bewaesserungssysteme in mesopotamien

Dieses Thema im Forum "Hochkulturen Mesopotamiens" wurde erstellt von m87, 7. März 2018.

  1. m87

    m87 Neues Mitglied


    hallo,

    ich versuche seit einigen tagen die genauen bewaesserungstechniken von nord und sued mesopotamien zu verstehen. ich kann ja mal aufzaehlen was ich bis jetzt weiss.

    grob koennte man also in nord und sued unterteilen. im norden wurde regenfeldbau betrieben und im sueden bewaesserungsfeldbau. das heisst, im norden war niederschlag hoeher als menge an verdunstetem wasser. man konnte sich also auf regen fuer den pflanzenwachstum verlassen und gleichzeitig wurde das salz aus dem oberboden gewaschen, also keine versalzung.
    im sueden hingegen war es sehr trocken und heiss, mehr verdunstung als niederschlag. man musste kuenstlich bewaessern um was anzubauen, genug sonne gab es ja. dafuer war man immer in wassernaehe also am euphrat oder tigris. risiken waren duerre, ueberflutung, versiegen von kanaelen durch aenderung des flusslaufs, versalzung und malaria ....was ist mit malaria gemeint



    was ich nicht weiss oder verstehe
    wieso oder wofuer hat man kuenstliche kanaele, wassergraben und deiche bzw. daemme gebaut, wie hat man sich vor hochwasser geschuetzt, wie ist man gegen versalzung der boeden vorgegangen. in welchen jahreszeiten hat man was gemacht also anbau und ernte. welche geraete wurden benutzt

    ich habe auch mal irgendwo ueber die natuerlichen gegebenheiten von euphrat und tigris gelesen. da stand irgednwas von marschland und sedimentablage. weiss jemand was davon

    vielleicht koennt ihr mir ein ganz detailliertes bild von der bewaesserungstechnik mesopotamiens geben. ich versuche ein genaues bild davon zu bekommen wie genau man felder bewaessert hat und wie das aussah.

    mit lieben gruessen ich freue mich ueber jede hilfe
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Malaria ist eine von einigen Mückenarten übertragene Krankheit. Mücken brauchen zur Fortpflanzung stehende Gewässer (Seen, Teiche, Tümpel, Pfützen). Die Krankheit geht mit Fieber einher und ist häufig tödlich.

    Um das Marschland urbar zu machen, Wege und Anbauflächen zu gewinnen und Wasser dorthin zu führen, wo es benötigt wurde.

    Wahrscheinlich gar nicht. Die Versalzung von Böden ist bis in die Gegenwart ein Problem, das man kaum in den Griff bekommt (siehe Kalifornien). Zudem muss man verstanden haben, dass die Salze im Boden vorhanden sind, durch Wasser gelöst werden und durch die"kapillare Steighöhe" an die Erdoberfläche transportiert werden und bei Verdunstung des Wassers zurückblieben. Eine mögliche Gegenmaßnahme ist die Flutung der betroffenen Ackerflächen, die aber ihrerseits voraussetzt, dass man überhaupt über ausreichend Wasser verfügt.

    Wir sehen Wasser immer im Boden versickern und haben sicherlich auch die Schwerkraft vor Augen und denken, Wasser verschwindet im Boden. Tatsächlich aber, wenn du Topfpflanzen gießt, gießt du sie am besten von unten. D.h. du gießt das Wasser in einen Teller, die Erde saugt das Wasser auf und es steigt im Blumentopf nach oben, wenn du an der Blumenerde ein wenig kratzt, wirst du feststellen, dass die Erde bereits nach wenigen Millimeter feucht ist. Oder wenn du eine Kordel in ein Wasserglas hängst und ein Ende über den Glasrand hängen lässt, dann wird das Wasser in der Kordel hochsteigen und am Ende der Kordel außerhalb des Glases heraustropfen. Das ist die "kapillare Steighöhe".

    Wenn man ausreichend Wasser zur Verfügung hat, sind im Jahr bis zu drei Ernten möglich.

    Diverse Hacken, Schaufeln, einfache Hakenpflüge.

    Das Marschland findest du vor allem im Südiraq, durch Saddam Hussein (dem Diktator des Iraq bis 2003) wurden diese Marschen teilweise trockengelegt. Die Gründe lagen u.a. in der Malariabekämpfung aber auch darin, die südiraqischen Stämme, die in den Marschen lebten, unter staatliche Kontrolle zu bekommen. Man hat nach 2003 versucht, die Sümpfe teilweise wieder zu renaturieren, aber da seit dem Sturz Saddams durch die USA im Iraq Chaos und Bürgerkrieg herrscht, ist das wohl allenfalls unzureichend geschehen. Saddam Hussein war ein grausamer Diktator, der wortwörtlich viele Leichen im Keller hatte, sein Sturz jedoch hat Kräfte freigesetzt und Dynamiken ausgelöst, die man nicht in den Griff bekommt.

