Der Hildesheimer Silberschatz

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von Cherusker, 2. Februar 2006.

  1. Cherusker

    Cherusker Gast


    Im Jahre 1868 wurde am Galgenberg in der Nähe von Hildesheim ein Silberschatz aus der Antike gefunden. Dieser Silberfund wurde von Soldaten bei der Anlage eines Schießstandes gefunden. Der Silberfund besteht aus überaus prunkvollen silbernen und teilweise vergoldeten Tafel- und Trink-Geräten (ca. 60Stück), die einem vornehmen Römer gehört haben müssen. Es sind römisch-hellenistische und z.T. auch galloromanische Gegenstände, die höchstwahrscheinlich aus der augusteischen Zeit stammen.
    Bei Nachgrabungen (1869) im näheren Umfeld wurden in anderen Bodenschichten neuere und mittelalterliche Gegenstände gefunden. In der gleichen Schicht ,wie die des Silberfundes, fand man in der Nähe 2 bronzene Gegenstände (u.a. eine römische Fibel). 1897 und 1927 grub Schuchardt an dem Platz und fand in ca. 500m Entfernung eine germanische Siedlung mit merkwürdig erweiterten Kellergruben.

    Der Hildesheimer Silberschatz ist nicht allzutief vergraben worden und in einem Gebiet, in dem damals Bäume standen. Ferner ist anzumerken, daß die Gegenstände lose in der Erde lagen und nicht in den üblichen römischen Transportkisten. Der Fund zählt mit 54kg Gesamtgewicht zu einen der größten und bedeutendsten antiken Silberfunden. Nur der Fund von Bernay (Keltenschatz aus der Normandie) und Bosco Reale (die Ausstattung einer Villa eines reichen Römers vom Vesuv) sind vergleichbar.
    Aufgrund fehlender Teile des Tafelgeschirrs (die nicht am Fundort waren), die aber dazugehören müssen, kann man davon ausgehen, daß der ursprüngliche Silberschatz (also ca.120 anstatt 60 Teile) geteilt wurde.

    Es stellt sich nun die Frage, wem gehörte dieser Schatz? Schon seit über 100 Jahren gibt es die verschiedensten Theorien. Die Theorie, das ein Händler diesen Schatz verloren/vergraben hat, wurde schon bald mit einigen Argumenten angezweifelt. Es gab zwar einen germanischen-römischen Handel, aber welcher Händler ist so töricht einen so vermögenden Schatz (der auch zur Römerzeit schon Sammlerwert hatte) in das germanische Gebiet zu bringen, in dem es keinen Käufer gab? Die römischen Silberfunde in germanischen Fürstengräber kann man überhaupt nicht mit diesem Silberschatz vergleichen.
    Der römische Besitzer dieses Schatzes muß eine bedeutende Stellung gehabt haben und kann daher nicht einfacher Legionär oder Zenturio gewesen sein.

    Welche bedeutenden Römer haben sich in dem Gebiet befunden?
    Drusus, Tiberius und vielleicht Varus kann man daher benennen. Drusus und Tiberius waren auf "Entdeckungsreise" und haben bestimmt keine wertvollen Repräsentationsgegenstände mitgeführt. Und wenn doch.... kann es nur Drusus gewesen sein, der bei Arbalo in Bedrängnis geriet. Aber das hat er überlebt und die Römer hätten sicher diesen Schatz wieder ausgegraben. Tiberius kam nie in die Verlegenheit irgendwelche Gegenstände überhastet der Erde anzuvertrauen.
    Da bleibt nur Varus.....von ihm wissen wir, daß er Germanien als befriedet ansah und auf dem besten Wege zur römischen Provinz. Er kann seinen gesamten "Hausrat" mit nach Germanien geschleppt haben. Somit konnte er vor den Germanen die Macht und Reichtum Roms demonstrieren.
    Es ist nicht bekannt, daß Germanen ein Legionslager geplündert haben, in dem eine hohe römische Persönlichkeit anwesend war. Aber bei der Varusschlacht kann dieser Silberschatz zur germanischen Beute gehört haben.

