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Alt 20.02.2017, 17:17   #1
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silesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblicksilesia ist ein wunderbarer Anblick
Ein Haustier-Massaker bei Kriegsausbruch 1939?

Ein etwas bizarres Thema: Kennt jemand schon dieses Buch?

Kean, The Great Cat and Dog Massacre: The Real Story of World War Two's Unknown Tragedy

Offenbar sollen allein in den ersten 4 Kriegstagen im September 1939 rd. 400.000 Haustiere (Hunde und Katzen) allein (?) im Großraum London "vorsorglich" getötet worden sein, etwa 1/4 des Bestandes. Die Information soll unter anderem auf Angaben von Veterinären/Tierärzten beruhen.

Das war wohl auch der Presse zu entnehmen, die von überfüllten Sammellagern der Kadaver berichtete. Zu den Hintergründen, ob das mindestens teilweise initiiert oder staatlich angeraten war oder aber "massenweise spontane" Handlungen aus Kriegsangst etc., habe ich nichts gefunden.

Gab es das auch in anderen Ländern?
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In der Theorie sind Theorie und Praxis das Gleiche. In der Praxis sind sie es nicht (Yogi Berra). Der Unterschied ist Unsicherheit (Stephen Ross).
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Alt 20.02.2017, 19:05   #2
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Die britische Regierung verbot die Mitnahme von Tieren in Luftschutzbunker:

Pets were also banned from public air-raid shelters, so unless you were posh
and had an Anderson shelter in your back garden, it seemed owners had no
option.
When war was declared, in September 1939, the result was panic.


Die Regierung gab Anleitungen zur Beseitigung der Tiere:

http://www.slate.com/content/dam/sla...recautions.pdf
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Alt 21.02.2017, 12:32   #3
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corto wird schon bald berühmt werden
Verstehe ich das richtig, aufgrund der Möglichkeit das das Tier im Haus evtl umkommt sofern das Haus getroffen wird gehen hunderttausende Londoner hin und erschießen ihr Haustier vorsorglich ?

Oder hab ich da jetzt irgendwas falsch gelesen in der Broschüre?
(interessant das da in ner englischen Broschüre von "milch Cows" geschrieben wird.)
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Alt 21.02.2017, 13:01   #4
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Riothamus ist ein sehr geschätzer MenschRiothamus ist ein sehr geschätzer Mensch
Seuchenvermeidung?
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Alt 21.02.2017, 13:29   #5
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corto wird schon bald berühmt werden
scheint so, auch wenn das erst gaaanz am Ende mal erwähnt wird.

Page 24

Dogs and Cats

... During an emergency there might be large numbers of animals wounded, gassed or driven franticc with fear, and destruction would then have to be enforced by the responsible authority for the protection of the public.

Aber der ganze Rest dreht sich um den Schutz, obwohl für eine Bolzenschusspistole geworben wird.

Das wort plague oder epidemic wird allerdings nirgends ansatzweise benutzt.

Geändert von corto (21.02.2017 um 13:38 Uhr).
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Alt 21.02.2017, 14:59   #6
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Zitat:
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Verstehe ich das richtig, aufgrund der Möglichkeit das das Tier im Haus evtl umkommt sofern das Haus getroffen wird gehen hunderttausende Londoner hin und erschießen ihr Haustier vorsorglich
So scheint das im Buch von Kean dargestellt zu sein. Wobei er die Zahl von 400.000 Hunden und Katzen als unteren Schätzrahmen ansieht, Veterinärschätzungen gehen auch in der oberen Bandbreite von 750.000 aus.

Das Geschehen soll sich in der ersten Kriegswoche abgespielt haben, "vorsorglich". Luftangriffe auf London hat es noch nicht gegeben.

Aus Frankreich oder Deutschland ist nichts dergleichen bekannt.
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Alt 21.02.2017, 15:35   #7
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corto wird schon bald berühmt werden
Kannst du auch schon etwas über den Grund sagen, also ob es um Seuchenvermeidung oder um das Verhindern eines grausameren Todes ging ?

"milch cow" ist übrigens ebenso wie milk cow korrekt - wieder was gelernt.
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Alt 21.02.2017, 15:36   #8
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Leider nicht.

Das wird wohl in dem Buch zu finden sein.
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Alt 21.02.2017, 15:40   #9
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Rhys befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Hmmm, irgendwie halte ich das für recht unwahrscheinlich, das die Tiertötung wegen der Angst vor Luftangriffen erfolgte.

