System war auch die „Restbevölkerung“ weniger betroffen als bei Kämpfen zwischen Armeen, die sich „aus dem Land heraus“ versorgen müssen. Ein großer Unterschied ist, dass die mit der Lineartaktik geschlagenen Schlachten alles andere als unblutig waren. Dennoch wurde im 18. Jh. recht häufig Krieg geführt, und nur selten führte dies zu Zerstörung und Verelendung, wie sie andere Jahrhunderte prägten; am ehesten trifft das noch auf die Gebieten zu, die Friedrich im 7-jährigen Krieg bis aufs Blut aussaugte, um eben diesen zu finanzieren... Auch die Epoche der Lineartaktik endete übrigens mit einem „großen Clash“, der alle althergebrachten militärischen Regeln, Gepflogenheiten und Erkenntnisse auslöschte, zusammen mit der alten politischen Ordnung und mal wieder ungezählten Menschenleben. Soweit erst mal; zu was all diese Gedanken führen weiß ich selbst noch nicht, eine Pointe oder Hauptaussage gibt’s daher auch nicht. Interessant finde ich, inwieweit sich hier soziale Voraussetzungen und militärische Notwendigkeit gegenseitig beeinflussen, um eine gewisse „Bändigung“ des Krieges zu erreichen... und wie dann veränderte Voraussetzungen und Notwendigkeiten diese nachhaltig zerstören. So long fürs erste Reinecke
__________________ "Klug hat der Mann gehandelt, der die Menschen lehrte, den Worten auch der Anderen Gehör zu schenken." Euripides |
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| | #2 |
| Mitglied | Sehr interessanter Thread, erstmal Danke dafür, ich hätte allerdings zu Punkt 1 direkt eine Frage: Wie sah diese formelle Kriegserklärung aus? War diese auch ritualisiert und von festgelegten Formen geprägt wie in der römischen Republik? Oder auch die Kriegserklärungen die Augustus propagandistisch/religiös gefärbt in Szene setzte? |
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| | #3 |
| Mitglied Registriert seit: 05.2007 Ort: Berlin
Beiträge: 1.268
![]() ![]() ![]() | Kann ich leider nicht im Detail sagen; es war mWn üblich, formell per Boten den Krieg zu erklären, sobald sich die entsprechenden Gremien der polis dazu entschlossen bzw dafür gestimmt hatten. Ich gehe davon aus, dass es hierbei irgendwelche religiösen Vorschriften oder Gepflogenheiten gab, kann aber auf die schnelle nicht mit Einzelheiten dienen. Interessant hierbei, dass auch noch nach einer solchen Kriegserklärung verhandelt wurde, sei es per Parlamentär, sei es über neutrale Dritte. Auch gab es eine Art "diplomatische Vertretungen" in Form von "Gastfreundschaften": Ein Bürger der polis X, der (warum auch immer) gute Beziehungen zur polis Y hatte, wurde von der Yner Bürgerschaft damit beauftragt, ihre Interessen in X wahrzunehmen.
