alemannischer Zeitbestimmung/Kalender

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von paradiddle, 30. Januar 2008.

  1. paradiddle

    paradiddle Neues Mitglied


    Hallo miteinander,

    Januar - Aefterra Geola
    Februar - Solmonath
    März - Hrethmonath
    April - Eostremonath
    Mai - ???
    Juni - ???
    Juli - ???
    August - ???
    September - ???
    Oktober - ???
    November - ???
    Dezember - ???

    Montag - ???
    Dienstag - ???
    Mittwoch - ???
    Donnerstag - ???
    Freitag - ???
    Samstag - ???
    Sonntag - ???

    Wer kennt Feiertage oder Feste?
    Die Germanen hatten wohl alle 9 Jahre eine riesen Fete. Vielleicht ein Treffen aller Stämme, aber das war erst um rund 1000 n.Chr. Gibt es da vielleicht frühere Überlieferungen?
    Hatten die Alemannen um 300 n.Chr. eine Zeitrechnung?

    Ich habe mittlerweile herausgefunden, dass der folgende Tag eigentlich mit der Nacht begann. Mein Mann meinte, dass in manchen Gegenden möglicher Weise deswegen der Samstag wohl auch Sonnabend hieße. Der Mond spielte eine mächtige Rolle und vermutlich auch die Gestirne.

    Hat vielleicht jemand die Begriffe der Monate und Wochentage auf römisch/latein parat?

    Gruß Karin
     
  2. Helma

    Helma Neues Mitglied

    Nein, eben nicht auf römisch/latein: Den "Zeischdig". De Freitig. :winke:

    Wochentag - Alemannische Wikipedia

    Monat - Alemannische Wikipedia

    Hier findest Du auch noch was zu diesem Thema

    Den Hornung für Februar kenne ich übrigens auch noch, der war vor 40 Jahren in Trossingen unter den Alteingeborenen noch sehr geläufig. Wobei mir einfällt: Ansiedlungen, die mit "-ingen" enden, sind alamannischen Ursprungs (in Trossingen wurden auch alamannische Reihengräber gefunden).
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Januar 2008
  3. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin


    Nicht die Alemannen, sondern Bonifazius brachte uns den Sonnabend. So sieht es zumindest das Zwiebelfisch-ABC:
    Zwiebelfisch-Abc: Samstag/Sonnabend - Kultur - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten
     
  4. paradiddle

    paradiddle Neues Mitglied


    :grübel: Jo, da war ich schon. Das ist das Alemannisch von heute. Allerdings ist die alemannische Wiki ist süß (kennst du die schwäbische Wiki? hano)

    So han i als Glais d'Wochedag glährt: Mehdich, Ziaschdich, Midwoch, Duschdich (oder Zuastich), Friddig, Samschdig, Sundich. Die Aussprache variiert von Ort zu Ort, manchmal extrem, trotz nur 5 Kilometer Enfernung.

    Hornung sagen bei uns im Dorf (ich bin übrigens aus Schenkenzell) noch einige der Älteren. Hartung, Hornung und Co stammen aber schon aus dem Mittelalter, sind also zu jung für "meine" Zeit 300 n.Chr.
    Könnten die Namen so lange Zeit überdauert haben? hmmm...

    Die Orte mit -ingen am Ende stammen aus der Zeit, vielleicht nicht alle, aber sicher die meisten. Dann kamen anscheindend die -weiler (Mönchweiler) dazu (Aber Rottweil? Weißt du ab wann Rottweil zu seinem Namen kam und welche Bedeutung der Name hat?) Und schließlich - dorf (Seedorf). Die Endung -zell weist auf eine Mönchszelle hin.
    Die Endung´-stadt (Freudenstadt, 300 Jahre) gehört wohl zu den jüngsten.
    Die Endung -ach wie Schiltach, Wolfach, Hausach... weiß ich nicht einzuordnen. -ach hat wohl etwas mit der Kinzig zu tun. Vielleicht hieß es in grauer Vorzeit -bach? Ich glaube, dass die Orte sehr alt sind, weil auch eine Römerstraße durch das Kinzigtal ging.

    Ich recherchiere weiter...
     
  5. Helma

    Helma Neues Mitglied

    Da bin ich im Moment überfragt.

    -weil und -weiler sind m.E. lateinischen Ursprungs. Ich habe rasch den DUDEN (geographische Namen) befragt, der bestätigt das.

    Nix mit alemannischer Namensherkunft also.

