2. Weltkrieg Wissen für Roman

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Avy, 13. Juni 2018 um 13:15 Uhr.

  1. Avy

    Avy Neues Mitglied


    Hallo :)
    ich schreibe momentan einen Roman, der während des zweiten Weltkriegs spielt. Es ist ein Fantasy Roman, dh. der Krieg spielt nur eine Nebenrolle, quasi als Kulisse. Trotzdem ist es schwierig diese Kulisse zu nehmen, wenn man nicht viel darüber weiß. Meine Fragen wären deshalb:

    1. 1945, also kurz vor Kriegsende: Wie war die Einstellung der Menschen gegenüber der SS? Und wie viel wussten sie von der Judenverfolgung?

    2. Wussten die einfachen Leute in den Dörfern da schon, was wirklich in den Konzentrationslagern geschieht?

    3. In Filmen sieht man ja immer wieder, dass viele Menschen die Juden gehasst haben. Das traf doch sicherlich aber nicht auf alle zu? Bestimmt gab es auch viele, die das alles für schrecklich und ungerecht hielten?

    4. In meinem Buch „datet“ die Mutter der Protagonistin einen SS-Offizier. Es spielt ca. Februar 1945 bei Mainz. Welche Rolle hatten die Offiziere da? Also wofür waren sie hauptsächlich verantwortlich? Und welche Dienstgrade gab es? Ist es realistisch, dass er sie heiratet und bei ihr einzieht? Und gibt es etwas, das ich wissen muss?

    Und 5. So weit ich weiß gab es in der Nähe von Mainz kein KZ, oder? Oder zumindest kein Vernichtungslager.

    Falls ihr noch etwas wisst, was ich gebrauchen könnte, wäre ich sehr dankbar, wenn ihr es erzählt.
    Bis dahin vielen Dank schonmal!

    Liebe Grüße :)
     
  2. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Warum nimmst du Dir dann ausgerechnet den 2. W.K. als Hintergrund, wenn Du derart wenig über diese Zeit weißt ?
     
  3. Avy

    Avy Neues Mitglied


    Weil ich einen Krieg als Kulisse brauche und die Geschichte ungefähr im 19.-20. Jahrhundert spielen soll.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Frage habe ich mir auch gestellt.

    Zu den einzelnen Aspekten kann man außerdem nur anraten, sich bei einem solchen Projekt mit ein paar wenigen Publikationen einlesen. Das geht recht gut.
     
  5. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Ich glaube solche Fragen sind eher was für Zeitzeugen. Aber die sind altersbedingt recht wenig geworden.
    Du wirst Dich da mit entsprechenden Publikationen beschäftigen müssen.
    Als Beispiel ich...
    Ich bin 77. Als der Krieg zu Ende war, war ich knapp 4 Jahre alt. Ich wohnte in einer Kleinstadt. Von meiner Mutter und anverwandten hörte ich da nichts. Vater war ja im Krieg. Später, viel später hörte ich von Bekannten in deren Nähe Juden wohnten, dass die von einen Tag zum anderen verschwanden. Das hörte ich aber ich in einer Zeit, wo schon klar war was mit den Juden geschehen ist.

    Publikationen – Vorschlag von Silesia...

    Ein gutes Beispiel in Richtung Deiner Fragen ist der Befehl von General Pattons, Teile der Weimarer Bevölkerung (ca. 1.000 Menschen) nach Buchenwald zu holen, und ihn das entmenschte wüteten der Nazis/SS vor Augen zu führen.
    Du findest dazu einiges im Netz und auch auf der Homepage von der „Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora“.
     
    beetle gefällt das.
  6. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    Das macht aber einen Riesenunterschied, ob sie im 19. oder 20. Jahrhundert spielt.

    Ich nehme mal an, dass du nicht die SPIEGEL-Bestsellerliste anvisierst, da deine Energien für Recherche doch ziemlich zaghaft sind. Grundsätzlich sollte man die Recherche auf eigene Faust betreiben. Die darein investierte Energie spiegelt sich dann automatisch im literarischen Ertrag wieder.

