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Von der Todeszelle in den Hausarrest News in BRD | DDR Noch keine Kommentare »
Über den schwierigen und schweren Lebensweg des Kommunisten Robert Havemann, der heute seinen 100. Geburtstag feiern würde.
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Einfrieren wie die Eskimos News in Technikgeschichte Noch keine Kommentare »
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Was den Deutschen Käpt'n Iglo, ist den Amerikanern Captain Birdseye. Letzteren gab es wirklich, vor fast hundert Jahren schaute er sich die Tiefkühlkost von den Inuit ab.[/b]

So recht wissen die braven Bürger von Springfield im amerikanischen Massachusetts nicht, was sie mit dem knallhart gefrorenen Spinat und den eisigen Fischen anfangen sollen, die am 6. März 1930 in ihrem Supermarkt liegen. Tiefkühlkost haben sie noch nie gesehen. Zum Glück stehen Berater hinter der Auslage. So wird die Ware, hier erstmals für ganz gewöhnliche Kunden käuflich zu erwerben, zum Riesenerfolg.

Ihren Anfang nimmt die Geschichte dieses Erfolges schon viel früher, zwischen 1912 und 1915. Da ist ein junger Wissenschaftler im Auftrag der US-Behörden in der kanadischen Arktis unterwegs, um das Leben der Ureinwohner zu studieren – und nebenbei ein paar Felle zu handeln. Er heißt Clarence Birdseye.

Stünde diese Geschichte in einer englischen Zeitung, würden die Leser jetzt stutzen: Birdseye? Captain Birdseye? Denn so heißt auf dem britischen Markt die Werbefigur, die auf Deutsch als Käpt'n Iglo über die Weltmeere schippert und immer neue Abenteuer erlebt. Im Polarmeer zum Beispiel.

Tatsächlich heißt der Erfinder der Tiefkühlkost Clarence Birdseye. Ohne Captain. 1886 in Brooklyn, New York, geboren, Biologiestudent. 1910 und 1911 arbeitet er erstmals für die US-Behörden, sammelt im Bitterroot Valley in Montana Hunderte kleiner Säugetiere, um ihr Ungeziefer der Forschung in Sachen Rocky-Mountains-Fleckfieber zuzuführen.

Dann verschlägt es Birdseye in den hohen Norden, nach Labrador. Die Inuit nehmen ihn zum Eisfischen mit. Der neugierige Forscher stellt fest, dass die gefangenen Fische bei den eisigen Temperaturen von minus 40 Grad Celsius sofort frieren – und nach dem Auftauen frisch schmecken, viel frischer als der gekühlte Fisch, den er aus New York kannte. Diese Erkenntnis macht Birdseye ein paar Jahre später zum Millionär.
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Eva Braun: Die Unsichtbare News in Buchempfehlungen 25 Kommentare »
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Heike Görtemaker will mit ihrer Biografie der Eva Braun, die Hitlers Geliebte war, einen Mythos widerlegen.[/b]

Eine junge Frau setzt sich mit ihrem Geliebten und ausgeliehenen Kindern vor der Kamera eines Freundes in Szene, damit eine Art Familien-Bild entsteht. Nur fürs Album. Keiner sonst darf es sehen. Die Frau lässt sich gern fotografieren, sie fotografiert selbst. Sie hat diesen Geliebten ja sogar bei dem Fotografen kennengelernt, bei dem sie angestellt war und der mit seinen Fotos nationalsozialistische Machtpolitik betreibt. Aber der Mann, an dem sie hängt, Adolf Hitler, zensiert jedes Bild, das von ihm an die Öffentlichkeit gelangt, er weiß, dass Bilder mehr Macht haben als Worte. Wenn die junge Frau Eva Braun auf einem Foto zu sehen ist, lässt er sie wegretuschieren. Keiner soll von ihr wissen. Sie soll unsichtbar sein. So unsichtbar wie die Brille, die Adolf Hitler trug, die aber auf keinem Bild zu sehen sein durfte, ein Makel, der den Eindruck trüben könnte. Der Mann ist ein Aufsteiger und von großer sozialer Unsicherheit, er hat beständig Angst, sich zu decouvrieren, seine extreme Reinlichkeit, das Vegetarische, die Magenschonkost, überhaupt alles Private ist ihm vor allem peinlich.

Vor ein paar Tagen sind nun lauter Fotos von Eva Braun über die Bildermedien in die Öffentlichkeit gelangt. Die zeigen sie im Bikini und am Turnreck, bei Yoga-Übungen und beim Rudern, ganz oder nur teilweise bekleidet, mondän, alles sehr blond und jung, rank und schlank, insgesamt eine eher übliche Hübschheit, mit Freude am Zeigen und Gesehenwerden. Es gibt keinen Grund für die Veröffentlichung all dieser Body-Bilder, nur einen Anlass: dass nun die erste wissenschaftliche Biografie der Eva Braun erscheint, Leben mit Hitler, verfasst von der Historikerin Heike Görtemaker.
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Hexen. Mythos und Wirklichkeit. News in Ausstellungen | Historische Sehenswürdigkeiten Noch keine Kommentare »
Das Historische Museum der Pfalz in Speyer führt uns in einer eindrucksvollen Ausstellung auf die Spur der Hexen. Wer bereit ist, sein „sicheres“ Wissen über Hexen zu testen, sich gleichzeitig informieren und im besten Sinn unterhalten zu lassen, wird dort bestens bedient.

