Arianische und katholische Bestattungsformen (Archäologie)

Dieses Thema im Forum "Das Christentum" wurde erstellt von El Quijote, 6. September 2018.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Würde man anhand eines Grabes erkennen, ob der Bestattete - oder sagen wir mal diejenigen, die ihn Bestatteten - arianisch oder katholisch war/en?

    Hintegrund der Frage: In einem spanischen Wikipedia-Artikel zur katalanischen Stadt Cambrils las ich folgende Passage:

    El lugar del actual Cambrils vivió la misma suerte de Tarragona. En 476, tras la caída del Imperio Romano, Tarraco y todo su terriotorio fue ocupada por los visigodos y el rey Eurico. No existe evidencia de destrucción y al parecer la captura de la ciudad fue relativamente tranquila. Es probable que los visigodos se hicieran cargo de las estructuras de poder existentes imponiendo una clase superior delegada, posiblemente hispano-romanos en lugar de godos. La existencia de tumbas cristianas en este periodo parecen confirmarlo.
    (Cambrils - Wikipedia, la enciclopedia libre )

    Übersetzung: Cambrils erlebte dasselbe Schicksal wie Tarragona. 476, nach dem Fall des römischen Reichs, wurde Tarraco und sein ganzes Territorium (gemeint ist wohl die römische Provinz Tarraconense) von den Westgoten und ihrem König Eurich besetzt. Es scheint, als sei die Besatzung relativ ruhig vonstatten gegangen. Wahrscheinlich übernahmen die Westgoten die bereits existierenden Machtstrukturen und setzten (in der Verwaltung) eine höhere Klasse ein, wahrscheinlich Hispanorömer anstatt Goten. Die Exstenz christlicher Gräber in dieser Zeit scheint das zu bestätigen.

    Wenn man arianische und katholische Gräber nicht voneinander unterscheiden kann, dann ist die Passage Quatsch. Bzw. selbst dann wäre sie Quatsch aber im Falle der Ununterscheidbarkeit geradezu zu 150 %.
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Gab es nicht unter Theoderich in Italien das Verbot, kostspielige Grabbeigaben bei der Bestattung einzusetzen? (wenn auch um die Unsitte der Grabräuberei zu verringern) Allerdings betrifft das evtl eher noch synkretistische Traditionen als christliche, wobei es egal ist, ob arianisch oder nicht.
    (eine Übersetzung wäre hilfreich)
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Ich hatte den Beitrag aus Versehen schon abegschickt, bevor er fertig war. Ich hatte in zwischenzeitlich editiert.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das Verbot ist mir nicht bekannt (was nicht heißt, dass ich es in Abrede stellen wollte), aber interessant. Merowingische Reihengräberfelder sind ja voll von Tand - über den sich die Archäologen freuen, weil die ganzen Grabbeigaben u.a. die Datierung erleichtern. Die Merowinger waren im Übrigen (nach Chlodwigs Taufe) katholisch.
     
    dekumatland gefällt das.
  5. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

  6. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Allerdings macht der Artikel den Gegensatz christlich-heidnisch auf und nicht arianisch-katholisch. Etwas seltsam. Vielleicht lohnen dazu viele Gedanken gar nicht.

    Dass die Franken noch Chlodwig katholisch waren, ist eine zu allgemeine Aussage. Da muss jede Gegend einzeln betrachtet werden. Ich erinnere nur an Bonifatius.

    Bei der Zuordnung von Gräbern ist zudem eine gewisse Vorsicht angebracht. Da war Vieles eher Mode als Glaube und es müsste dann Hinweise geben, dass es in der Tarrconensis anders war als in Gallien und Italien.
     
  7. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    schwer zu sagen, ob Waffen in den Gräbern hochrangiger Krieger (Warlords, "Offiziere" fränkischer, gotischer, burgundischer etc Truppen) von christianisierten Gentes einen paganen Traditionshintergrund haben, ich weiß es nicht. Gräber mit Waffen und weiteren Beigaben finden sich in merowingischen und gotischen Grablegen des 6.-8. Jhs., wobei sich wenn ich mich recht entsinne arianische und "katholische" eigentlich nicht unterscheiden. ...hm irgendwo (Katalog der Mannheimer Frankenausstellung?) hatte ich gelesen, dass beigabenlose Körperbestattungen des 5. Jhs. im Merowingerreich den "romanischen" Bevölkerungsteilen zugeordnet werden. Was mir noch durch den Kopf geht: die Westgoten kamen als Arianer nach Spanien, die Langobarden nach Italien, beide konvertierten irgendwann - an den Gräbern lässt sich das aber nicht ablesen.
     
  8. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    In den Katalogen zur Varusschlachtausstellung wurden diese Zuordnungen jedenfalls heftig und überzeugend kritisiert.
     
  9. andreassolar

    andreassolar Aktives Mitglied

    Mir ist aus der intensiven Beschäftigung mit der wissenschaftlichen Literatur zum 'Arianismus' dieses Jahr auch nichts dergleichen bekannt. Siehe dekumatland.
     
  10. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ich meine, dass im Rheinland nach der fränkischen Landnahme die fränkischen Gräber von denen der romanischen Bevölkerung noch unterscheidbar waren.

    Ich habe hier noch etwas zu den Unterschieden gefunden: Germanen und Romanen im Merowingerreich


    Ich weiß allerdings nicht, ob sich diese Unterschiede nur auf die Periode beziehen, bevor die Franken zum Christentum übergetreten sind. Die andere Frage wäre, ob es solche Unterschiede in der Begräbniskultur auch zwischen den Goten und den Romanen auf der iberischen Halbinsel gegeben hat.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Deshalb schrieb ich, dass die Passage im Falle der Ununterscheidbarkeit zu 150 % Quatsch sei. Eben weil sie neben der Ununterscheidbarkeit noch von völlig falschen Voraussetzungen ausginge. Ich befürchte fast, dass das der Fall ist.
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die Logik habe ich auch nicht verstanden.
    Kannst Du das noch einmal erklären?
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Der spanische Wikipedia-Artikel zu Cambrils behauptet ja, dass eine friedliche Übernahme Cambrils durch die Westgoten und die Beibelassung der Verwaltung bzw. die Einsetzung örtlicher Magnaten daran ablesbar sei, dass man christliche Gräber gefunden habe.
    - das geht von der falschen Vorstellung als Voraussetzung aus, dass die Westgoten heidnisch gewesen wären. Sie waren aber Christen, eben arianische und nicht katholische. Damit ist der Satz schon zu 100 % Quatsch.
    - wenn sich zudem arianische und katholische Bestattungen nicht voneinander unterschieden, wäre der Satz zusätzlich fehlgeleitet.
    - zudem könnten die westgotischen Bestattungsplätze auch anderswo gelegen haben (wobei ich schon häufiger mal etwas über westgotische Nekropolen in Spanien gelesen habe, aber mich nie damit auseiandergesetzt, ob das einfach nur eine Datierung ist oder auch eine "ethnische" Einordnung, ich bin da auch bisher nie tiefer eingestiegen)
     
    Maglor, dekumatland und Carolus gefällt das.
  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Vielen Dank, ist jetzt klar geworden.
     
  15. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

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