    Zusätzlich zur sachlichen Recherche sollte man sich mit einschlägigen Konkurrenzprodukten befassen, um zu sehen, wie´s die anderen machen. Einige Beispiele:

    + "Schindlers Liste" von Thomas Keneally

    + "Heute leben wir" von Emmanuelle Pirotte

    + "Die Wohlgesinnten" von Jonathan Littell
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Juni 2018 um 21:23 Uhr
  7. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Juden wird es 1945 in Mainz kaum noch gegeben haben. Die Massentransporte begannen in der Stadt 1942 und 1943 und 44 gingen noch kleinere Transporte nach Polen. In dieser Zeit haben sich vielleicht die Bürger der Stadt mit dem Thema befasst, 45 eher nicht mehr. Auch wenn einige Deutsche sicher auch Mitleid hatten so darf man nicht vergessen, dass von ihnen mehr oder weniger von den Deportationen auch persönlich profitierten. Es wurde Wohnraum frei und viele ersteigerten Wertgegenstände bei den Auktionen, auf denen das Eigentum der Deportierten versteigert wurde. Da Mainz auch im Bombenkrieg heftig zerstört war, interessierten sich die Bewohner wahrscheinlich 1945 viel mehr für ihr eigenes Überleben. Wenn es ums eigene Überleben geht nimmt das Interesse am Schicksal anderer rapide ab.
     
  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Grundsätzlich verstehe ich diese Einschätzung und sie ist wohl auch nicht verkehrt.

    Besondere Ausnahmesituationen führen allerdings auch zu einer gesteigerten Solidarität. Als Beispiel würde ich Leningrad während der Phase der Belagerung anführen. Die Bericht von Überlebenden deuten darauf hin, dass sich unter dem äußeren Druck das Zusammengehörigkeitsgefühl vor und die Solidarität deutlich verstärkt hat.

    Und: nach Beendigung der Belagerung gingen viele davon aus, dass diese neuen Strukturen der kollektiven Interaktion der Bevölkerung erhalten bleiben sollten. Auch deswegen, weil sie als eine angemessenere Form eines menschlichen Sozialismus verstanden worden sind.

    Dieser Erwartung schob Stalin einen Riegel vor und etablierte erneut die Kommandostrukturen seines Staatssozialismus. Und obwohl die materielle Situation sich besserte führte es erneut zu einer Entsolidarisierung.
     
  9. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das führt zur Solidarität innerhalb der gleichen Gruppe ,also der Deutschen untereinander, aber nicht mit Mitgliedern anderer Gruppen. Erst recht nicht mit einer Bevölkerungsgruppe von deren Untergang man mit profitiert hatte und die über Jahre zum Übel für alles erklärt worden war.
     
  10. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    silesia gefällt das.
  11. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Innerhalb Deutschlands gab es jede Menge Konzentrationslager, in denen auch große Mengen an Menschen ums Leben kamen. Die eigentlichen Vernichtungslager, deren ausschließlicher Zweck die Ermordung der Juden war ,hatten die Nazis aber alle in Polen und Weißrussland errichtet.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Trotzdem wussten die Menschen sehr genau, vielleicht nicht immer im Detail, wie, dass die Juden (und andere) im Osten ermordet wurden. Es gibt mittlerweile veröffentlichte Geheimdienstberichte, es gibt Flugblätter, Tagebucheinträge, Feldpostbriefe, Forderungen an Behörden, Predigten von Kanzeln, die alle sehr deutlich machen, dass die Leute sehr genau Bescheid wussten.
     
  13. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das habe ich auch gar nicht bestritten. Ich hatte nur auf den Teil der Frage nach den Vernichtungslagern in der Nähe von Mainz geantwortet. Meine Eltern waren noch Kinder in der Zeit und mein Vater erzählte, dass Juden mit Stern auf der Straße laufen mussten, weil ihnen die Benutzung der Fußwege verboten war und dass sie eines Tages aus dem Stadtbild verschwunden waren. Dass die Kinder nicht wussten, was mit diesen Menschen passiert war kann ich mir schon vorstellen. Ein Teil der Erwachsenen wusste sicher mehr darüber und andere werden es geahnt haben. Andere werden sich geweigert haben das zu glauben.
     
  14. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Literaturtipp zum Thema Wissen in der Bevölkerung: Peter Longerich, Davon haben wir nichts gewusst - Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933-1945 (bei der bpb für kleines Geld).
     
    silesia und beetle gefällt das.

Diese Seite empfehlen