__________________ "Klug hat der Mann gehandelt, der die Menschen lehrte, den Worten auch der Anderen Gehör zu schenken." Euripides Geändert von Reinecke (25.10.2011 um 19:50 Uhr). Grund: Rechtschreibung |
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| | #4 | |
| Mitglied | Griechische Gepflogenheiten und römische Vorherrschaft Dieser Thread ist ein sehr schönes "Fass", das aufgemacht worden ist. So schön gegliedert lässt sich diese Vorlage fast nicht beibehalten. Bleibt mir nur als Schlagwort, die "ritterlichen Schlachten" des Mittelalters zu nennen, deren schön eingeschliffenen Formenwege durch die Schweizer etwa blutig beendet wurden. Auch die bekannten Reaktionen auf englische Langbogenschützen fallen m.E. in diesen Bereich. (Hoffentlich habe ich nicht einem methodischeren Beitrag die Suppe damit versalzen?) Zitat:
Es wurde wichtig einflussreiche römische Patrone zu gewinnen, die genug Einfluss auf die römisch-republikanische Politik nehmen konnten. Es finden sich aus dieser Zeit sehr viele, meist sehr abfällige Äußerungen römischer Großer über die bei ihnen angeblich "Schlange stehenden", griechischen Gesandten, die sie als Bittsteller und Klienten betrachteten. Ihr Engagement ließen sich die römischen Patrone nachhaltig bezahlen und glaubten danach ein Anrecht darauf zu haben fortan alleiniger Vertreter einer solchen griechischen Polis zu werden. Das sollte einige Irritationen auf beiden Seiten verursachen. Zumal Rom "gebrochene Klientelverhältnisse" teils sehr hart bestrafte. Schon eine eigene "Meinung" konnte ausreichen zu strafen. Als der alte Bundesgenosse Rhodos sich eines Tages wagte als Vermittler für Konflikte im römischen Bereich aufzutreten, verlor es im Anschluss seine vorher bedeutende Rolle im östlichen Mittelmeer. Das Fehlen der traditionell gewordenen, rhodischen Flottendominanz dort ermöglichte erst den dramatischen Anstieg der Piraterie dort, welcher schließlich Pompejus ein Ende bereiten sollte. Als guter Klientelfürst erwies sich Herodes der Große von Judäa gegenüber Marc Anton und später Kaiser Augustus: Sehr schön nachzulesen im "Judäischen Krieg" des Flavius Josephus. Selbst Familienangelegenheiten oder Nachfolgeregelungen trug er an Augustus heran und ließ sie bestätigen... Immerhin hatte Herodes einiges an "Verschleiß" innerhalb seiner Familie. Auch sein Wechsel aus dem Lager des Marc Anton in jenes von Octavian/Augustus während des Bürgerkrieges war geradezu "Mustergültig"... Aber ich schweife zu sehr ab. Das wird Reineckes schönem Thread nicht gerecht. | |
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| | #5 |
| Mitglied Registriert seit: 05.2007 Ort: Berlin
Beiträge: 1.268
![]() ![]() ![]() | Interessanterweise lassen sich Tendenzen zu einer solch ritualisierten Kriegsführung auch im römischen Militärwesen finden, wobei die Praxis spätestens ab Marius, mE aber schon weit früher viel mehr von Effizienzdenken geprägt war. Zumindest solange Rom ein Stadtstaat unter vielen war und sich, ähnlich wie die gr. poleis, häufig im Kriegszustand befand, ist es auch naheliegend, dass es ähnliche Phänomene gab; zumal das etruskische Militärwesen sehr stark vom klassisch-griechischen beeinflusst worden war, bis hin zur Übernahme von Aspis und gr. Phalanx. Ebenso spricht auch die römisch-republikanische Manipulartaktik dafür, dass das römische Militär ein Phase durchmachte, die von häufigen, im Prinzip imemr gleich ablaufenden Gefechten gekennzeichnet war. Ein konkretes Beispiel, bei dem die Römer von vergleichsweise milden Verhaltensweisen profitierten, die sie (zumindest später) so eher nicht an den Tag legten: Die Niederlage gegen die Samniten bei den Caudinischen Pässen; diese endete damit, dass das geschlagene römische Heer unter einem Joch aus Speeren hindurchgehen musste; beschämend und ein offenes Eingeständnis, besiegt worden zu sein, aber nicht dass, was römische Siege späterer Jahrhunderte prägte...