    Aber wer brachte ihn in die Erde? Römer? Eher nicht...., da nur wenige "Experten" die Varusschlacht östlich von der Weser ansiedeln. Auch hätten die Römer den ganzen Schatz (also ca. 120 Gegenstände) und nicht nur die Hälfte vergraben. K.Lindemann geht davon aus, daß ein Troßtier nur gerettet werden konnte und die Römer dann schnell diesen Schatz vergraben haben. Aber warum teilte man die Sachen im Troß auf? Man läßt doch die zusammengehörenden Teile in einer Kiste...:grübel:
    O.Seeck geht von der Theorie aus, daß die Germanen den Varusschatz geteilt haben und der hier gefundene Schatz der Anteil des Arminius war. Andere germanische Stämme haben den Rest und die Legionsadler bekommen. Der Schatz sei dann bei den Wirren und Kriegen innerhalb der Cherusker (also kurz vor oder nach dem Tode Arminius) vergraben worden.

    Meiner Ansicht handelt es sich beim Hildesheimer Silberfund um den Anteil der Varusbeute, die Arminius und seinen Cheruskern zugesprochen wurde.
    Es bliebe nur noch Caecina, der bei den "Pontes Longi" ebenfalls seinen Troß verloren hat. Allerdings befehligte Caecina 4Legionen des Germanicus, die auf einem Rachefeldzug waren und somit einen Kampfauftrag hatten. Diese hätten sich bestimmt nicht mit römischen Prunkstücken abgeplagt.
     
  2. Wittekind

    Wittekind Neues Mitglied

    Sehr interessante These. Leider kann man sie nicht beweisen, aber ich könnte mir vorstellen, dass es tatsächlich so gewesen ist.

    Gruß
     
  3. askan

    askan Neues Mitglied


    mal ganz unwissenschaftlich: ich wohne ca. 500m von dieser Fundstelle entfernt.
     
  4. hyokkose

    hyokkose Gast

    Nun gab es sicher noch weitere bedeutende Römer in den höheren Offiziersrängen.

    Wikipedia meint dazu:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hildesheimer_Silberfund
     
  5. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Was versteht man unter augusteiischer Armee?:confused: Bitte nicht als Antwort schreiben, die Armee des Augustus.
     
  6. Cherusker

    Cherusker Gast

    So? Welche denn? Welcher Römer mit höherem Rang ist denn für das Gebiet zu nennen? Und wenn römische Offiziere solche Reichtümer besessen hätten, dann fragt man sich schon, warum nicht häufiger solche Funde entdeckt wurden und werden......wie bereits geschrieben: der Silberschatz hatte auch schon zur römischen Zeit Sammlerwert!;)

    Es stimmt auch nicht alles, was bei WIKIPEDIA steht!:autsch: Die Annahme, daß der Silberfund aus einem späteren Zeitraum stammt, wird durch einige Behauptungen gestützt, die auch ziemlich zweifelhaft sind. So hat man auf einer Kelle den Namen M.Aurelius C....entdeckt. Einige "Experten" (Pernice und Winter) behaupten daher, daß dieser Name erst unter der Regierungszeit Kaisers Marcaurel (161-180n.Chr.) populär wurde. Allerdings ist da schon der Gegenbeweis erbracht worden, daß Vitruv praef I,2 bereits aus augustäischer Zeit einen Geschützingenieur M.Aurelius bezeugt.
    Auch wird ein Humpen aus dem Silberschatz mit einem römischen Bronzeeimer aus dem Hemmoorfund verglichen. Allerdings gibt es dort doch einige Unterschiede in der Ausarbeitung der Tierfriese. So widerlegen einige "Experten" die Ansicht, daß man den Humpen genau datieren kann, da die gallische Kunst nicht so eindeutig bestimmbar ist.
    Gerda Bruns kam zu der Ansicht, daß die Römer vom Technischen in allen Jahrhunderten in der Lage waren solche Gegenstände anzufertigen. Allerdings wurde ihr entgegengehalten, daß sie ihre Ansichten über die Fertigung nicht mit frühkaiserzeitlichen Parallelmaterial verglichen hat.
    Alle Einwände wurden von anderen "Experten" bisher widerlegt.