13.09.2009 bis 02.05.2010, Historisches Museum der Pfalz, Speyer,

Historisches Museum der Pfalz Speyer - Startseite
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Überall harte Bleistifte News in BRD | DDR 1 Kommentar »
DDR-Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 waren ein Schlüsselereignis der friedlichen Revolution.

Noch eine Zigarette mehr als sonst. In der Redaktion einer großen Ost-Berliner Tageszeitung zermarterte sich schon am Freitagmittag ein Kommentator den Kopf darüber, wie er am Sonntagabend seinen Lesern erklären soll, dass die Kommunalwahlen 1989 erneut ein überzeugendes Bekenntnis zum ersten Arbeiter-und-BauernStaat auf deutschem Boden waren – obwohl das Ergebnis schlechter ausfallen würde als üblich in der DDR. Dass es so kommen werde, war intern schon bekannt. Und wenn es sich nur bei Stellen hinter dem Komma bemerkbar macht – die Stimmung im Lande DDR wandte sich immer mehr gegen die Allmacht der SED.
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Das vergessene Lager News in Das Dritte Reich Noch keine Kommentare »
In Schwetig nahe Frankfurt (Oder) wurden zwischen 1940 und 1945 Tausende Zwangsarbeiter gequält und getötet.

„An der Büro-Wand des Kommandanten hingen unterschiedlich große Ochsenziemer. Der Neuankömmling konnte sich aussuchen, mit welchem er anschließend geschlagen wurde.“ 25 Peitschenhiebe gehörten Zeitzeugenberichte nach zum berüchtigten Aufnahmeritual für verhaftete Zwangsarbeiter unterschiedlichster Nationen im Arbeitserziehungslager Schwetig (heute Swiecko), das die Gestapo Frankfurt von Oktober 1940 bis Januar 1945 betrieben hatte. Ein beliebtes „Vergnügen“ der Wachleute soll es dort gewesen sein, die Häftlinge durch das Lager zu jagen und sie dabei mit Kabeln zu schlagen.
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Kopf einer Statue von Tutanchamuns Grossvater entdeckt News in Das Alte Ägypten Noch keine Kommentare »
Archäologen haben in Ägypten den Kopf einer 3000 Jahre alten Statue von Pharao Amenhotep III. gefunden – mit beeindruckenden Ausmassen.

Der zweieinhalb Meter grosse Kopf aus rotem Granit wurde im Grabtempel des Pharao in Luxor entdeckt, wie das ägyptische Kulturministerium am Sonntag mitteilte. Der Chef der ägyptischen Altertumsverwaltung, Sahi Hawass, lobte vor allem die «grosse künstlerische Qualität» der Skulptur. Es handle sich um ein steinernes Porträt des Königs mit sehr fein gemeisselten, jugendlichen Gesichtszügen.

Wie der Leiter des Ausgrabungsteams, Hourig Sourouzian, sagte, gehört der Kopf zu einer riesigen Figur Amenhoteps III., die den Pharao sitzend und mit vor der Brust verschränkten Armen zeigt. In den vergangenen Jahren waren in seinem Tempel in Luxor bereits weitere Teile der Statue entdeckt worden.

Amenhotep III., der auch als Amenophis III. bekannt ist, regierte Ägypten vor etwa 3400 Jahren. Sein unter dem Namen Echnaton bekannter Sohn Amenhotep IV. versuchte, in Ägypten den Monotheismus einzuführen. Echnaton ist der Vater des Kindpharaos Tutanchamun, dessen goldene Totenmaske weltbekannt ist.
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Wer Wucher trieb, war des Teufels News in Wirtschaftsgeschichte Noch keine Kommentare »
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Warum das Mittelalter noch nicht dem kapitalistischen Denken verfallen war: Ein Gespräch mit dem großen französischen Mediävisten Jacques Le Goff[/b]

Der 86-jährige Historiker Jacques Le Goff begeisterte sich schon als Schulkind für das Mittelalter, nachdem er die Werke Walter Scotts, des Begründers des historischen Romans, gelesen hatte. Wir haben Le Goff in seinem Arbeitszimmer in Paris besucht, wo er inmitten unzähliger Bücher liest, schreibt, Rundfunksendungen moderiert und Gäste empfängt.

[b]ZEIT Geschichte[/b]: Monsieur Le Goff, das Mittelalter kannte drei gesellschaftliche Rollen: Priester, Krieger und Arbeiter. Wie war in einer solch starren Ordnung Fortschritt möglich?