    Ein alemannischer Herzog soll hier aber gehaust haben, bevor Rottweil urkundlich erstmals als Königshof rotuvilla im Jahre 771 erwähnt wird.

    Die Endung -ach hat immer was mit Wasser zu tun, an der Kinzig eben mit dem Wasser der Kinzig.
     
  6. paradiddle

    paradiddle Neues Mitglied

    :) ja klar. -weiler (D), -ville (F), -village(GB).
    Eine Villa ist ein sehr prunkvolles großes Haus reicher Leute. Kann man gute parallelen ziehen zu einem Gehöft mit vielen Anbauten...
     
  7. paradiddle

    paradiddle Neues Mitglied

    Die Wochen- und Monatstage interessieren mich aber schon noch...
     
  8. Helma

    Helma Neues Mitglied

    ... ähm ... stehen die nicht schon irgendwo da oben oder einem der Links da oben? Mir ist so als ob ....
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Unsere Wochentage oder analog die englischen sind zum Teil noch altgermanischen Ursprungs: Der Donnerstag ist dem Donar geweiht (vgl. Thursday - Thor), Freitag der Freya, Wednesday = Wotanstag (Wotan, Uodan, Odin etc.), der Tuesday ist der Tyrstag, Montag = Manistag, Sonntag ist klar. Die Frage ist bloß, ob diese Tagesnamen in allen germanischen Stämmen bekannt waren, oder ob sie sich nicht allmählich verbreiteten.
     
  10. paradiddle

    paradiddle Neues Mitglied

    Ich meinte, die Wochentage im Alemannisch alter Tage. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich unser Dialekt über 1700 Jahre nicht verändert hat. Die Monate klingen ja auch viel fremder.

    Wichtig war mir auch die Fortsetzung dieser Monate hier:
    Januar - Aefterra Geola (begann wohl am 21.12. mit der Wintersonnwende)
    Februar - Solmonath (weil die Tage wieder länger wurden)
    März - Hrethmonath
    April - Eostremonath (Von der Göttin Eostrae, auch Astarte, Ostara =Ostern=
    Mai - ???
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nix Ostara! Ostern! Das hat was mit Osten zu tun, dem Sonnenaufgang und der ist eine typische Metapher für die Wiederauferstehung Jesu ("Ich bin das Licht der Welt"). Der Eostremonath ist also, wenn auch eine germanische, eine christliche Bezeichnung.
     
  12. timotheus

    timotheus Neues Mitglied

    Die Unterschiede zwischen heutigen alemannischen Dialekten einerseits und den Sprach- und Dialektformen der Alemannen der Völkerwanderungszeit andererseits dürften relativ deutlich ausfallen:
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Januar 2008
  13. Helma

    Helma Neues Mitglied

    April, April! (den Rest hat El Quijote schon gesagt).
     
  14. paradiddle

    paradiddle Neues Mitglied

    Hallo Quijote,
    wo hast Du die Quelle dazu her?
    Gruß Karin
     
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dafür gibt es unterschiedliche Quellen, als Textquelle zuallererst die Bibel, wo Jesus sich selbst als "Licht der Welt" bezeichnet. Besonders aber auch die Geschichte vom leeren Grab, die Frauen schauen in den Sonnenaufgang (also nach Osten), spätere Kommentare sprechen auch immer wieder von Jesus als der Sonne oder dem Licht, etwa das St. Trudperter Hohelied.
    Aber auch Bauwerke und Karten verwiesen auf den Osten: Mittelalterliche Kirchen sind immer mit dem Chor/Altarraum gen Osten ausgerichtet (wohingegen sie häufig nach Norden keine Türen haben, weil aus dem Norden das Böse kommt) und auch mittelalterliche Karten sind "orientiert", also auf den Osten ausgerichtet, häufig mit Paradiesdarstellungen am oberen Rand (z.B. Ebstorfer Weltkarte). Auch als Karten sich von der theologischen Welterklärung weg zur Reiseorientierung hin entwickeln - man denke hier an Portolane - bleibt das Paradies noch einige Zeit Bestandteil der Karte und bleibt - obwohl die Karte längst nicht mehr auf eine Himmelsrichtung als "oben" festgelegt ist - im äußersten Osten (Bsp. Der Mappamundi des Abraham Creques).
     