    Und der Bataveraufstand......wer sagt eigentlich, daß die Cherusker bei diesen Kämpfen beteiligt waren? Es gibt keinen Hinweis in römischen Quellen...

    Da ich bereits im vorherigen Text geschrieben habe, daß Römer für solche Gegenstände Transportkisten verwendet haben und diese nicht nachgewieen wurden und der Schatz nur unvollständig ist (die Hälfte eines Geschirs fehlt), kann man davon ausgehen, daß es eher unwahrscheinlich ist, daß Römer diesen Schatz vergraben haben (auch befand sich damals eine Germanensiedlung in der Nähe).

    Es ist daher anzunehmen, daß die höchste Wahrscheinlichkeit doch mit Bezug auf Varus zu nehmen ist. 100%ig nachweisbar ist das nicht....aber die gegenteilige Meinung, daß die Funde aus späterer Zeit stammen könnten, kann auch nicht bewiesen werden und lag nur auf ziemlich wagen Vermutungen.
     
  7. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Das war während der Zeit Augustus (augusteischer Zeit)

    Hier kannst du es nachlesen:

    http://www.geschichte.uni-osnabrueck.de/projekt/6/6a.html
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Sorry Cherusker,

    aber Du argumentierst irgendwie am Wikipedia-Artikel vorbei. Dieser behauptet doch nur, dass der Hildesheimer Silberschatz nicht aus dem Privatvermögen des Varus stammt, er behauptet aber nicht - was Du zu widerlegen suchst - dass der Schatz aus späteren Zeiten stamme.
     
  9. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich habe die Links jetzt nicht gelesen.

    Offiziell sollen die Silberobjekte aus dem 2 Jh. n. Chr stammen, und in Köln oder Trier hergestellt worden sein.
     
  10. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Der Hildesheimer Silberschatz ist ein schönes Beispiel, finde ich, was passieren kann, wenn noch so luxuriöse Einzelfunde nicht von Anfang richtig dokumentiert werden können.
    Dass Reste von Holzkisten, Unterlagen etc. nicht beschrieben wurden, würde ich nicht als Anzeichen deuten. Entdeckt wurde der Schatz größtenteils von Soldaten, und die hatten wahrscheinlich erst mal das Silber im Auge. Zweiter Störfaktor: organische Reste wären damals eventuell als solche nicht erkannt worden. Dritter Störfaktor: sie können bei bestimmten Erdarten restlos zersetzt worden sein (kenne ich z.B. aus meiner Region, wo von Skeletten mitunter nur noch die Zähne übrig bleiben).

    Eine frühe Niederlegung ist unter diesen Umständen zwar wahrscheinlich, aber es spricht auch nichts dagegen, dass es irgendwann später (in gewissem Rahmen sogar viel später) geschah. Ein solch wertvolles Ensemble wirft man ja nicht einfach weg, sondern hegt es und pflegt es, wie heute der eine oder andere alte Möbel oder Autos.
    Interessant wäre es auch zu wissen, warum der Schatz in die Erde gelang - sicher geschah auch dies nicht zufällig, denn "ökonomisch" sinnvollere Möglichkeiten wären gewesen - weiter aufheben, oder einschmelzen.

    Das einzige, worüber einigermaßen Gewissheit bestehen kann, dass der Schatz irgendwann während des frühen 1. Jahrhunderts in die Region kam. Ohne felsenfeste Indizien zu haben, spricht einiges tatsächlich für die Varuszeit, aber es gebe einige andere Möglichkeiten, die auch nicht völlig unwahrscheinlich sind:
    - späteres Beutegut
    - durch Handel erworben
    - oder gar als Geschenk, z.B. für in römischen Diensten stehende Soldaten (vielleicht etwas zu luxuriös), für einen politischen Akt, oder z.B. für einen der Cherusker- oder anderen germanischen Adligen, die sich aus diversen Gründen im römischen Reich aufhielten.

    Wie man sieht, viele Spekulationen, und ich finde man kann kaum sagen, es war so oder so.