[b]Jacques Le Goff[/b]: Die von Ihnen genannte Formel tauchte in der Karolingerzeit auf und nahm ihre definitive Form im 11. Jahrhundert an: Die oratores beten, die bellatores kämpfen, die laboratores arbeiten. Unter Mediävisten wird darüber debattiert, was unter laboratores zu verstehen sei. Manche glauben, es seien alle Handarbeiter gemeint, also Bauern und Handwerker, aber nach meiner Ansicht bezeichnet diese Formel nur die Eliten: die kirchlichen Amtsträger, die Ritter und jene Schicht landwirtschaftlicher Produzenten, die über ökonomische und intellektuelle Mittel verfügten, die Arbeitsproduktivität zu erhöhen.
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»Verdammt ihr dies?« News in Kultur- und Philosophiegeschichte Noch keine Kommentare »

Häretiker, Zweifler, Revolutionär: Der streitbare Philosoph Peter Abaelard war ein großer Liebender und ein Vordenker der Aufklärung.


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Mittelalterliche Erhörung eines Minnen, er wird im Korb nach oben gezogen

Reichlich und fett war das Essen, schwer ist der Wein. Der Mundschenk hat Order bekommen, die Becher der Bischöfe stets gut zu füllen. »Die Kirchenobersten hatten, Philosophen der Gurgel, ihre Rundung mit feurigem Wein angefüllt, dessen Wärme sich in ihrem Schädel so festsetzte, dass sich die Augen aller in der Trägheit eines Nickerchens entspannten«, heißt es in einer Beschreibung der Geschehnisse jenes Abends des 25. Mai 1141. Aus manchen Winkeln der Kirche ist Schnarchen zu hören, lautes Rülpsen und Furzen. Und über allem die heisere Stimme eines Mönches, der den versammelten Würdenträgern aus einem Schriftstück vorliest. »Er schreibt, Christus habe nicht Fleisch angenommen, um uns vom Joch des Teufels zu befreien!«, hallt es durch das Gotteshaus. »Verdammt ihr dies?« Die noch nicht eingedösten Prälaten lachen, johlen und trampeln mit den Füßen. »Damnamus!«, rufen sie, wir verurteilen! Andere, für einen Moment aus trunkenem Schlummer gerissen, bringen lediglich ein gelalltes »namus« heraus, »wir schwimmen«. Und von Neuem erhebt sich die Stimme des Anklägers: »Er schreibt, dass Gott das Böse nicht hindern darf und nicht hindern kann! Verdammt ihr dies?«
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Zwischen Himmel und Hölle News in Alltag im Mittelalter Noch keine Kommentare »
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Das Mittelalter war eine Zeit voller Widersprüche: Der Historiker Johannes Fried über die Zumutungen des Alltags, den Aufstieg der Städte und die Geburt der Wissenschaft aus dem Geist der Apokalypse.[/b]

[b]ZEIT Geschichte[/b]: Herr Fried, Sie kennen das Mittelalter wie kaum ein anderer. Hätten Sie gerne damals gelebt?

[b]Johannes Fried[/b]: Um Himmels willen! Der entsetzliche Schmutz, der Gestank, man müsste sein gesamtes Sinnessystem zurückentwickeln, um das auszuhalten. Wir leben ja heute in einer beinah gestankfreien Welt. Die Menschen damals haben sich hingegen nicht wie wir täglich gewaschen; das Alltagsgewand war vielfältig geflickt, darin schlief man, arbeitete man, schwitzte man, fror man. Das stank! Die Abfallgrube? Na, gleich hinterm Haus. Das stank! Abtritte? Klatsch, klatsch, klatsch machte das, in Schlössern einfach runter an der Außenmauer. Das stank! Und dann das Reisen. Sie wollen von hier nach da? – Also los: auf Schusters Rappen. Vielleicht werden Sie mal ein Stückchen mit dem Pferdefuhrwerk mitgenommen. Und falls Sie selbst ein Pferd haben, Vorsicht: Nicht dass es von der Wiese der Bauern frisst, da kommt die Bauernschaft und schlägt Sie halb tot. Dazu die Kleinheit der Welt, die vielen Abhängigkeiten. Und wenn Sie in die Kirche gehen, da stehen Sie, da gibt’s keine Stühle. Dann das Essen, pfui Teufel, das schmeckt doch gar nicht – völlig versalzen! Also, wenn ich da gefragt werde, wollen Sie im Mittelalter leben? Nein. Ich könnte es nicht.

[b]ZEIT Geschichte[/b]: Das Mittelalter, das Sie in Ihren Büchern als so fortschrittlich preisen, war also doch ganz schön finster?
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Spitzel unter sich - Die Stasi-Gründung 1950 News in BRD | DDR Noch keine Kommentare »
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Am 8. Februar 1950 beschließt die provisorische Volkskammer der DDR die Gründung der Stasi – ungewöhnlich diskret für die sonst so propagandafreudige junge Republik.[/b]

Sie kann einem leid tun, die neugeborene DDR: "Wohl kaum ein Staatswesen" gebe es, klagt der SED-Funktionär Fritz Lange, "das noch so schwach geschützt ist und so gefährdet ist wie unsere Deutsche Demokratische Republik". Da ist die DDR nicht mal ein halbes Jahr alt. Die Teilung ist noch nicht fest zementiert; Josef Stalin liebäugelt noch mit einem vereinten, neutralen Deutschland.