    Sedimentablage: Du hast doch sicherlich schon mal beobachtet, wie sich nach einem Regen an einem Hang Abflussrinnen gebildet haben. Dabei hat das Regewasser sich zu Bächlein gesammelt und diese Bächlein haben einen Teil der Oberfläche mit sich geführt. Die sind dann ins nächste Fließgewässer geraten und werden so lange mit getragen, bis entweder die Fließgeschwindigkeit zu gering wird, sie an Hindernissen hängen bleiben. Ein Extrembeispiel für Sedimentablagerung ist die Mississipimündung: [​IMG]

    Ihr werdet sicherlich im Geschichtsunterricht aber auch die Nilschwelle behandelt haben, also den Umstand, dass der Nil vor den modernen Staudammbauten alljährlich Schlamm aus den Regenwäldern südlich der Sahara mit sich führte und im Niltal in Ägypten ablagerte. Auch das ist Sedimentation. Für die ägyptische Landwirtschaft waren diese Schlammablagerungen notwendig. Euphrat und Tigris bringen Sedimente aus den Gebirgen der Türkei mit; diese sind aber in der Fruchtbarkeit nicht vergleichbar mit dem Nilschlamm.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. März 2018
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  3. m87

    m87 Neues Mitglied


    vielen vielen dank fuer die hilfe.
    eine frage habe ich aber noch :)
    einerseits lese ich immer dass das mesopotamische schwemmland extrem fruchtbar ist (wieso eigentlich, also was macht den unterschied zu anderen gegenden), aber auf der andern seite lese ich immer dass es sehr schwer war dort anzubauen oder dem boden etwas abzugewinnen. und gerade diese hohen anforderungen haben ja eben dazu gefuehrt dass die sumerer sich so schnell wieterenetwickelt haben, etc.
    versteh ich nicht ganzo_O

    mit lieben gruessen
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich weiß nicht, ob das mesopotamische Schwemmland "extrem fruchtbar" ist. Aber du musst bedenken, dass die mit dem Fluss mitgeführten Sedimente im Verlauf ihrer Reise immer feiner werden. Dazu kommen verrottende Pflanzenreste, welche mitgeführt werden. Letztendlich ist es dieses Gemisch von feinen Sedimenten und Mineralien und organischen Materialien (eben den Pflanzenresten), welche die Fruchtbarkeit ausmachen. Das Problem der Versalzung hatten wir schon. Salze machen die meisten Pflanzen kaputt (gleichwohl hat es Pflanzen gegeben, die sich in den Jahrmillionen der Evolution salzhaltigen Umgebungen angepasst haben und diese z.T. sogar benötigen). Zudem benötigst du Wasser in handhabbaren Mengen. Problematisch sind ungleichmäßige Verteilungen der Wassermenge. Wenn der Boden ausgetrocknet ist, nimmt er Wasser schlechter auf, d.h. es fließt über den Boden weg und reißt womöglich noch die fruchtbare Oberfläche mit sich, wie jetzt im Januar in Montecito in Kalifornien. Nach Jahren der Dürre hat ein heftiges Unwetter einen Erdrutsch verursacht und mehrere Todesopfer gefordert. Trotz der Überschwemmungen ist der kalifornische Wassermangel, so paradox das zunächst klingt, nicht gelöst. Ähnliche Problem dürften in Mesopotamien vorliegen, wo im Winter Regen in der Südtürkei Euphrat und Tigris zum Anschwellen brachten, im Sommer dagegen die Erde knochentrocken fiel. Je nach angebautem Getreide, Gemüse oder Obst ist aber auch eine wasserintensive Wirtschaft notwenig, weswegen du mit dem Wasser haushalten musst.
    Da die Türkei heute Euphrat und Tigris staut, sind natürlich die Anrainer Syrien und Iraq davon schwer getroffen. Das Syrien inbesondere den Euphrat noch mal staut, macht den Iraq nicht glücklicher.
     
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  5. m87

    m87 Neues Mitglied

    Das ist sehr interessant, vielen dank.
    Weil du das haushalten mit wasser ansprichst, hat man irgendwie wasser gespeichert (um es dann später nutzen zu können, wenn ja wie) ?

    Du hattest gesagt dass je trockener der boden ist, desto schwerer nimmt er wasser auf wehsalb dann im schlimmsten fall sogar fruchtbarer boden (durch erosion?) Abgetragen wird. Das verwirrt mich denn ich hatte gelesen dass trockener boden also sand das wasser schnell aufnimmt es also schnell versickert :(

    Entschuldigung für all die fragen

    Lg
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wasser stauen konnte man auch schon vor einigen tausend Jahren; du hast ja selber von Dämmen und Kanälen gesprochen.

    Sand ist kein besonders geeigneter Boden für den Anbau von Feldfrüchten. Es kommt natürlich auch darauf an, wie sehr der Boden miteinander verbacken ist. Jeder Boden besteht im Prinzip aus Körnern. Sand ist eher grob, Schluff dagegen ist sehr feinkörnig. Wenn die miteinander verbacken, hat Wasser es schwer, einzudringen. Und dann läuft es eben ab, ohne zu versickern und reißt ggf. die Oberfläche mit sich.
     
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  7. m87

    m87 Neues Mitglied

    vielen dank, das war sehr hilfreich :)
     

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