    @ Askan: ich habe auch hier und da schon eher vage gelesen, dass einige Teile aus dem Gut zum Teil wesentlich jünger sein sollen (sogar vom 3. Jhdt. wird gesprochen). Cherusker hat sich ja auch dazu geäußert. Ich wüßte aber gern genauer, wer zu dieser Deutung kommt. In der Regel werden die Gegenstände ja schon in augusteische Zeit eingeordnet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Februar 2006
  11. askan

    askan Neues Mitglied

    Die Zuordnung der Teile soll nach dem Stil der Verarbeitung geschehen sein. Bestimmte angewandete Verarbeitungstechniken sollen auf die damalige Hankwerkstradition des Rheinlands deuten. Wer es gedeutet hat , weiß ich nicht.

    Interrasnt wäre vielleicht das sich in der Nähe eine alte Kultstätte befand.

    Hier ist eine provokante Seite eines Heimatforschers zu dem Thema. Ich finde es interessant zu lesen und ausserdem sind 2 Stücke des Schatzes zu sehen.

    http://zocher-regel.gmxhome.de/ArbaloSchlacht/32Silberfund.html
     
  12. hyokkose

    hyokkose Gast

    Da hast Du recht, aber das ist kein Argument: Es stimmt ja auch nicht alles, was bei "Cherusker" steht.

    Geh doch lieber auf die zitierten Einwände ein und zeigt, ob etwas daran falsch ist.

    Der Hildesheimer Silberschatz ist für ein so großes Tier wie Varus relativ ärmlich, auch wenn man ihn verdoppelt.

    Man bedenke, daß etwas später ein Pompeius Paulinus (der weder gesellschaftlich noch von der Funktion her von so hohem Rang wie Varus war) auf seinem Feldzug 12.000 Pfund Tafelsilber im Gepäck hatte.


    Du müßtest eigentlich wissen, daß in den obersten Offiziersrängen oft junge Adlige aus höchsten Kreisen dienten.


    Diese Frage kann Dir jedes Kind beantworten: Weil es einfach nicht üblich ist, daß man sein Tafelsilber in der Erde vergräbt und es dann dort vergißt.

    Wieviele Sets Tafelsilber werden denn in Rom oder überhaupt in Italien ausgegraben, wo Tausende stinkreicher Römer wohnten, und zwar jahrhundertelang?

    ... um diese Annahme geht es hier überhaupt nicht.
     
  13. Cherusker

    Cherusker Gast


    Ärmlich kann man den Silberschatz mit Sicherheit nicht nennen, da es nur die Hälfte von einem Schatz war, der wiederum wesentlich größer gewesen sein kann.
    Varus befand sich in seinem Sommerlager (höchstwahrscheinlich irgendwo an der Weser). Wer sagt denn, daß er seinen gesamten Besitz mit in das Sommerlager mitnahm? :grübel:
    Auf einem Feldzug wurde er von Arminius und seinen Germanen überfallen. Auch Walter John hat in seinem Buch daraufhingewiesen, daß nicht nur die Cherusker, sondern auch Chatten, Marser und Brukterer an den Überfall beteiligt waren, da sich die spätere Rache des Germanicus insbesondere an diese Stämme richtete. Die Angrivarier (nur bei der Rückendeckung bei Idistaviso), Chamaven, Usipeter, Friesen, Chauken,.... wurden nicht behelligt.
    Auch wurden römerfreundliche Cherusker mit in die Varusschlacht hineingezogen, so auch die Truppen des Segestes. Diese germanischen Verbände werden mit Sicherheit die Beute unter sich aufgeteilt haben. Wenn man bedenkt wieviele adlige Germanen es gab, so kann auch ein großer Schatz verteilt worden sein. Übrigens sagt das Gewicht nichts über den Wert eines Schatzes aus. 10 VW Golf haben nicht den Wert eines Bugatti, obwohl sie zusammen vielmehr wiegen.;)
    Es handelte sich hier, wie schon mehrmals geschrieben, um Sammlerstücke (außer die keltischen Silberstücke)!
    Wie bereits geschrieben, sind die Funde in germanischen Fürstengräber nicht so reichhaltig, daß man annehmen könnte, daß es sich hier um ein Gastgeschenk handeln würde.

