Das Geld der Kelten?

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von andrix8888, 12. Juni 2009.



  1. andrix8888

    andrix8888 Neues Mitglied

    Hatten die Kelten schon Geld und wer kennt sich damit aus.Welche Stämme lebten in eurer Heimat und wie sah ihr Geld aus.Schreibt alles was euch in den Sinn kommt und zum Thema gehört.Wenn einer von euch schon mal zufällig so was fand,sagen wir beim Pilzesuchen hing sowas am Stamm eines kräftigen Pilzes,so kann er uns ja mal sagen was er da so fand.Immer rein zufällig,natürlich ohne Staubsauger.Interessant wäre herauszufinden wie weit sowas durch den Handel verschleppt wurde.:fs:
     
  2. Zananga

    Zananga Neues Mitglied

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  3. Vercingetorix01

    Vercingetorix01 Gesperrt

    Ja, Regenbogenschüsselchen
     
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  4. andrix8888

    andrix8888 Neues Mitglied

    CoinArchives.com Lot Viewer hier in einer Auktions ein Nervier Stater der Belgenstämme den man ohne weiteres in der Aachener Region finden kann.
     
  5. Haerangil

    Haerangil Neues Mitglied

    Ich hab mal ein Referat über keltische Münzen gehalten...

    ab dem 2. Jahrhundert etwa kannten sie eigene Münzen und setzten diese auch ein. Es existieren kleinere einheiten die auch abgegriffen sind d.h. wohl wirklich als Zahlungsmittel eingesetzt wurden, als auch grössere Einheiten die eventuell gehortet wurden, vielleicht aber auch als Zahlungsmittel benutzt wurden (um Luxusgüter zu bezahlen?) - die jedenfalls weniger oder keine Gebrauchsspuren zeigen.

    Symbole und Namen auf Münzen lassen auf einzelne Stämme und Prägeherren schliessen, da Münzen auch auf fremdem Terretorium gefunden wurden lässt sich auch stammesübergreifender Geldverkehr naxhweisen.Die Münzen sind gut abgewogen, entuell gab es lokale Systeme nach denen nach Gewicht fremde Währungen umgerechnet werden konnten, auch Fälschungen sind aus der Zeit bereits bekannt bei denen mit Hilfe fremden Metalls die Münzen "gestreckt" wurden um einen höheren Wert vorzutäuschen als tatsächlich vorlag.
     
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  6. andrix8888

    andrix8888 Neues Mitglied

    Gut,Haerangil aus welchem Bundesland kommst du?Wenn du südlich der Linie Kassel -Dortmund lebst,aus Hessen,NRW,Bayern,Rheinland-Pfalz,Baden-Würtemberg,Thüringen kommst,hättest du hier die Chance deine heimischen Kelten-Münzen Kennenzulernen.Ich komme beispielsweise aus Hessen.Für die Hess.Keltenmünzen ist zB, der silberne Tannzmann,ein Quinar typisch.Er wiegt 1,3bis 1,6 g,12-15 mm Durchmesser.Auf der Vorderseite der Münze findet man einen laufenden Krieger mit Schlange in der rechten und einem Torque in der linken Hand,eingefaßt in einem Perlkreis.Aufnder Rückseite das Pferd nach Rechts laufend,mit nach links gewandem Kopf.in Zick-Zack Linien eingefaßt.
    http://imagedb.coinarchives.com/img/tkalec/2009-1/image00004.jpg
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Juni 2009
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  7. andrix8888

    andrix8888 Neues Mitglied

    Dann ist noch typisch für Hessen der Dreiwirbel,ein Stater,Regenbogenschüsselchen.Erst in Gold,dann stark goldhaltigem Silber, Elektron,Silber,Billon,zum Schluß Bronze geprägt.Man findet die Münze in ganz Hessen,aber auch stellenweise im Rheinland,wird den Rheingermanen zugeschrieben,tritt aber im LANDKREIS Marburg-Biedenkopf,und im Biebertal-FELLINGSHAUSEN am Dünsberg konzentrierter auf.Man geht heute davon aus ,daß er auch eine Ubier -Prägung ist.
    http://imagedb.coinarchives.com/img/ubs/077/00317q00.jpg
     
