Alfred Rethel: Keine Gewalt!

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von Eckert, 3. August 2013.

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  1. Eckert

    Eckert Neues Mitglied


    Alfred Rethel: Keine Gewalt!


    Der Maler und Zeichner Alfred Rethel (1816-1859) hat in seinem Zyklus „Auch ein Totentanz“ ein dramatisches Bild der deutschen Revolution von 1848 und – 49 wiedergegeben mit einer großen Außenwirkung. Die sechs Zeichnungen, als Holzschnitte veröffentlicht, gelten bis heute als die künstlerisch stärkste Wiedergabe der Geschehnisse. Der englische Kunsthistoriker Peter Paret gibt den Inhalt wie folgt wieder „Der Tod vertritt eine Ideologie, die eine böswillige Kraft ist und ihre Anhänger letzten Endes vernichtet...Der Tod wird nur jene ereilen, die sich zur Rebellion verführen lassen“. Peter Paret „Kunst als Geschichte“, deutsch C.H. Beck Verlag 1990, Seite 147. Obwohl Rethel den Freiheitsgedanken bejaht, ist er gemessen an den radikalen Revolutionären, so Paret, ein Girondist.


    Die realen Revolutionäre werden einwenden, wo gehobelt wird, fliegen halt Späne. Aber darum geht es Rethel nicht. Die aufgewiegelte Bevölkerung setzt sich ins Unrecht, es kommt zu Gewalttaten. So kann die Staatsmacht einschreiten mit bekanntem Ergebnis. Der Inhalt der sechs Blätter scheint zu sein: Keine Gewalt!
     
  2. Eckert

    Eckert Neues Mitglied

    Rethels Freund, der Dichter Robert Reinick, hat die Bilder jeweils mit einem Kurzgedicht versehen und so in Art eines Bänkelsangs weiter zugespitzt. Wir Heutige sehen frühereA Revolutionen wohl verklärt. Aber bejahen wir die Revolution oder würden wir auf Reformen setzen, so mühevoll der Weg auch ist?
     
  3. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied


    ist das ganz sicher? Tante Wiki stellt das ein wenig anders dar:
    aus http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Rethel
     
  4. Apsara Menaka

    Apsara Menaka Neues Mitglied

    Beginn und Vollendung

    Auf kunstdirekt.net findet sich folgendes:

    -Hamann

    -Rothe

    Ich denke dennoch, dass es möglich ist, dass er von den aktuellen Ereignissen während des Schaffens des Werkes beeinflusst wurde, auch wenn diese zu Beginn noch nicht stattgefunden hatten. Gerade Künstler haben oft ein gutes Gespür für das, was in der Luft liegt. Dennoch sprechen die Einzelbilder und die Texte von Reinick eine universelle Sprache von Krieg und Tod. Es wird nicht auf ein spezielles Ereignis hingewiesen, sondern es wird generell vom Sensenmann und seiner "Rolle" innerhalb der Menschheitsgeschichte bei Revolutionen gesprochen. Und so denke ich sollte man das auch lesen, selbst wenn Rethel dabei vielleicht auch von den aktuellen Ereignissen beeinflusst wurde, während er die Bilder schuf. Vielleicht bestätigten sie ihm aber auch nur, was er sowieso mit "Auch ein Totentanz" sagen wollte:

    Freiheit, Gleichheit und Brudersinn!
    Der Schrei wälzt durch die Stadt sich hin (...)
    "Zum Markt! Zum Markt!! Da steht er schon
    Der Held der Revolution!
    Hört ihn!" - - Stumm alles wie ein Grab.
    Er aber reicht ein Schwert herab (...)
    Er schreit! "Du Volk! Dies Schwert ist Dein!
    Wer sonst kann richten? Du allein!
    "Blut! Blut!" viel Tausend Kehlen schrein. (...)

    Er, den zum Führer sie ernannt,
    Die blutge Fahn in fester Hand! (...)
    "Jetzt lös ich mein Versprechen Euch:
    Ihr alle sollt mir werden gleich!"
    Er hebt sein Wams, und wie sie's schaun,
    Da fasst ihr Herz ein eisig Graun.
    Ihr Blut strömt, wie die Fahne rot;
    Der sie geführt, - es war der Tod!

     
  5. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    dessen Deutung ist ja wirklich staunenswert! Finden sich noch weitere Deutungen in diese Richtung?
     
  6. Eckert

    Eckert Neues Mitglied

    Rethel: Keine Gewalt!

    @ dekumatland #3 und Apsara Menaka #4: Laut Paret "Kunst als Geschichte" Seite 125 hat Rethel die sechs Blätter im März 1849 geschaffen und an die Werkstatt des Malers und Lithographen Hugo Bürkner geliefert. Sie wurden dort in Holz geschnitten im Maßstab ca. 23 x 33 cm². Bereits in der zweiten Maiwoche 1849 wurden sie in Leipzig veröffentlicht mit gewaltiger Außenwirkung. Mit den Bildunterschriften als Moritat wirken sie auf uns heute evtl. befremdend: Die Ziele der Revolution Freiheit und Gleichheit sind heute erreicht. Die sich dafür mit ihrem Leben einsetzten haben unsere Anteilnahme und unseren Respekt, auch wenn wir mit Rethel meinen: Keine Gewalt!
     
  7. Eckert

    Eckert Neues Mitglied

    Rethel hat in den Aachener Fresken Karl den Großen als brave Historie gemalt. Um so mehr überraschen in seinem Totentanz die zeichnerische Qualität, der kluge Bildaufbau, die Dramatik des Geschehens und die klare Aussage. Das Scheitern der damaligen Revolution in Deutschland gründet wohl in der Machtlosigkeit der Revolutionäre wie in ihren unterschiedlichen Wünschen und Vorstellungen. Aber Rethels Zeichnungen haben vielleicht dazu beigetragen, daß spätere deutsche Revolutionen 1918 und 1989 weitgehend unblutig verliefen.
     

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