    Und in Rom wird nichts ausgegraben, weil dort die Germanen nichts vergraben haben!;) :rofl:

    P.S.
    Die Silberstücke waren erst nicht zu erkennen, da die Soldaten es im ersten Augenblick für wertlosen Schrott hielten.
    Der Fundort des Schatzes war für eine längerdauernde Aufbewahrung wenig geeignet, weil sich in dieser Bodenfalte bei nasser Witterung (und die gibt es häufiger in Hildesheim!:winke: ) leicht Feuchtigkeit ansammeln konnte. Somit haben die Gegenstände auch sehr darunter gelitten.
    Die kleineren Gegenstände waren in die größeren hineingesetzt. Das war nicht die Art eines römischen Transportes, die dafür Kisten benutzten (wie in Kalkriese entdeckt).
     
  14. hyokkose

    hyokkose Gast

    Darum schreibe ich ja ausdrücklich:

    "Der Hildesheimer Silberschatz ist für ein so großes Tier wie Varus relativ ärmlich, auch wenn man ihn verdoppelt."

    Zum Vergleich stehen ja immer noch die 12.000 Pfund des Pompeius Paulinus im Raum.



    Niemand, aber es sagt ja auch niemand, daß er überhaupt einen Silberschatz in sein Sommerlager mitnahm...



    Genau das spricht eben dagegen, daß es sich hier um das Prunkgeschirr eines ganz hohen Tieres wie Varus handelt: Die einzelnen Stücke tragen unterschiedliche Besitzernamen und man sieht ihnen die Spuren von langjährigem Gebrauch und sogar von Reparaturen an.



    Ich nehme an, daß die Römer auch ohne germanische Anleitung die Technik beherrscht haben, wie man ein Loch in die Erde gräbt.



    P. S.
    Hast Du dazu etwas auf Lager?
     
  15. Cherusker

    Cherusker Gast

    Leider hast Du es nicht verstanden.....:grübel:
    Nochmals....die gefundenen 54kg sind nur die Hälfte. Nach römischer Sitte war es üblich auf der Rückseite der einzelnen Gegenstände die Anzahl der Stücke, die zu einem Satz bzw. einer Garnitur gehören, einzugravieren. Der Hildesheimer Silberschatz besteht aus Teilen eines Tricliniums (=ein römisches Tafelservice für 3Personen), Trinkgefäßen (Humpen) und Gegenständen zum Auftragen und Anrichten von Speisen.
    Das bedeutet aber, daß selbst der fehlende Rest noch immer nicht das gesamte Vermögen darstellen muß. Es kann sich hier auch nur um ein Bruchstück des gesamten Schatzes handeln. Deswegen die Ausführungen über die mögliche Aufteilung an andere Stämme.

    Und über die Gewichtszahl habe ich Dir doch eine Antwort gegeben! Der einzelne Gegenstand zählt in seinem Wert (auch vom Sammlerwert) und nicht das Gesamtgewicht! :autsch:
    Nochmals 1 Bugatti ist mehr wert als 10 Golf (beide gehören zum VW-Konzern). Aber trotzdem wiegen 10 VW-Golf deutlich mehr als 1Bugatti!
    Deswegen ist es egal wieviel Gewicht Paulinus auf seine Feldzüge mitschleppte. :p

    Was für ein silbernes Prunkgeschirr des Varus spricht, ist die Tatsache, daß Varus vor der Abreise die germanischen Fürsten (u.a. bezeugt Segestes und Arminius) zu sich zu einem Gastmahl eingeladen hatte. Jetzt kann man ja behaupten, sie hätten von Holzgeschirr gegessen oder vielleicht Fast Food aus den Händen...;) Aber da gehen einige Experten davon aus, das nur Varus hier die Gelegenheit nutzte mit dem Prunk die Macht und den Reichtum Roms darzustellen. Dagegen hatte Germanicus einen Kampfauftrag und hat sich bestimmt nicht auf ein Gastmahl mit Arminius und Thusnelda vorbereitet.:rofl:

    weitere Infos folgen....
     