  16. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Wenn du nach bestimmten Begriffen suchst, dann könnten dir diese Links helfen:
    http://www.koeblergerhard.de/germanistischewoerterbuecher/germanischeswoerterbuch/nhd-germ.doc
    Germanisches Wörterbuch
     
  17. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Naja, die Alamannen haben keine Schriften hinterlassen, also kann man so etwas natürtlich nicht wissen. Außerdem wäre es wohl nicht sehr passend, wenn du irgentwelche Sachen von 700 Jahre später in deine Geschichte aufnimmst und wie Timo schon geschrieben hat, kann man die Sprache auch nicht mehr erschließen.

    Eher nicht. Die -ingen Orte kamen erst ab dem 5. Jh. auf, mit dem Einsetzen der Dörfer in Alamannien. Zuvor gab es nur Einzelhofer, kleine Weiler und Höhensiedlungen, neben den evtl. noch spärlich besiedelten römischen Städten, vici, villae und Kastellen. Außerdem ist die Theorie, dass die Endung des Namens der Siedlung etwas darüber aussagt ob Franken oder Alamannen sie gegründet haben mittlerweile überholt.


    Ich würde dir auf jeden Fall raten ein paar Quellen zu lesen. Tacitus und Ammianus Marcelinus sind wohl erstmal die wichtigsten. Außerdem solltest du mal einen Blick in die Ausstellungskataloge der Landesmuseen werfen (zu die Alamannen und Imperium Romanum (Römer, Christen, Alamannen und Roms Provinzen am Neckar und Oberrhein)).
     
  18. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Die Stiftsbibliothek St. Gallen hat zahlreiche Kalender in ihrer Sammlung.

    Darunter findet man:

    Codex Sang 342
    Kalendar, Lektionar, Graduale, Sakramentar
    Ältestes vollständig erhaltenes St. Galler Graduale. Die verschiedenen Teile der Handschrift stammen aus unterschiedlichen Zeitepochen. Mit einer Vielzahl von Initialen und mehreren Federzeichnungen (vor allem im Sakramentar-Teil) illustriert.

    Aus der Beschreibung der Bibliothek:

    Quelle: CESG - Codices Electronici Sangallenses - Virtuelle Bibliothek

    Die Handschriften der Bibliothek kann man online ansehen.

    CESG - Codices Electronici Sangallenses - Virtuelle Bibliothek
     
  19. Adal-Batturich

    Adal-Batturich Neues Mitglied

    Hier nochmals ein kleiner Beitrag zur alemannischen Siedlungspraxis:

    Älteste Namensschicht, ca. bis 600 n. Chr.
    -ingen (= bei den Leuten/Sippe von…)
    -heim (= Heimsiedlung)
    -torf/-dorf (=Dorfsiedlung)
    -stetten (=Wohnstätte)
    -sass (=Wohnsitz, zb. „Elsass“)

    Ca. 600-700:
    -inghofen/-kofen (= bei den Höfen der Leute/Sippe von…)
    -inghusen (=bei den Häusern der Leute/Sippe von..)
    -hofen (= Höfe)
    -sellen (= Herberge, Wohnstätte)

    Ca. ab 700:
    -wil/-wiler (=Weiler; von den Alemannen aus dem lateinischen „villare“ entlehnt)
    -husen/-hausen (=Häuser)

    Ältere sekundäre Siedlungsnamen, die in der Regel aus ehemaligen Flurnamen entstanden sind:
    -ach (=Gewässer)
    -wangen/-ang (= leichter Abhang, Wiese)
    -felden (= Felder)
     
  20. paradiddle

    paradiddle Neues Mitglied

    Ohhh, danke Adal-Batturich, sehr hilfreich.
    Ich war nicht untätig in den vergangenen Wochen und habe die Informationen zu den Orten auch schon herausgefunden. Aber es tut saugut, das Ganze schön aufgelistet zu sehen und aufzufrischen, als nur im Hirn zu verwahren.
    So langsam mausere ich mich zur Spezialistin für die Alamannen *lach
    Ihr könnt mich mittlerweile alles Mögliche fragen...

    die -ingen waren an keinem festen Ort. Dort wo der Anführer lebte, lebten auch die Menschen. Ca alle 30 Jahre ging ein Haus kaputt, da baute man eben ein neues, auch wenn es weiter weg lag. So wanderten die Siedlungen Stück um Stück.
    Das mit den -ingenEndungen kann man aber nicht auf alle Orte beziehen, aber auf viele.

    @ursi: die virtuelle Bibliothek ist klasse !!!

    Ich schaue übrigens nicht mehr jeden Tag ins Forum. Also nicht wundern, wenn ich nicht gleich antworte.
     

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