__________________ "Klug hat der Mann gehandelt, der die Menschen lehrte, den Worten auch der Anderen Gehör zu schenken." Euripides |
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| | #6 |
| Premiummitglied | Zu mittelalterlicher ritualisierter Kriegführung haben Wissenschaftler um Gerd Althoff geforscht. Hier wäre auf die Interpretation von Canossa hinzuweisen, aber auch auf die Unterwerfung der sächsischen Großen bei Spier. Während das Ritual in Canossa wohl noch eingehalten wurde (nicht ohne doch für entsprechende Brüskierungen zu sorgen), war die Gefangennahme der sächsischen Großen ein Versuch, Regelungen überkommener Rituale für eigene Machtzwecke zu nutzen. Vgl. etwa: http://de.wikipedia.org/wiki/Sachsenkrieg_(Heinrich_IV.) Deditio ? Wikipedia
__________________ hier entsteht in nicht absehbarer Kürze eine neue Signatur |
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| | #7 | |
| Premiummitglied | Zitat:
Möglicherweise fallen Ritual und Effizienzdenken zusammen? Sprich: "Mach das Effiziente zum Ritual, effiziere das Ritual." Rituale dürfen schließlich nicht isoliert betrachtet werden, sondern haben ihre Ausstrahlung auf die übrige Gesellschaft (aus der die Rituale auch stammen dürften). Eine gewagte These wäre, zu behaupten, dass sich ritualisierte Formen von Auseinandersetzungen immer dann ergeben, wenn die entsprechende Gesellschaft kaum von sozialen Veränderungen betroffen ist.
__________________ hier entsteht in nicht absehbarer Kürze eine neue Signatur | |
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| | #9 | ||
| Mitglied Registriert seit: 05.2007 Ort: Berlin
Beiträge: 1.268
![]() ![]() ![]() | Hat eine Weile dauert, sry; ich hab das Thema aber gedanklich noch nicht beendet. ![]() Zitat:
Zitat:
Als Voraussetzung hatte ich mir bisher folgendes gedacht: Es geht um Rituale, die den von Natur aus gewalttätigen Krieg eindämmen sollen. Dazu gehören eingeschliffene oder von den Umständen begünstigte Verhaltensweise insbesonders der agierenden Militärs, Soldaten, Krieger, Milizionäre, kurz: Kombattanten. Dazu sollte die Denkweise der beteiligten militärischen Kommandierenden und Mannschaften von einem Kodex geleitet oder durch bestimmte Umstände in diese Bahnen gelenkt werden. Dem käme eine eigene militärische Kaste oder Soldatenstand entgegen. Und tatsächlich kann man den in allen Beispielen erkennen. Nehmen wir zuerst das Mittelalter, um das ich mich ja im Eingangsbeitrag gedrückte hatte; danke für die Ergänzungen zu dem Thema. Und vielleicht noch die Querverbindung: Schlachtlinie? Dass die Hauptlast der Kämpfe und der Ausgang des Schlachterfolgs im Mittelalter zumeist bei den schweren Panzerreitern lag ist bis zum Siegeszug der Schweizer mE evident; die wenigen Ausnahmen hatten jeweils eigene Ursachen und Einschränkungen, die eine Generalisierung dieser Methoden verhinderten. Innerhalb dieser militärischen Elite galt tatsächlich ein starker Korpsgeist und Ehrenkodex, der eine „zivilisierende“ Wirkung hatte. Gegenüber anderen Kombattanten galt dieser Kodex nur sehr eingeschränkt (wenn überhaupt), aber von diesen wurde idR auch kein energischer Einsatz im Kampf geleistet oder verlangt. Delbrück weist hierbei interessanterweise auf die Kapitel der Ritterorden; ich müsste nachgucken, auf welchen er sich bezieht, aber in seinem Beispiel wird eindeutig gesagt: Nur der gewappnete Kämpfer muss mit allem Einsatz kämpfen, bis die letzte Fahne gefallen ist, ungewappnete Kämpfer können schon sehr viel früher den „taktischen Rückzug“ antreten... Auch im antiken Hellas wurde die Phalanx nur von einem bestimmten Teil der Bürgerschaft gestellt: Diesmal ist es nicht der Adel, sondern die Mittelschicht, die als Phalanx die Hauptlast der Kämpfe zu tragen hat. Das Prestige, dass die Phalanx dadurch erlangte, führte dazu, dass in vielen Gefechten auch die Oberschicht, Aristokratie, ja selbst die