  16. Cherusker

    Cherusker Gast

    Leider gibt es am Galgenberg kein germanisches Heiligtum. Diese Meinung wurde allgemein verbreitet, aber selbst Schuchhardt hat 1897 daraufhin Grabungen durchgeführt und konnte keinen Beweis für eine Kultstätte erbringen.
    Am Galgenberg ist, laut Merkel, eine ca. 1km lange Kulturschicht mit wechselnder Breite gefunden worden. Andere eisenzeitliche Funde wurden in ca. 500m Entfernung vom Fundort gemacht. In der oberen Schicht seien Latènefunde gemacht worden. Schuchardt hat eine germanische Siedlung in der Nähe gefunden und diese, ohne weitere Erklärungen, mit dem Silberfund in Verbindung gebracht.

    Und von der Beschaffenheit der Gegenstände geht man davon aus, daß manche Gegenstände aus gallischen Metallfabrikationen stammen. Aber jede Theorie über den genauen Herkunftsort wurde von einem anderen Wissenschaftler angezweifelt und anders gedeutet. :confused:
     
  17. Cherusker

    Cherusker Gast

    Zu den Inschriften....es sind in den einzelnen Geräten vier verschiedene Namen zu entnehmen. Um wen es sich handelt, kann heutzutage wohl nicht mehr erforscht werden. Einerseits wird vermutet, daß es sich um Vorbesitzer handelte, anderseits können es auch die Namen der Hersteller sein, die so ihre Ware kennzeichneten. Der Name des letzten Besitzers ist nicht zu entnehmen. Hätte Varus unter all seine Sachen seinen Namen geschrieben? :grübel: Wer sollte sie ihn unter normalen Umständen wegnehmen?
    Bekanntlich war Varus, bevor er nach Germanien kam, in Afrika Prokonsul und dann Statthalter in Syrien. Ihm wurde u.a. vorgeworfen, daß er sich angeblich an den Provinzen bereichert hat.

    Walther John schreibt zu dem Thema: "Wir würden in Varus einen eifrigen Kunstsammler kennenlernen, von erlesenen Geschmack, dem es als einem Verwandten des Kaiserhauses und bei seinem Reichtum überall möglich war, zu seinem kostbaren Tafelsilber noch wertvolle Stücke hinzuzukaufen, und dem es auch zuzutrauen ist, daß er in den Jahren seines Aufenthalts in Germanien keltische Werkstücke hinzugekauft bzw. selbst bei keltischen Silberschmieden in Auftrag gegeben hat."
    Wer kann das Gegenteil beweisen, daß Varus nicht diese Gegenstände im Laufe der Zeit gesammelt hat? Heutige Kunstliebhaber erwerben auch Gegenstände von Vorbesitzern und lassen nicht alles neu anfertigen. Ansonsten könnte man die alten Gemälde bei mangelnder Nachfrage entsorgen...:rofl:
    Bisher kann man aber nicht bestimmen, woher die Stücke stammen. Also ist die Annahme, daß angeblich einige Stücke aus Afrika bzw. Syrien stammen, nicht beweisbar.
     
  18. Cherusker

    Cherusker Gast


    Zu den Transportkisten:
    selbst in Kalkriese konnte man an Beschlägen und an einer bestimmten Anordnung noch den Nachweis einer Kiste erbringen. In Hildesheim lagen die Gegenstände teilweise ineinander (kleinere in größere, versteht sich..:) ).

    Zeitraum:
    meine Vermutung geht dahin, daß diese "Beutestücke" in den Wirren der innercheruskischen Auseinandersetzungen nach bzw. kurz vor dem Tod des Arminius vergraben wurden. Sie wurden nicht auf Ewigkeit dort niedergelegt (also keine Opferung an die Götter), sondern zu einer späteren Bergung. Die Stelle war aufgrund der möglichen Feuchtigkeit nicht ideal. Warum sie keiner geborgen hat, darüber kann man spekulieren (z.B. Tod,...)?

