Bears, Merril Lynch, Lehman, FaNnyMAe &Co.

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von silesia, 15. September 2018.

  1. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter


    Anläßlich des 10-jährigen und da die Presse gern Lehman simplifiziert und in den Fokus stellt, hier eine komprimierte timeline der US-Subprime/Mortgage/Banken-Krise:

    most comprehensive timeline of the financial crisis on the Internet covering 2007 to early 2009

    Die ergänzenden Statistiken verweisen auch auf den Urspung der US-mortgage-Blase 2004/06, nämlich die zum Wegdrücken der dot.com-Krise und 9/11-Katastrophe 2001//02 in den Markt gepumpten Billionen.

    Ereignisablauf im Überblick der Federal Reserve Bank of St. Louis:
    Full Timeline

    Artikel:
    What Caused the Crisis
    The Role of Subprime Mortgages
    Monetary Policy and the Crisis
    Historical Perspectives on the Crisis

    Die Subprime-Krise in den Vereinigten Staaten | bpb
    Ursachen und Auswirkungen der Subprime-Krise
    Die Ursachen der Finanz- und Bankenkrise im Lichte der Statistik
    Bundestag: Verlauf der Finanzkrise - Entstehungsgründe, Verlauf und Gegenmaßnahmen
    MPG: Zur Sache: Brandbeschleuniger im Finanzsystem

    Aspekte:
    TIMELINE-German Landesbanken's bailout and restructuring so far | Reuters
    German Landesbanks in the post-guarantee reality

    Impulse, Mechanik des Vertrauens, etc.
    Greek government-debt crisis - Wikipedia
    Post-2008 Irish economic downturn - Wikipedia
    2008–2014 Spanish financial crisis - Wikipedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. September 2018
    andreassolar und thanepower gefällt das.
  2. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Ist das denn schon Geschichte?

    Natürlich ist es individuell verschieden, was man schon zur Geschichte zählt und noch zur Politik. Aber hier wird doch noch immer um die politischen Folgen gerungen, dass Kapitel ist von der Tagespolitik noch lange nicht abgeschlossen.

    Dass es neben der Vergangenheit auch auf den individuellen Bezug und die unmittelbare Bedeutung für aktuelle Handlungen ankommt, ob etwas schon Geschichte ist, ist ja eigentlich nicht umstritten, wobei für die Zeit, die noch von der Involviertheit der Historiker betroffen ist, ja eigentlich die Zeitgeschichte besondere Methoden bereithalten sollte.

    Aber auch da gibt es eine Grenze. Politik und Wirtschaft sind immer noch mit den unmittelbaren Folgen beschäftigt und es wird immer noch um die Konsequenzen gerungen. Für mich gehört es zur aktuellen Politik, nicht zum politischen Hintergrundrauschen. Zur Tagespolitik ist es wohl nicht mehr zu rechnen, da es ein länger andauerndes Thema ist, spielt aber ab und an natürlich noch hinein.

    Wie seht ihr das? Wo zieht ihr diese Grenzen?
     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied


    Diese Diskussion wäre sicherlich nicht im Interesse von Silesia für diesen Thread und kann wohl ausgelagert werden.

    Ein Ereignis kann historisierend in seinen Voraussetzungen und seinem Verlauf betrachtet werden. Und das gleiche Ereignis kann immanent in Bezug auf seine zukünftigen Wirkungen betrachtet werden.

    Im ersten Fall sind es idealtypisch eher die Historiker, die sich damit befassen und im zweiten Fall eher die Ökonomen, die Politologien oder die Soziologen.

    Man wird sich vermutlich schwer tun, eine klare Zeitangabe vorzunehmen. In diesem Sinne ist die abgelaufene Amtszeit von Obama "Zeitgeschichte" und wird historisierend betrachtet. Obwohl ja noch relativ nahe dran. Gleichzeitig lassen sich natürlich einzelne Aspekte seiner Politik herausnehmen, die och heute eine Relevanz haben und somit gehört seine Agenda auch zur aktuellen Agenda.