  8. andrix8888

    andrix8888 Neues Mitglied

    Außer demTanzmann,wissenschaftlich auch Forrer 351 a genannt und dem Dreiwirbel Forrer 399 Trigetrumgepräge,gibt es hier in Mittelhessen natürlich noch Regenbogenschüsselchen die dem keltischen Stamm der Vindeliker,Augsburger Raum,zugesprochen werden.Fanden sich auch in fast allen Spätkeltischen Siedlungen(Battenberg,Niedenstein,Dünsberg,Amöneburg-Mardorf,Rimberg,Eisenberg/Hommertshsn.
    Der Vogelkopf-Stater : http://imagedb.coinarchives.com/img/kunker/104/00015q00.jpg und der Rolltier-Stater : http://imagedb.coinarchives.com/img/kunker/153/image08079.jpg
    Das Gold für diese Münzen ist sehr guthaltig,wenig legiert,für Flußgold spricht auch der PLatinanteil von 0,1 bis 0,5 %
     
  9. andrix8888

    andrix8888 Neues Mitglied

    Vor der Dünsberg Prägung,Tanzmann,gab es noch einen etwas älteren Quinar,den Nauheimer auch Vogelmännchen genannt.Heute geht man davon aus ,daß ihn die Kelten im Heidetränk- Oppidum bei Oberursel-Oberstetten prägten,Avers ein LockenKopf,stilisierter Apollokopf Revers Der Vogelmann mit Torque in der Linken
    http://imagedb.coinarchives.com/img/lanz/097/00010q00.jpg
     
  10. Haerangil

    Haerangil Neues Mitglied

    Ich bin aus NRW, damals hab´ich allerdings in Hessen gewohnt und in Marburg studiert...

    die Münzen die du beschreibst, die Quinare vom Typ "Tanzendes Männlein", unser regionaler Archäologe ist der Meinung ,daß der tanzende Mann evtl. der Gott Cernunnos sein könnte...

    hab´ich schon live gesehen, das Dreiwirbel Regenbogenschüsselchen und den Apollo-Kopf hab´ich leider noch nicht selbst in der Hand gehabt.
     
  11. andrix8888

    andrix8888 Neues Mitglied

    Hallo HAERANGIL das hess.Hinterland,das angrenzende Sauerland und besonders das Siegerland werden noch manche Keltische Überraschungen bereithalten.In NRW,die Kalteiche bei Haiger/ Burbach; die Burg bei Erndtebrück/Birkefehl,liefen nachweislich bis in die Spätlatene.Von diesen Plätzen kamen Quinare vom Typ Tanzendes Männlein.Diese Orte sind alle im Zusammenhang mit der Eisenverhüttung zu sehen.
    Zur Deutung des Tanzenden Mannes kann man natürlich auch annehmen,daß es sich hierbei um einen Cernunnos handeln könnte,das Geweih als Atribut fehlt.
    Jens Schulze Foster hat den Versuch einer Unterteilung in Prägeperioden unternommen.Vereinfacht unterscheidet er den frühen laufenden Mann,von dem knieenden Mann der mittleren Phase,bis hin zum sitzenden Mann der Spätphase.
    Erste Phase:http://imagedb.coinarchives.com/img/gorny/159/image00004.jpg
    Mittlere Phase:http://imagedb.coinarchives.com/img/ubs/077/00347q00.jpg
    Spätphase:http://imagedb.coinarchives.com/img/gorny/142/image01018.jpg
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Juni 2009
  12. Haerangil

    Haerangil Neues Mitglied

    für Cernunnos spräche evtl. die Körperhaltung, am ehesten aber natürlich die Attribute Schlange und Torques...

    anstelle des Geweihs hätte er dann hier eine keltische Stachelfrisur - oder aber die Stacheln sind ein Geweih - seitlich gesehen und stilisiert.

