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Alt 20.06.2017, 12:42   #1
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Klaus1971 ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt
Die Frau in der DDR

Hallo miteinander!

Da ich bereits bei meinem ersten Thema sehr hilfreiche Denkanstöße erhalten habe, möchte ich im Folgenden auch mein zweites Geschichtsthema mit Euch teilen.
Hierbei handelt es sich um die Rolle der Frau in der DDR, unter Berücksichtigung der Leitfrage "war Gleichberechtigung nur ein Mythos?".
Wenn jemand etwas dazu beizutragen hat, wäre ich dankbar wenn dieser sein Wissen mit mir teilen würde.

Grüße,
Klaus
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Alt 20.06.2017, 12:59   #2
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Alt 20.06.2017, 14:18   #3
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Scorpio ist jedem bekanntScorpio ist jedem bekanntScorpio ist jedem bekanntScorpio ist jedem bekanntScorpio ist jedem bekanntScorpio ist jedem bekanntScorpio ist jedem bekannt
Zitat:
Klaus1971 Beitrag anzeigen
Hallo miteinander!

Da ich bereits bei meinem ersten Thema sehr hilfreiche Denkanstöße erhalten habe, möchte ich im Folgenden auch mein zweites Geschichtsthema mit Euch teilen.
Hierbei handelt es sich um die Rolle der Frau in der DDR, unter Berücksichtigung der Leitfrage "war Gleichberechtigung nur ein Mythos?".
Wenn jemand etwas dazu beizutragen hat, wäre ich dankbar wenn dieser sein Wissen mit mir teilen würde.

Grüße,
Klaus
Die Fragestellung suggeriert, dass die Frage mit ja oder nein zu beantworten ist. Welche Gesellschaft könnte von sich sagen, dass sie totale Gleichberechtigung verwirklicht habe, dass Männer und Frauen in allen sozialen Millieus, auf allen politischen, wirtschaftlichen, religiösen und sozialen Bereichen die gleichen Chancen haben, den gleichen Lohn bekommen. Das war natürlich in der DDR nicht der Fall. In der Bundesrepublik musste eine Frau in der Adenauerzeit wenn sie berufstätig sein wollte, eine schriftliche Erlaubnis des Ehemannes vorlegen. Der § 218, der Abtreibung verbot wurde in der Bundesrepublik weitaus rigider angewendet, als in den Ostblockstaaten. 1988 musste sich ein Frauenarzt in Memmingen vor Gericht verantworten wegen Schwangerschaftsabbrüchen. Er wurde zu 2 1/2 Jahren Haft verurteilt, was zu einer erhitzten Debatte um den § 218 führte.

Um bei der Ausgangsfrage zu einer differenzierten Antwort zu gelangen, muss man sie in den Kontext der Frauen-Emanzipationsbewegung stellen, die kurz vor dem 1. Weltkrieg begann. Im Weltkrieg mussten auf allen Seiten Frauen ihren Mann stehen, was ihnen in den meisten Staaten nach dem Krieg das Wahlrecht brachte. Der Nationalsozialismus hatte ein extrem konservatives Frauenbild und propagierte die Mutterrolle, die deutsche Frau rauchte nicht, aber diese schon damals antiquierten Geschlechterrollen ließen sich in Realität kaum umsetzen, erst recht nicht, als mit dem Krieg Frauen Männer in Betrieben ersetzen mussten.

Diese Vorgeschichte und die unterschiedliche Entwicklung der Frauenrechtsbewegung in den beiden deutschen Staaten muss man kennen und im Blick behalten. Um zu differenzierten Antworten zu kommen, muss man die Frauenrechtsbewegung in der Bundesrepublik mit anderen europäischen Staaten und Ostblockstaaten vergleichen.

Eine öffentliche Diskussion über Frauenrechte, über Benachteiligung in Betrieben, über unterschiedliche Löhne, über Abtreibung und § 218 war in der DDR nicht möglich. Die Frau wurde für gleichberechtigt erklärt, so wie man die DDR einfach für antifaschistisch und für den besseren deutschen Staat erklärte. Im real existierenden Sozialismus stellten sich solche Fragen nicht, da der real existierende Sozialismus sie ein für alle mal gelöst hatte oder bald lösen würde (oder auch nicht).

So gesehen ist die Frage schnell beantwortet, die Gleichberechtigung der Frau war in der DDR ebenso wenig verwirklicht wie dort eine geschichtliche Aufarbeitung der NS-Vergangenheit stattgefunden hat. Dennoch gibt es durchaus Bereiche wie Schwangerschaftsabbruch, wo der Vergleich der beiden deutschen Staaten keineswegs eindeutig zugunsten der Bundesrepublik ausfällt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Memminger_Prozess
__________________
Man muss das Grundgesetz vor seinen Vätern schützen und die Verfassung vor ihren Schützern
Scorpio ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.06.2017, 15:24   #4
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Mitgliederbild von thanepower
 
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thanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekanntthanepower ist jedem bekannt
Und in Anlehnung an die gute und zutreffende Darstellung von Scorpio:

1. Es ist in der Tat zwischen dem Verfassungsanspruch und der Wirklichkeit in der DDR zu unterscheiden.

2. Im Ergebnis kann man eine patriachalische Gesellschaft erkennen, die den Frauen formal die Gleichstellung anbot.

3. In der Praxis führte die formale Gleichstellung in Ausbildung und Betrieben jedoch dazu, dass die Frauen in der DDR eine massive Doppelbelastung hatten.

4. Aufgrund der traditionellen Rollenmuster fiel ihnen weitgehend, neben der Berufstätigkeit, die Rolle zu, den Haushalt und die Kinder zu versorgen. Insofern war die formale Gleichstellung in der Realität für die Frauen eine durchaus ambivalente Situation.

Gleichzeitig bot sich für die Frau - in der DDR wie in der BRD - aus unterschiedlichen Gründen zunehmend die Möglichkeit, ein enges Korsett der Rollenerwartungen zu durchbrechen. Und in beiden deutschen Staaten erodierte das "klassische Frauenbild" und wurde durch ein - ambivalentes - neues emanzipierteres Frauenbild ersetzt.

Dieses auch als Ergebnis der Rückwirkungen der Industrialisierung und der zunehmenden Beschäftigung von Frauen in Unternehmen.

Das ließe sich natürlich auch literaturgestützt argumentieren.
__________________
When the facts change, I change my mind. What do you do, sir? J.M. Keynes

Geändert von thanepower (20.06.2017 um 15:28 Uhr).
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Antwort

Stichworte
ddr-bürger, ddr-leben, frauenemanzipation, frauenrechte

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