    Und pragmatisch kommt natürlich für das Forum hinzu, welcher Form der Instrumentalisierung ein Thema unterliegt. Eine wissenschaftsimmanente Diskussion ist sicherlich weniger problematisch wie ein Versuch, zeitnahe oder aktuelle Ereignisse zu diskutieren und sie mit eigenen ideologischen Vorstellungen massiv aufzuladen.

    In diesem Sinne glaube ich, je sachlicher ein zeitgeschichtliches Thema diskutiert wird, desto höher ist die Toleranzschwelle der Moderation, ein Thema als "historisch" zu betrachten. Das wäre so mein Eindruck zur Grauzone, wann ein "historischer Narrativ" bereits vorliegt und wann daraus ein "aktuelles Thema" wird.
     
  4. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    An die Forenregeln dachte ich hier im Grunde nicht, sondern an methodische Fragen und Abgrenzung. Also an die Aspekte, die die Geschichtswissenschaft betreffen.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Wenn Riothamus den Schwerpunkt oben betrachtet, geht es um die Entwicklung hin zur Krise 2007/08, mit den Ursachenanalysen bewegt man sich - empirisch - im Zeitraum 70er bis 2005/06.
    Wirtschaftshistoriker und Makroökonomen (mit ihren empirischen Themen) sind da etwas weniger zimperlich (und wie thanepower beschrieben hat, sachlich eher am Ball) als sonstige Hsitoriker.

    Da die Kontroversen um politische Folgerungen (siehe heute etwa in SPON) nicht abgeschlossen sind, ist dieser Teilaspekt natürlich kein Thema. Aber die waren oben auch nicht resp. in den Publikationen nur randweise angesprochen.

    Damit noch einmal zurück zur Analyse, soweit die ebenfalls bereits "Geschichte" geworden ist.

    Zwei bemerkenswerte und wichtige Analysen:

    1. der Inquiry Report (hier als Beispiel der download von Stanford University)
    Get the Report : Financial Crisis Inquiry Commission

    2. der "Valukas-Report", Gutachen der Insolvenzverwaltung zur Insolvenz von Lehman (Chapter 11):
    Lehman Brothers Holdings Inc. Chapter 11 Proceedings Examiner's Report
     
  6. Waldi61

    Waldi61 Mitglied

    Interessant zum Thema Finanzkrise ist sicherlich Adam Tooze Essay in der Zeit:
    Finanzkrise: Ein Oligopol der Großbanken

    Und sein Buch darüber:
    Tooze, Adam: Crashed: Wie zehn Jahre Finanzkrise die Welt verändert haben, München 2018.
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  8. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Anscheinend habe ich mich nicht verständlich ausgedrückt:

    Um die Forenregeln ging es mir in meinem Post und mit meinen Fragen nicht.

    Es ging mir um für die Methoden wichtige Abgrenzungsprobleme. So etwas diskutiert sich eben besser an einem Beispiel.

    (Verfasst nach Post #5)
     
  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Es gibt doch satt Expertendarstellungen und makroökonomische Analysen zur Wirtschaftshistorie bis hin zur Krise 2007/08.

    Vielleicht kannst Du mal an einem Beispiel deutlich machen, und das Abstrakte verlassen, wo Du da - aus der Geschichtswissenschaft kommend - ein Methodenproblem und Abgrenzungsbedarf siehst? Sonst kreist das hier nur weiter ums "Meta".
     
  10. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Ich glaube, wir reden gerade aneinander vorbei. Ich versuche mich morgen nochmal anders auszudrücken, heute bin ich irgendwie auf meine bisherigen Formulierungen fixiert.
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  12. hatl

    hatl Premiummitglied

    "Mir wird von alledem so dumm als ging mir ein Mühlrad im Kopf herum"

    Aus Deiner Quelle: "The spread between high-yield commercial paper and U.S. Treasuries exceeds 700 bp."
    Ich kapier überhaupt nicht was der Satz bedeutet. Was ist ein "bp" und wie bemisst das Ding einen "spread" und was ist das wieder?
     