Doch die Kommunisten in der SED bemühen sich, den Beton zu trocknen. Sie wollen schnell alles haben, was ein souveräner Staat nach sowjetischem Vorbild so braucht. Eine Geheimpolizei, zum Beispiel.

Um deren Gründung macht die SED jedoch lange nicht so ein Bohei wie um das Außenministerium, das die DDR, anders als die Bundesrepublik, von Anfang an hat. Das feiert die Propaganda als Beweis echter Souveränität und kündigt an, DDR-Diplomaten würden die Interessen aller Deutschen vertreten.
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Die wahren Gründe des Untergangs Roms News in Das Römische Reich 15 Kommentare »

Von "spätrömischer Dekadenz" sprach FDP-Chef Westerwelle im Zusammenhang mit seinen Vorstellungen über Hartz-IV-Empfänger. Wie war das damals wirklich in Rom der Spätantike?


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Man war reich und man zeigte es: Das Bild "Les Romains de la décadence" von Thomas Couture (1844) zeigt den Luxus und die Dekadenz Roms

Der Zusammenbruch des römischen Imperiums hatte viele Ursachen. Der unmittelbare Auslöser war die Völkerwanderung: Die Hunnen drangen aus Asien nach Ostmitteleuropa ein. Andere Völker zogen daraufhin nach Westen und Süden und bedrängten wiederum das Römische Reich.

Seit 395 war das Reich in West- und Ost-Rom geteilt, die sich zwar als ein Imperium verstanden, aber von zwei Kaisern beherrscht wurden. Ost-Rom hielt den andrängenden Völkern stand, unter anderem, weil diese das stark befestigte und strategisch entscheidende Konstantinopel an der Pforte zu Kleinasien nie erobern konnten; es stand aber zu sehr unter Druck, um der westlichen Reichshälfte beistehen zu können.
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Der Tod des Pharaos News in Das Alte Ägypten 1 Kommentar »

Malaria und Knochenkrankheiten: Woran Tutanchamun litt und woran er starb, bleibt trotz der neuen Studie umstritten.


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Sein Tod gibt der Wissenschaft Rätsel auf: Pharao Tutanchamun (etwa 1347-1339 v. Chr.). Hier eine Nachbildung seiner Totenmaske

Von "Magie und Mysterium" schwärmt Zahi Hawass gern, wenn es um die archäologischen Schätze des alten Ägyptens geht. Man kann in diesen Tagen nicht anders als ihm recht zu geben. Magisch-magnetisch angezogen richten sich die Augen der Weltöffentlichkeit wieder einmal auf Tutanchamun, den gottgleichen Herrscher der 18. Dynastie.

In einer am Mittwoch veröffentlichten Studie im Mediziner-Fachblatt Jama behauptet Hawass, Generaldirektor der ägyptischen Antikenverwaltung, gemeinsam mit einem internationalen Forscherteam die mutmaßliche Todesursache gefunden zu haben. Ein Knochenbruch habe zusammen mit einer schweren Form der Malaria den erst 19-jährigen Pharao etwa im Jahr 1324 v. Chr. dahingerafft.
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Ist Sachsens jahrhundertealte Porzellangeschichte falsch? News in Kunstgeschichte 4 Kommentare »
Meißen/Lübeck. Die Historie des Meißener Porzellans muss nach 300 Jahren umgeschrieben werden. Davon ist Christof von Tschirnhaus überzeugt. Der Nachfahre des Universalgelehrten Ehrenfried Walther von Tschirnhaus sagt, seinem Ur-Ahn und nicht dem Alchimisten Johann Böttger gebühre der Titel Porzellan-Erfinder. Eine Tabakdose aus der Porzellan-Sammlung Dresden soll das beweisen. Doch die ist verschollen.

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Diese verschollene Tabakdose wird von Tschirnhaus zugeschrieben. Fand er schon lange vor Böttger das Geheimnis des Porzellans?

"Einer für alle! Alle für einen!" schworen die Musketiere, wenn sie die Degen kreuzten. Wenn in unserem Zeitalter zwischen zwei schon jahrhundertealte Schwerter nun ein drittes scheppert, hat das andere Gründe als Dreieinigkeit. "Drei forschten, nur einer erntet Ruhm, noch dazu der Falsche!" Das ist das Motto, unter dem der Lübecker Diamanten-Gutachter Christof von Tschirnhaus die Klinge kreuzt - mit den 1722 ersonnenen blauen Schwertern, die als ältestes Markenzeichen der Welt gelten: denen der Porzellan-Manufaktur Meissen.
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Kölle alaaf! Hanswurst wird frech News in Kultur- und Philosophiegeschichte Noch keine Kommentare »
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Eine Erinnerung an die Anfänge des politischen Karnevals und seinen Erfinder, den demokratischen Revolutionär Franz Raveaux.[/b]

