Anhängsel zu 2.Wk

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Rhys, 17. Januar 2017.



  1. Rhys

    Rhys Mitglied

    Servus, ich würde gern zu einem Post im Teilbereich 2.WK antworten, bin aber nicht freigeschaltet. Vielleicht könnte ein Admin diesen dorthin verschieben, und wenn nicht, dann einfach löschen.

    Betreff: Untergang der Heeresgruppe Mitte.

    Zitat:

    Das lag wohl an der recht rücksichtslose Angriffstaktik der Sowjets. Es wurde mit Masse auf gegnerische Stellungen eingestürmt. Wichtig war nur das Ziel zu erobern, (fast) egal wie hoch die Verluste sind. Eben ganz anders als die "Safety First" Taktik der Amerikaner. Stellungen oder besetzte Orte wurden erst mal mit Artillery und/oder Luftangriffen sturnmreif geschossen.



    Vor ( sehr ) langer Zeit nervte ich meinen Großvater oft über Geschichten und Erlebnisse im 2. WK. Unter anderem auch wie "Schlachten" auf beiden Seiten so funktionierten. Wenn ich das alles heute so rekapituliere, kommt etwa dies dabei heraus:

    Eine gängige Strategie war oft ein starkes Trommelfeuer das auf die deutschen Stellungen niederging, welches sich dann in den rückwärtigen Raum verlegte und in Störfeuer überging, wohl um den Nachschub zu stören und Fernmeldeverbindungen zu kappen.
    Danach folgten die ersten Angriffswellen von Rotarmisten, meist schlecht ausgebildete und bewaffnete Truppen, welche den Zweck hatten, die deutschen Truppen zu ermüden und den Nachschub aufzubrauchen.
    Danach erfolgte normalerweise der Vorstoß von Panzern in Begleitung von Infanterie, welche den Durchbruch erzwingen sollten.

    Dieserart Angriffe sollten bei geschwächten Gegnern ohne ausreichende Panzerabwehr eine ausreichende Wirkung erzeugen, verlangt aber von den eigenen Soldaten einen extrem hohen Blutzoll.

    Und ich denke, das es bei der Heeresgruppe Mitte trotz des Zusammenbruchs noch genug umsichtige Kommandeure gab, welche erfahrene Einheiten als Nachhut einsetzten ( schlussendlich meist jedoch vergeblich).
    Jedoch kann eine gut geführte Nachhuteinheit dem Gegner schmerzhaft weh tun, insbesonders, da sie ja auf Bevorratung keine Rücksicht nehmen müssen.

    Desweiteren hatten die Sowjets auch mit Nachschubschwierigkeiten in Sachen Lebensmittel/Hygiene ( Krankheiten und Mangelerscheinungen ), Unfällen wegen mangelnder Ausbildung und kommisarischen Erschießungen zu kämpfen.

    Das sollte sich einen teil der hohen Verluste erklären.
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das Problem dieser Geschichten ist, das sie - vermutlich - erlebtes mit nachträglichem Gehörten kombinieren. Das Ergebnis ist eine bunte Mischung aus einem - vermutlich - richtigen Kern und einem Rest an Gehörtem und Vorurteilen über die "Russen".

    An welchem Umstand hat er das erkannt, dass sie schlecht ausgebildet waren. Also zum Zeitpunkt des Zusammenbruch der HG Mitte.

    Die Beschreibung ist nur insofern korrekt als die RKKA über die Kriegsjahre einen hohen Verlust an Menschen und Material aufwies. Die Erklärung über die Zeit veränderte sich jedoch und im Jahr 1944 waren es Überlegungen aus dem Bereich "Grand Strategy", warum Stalin im Rahmen der 10 "Crushing Blows" (vgl. Hill: The Great Patriotic War of the Soviet Union, 1941-45, S. 220-246) rücksichtslose Angriffsoperationen von seinen Generalen forderte.

    Dennoch ist für 1944 für die RKKA festzuhalten:

    - die Niederlagen der RKKA wurden in Form von Reviews ausgewertet und diskutiert. Es war somit eine deutlich Lernkurve vorhanden. Entgegen der landläufigen Vorstellung wurde relativ schonungslos seit dem Mißerfolg im Krieg gegen die Finnen, die Defizite - im Beisein von Stalin - durch Stawka und die beteiligten Kommandeure diskutiert. Und die entsprechenden Schlußfolgerungen hinsichtlich Ausbildung und Ausrüstung versucht zu ziehen. Entsprechende - früher streng geheime - Publikationen liegen vor.

    - die RKKA war im Jahr 1944 der WM im Bereich Logistik und Kommunikation deutlich überlegen. Das lag an den LKW- und Fernsprecheinrichtungen- Lieferungen im Rahmen von Lend-Lease.

    - die RKKA verfügte über ein leistungsstarkes System, Verbände zu erneuern. Verbände wurden komplett rausgezogen, neu materiell aufgebaut und durch Ersatz auf eine relative Sollstärke gebracht.

    - die Anzahl der aktiven Divisionen blieb dabei relativ konstant, es wurde jedoch das Verhältnis der schweren Waffen pro Infantrist deutlich erhöht (vgl. Dunn zur Ausbildung und zum Ersetzen der Verbände)

    Dunn, Walter S. (2007): Stalin's keys to victory. The rebirth of the Red Army. Mechanicsburg, PA: Stackpole Books
    Dunn, Walter S. (2009): Hitler's nemesis. The Red Army, 1930-45. Mechanicsburg, PA: Stackpole Books

    Dass die WM im Bereich der HG Mitte so schnell kollabierte lag dann wohl an der allgemeinen Überanstrengung des 3. Reichs im 5. Kriegsjahr (vgl. vor allem die Darstellungen von Silesia im Thread)

    http://www.geschichtsforum.de/f68/der-untergang-der-heeresgruppe-mitte-1944-a-15897/#post779103
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Januar 2017
  3. Rhys

    Rhys Mitglied

    Natürlich sind Geschehnisse immer rein Subjektiv.
    Allerdings hatte nicht viel erzählt und meist eher die Schrecken bei so etwas hervorgehoben.
    Allerdings wurden im späten Kriegsverlauf auch ab und an Angriffe erfolgreich abgewiesen und er diente u.a als einfacher Stabssoldat.
    Einige seiner "Jobs" war es ,Gefangene Rotarmisten nach hinten zu fahren.
    Er machte mir deutlich, das es bei den Gefangenen halt oft sehr große unterschiede gab. Zustand der Kleidung, Körperliche Verfassung, Ausrüstung( Brotbeutel ).
    Da er , wenn ich ihn mal zum sprechen überreden konnte, er diese Sachen kurz und prägnant schilderte, halte ich seine Eindrücke durchaus für wahr.
     

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