    Verwendungszweck:
    * für den Handel waren dieser Silberschatz für das germanische Gebiet zu wertvoll. Was wäre der Gegenwert gewesen? Ein römischer Händler wäre ziemlich töricht gewesen sich mit so einem wertvollen Gut ins tiefste Germanien zu wagen. An der Weser hat man eine Runeninschrift gefunden, in der ein Germane die Götter anflehte, daß doch die (römischen?) Händler wiederkommen mögen. Also hat es doch Auseinandersetzungen und Unruhen gegeben, die die römischen Händler vorübergehend aus dem Gebiet vertrieben.
    * die Cherusker hatten später kaum noch die Möglichkeit (Germanicus und sein Caecina, hatte ich bereits erwähnt...) gehabt, sowas durch Krieg zu erlangen. Die Römer ließen sie in Ruhe und umgekehrt.
    * und Germanen erhielten als Sold wesentlich weniger. Sie sammelten später Münzen, in die sie Löcher hereinschlugen, damit sie auf eine Kette aufgezogen werden konnten.

    Und die Frage an ASKAN...da gebe ich auch mal meinen Senf dazu:rotwerd:

    Gerda Bruns (1935) hat die Behauptung aufgestellt, daß ähnliche Glasfunde im 4.Jh. nachweisbar sind. Außerdem sei für Bruns die Gesamtform des Humpen, wie auch der Wechsel von glatten Partien mit horizontalen Wülsten erst vom 4.Jh. an belegt. Dem entgegnete Küthmann, daß sie nicht das frühkaiserzeitliche Parallelmaterial berücksichtigt habe. Bruns hätte hier nur einige Gegenstände herausgenommen und sie nicht mit den anderen verglichen. So würde man anhand der Ornamentik erkennen, daß es dieselbe Werkstatt gewesen sein muß und die Verzierungen auf den Bechern eindeutig frühkaiserzeitlich sind.
    So kam auch die Jahre des 4.Jh. ins Gespräch...:S
     
  19. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    @ Cherusker: es wäre gar nicht nötig gewesen, auf die einzelnen Punkte zu antworten. Das sollten nur einige Spekulationen sein, um aufzuzeigen, wie wenig sicheres man über den Hildesheimer Silberschatz aufgrund der Indizien sagen kann. Ich sage gar nicht mal, dass du zwangsläufig mit deinen Spekulationen falsch liegen musst, ich sehe auch nicht viel, was gegen dein Szenario spricht - aber es bleiben halt Spekulationen, so wie meine auch.
    Deswegen mach ich mir auch gar nicht erst die Mühe, auf die Gegenargumente einzugehen (das meine ich nicht so negativ, wie es klingt). Es gäbe sicher mehr als nur ein paar Dutzend Argumente, um zu erklären, warum der Silberschatz auf welche Art wann durch wen in den Boden gelangte (wer weiß, vielleicht haben wir es mit einem frühen schwerreichen germanischen Kunstsammler zu tun, der immer - siehe Tacitus - mit blonden Frauenhaaren aus seinem Haarspeicher bezahlt hat? =)). Ich sehe halt keinen Sinn darin, irgendwelche Theorien über das wenige hinaus zu spinnen, was sich sicher über den Schatz sagen lässt.
    Auch insgesamt ist es ja nicht leicht, die römischen Funde im freien Germanien zu deuten - besonders was den Grund ihrer Anwesenheit betrifft. Vielleicht wird das ja irgendwann mal wieder stärker wissenschaftlich aufgearbeitet, bis dahin warte ich gespannt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Februar 2006
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dies ist aber - zumindest theoretisch - durch Isotopen und Spurenlemente lösbar. Einschränkung: natürlich ist nur die Herkunft der Rohmetalle nachprüfbar, nicht der Ort der Verarbeitung, wobei man hier von Erzfundnähe ausgehen darf. Wenn es allerdings keine vergleichbaren Daten gibt, dann helfen die schönsten Isotopen nix. (An die Chemiker: ist das so halbwegs richtig wiedergegeben?)
     

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