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    US Treasuries = US Staatsanleihen
    High-Yields = hochverzinsliche (Wertpapiere)
    Commercial Papers = verbriefte Forderungen gegen Unternehmen, zB Industrieanleihen, Bankanleihen, Fonds (mit entsprechenden Portfolios)

    Spread = Zinsdifferenz zwischen zwei Anlageklassen oder unterschiedlichen Wertpapieren
    bp = Basispunkte, die Zinsdifferenzen werden marktüblich in Zehnteln gemessen, also 10 bp = 0,1 % Zinsaufschlag. 700 bp bedeuten 7% (als Aufschlag ggü Staatsanleihen für das Ausfallrisiko)

    Die Basis sind hier (als quasi-risikolos angesehene) Staatsanleihen (dass es anders kommen kann, zeigt die Euro-Staatsschuldenkrise) . Der spread als Aufschlag repräsentiert ein Risikobündel, etwa Ausfallrisiken, Währungsrisiken, Zinsänderungsrisiken.

    Du sprichst mit den beobachteten spreads am Markt den Kern des Problems an.

    Der breit akzeptierte Hintergrund der Krise ist ein Heißlaufen (und Absturz) des US-Immobilienmarktes, bei dem die besagten Fanny Mae und Freddy Mac als staatlich bezuschusste Immobilienfinanzierer (aber nicht mit Staatsgarantien versehen) im peak rd 5000 Milliarden (rd. 40% Marktanteil der insgesamt knapp 12 Billionen) auf ihrer Rechnungslegung hatten, davon rd. 800 Mrd. in Aktiva (Ford. aus grundbuchlich gesicherten Immo-krediten), den Rest in strukturierten Papieren "weitergereicht" (hauptsächlich in MBS=mortgage-backed-securities, einer Klasse von ABS), und zT weiter "im Risiko".

    Diese Papiere bedienten im großen Umfang niedrige Bonitäten, mit hiesigen Verhältnissen ist das weder damals noch heute vergleichbar. Die Bedienung der Hausfinanzierungen bei relativ geringem Einkommen, schlechter Bonität, geringstem Eigenkapital war politisch gewollt. So reichten bei den US-mortgages zB 3% Tilgung über 10-15 Jahre (quasi "nix"), Monatliche Tilgungsbelastungen von nahezu 50% des Einkommens, kein Eigenkapital (dies wurde über staatliche Ausfallversicherungen abgedeckt). Um kreditwürdig zu sein, reichten 12 Monate ordentlicher sonstiger Ratenzahlungen. Bei der Klasse Alt-A war überhaupt kein Einkommensnachweis notwendig.

    Aus der konzentriert betriebenen Verbriefung solcher Papieren (zB in Portfolios von ein paar zehn Millionen) entstand der "Subprime"-Markt, der dann massiv nach einer Preisspitze bei Immobilien einbrach, und zu Abschreibungen in den Bilanzen von Investmentbanken von zT zweistelligen Mrd.beträgen in einem Quartal führten, das wiederum rund um den Globus, aber im Schwerpunkt in den USA. Rund 5% aller Banken gingen in die Insolvenz oder wurden Gegenstand staatlich subventionierter Übernahmen (mit Garantien für die Ausfallrisiken). Abgeschrieben wurden nicht nur Subprime-Papiere, sondern die Verluste wälzten sich durch gehandelte Ausfallversicherungen weiter (s.g. CDS=credit-default-swaps, weiter verkaufte und vom Stammpapier abgetrennte Ausfallrisiken, für die dann Swapsätze, im Prinzip der Risikospread bezahlt werden).

    Die Geschichte von Fanny Mae, Freddie Mac und Co. ist ein eigenes Kapitel.

    Das ist vereinfacht die oben angesprochene Kettenreaktion.
     
    andreassolar und hatl gefällt das.
  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Gibt es ein Ergebnis?

    Mich würde weiter interessieren, wo Du da geschichtswissenschaftlich-methodische Probleme in Abgrenzung zur beschriebenen Wirtschaftsgeschichte siehst. Quellen? Big-Data-Analysen? Statistische Interpretationen?
     

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