Kölns Karneval ist ein Fest für alle. Das war immer so. Das galt schon im Mittelalter, als vor allem die Handwerkszünfte die Fastnacht ausrichteten. Ob reich, ob arm, alles feierte. Damals war Köln Deutschlands größte Stadt, die einzige echte Metropole. Der Glanz verging, der 1248 begonnene gotische Dom verwandelte sich eine gewaltige Bauruine. Doch dem Karneval blieb die alte Römerstadt durch die Jahrhunderte treu.
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Gerade die Armen mochten ihn nicht missen. So berichtet im Jahr 1800 naserümpfend ein auswärtiger Besucher, der Münchner Hofrat und Reiseschriftsteller Albert Klebe: »Alle Wirtshäuser ertönten von Musik und Gläserklang und dem Brüllen und Jauchzen des besoffenen Pöbels. Man sah hier nichts als Fuhrleute mit schmutzigen Kitteln, mit verzerrten Larven und lang herunterhängenden Haaren von Werg oder Flachs, Bauern in plumper, schmutziger Tracht, schmierige Caminfeger und altväterlich gekleidete Weiber. In diesem von Tabak, Punsch und Ausdünstungen duftenden Tumult trieb sich der Pöbel mit Entzücken herum.«

In jener Zeit gehörte Köln wie das gesamte Rheinland links des Stroms zu Frankreich. 1794 hatte sich die Stadt den Revolutionstruppen ergeben, 1801 waren im Vertrag von Lunéville die neuen Grenzen festgeschrieben worden. Der Traum manches freiheitlich gesinnten Kölner Bürgers von einer rheinischen, der »cisrhenanischen« Republik hatte sich nicht erfüllt, die vorbereitete Verfassung verschwand in der Schublade.
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Neue Erkenntnisse im Todesfall Eigendorf News in BRD | DDR Noch keine Kommentare »
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Im Fall des Fußballers Lutz Eigendorf hat ein Historiker die Wiederaufnahme der Ermittlung beantragt. Unter Verdacht stand die Stasi, doch der Fall wurde 2004 eingestellt.[/b]

Der mysteriöse Tod des Fußballers Lutz Eigendorf, der 1979 aus der DDR geflüchtet war, könnte die Berliner Staatsanwaltschaft erneut beschäftigen. Der Direktor der Berliner Stasiopfer-Gedenkstätte, Hubertus Knabe, beantragte die Wiederaufnahme der Mord-Ermittlungen.

Eigendorf starb 1983 bei einem Auto-Unfall bei Braunschweig. Immer wieder war darüber spekuliert worden, ob die Stasi dabei ihre Hände im Spiel hatte.

Knabe habe den Antrag gestellt, nachdem am Dienstag ein früherer Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi vor dem Düsseldorfer Landgericht von einem Mordauftrag berichtet hatte, sagte Knabe. Der IM habe den Auftrag vom DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zwar angenommen, aber nicht ausgeführt, sagte der Historiker. Knabe bat die Berliner Staatsanwaltschaft auch um eine Prüfung auf Exhumierung der Leiche des Fußballers. In MfS-Unterlagen habe es Hinweise auf eine Vergiftung gegeben.

"Wenn sich neue Gesichtspunkte ergeben, wird das Verfahren wieder aufgenommen", sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Mord verjähre nicht. Die Anklagebehörde hatte den Fall über Jahre geprüft, zuletzt waren die Ermittlungen 2004 aus Mangel an Beweisen eingestellt worden.
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Revolution mit Hamburgern News in Blockbildung und Kalter Krieg Noch keine Kommentare »
1989 fällt die Berliner Mauer, 1991 löst sich die Sowjetunion auf - und in der Zwischenzeit ist es in Moskau auch noch zu einer Konsum-Revolution gekommen: Am 31. Januar 1990 wird am Puschkin-Platz das erste McDonald's-Restaurant eröffnet. Die Metropole hat den Verbrauchern zu dieser Zeit noch kaum etwas zu bieten. Die Moskauer müssen sich in den Geschäften ausweisen. Sie werden bevorzugt versorgt, denn die Nahrungsmittel reichen nicht für diejenigen aus, die aus der Provinz in die sowjetische Hauptstadt kommen. Nach den politischen Umwälzungen, die KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow in die Begriffe "Perestroika" ("Umgestaltung") und "Glasnost" ("Offenheit") gekleidet hat, steht das amerikanische Schnell-Restaurant nun für kommerzielle Innovation. "Es war ein Zeichen des Umbruchs, der da in diesem riesigen Land stattfand", erinnert sich WDR-Korrespondent Hermann Krause. "McDonald's - die Inkarnation des American Way of Life - öffnete seine Türen."

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Winkelemente des Kapitalismus


Am Eröffnungstag ist das Interesse der Bevölkerung gewaltig: Vor dem McDonald's-Restaurant bildet sich eine drei bis vier Kilometer lange Schlange.
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In Frankreichs Armen News in Die großen Kolonialreiche Noch keine Kommentare »

Vor 50 Jahren entließ Paris 14 afrikanische Staaten in die Unabhängigkeit. Doch die neu gewonnene Souveränität wurde für viele von ihnen nur zur Fortsetzung der Kolonialisierung mit anderen Mitteln – wie das Beispiel Gabun zeigt.