    Ich verfolge jedenfalls die Siegerländer ausgrabungen seit einiger Zeit gespannt mit...
    die ersten Münzfunde mit dem tanzenden Männlein waren für mich eine echte Sensation- damit wurden die Beziehungen zu den hessischen Kelten und den Ubiern belegt.
     
  13. andrix8888

    andrix8888 Neues Mitglied

    Die ökonomische Gewichtung dieser Plätze läßt sich nur noch vermuten.Größere Mengen des Forrer 399 als Münze zur Vermögensrücklage im Hessen der Spätlatene,würden die Bedeutung eines solchen Platzes signalisieren.http://imagedb.coinarchives.com/img/ubs/077/00319q00.jpg
     
  14. Haerangil

    Haerangil Neues Mitglied

    leider nur grob als orientierung zu gebrauchen, da sich die Werte bestimmt nicht 1zu1 auf die keltische Welt anwenden lassen aber ich finde es interessant sich mal anzuschauen wieviel Münzen im alltag so wert waren

    hier geht es um Münzen der griechischen Antike:
    Katalog des Projekts: Lhne und Preise in der griechischen Antike - Finanzdaten ...

    kennt jemand evtl. ein ähnliches Projekt für römische Münzen und Spätantike?
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Juni 2009
  15. andrix8888

    andrix8888 Neues Mitglied

    Das Heidetränk Kleinsilber.Ein Obol. Mit 0,3 g war sie das Wechselgeld des täglichen Lebens,das Geld unter dem Quinar,in unserem Falle des Tanzmanns.Avers kleines verwildertes Apolloköpfchen,Revers Vierfelderaufteilung < http://imagedb.coinarchives.com/img/kunker/153/image08074.jpg,wie bei der Marseiller Obole aus Südfrankreich http://imagedb.coinarchives.com/img/baldwin/nyc20/image00052.jpg
    ,die sicher das Vorbild war.Auf der Rückseite des Marseiller Orginals steht noch MA für Massilia(MARSEILLE)
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Juni 2009
  16. andrix8888

    andrix8888 Neues Mitglied

    Hallo Haerangil warst schneller mit deinem Beitrag,Bei den Griechen lassen sich gute Ausagen machen,wegen der Zuverlässigkeit der griechischen Quellen(Authoren).Mit Sicherheit gibt es auch zuverlässige Quellen zur Kaufkraft des römischen Geldes.
    Bei den Kelten müssen wir halt etwas spekulativer sein.
     
  17. Vercingetorix01

    Vercingetorix01 Gesperrt

  18. andrix8888

    andrix8888 Neues Mitglied

    Danke vercingetorix alter Averner.Hätte den Link überprüfen sollen,vielen Dank für deine Aufmerksamkeit.
     
  19. Haerangil

    Haerangil Neues Mitglied

    hmm...

    wenn ein Bogenschütze 2-3 Obolen am Tag verdiente, ein Walker fürs Walken von Kleidung 3 Obolen verdiente und eine Prostituierte zwei Obolen für ihre Dienste nahm, dann muss auch das Kleinsilber im Wert von 1 Obol mehr gewesen sein als das Wechselgeld des kleinen Mannes...

    ein Viertelstater (30 Oboli) ist dann auch schon ein kleiner Batzen Geld und eine Tetradrachme (240 Oboli) ist schon ein passables Geldpolster.

    Wieviel ist denn umgerechnet ein Quinar?
     
  20. andrix8888

    andrix8888 Neues Mitglied

    Der Quinar steht zur Keltischen Obole ca 4:1 Die hess.Obolen haben ein Gesamtdurchschnittsgewicht von 0,39 g.Der Quinar schwankt im Gewicht zwischen 1,5 bis 1,8 g .Man vermutet 25 Quinare auf ein Stater,Regenbogenschüsselchen.In hessen nimmt man eine Prägung 90/80 bis 50 v.Chr. an.
    Vorsicht beim Kaufkraftvergleich zu griechischen Obolen,sie waren deutlich schwerer,die Keltische Obole geht auf den Quinar zurück, ungefähr ein halber römischer Denar vom Gewicht
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Juni 2009

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