Könige und Heerführer in die Phalanx eintraten (und dann den Quellen nach in erster Reihe fochten...); die Ruhm der Reiterei, auch hier einmal hochangesehen, war z Zt der Persischen Kriege weitestgehend verblasst. Dass hier die Mittel- und nicht die Oberschicht diese Rolle einnimmt ist interessant; noch zu Zeiten von Homer war dies anders, wie auch noch in späteren Zeiten in rückständigeren Gegenden wie Thessalien: Hier dominierte noch der adilge Kriger, Streitwagenfahrer oder Reiter. Die Rolle des Hopliten ist mE nur durch die relative weite Verbreitung effektiver Schutzwappen innerhalb der polis-Kultur möglich. Auch der Hoplit ließ sich idR von einem Helfer begleiten; diese wurden als Leichtbewaffnete eingesetzt, mit Wurfspeeren, Schleudern oder einfach geworfenen Steinen. Allerdings wurde auch und gerade von diesen „Halb-Kombattanten“ wenig erwartet; bei bezahlten Söldner-Spezialisten (rhodische Schleuderer, kretische opder skythische Bogenschützen, thrakische Peltasten), oder später den Leichten Truppen des Isokrates mag das anders ausgesehen haben. Wie gesagt sind meine Quellen über die Zulus und ihre Vorgänger eher dürftig, aber hier waren es wohl die unverheirateten jungen Männer, die traditionell in „Kriegergemeinschaften“ beisammen lebten und daher eigenes Selbstverständnis bezogen. Da wir oben bei den Römer so sehr das Effizienzdenken betont hatten: Was auch immer militärisch zu der Zeit geschah, als unter der Herrschaft des Zulukönigs Shaka Südafrika neu geordnet bzw größtenteils verheert wurde, dies spielt dabei eine große Rolle. Ich will nicht die simplifizierende Version übernehmen, dass dies einfach eine militärischer Neuerung war, aber irgendwas führte dazu, dass man sich nicht m mehr höflich aus größerer Entfernung mit langen Speeren bewarf, sondern sich mit kurzen Speeren auf kürzeste Distanz abstach. Zu Zeiten der Lineartaktik gab es ebenfalls einen eigenen Soldatenstand; hier waren der Ehrenkodex und die höhere soziale Position zwar auf den Offiziersstand beschränkt, dafür führte dieser aber auch mit eisernem Ton das Kommando. Diese strikte Trennung von Offiziersstand und Mannschaft ist eines der Dinge, die die stehenden Heere des 18. Jh. auszeichnet. Allerdings führten diese sozialen Umstände auch dazu, dass die Heere des 18. Jh. nicht beliebig eingesetzt werden konnten. Sie waren an Magazine gebunden, und sie waren idR zu wertvoll, um sie (wie in anderen Zeiten) zu „verheizen“; dies führte zu einer eher statischen Schlachtführung und wieder zu einer Konzentration auf eben dieses Schlachtfeld, wobei eine allzu große Belastung der Zivilbevölkerung vermieden wird. Interessant ist dabei, dass dies neben einer gewissen Einschränkung des Krieges auf das Schlachtfeld bzw dessen Umgebung eine Schonung der Kombattanten gewährleistet; zumindest derer, die irgendwie unter den „Ehrenschutz“ irgendeines Kodex fallen. Dem gr. Hopliten boten seine guten Schutzwaffen Sicherheit und die seltenen energischen Verfolgungen nach einer Niederlage, dem Ritter ebenfalls seine Rüstung und die häufige Möglichkeit, sich durch eine Lösegeld das Leben zu erkaufen. Und die englischen Offizieren waren im am. Unabhängigkeitskrieg recht geschockt, dass da irgendwelche Scharfschützen ausgerechnet auf sie schossen, was mWn in Europa eher unüblich war. Hier liegt vielleicht auch das „Geheimnis“ der hohen Verluste: Die Eindämmung durch Umstände und „Rituale“ betrafen im 18. Jh. vielleicht die Offizierskaste und in gewissem Umfang die zivile Bevölkerung; die einfachen Soldaten wurden umso härter und effektiver darauf gedrillt, sich dem Kugelhagel zu stellen, was natürlich zu immensen Verlusten führen kann. So weit für diesmal; über das mit den stabilen sozialen Verhältnissen muss ich nochmal nachsinnen, obwohl manche Bezugspunkte recht eindeutig sind. ![]() So long Reinecke
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