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Ein Kolonialsoldat lässt sich von Afrikanern durch den Busch tragen. Diese Zeichnung, etwa aus dem Jahr 1850, verdeutlicht, mit welchen Selbstverständnis die Kolonialisten ihre Macht demonstrierten

Das Jahr 1960 ist Afrikas annus mirabilis. Zwischen Januar und November entstanden 17 neue Staaten. Darunter waren allein 14 Länder, die zum französischen Kolonialreich gehört hatten, wie Niger, Mali und der Tschad. Wunderbar war dieses Jahr der sogenannten Entkolonialisierung vor allem für das französische West-und Zentralafrika, weil sie hier – anders als in Frankreichs Kolonien auf Madagaskar, in Indochina und Algerien – ohne Kampf und fast ohne Blutvergießen verlief.

Das Wunder hat eine längere Vorgeschichte, und die beginnt mit dem deutschen Sieg über Frankreich im Sommer 1940. Zur Stunde der Kapitulation befand sich der Brigadegeneral und Unterstaatssekretär Charles de Gaulle bereits in London und rief die Franzosen von dort aus via BBC zum Widerstand gegen die Besatzer auf. Der Akt erschien vielen als hilflos, verfügte de Gaulle doch über keinerlei Mittel, und so folgte denn auch nur eine kleine Minderheit seiner Landsleute dem Londoner Aufruf.

Hoffnung für de Gaulle kam aus Afrika. Im August 1940 erklärte der Gouverneur von Französisch-Äquatorialafrika, Félix Éboué, seine Solidarität mit dem Rebellen de Gaulle. Éboué war der erste schwarze Gouverneur in Frankreichs Geschichte. Bis 1943 distanzierten sich alle französischen Kolonien außer Indochina vom Vichy-Regime des Marschalls Pétain, das nach der Niederlage den nicht besetzten Teil Frankreichs beherrschte und mit Hitler kollaborierte.
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Preußische Präzision News in Geschichte der Naturwissenschaften Noch keine Kommentare »

Zuckende Froschschenkel, selbst gewickelte Magnetspulen und zornige junge Männer: Wie Berlin zum Zentrum der aufstrebenden Naturwissenschaften wurde.


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Apoll im Labor. Mit diesem Experiment ermittelte der Berliner Physiologe Emil Du Bois-Reymond um 1850 elektrische Ströme im Muskel

Ein Abend im November 1847. Ort der Handlung: Berlin. Genauer: das dicht bevölkerte "Medizinerviertel" südlich der Charité, in etwa das, was man heute ein "Szeneviertel" nennen würde. Hier leben Künstler, Studenten, Lebedamen neben Handwerkern, Kaufleuten, Gelehrten und Offizieren. Die meisten Häuser sind schon dunkel. Nur in einer kleinen Wohnung in der Karlstraße 21, der heutigen Reinhardtstraße, brennt noch Licht.

Beim Schein einer Petroleumlampe beugt sich ein junger Mann über einen Experimentiertisch. Zwischen zwei Metallstativen ist ein enthäuteter Froschmuskel eingespannt. Feine Drähte führen von der Aufhängung zu elektrischen Apparaturen. Das blasse, kaum bleistiftdicke Gebilde zieht sich zusammen – der Muskel zuckt. Der junge Mann ist begeistert. Freudig erregt notiert er das Ergebnis des Versuchs. Dann springt er auf, geht in der halbdunklen Stube auf und ab. "Elektrizität!", ruft er aus. Sein Name: Emil Du Bois-Reymond, 28, Arzt und Wissenschaftler, Spross einer Hugenottenfamilie.
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Brandstifter im Biedermeier News in Zeitalter der Nationalstaaten 2 Kommentare »

Wie man in Minden und andernorts den Hass auf die Juden schürte – und die Epoche zur Ursprungszeit des modernen Antisemitismus in Deutschland wurde.


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1843: In Minden rufen handgeschriebene Pamphlete mit Juden-Karikaturen zum Progrom auf

Im September 1843 kommt es in einem Geschäft der westfälischen Stadt Minden zu einem peinlichen Zwischenfall. Ein jüdischer Ladengehilfe bietet einer christlichen Frau beim Einkauf eine Oblate mit der Frage an: Ob sie auch einen Messias nehmen wolle? Das Ereignis sorgt für große Aufregung.