Argumente:

- Das deutsche Reich hatte zu Kriegsbeginn kaum genug Bomber, welche den Weg von den deutschen Flugfeldern hin und zurück schaffen konnten. Außerdem stand die komplette RAF zum Abfangen bereit.

-Für die großen Auswirkungen von Bombenangriffen gab es nicht so viele Vergleichsbeispiele, als das sich deswegen " Tierpanik" ( ich nenn das mal so ) breit machen würde, welche auch noch von der Regierung unterstützt wurde.

Persönliche Meinung:

Ich vermute eher, das dies der vorbeugenden Rationierung geschuldet war.
-Verpflegung der Expeditionstruppen
-Eingeplante Versorgungsverluste durch Handelsstörer
-Vorbereitung auf einen langen Grabenkrieg

Da wären Hunde und Katzen nur unnütze Esser ( rein Pragmatisch gedacht )
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Alt 21.02.2017, 15:42   #10
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Milk is a food product, whereas the term "Milch" denotes the animal (usually cow) which is being kept for its milk.

Auch im übertragenen Sinn zB. für eine Person oder Organisation die eine Quelle für leichten Profit ist:
‘I would like to assure you that we recognise the importance of the donors and do not regard our donors as mere milch cows.’
‘The airlines themselves have become milch cows for CEOs who enrich themselves at the expense of their own companies.’


Interessant ist auch der englische Sprachgebrauch. Juristisch sind Tiere in Deutschland ja auch eine Sache. Im Englischen wird das Tier nicht getötet sondern zerstört. Eine Sache eben:
Campbell recalls a story about her uncle. "Shortly after the invasion of Poland, it was announced on the radio that there might be a shortage of food. My uncle announced that the family pet Paddy would have to be destroyed the next day.“

But Campbell cites an Arthur Moss of the RSPCA who, "gloomily pronounced that the primary task for them all would be the destruction of animals“.


Erst im September 1940 gab es die ersten Bombardierungen:
The first bombing of London in September 1940 prompted more pet owners to rush to have their pets destroyed.

Der Grund, warum dies kaum erinnert wurde:
"It isn't well known that so many pets were killed because it isn't a nice story, it doesn't fit with this notion of us as a nation of animal lovers. People don't like to remember that at the first sign of war we went out to kill the pussycat."
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Alt 21.02.2017, 16:11   #11
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Während des Ersten Weltkriegs spielte sich für Engländer das Kriegsgeschehen gefühlt weit entfernt ab:

Weekly Dispatch, April 15th, 1917: Should we Destroy Useless Pets and Derelicts?

"We are asked to eat less meat, less bread, less potatoes [...] I am glad the Government are taking steps to stop the amount of food consumed by dogs. This ought to have been done months ago. I have been astonished to see the absolute maste of food given to dogs - odd potatoes (when they were plentiful), greens, pieces of bread, bones, fat, etc - quite enough to keep a child." PRO BONO PUBLICO
"In London alone there are no fewer than a million of useless and pampered dogs, whose removal would be a public blessing." OBSERVER

Aber andere Tierbesitzer waren der Überzeugung, wenn jemand sein Essen mit seinem Tier zu teilen bereit war, hatte dies die Regierung nicht zu interessieren. Sie schränkten nur sich persönlich ein:

Weekly Dispatch, May 13th, 1917: "The suggestion that we should kill these friends and companions instead of sharing our food with them till the last gasp [...] why, anyone who has a dog friend would share the last piece of meat, the last biscuit with him. Not depriving anyone else, you know, just giving up half of one's own rations. [...] I am only surprised that more people have not protested violently against the idea that they should give up their dogs when they could sacrifice a little of their own food instead. [...] We are an animal-loving race ... we are not going to kill our friends."
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Alt 21.02.2017, 17:27   #12
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Matze007 wird schon bald berühmt werden
Das mir der Sechengefahr hätte immerhin Tradition, wurden doch bei der großen Pest von London auch Hunde und Katzen getötet, da die Wissenschaft festgestellt hatte dass sie die Krankheit durch den "bösen Hauch" übertragen.
Allerdings sollte man sich aus seuchenhygienischer Sicht fragen, ob es nicht sinnvoller wäre die Bekämpfer von Nagetieren am Leben zu lassen. Obendrein sind die Tiere selbst eine Fleischreserve, wenn es eng wird. Werden in Leningrad manch Leben gerettet haben.
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