Aussterbende Wörter - vergessene Wörter

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von Jacobum, 21. Februar 2007.



  1. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Bei "Focus-online" habe ich einen Artikel über aussterbende Wörter der deutschen Sprache gefunden. Dieses Phänomen hat ja auch was mit Geschichte zu tun.

    Auszug:


    Abgesehen von den erwähnten Modewörtern, die irgendwann mal vergessen sind (ich zähle da auch "voll krass" und ähnliches dazu...), gibt bzw. gab es Wörter aus dem ganz alltäglichen Sprachgebrauch, die nach ein paar Jahrzehnten keiner mehr kennt oder versteht.

    In einem Roman aus dem Jahr 1910 schrieb z.B. ein Autor:

    "Sie schritten selbander fürbaß".

    Früher dachte ich, das hätte irgendwas mit "barfuß" zu tun, aber weit gefehlt. Es heißt lediglich: Sie gingen zu zweit nebeneinander her. Wären es drei Personen gewesen hätte der Autor "selbdritt" geschrieben.

    Wer kennt noch Begriffe wie "sintemalen" oder "zu welchem Behufe"? Abgesehen von Germanisten und Deutschlehrern?

    Gruß

    Jacobum
     
  2. timotheus

    timotheus Neues Mitglied

    Nur zu folgenden Worten...

    sintemalen - zumal, weil
    zu welchem Behufe - zu welchem Zweck(e), warum

    Ja, ich bin weder Germanist noch Deutschlehrer... :cool:
     
  3. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Richtig.

    Aber was machst Du aus folgender Aussage:

    In nämlichem Roman wird ein Herr wie folgt charakterisiert: " ... und daß er nicht von Stand war, sah man daran, daß er Röllchen trug! Ja, Röllchen!"
     
  4. Mercy

    Mercy unvergessen

    Das singen Kinder auch heute noch:

    Gott, laß dein Heil uns schauen,
    auf nichts Vergänglichs bauen,
    nicht Eitelkeit uns freun;
    laß uns einfältig werden
    und vor dir hier auf Erden
    wie Kinder fromm und fröhlich sein.

    Wollst endlich sonder Grämen
    aus dieser Welt uns nehmen
    durch einen sanften Tod;
    ...

    Ich hoffe doch, daß KindergärtnerInnen und LehrerInnen ihnen den Sinn erschließen können.
     
  5. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    wer sagt heute noch Chose/Schose? oder kess, wie kesse Biene (in ihren flotten Jeans... ;) )
     
  6. Ingeborg

    Ingeborg Premiummitglied

    Zu der Zeit noch "Nietenhosen".

    Oder, wenn wir hier schon einigen älteren Mitgliedern eine Rückbesinnung auf wilde Jugendzeiten ermöglichen, das "Stelldichein" mit dem "steilen Zahn".

    Auch hinübergegangen ist der "Beatschuppen" -> Disse.

    Noch älteren Datums, dafür aber einstmals sogar mit Aufnahme in den Duden geehrt: der Ritter fiel ärschlings vom Pferde. Das ist doch mal eine Angabe, bei der kaum Fragen offen bleiben...
     
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Das hat aber nicht nur mentalitätsgeschichtliche Gründe, sondern auch technologische. Die Kids, die mit CDs aufgewachsen, Kassetten kaum noch kennen, wissen heute schon kaum noch etwas mit "Bandsalat" anzufangen.
     
  8. Mercy

    Mercy unvergessen

    Als ich zu Jugendzeiten noch über den Hof zum Abort laufen mußte, ahnte ich noch nichts von Fehlgeburten.
     
  9. Ingeborg

    Ingeborg Premiummitglied

    Damit verschwindet dann auch ein Stück Volksdichtkunst:
    Winter wirds an allen Orten
    Und es friert auf den Aborten


    Womit ich beim Thema bleibe... Aber die heutige zentralheizungsverwöhnte Jugend ahnt eben nicht, was wir damals mitgemacht haben. Nur der Ausdruck arschkalt hat überlebt.
     
  10. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Nicht nur werden ganze Wörter vergessen, auch werden einige umgedeutet.
    Wärend früher geil ausschließlich sexuelle Erregung bedeutete kann es heute auch synonym für toll, klasse, spitze, super, etc, verwendet werden.
    Wobei toll auch eine andere bedeutung haben kann, im Sinne von "maßloses Benehmen"
     
  11. donna

    donna Neues Mitglied

    Da fällt mir der Ausdruck Tschamperl ein. So bezeichnete jedenfalls mein Vater eine flott angezogene Frau
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wobei diese verengte Bedeutung die geil im 19. und größten Teil des 20. Jahrhunderts hatte, auch nicht mit der viel weiteren Bedeutung des mittelalterlichen geil gleichzusetzen ist: das bedeutete einfach erregt, ohne unbedingte sexuelle Konnotation.
     
  13. urvo

    urvo Neues Mitglied

    Ja, es ist leider sehr bedauerlich, dass viele Worte nicht mehr bekannt sind, die für unsere Altforderen geläufig waren. In unserer Sprache tummeln sich anscheinend inzwischen mehr anglismen als Worte aus dem Althochdeutschen. Es sind auch viele aus dem regionalen Dialekten stammende Worte fast verschwunden.
     
  14. Kassia

    Kassia Neues Mitglied

    Die Einfalt ist tatsächlich noch nicht verschwunden, allerdings wußten die Kinder (3. Klasse) damit nichts anzufangen, als der Begriff in einer Schildbürgergeschichte auftauchte. Leider war er aber von großer Bedeutung zum Verständnis dieser Geschichte.
    Hingegen klingt der Satz "Diese sanfte Brise komm mir gerade sehr gelegen" aus dem Munde eines Achtjährigen schon bemerkenswert.

    In "e-mail for you" gibt es zum Thema aussterbende Sprache eine hübsche Szene, in der Meg Ryan von Jane Austen schwärmt, wie sehr sie sich in dieser Sprache verlieren kann, während Tom Hanks sichtlich gequält ist, bei dem Versuch, sich auch nur einmal durch "Pride and Prjudice" zu arbeiten, geschweige denn, das Buch gleich mehrfach zu lesen.

    Die Salatbar wird nicht nur vom Bandsalat sondern auch vom Kabelsalat befreit werden. Der Backfisch und der gemeine Mann werden jetzt schon für was Falsches gehalten. Und manch einer sucht den Ursprung dieses hanebüchenen Unsinns im Hühnerstall und nicht im Wald.
     
  15. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2007
  16. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Das dürfte von "Potschamperl" kommen, frz. "pot de chambre", dt. Nachttopf; zweifellos ein Kompliment für jede Frau !
     
  17. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    oha, ein Tschamperl (geschlechtsneutral) steht bei uns für "ungeschickter Mensch"
     
  18. Secundus

    Secundus Neues Mitglied

    :fs:Ich bin bass erstaunt was es alles für Wörter gab und gibt......
     
  19. collo

    collo Neues Mitglied

    wer flucht heutzutage noch "himmel, ar.. und zwirn"...auch hier greifen anglizismen um sich.
     
  20. Ingeborg

    Ingeborg Premiummitglied

    Du hast mich noch nicht gehört :red: - aber ich bin wohl auch mittlerweile ein Fossil :eek:
     

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