In den folgenden Nächten werden handgeschriebene Flugblätter verbreitet, auf denen sich Mindener über die angebliche Hostienschändung beschweren und zum »Verderben der Juden« aufrufen: »Christen! Der Jude fängt an, mit unserm grössten Heiligthume Spott zu treiben; er giebt den Kindern unsere Hostien, wodrin wir beim heiligen Abendmahle unsern Heiland verehren – zum Spott – sagt dabei: Hier habt ihr einen Messias. Fresst euren Heiland auf! – Schon das[s] ein Jude unsere Hostien verkauft ist eine Schande für die ganze Christenheit, nun noch dazu dieser Spott – das ist zuviel! – Verderben den Juden + diesen Verräthern unseres Heilands, diesen Blutsaugern der Christen. Der Jude arbeitet nicht und lebt bes[ser] wie wir, also fort mit diesem Ungezief[er], unser Vermögen hat er. Nöthiget ihn die[s] wieder abzugeben und dann: Marsch mi[t] diesen Müssiggängern!!«
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Werner von Siemens: Ein Kabel zu Ruhm und Ehre News in Technikgeschichte Noch keine Kommentare »
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Vor 150 Jahren sollte ein Telegrafenkabel Suez mit Karachi verbinden. Es funktionierte nie richtig – aber für Werner von Siemens war das Projekt ein Schritt zum Erfolg.[/b]

Triumphe der Technik sind manchmal kurzlebig: Das erste Telegrafenkabel auf dem Boden des Atlantik hält gerade mal einen Monat. Am 16. August 1858 gratulieren Queen Victoria und US-Präsident James Buchanan einander durch den Draht zur Leistung der Ingenieure, im September ist Funkstille. Die Isolierung hält dem Wasserdruck nicht stand.

Das Scheitern der einen ist das Glück des anderen. Werner von Siemens erhält nach dem transatlantischen Debakel von der britischen Regierung den Auftrag, alle öffentlichen Telegrafenleitungen auf der Insel zu prüfen. Und die Firma Newall & Co. heuert ihn an, um das Verlegen eines Kabels zwischen Indien und Ägypten zu überwachen. Für seine 1847 gegründete "Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske" bedeutet der Einstieg in den wichtigen britischen Markt einen Schub an internationalem Renommee.
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Siemens hat mit Johann Georg Halske den Zeigertelegrafen zur Serienreife entwickelt, ein Gerät, das die Stellung eines Zeigers auf einer Buchstabentafel auf ein Empfangsgerät mit der gleichen Tafel überträgt. Auch, als sich das schnellere Morse-System durchsetzt, benutzen zum Beispiel Eisenbahner noch den Zeigertelergrafen, weil jeder ihn ohne Kenntnisse eines besonderen Alphabets bedienen kann.
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Wer sich am Dynamo reibt News in BRD | DDR 1 Kommentar »

Vergleich ohne Sieger: Die Ausstellung "Wir gegen uns" erzählt kleine und große Sportgeschichten aus beiden Teilen Deutschlands.


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Ein Tor gegen den Klassenfeind: Jürgen Sparwasser erzielt das legendäre Tor für die DDR bei der WM 1974

Bevor der Kalte Krieg zu Ende ging, kam er noch in der Kreisklasse vorbei. Er baute sich vor der untersten Fußballliga auf und wollte auch hier in Gut und Böse teilen. Die Bösen waren eine Clique von Freizeitkickern im Norden Hessens, die mit dem Fahrrad zum Bolzplatz fuhren und sich linksalternativ gaben. Sie nannten sich FSC Dynamo Windrad. Doch Dynamo durfte nicht mitspielen in Kassel, so entschied es der hessische Fußball-Verband Mitte der achtziger Jahre, denn Dynamo war DDR, der Klassenfeind. Bestätigt hat diese Auffassung das Oberlandesgericht Frankfurt am Main, der Name ähnele "zu sehr den Gepflogenheiten der Vereine in der DDR bzw. in den Ostblockstaaten".

Von solchen politischen Spielen erzählt die Ausstellung Wir gegen uns. Sport im geteilten Deutschland, die bis zum 5. April im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu sehen ist und von Mai bis Oktober dann im Haus der Geschichte in Bonn. Sie zieht die großen historischen Linien genauso nach wie die kleinen Spuren, und vielleicht steckt in den fast vergessenen Begebenheiten wie der um Dynamo Windrad sogar mehr Aussage als etwa in den beiden prominentesten Sportbegegnungen zwischen Bundesrepublik und DDR, dem Sprintduell Heidemarie Rosendahl gegen Renate Stecher bei den Olympischen Spielen 1972 in München und dem Sparwasser-Tor bei der Fußball-WM 1974.
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Das vergessene Lager News in Das Dritte Reich 1 Kommentar »
In Schwetig nahe Frankfurt (Oder) wurden zwischen 1940 und 1945 Tausende Zwangsarbeiter gequält und getötet.

„An der Büro-Wand des Kommandanten hingen unterschiedlich große Ochsenziemer. Der Neuankömmling konnte sich aussuchen, mit welchem er anschließend geschlagen wurde.“ 25 Peitschenhiebe gehörten Zeitzeugenberichte nach zum berüchtigten Aufnahmeritual für verhaftete Zwangsarbeiter unterschiedlichster Nationen im Arbeitserziehungslager Schwetig (heute Swiecko), das die Gestapo Frankfurt von Oktober 1940 bis Januar 1945 betrieben hatte. Ein beliebtes „Vergnügen“ der Wachleute soll es dort gewesen sein, die Häftlinge durch das Lager zu jagen und sie dabei mit Kabeln zu schlagen.
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Der Mythos vom Ursprung des Aids-Virus News in Blockbildung und Kalter Krieg Noch keine Kommentare »
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Von Geheimdiensten und Gerüchten: Erzeugte einst das US-Militär das HI-Virus? Die Stasi streute diesen Mythos. Was ist dran? Der Genetiker Erhard Geißler erinnert sich.[/b]

Seit es Aids gibt, gibt es Verschwörungstheorien zu dieser Krankheit. Ende der 80er-Jahre war es vor allem die Behauptung, der Aids-Erreger sei in amerikanischen Labors "gezüchtet" worden, die Aufregung hervorrief. Das Gerücht wurde von dem DDR-Mediziner Jakob Segal verbreitet, der dazu 1987 in einem Interview der Tageszeitung von Stefan Heym befragt wurde. Heute behauptet die Zeitung, es habe sich um eine gezielte Kampagne der Stasi gehandelt.

Reichlich zwanzig Jahre ist es her, dass Desinformationen von der Abteilung X der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in die Welt gesetzt wurden. Einige ihrer ehemaligen Obristen fahren damit munter fort, und einige Journalisten und ihre Leser fallen immer noch darauf herein. Dabei geht es um die von der Wissenschaft längst beantwortete Frage nach der Herkunft des Erregers der Immunschwäche Aids.
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"Mitgelaufen wie ein dummer Depp" - Sturm auf die Stasi-Zentrale News in BRD | DDR 1 Kommentar »

Vor 20 Jahren besetzten Demonstranten die teils schon verwüstete Berliner Stasi-Zentrale. Hatte der Geheimdienst bei der Aktion selbst die Finger im Spiel?


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Verwüstete Stasi-Zentrale: Aufgebrachte Demonstranten hatten am 15. Januar 1990 das Hauptgebäude der Staatssicherheit der DDR im Berliner Stadtteil Lichtenberg gestürmt

Die Stimmung in der Lichtenberger Ruschestraße ist aufgeladen, als Christian Halbrock gegen 17 Uhr dort eintrifft. "Stasi raus, Stasi raus"-Rufe schallen durch das Halbdunkel an diesem trüben 15. Januar 1990. Der 26-Jährige ist dem Aufruf des Neuen Forums gefolgt, sich an der Zentrale des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit zu versammeln, um dem Treiben hinter den Mauern ein Ende zu bereiten und die Vernichtung der Akten des verhassten Geheimdienstes zu stoppen. Viele haben Mauersteine mitgebracht – denn wenn es nicht gelinge, die Stasi zum Aufgeben zu bewegen, müsse man sie eben einmauern, so der Aufruf.

Halbrock hat seine unangenehmen Erfahrungen mit dem Machtapparat der DDR. Als Mitbegründer des Friedens- und Umweltkreises an der Glaubenskirche 1983 hat er immer wieder mit dessen Häschern zu tun gehabt. Ausgerechnet in dieser Kirche am Lichtenberger Roedeliusplatz, die dem ausgedehnten Stasi-Gelände gegenüberliegt, hat er mit Wolfgang Rüddenklau und anderen Mitstreitern die Mächtigen herausgefordert. Und jeden Tag musste Halbrock in der Ruschestraße an dem streng bewachten, düsteren Gebäudekomplex vorbeilaufen, wenn er sein Kind in den kirchlichen Kindergarten in der Pfarrstraße brachte.

Nun steht er hier inmitten von etwa 2000 anderen Leuten, die auf das Tor zulaufen, das sich kurz zuvor wie auf wundersame Weise geöffnet hat. In einer dichten Menschentraube schiebt sich auch Halbrock durch das Tor, folgt im Innenhof dem Strom links hinüber zu einem erleuchteten Gebäude, dringt mit den anderen ein. Es ist Haus 18, der Versorgungstrakt der Stasi mit Ladenpassage, Kaufhalle, Kantine und einem Kongresszentrum.

"Ich bin mitgelaufen wie ein dummer Depp", erinnert sich Halbrock, der heute als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Stasiunterlagenbehörde beschäftigt ist. Sie kommen an ein paar eingetretenen Türen, abgerissenen Plakaten, einem umgekippten Souvenirstand vorüber. Aber Halbrock sieht niemanden, der Verwüstungen anrichtet.

Es ist eine Mischung aus Wut und Triumph, die die Menschen bewegt. "Es war mir damals egal, was passierte", sagt Halbrock. "Ein Denkmal zu stürzen, macht einfach Spaß. Ich hätte auch nichts dagegen gehabt, das ganze Gelände in die Luft zu jagen." Das Bewusstsein, dass da etwas zu schützen und aufzuarbeiten war, war bei ihm wie wohl bei den meisten der Eindringlinge eher schwach entwickelt. "Es war auch ein bisschen unheimlich: Diese große Zusammenballung von Menschen, die keine Kommunikation untereinander hatten", erinnert sich Halbrock. Und er wundert sich, dass ihnen keine Stasi-Leute, kein Wachpersonal begegneten.
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