deutsch-türkische Beziehungen 1933-45

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von Klaus P., 1. Januar 2005.



  1. Klaus P.

    Klaus P. Neues Mitglied

    Ich suche nach Material, Quellen, Bücher, Aufsätzen über die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei zwischen 1933 und 1945, und zwar die offiziellen und informellen.
    Über die Frage des Exils deutscher Wissenschaftler und Intellektueller hab ich schon einigen.:thx:
     
  2. Lungos

    Lungos Neues Mitglied

    Würde mich auch interessieren...
    Ich habe z.B. gehört, dass die Türkei im zweiten Weltkrieg auf Grund der ehemals guten Beziehungen zu Deutschland neutral war und nur um Haaresbreite einer Besetzung durch alliierte Kräfte entrinnen konnte...
     
  3. Klaus P.

    Klaus P. Neues Mitglied

    Trotz Neutralität hat die Türkei ca. 1000 dt. Exilanten aufgenommen und z.T. an ihren Hochschulen arbeiten lassen.
    Die Briten haben 1944 - soweit ich weiß - die Türkei gedrängt, Deutschland den Krieg zu erklären, und das hat die Türkei dann auch getan.
    Aber ich würde gerne Genaueres wissen.
    Gruß Klaus
     
  4. Andanchamun

    Andanchamun Neues Mitglied

    Ich weiß nicht, ob Türkei Verbündete oder Feind von Deutschland im 2. WK war.

    Aber auf jeden Fall war Osmanisches Reich (jetzt Türkei) Verbündete von Deutsches Reich im 1. WK.
     
  5. Lungos

    Lungos Neues Mitglied

    Die Türkei hat am 01.03.1945 Deutschland formal den Krieg erklärt. Allerdings war da schon lange der Balkan von den Deutschen geräumt worden. Meines Wissens nach kämpften jedoch nie türkische gegen deutsche Verbände...
     
  6. Lungos

    Lungos Neues Mitglied

    Als Kriegseintrittstermin fand ich übrigens auch den 23.02.1945...

    Hier mal ein Zitat:
    Von 1939 bis 1945 blieb die Türkei trotz mehrfacher und permanenter Bemühungen der Kriegsparteien, die Türkei als Verbündete in den 2. Weltkrieg hineinzuziehen, neutral. Am 23. Februar 1945 erklärte die Türkei Deutschland pro forma den Krieg, um am 24. Februar 1945 die UN-Charta mit unterzeichnen zu können. Trotz der Nichtteilnahme am 2. Weltkrieg litt die Wirtschaft der jungen Republik sehr darunter. Durch die Generalmobilisierung wurden zwischen 1939 und 1945 knapp eine Million Soldaten in Alarmbereitschaft gehalten. Bei einer Bevölkerungszahl von damals 17 Millionen bedeutete dies die Aufgabe des wirtschaftlichen Entwicklungsprogramms und eine Umstellung auf die Kriegswirtschaft. Zur Deckung der Militärausgaben wurden drastische innenpolitische Maßnahmen ergriffen wie die Erhebung einer völlig neuen Steuer. Diese Politik stieß bei der Bevölkerung auf Unverständnis und auf Ablehnung, weil sie an den Rang des Existenzminimums gedrängt wurde.
     
  7. Rüdiger

    Rüdiger Neues Mitglied

    Ich kann nur hinzufügen, daß Franz v. Papen zwischen 1939 und 1944 Botschafter in Ankara war, insofern war das Verhältnis zwischen beiden Staaten vermutlich "wohlwollend- neutral", zumindest bis kurz vor Kriegsende.
    Papen war ja von seiner Gesinnung her nicht wirklich Nazi, sondern eher ein Repräsentant der "guten, alten Zeit", und damit wohl der rechte Mann am rechten Ort. :rolleyes:
     
  8. Mercy

    Mercy unvergessen

    und hier die Quelle (bitte künftig angeben):
    http://www.dija.de/cgi-bin/showcontent.asp?ThemaID=1112
     
  9. Klaus P.

    Klaus P. Neues Mitglied

    Wie sah die "wohlwollende" Neutralität, die Rüdiger zitiert, konkret aus? Beruhte sie auf den traditionell guten Beziehungen aus den Zeiten des Osmanischen Reiches, gab es nennenswerte Wirtschaftsbeziehungen, was hielten die Türken/Atatürk von der NS-Ideologie und vom deutschen Imperialismus, wie passt die Aufnahme von dt. Exilanten und deren Einbeziehung ins kulturelle/wissenschaftliche Leben der Türkei dazu?
    Dazu wüsste ich gerne mehr.
     
  10. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Nur als Einlage.
    Hier etwas mehr über Deutsch- Türkische Beziehungen.
    http://www.turkischebotschaft.de/de/trde/geschichte.htm

    Mit der Kriegserklärung der Türkei an Deutschland am 2. August 1944 wurden gegen Ende des Zweiten Weltkrieges die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern erneut unterbrochen. Der Kriegszustand wurde mit dem Beschluss der Große Nationalversammlung der Republik Türkei vom 24. Juli 1951 für beendet erklärt. Die Aufhebung des Kriegszustandes wurde der deutschen Seite mit einer Verbalnote mitgeteilt und damit die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen.

    Aus obengenannten Link
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Januar 2005
  11. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Wenn ich mir manche Maßnahmen innerhalb der damaligen Türkei so ansehe, dann erkenne ich durchaus die Verwandschaft mit der NS-Ideologie. Vom Völkermord an den Armeniern, der Vertreibung der Griechen und der kulturellen Unterdrückung der Kurden - da steckt jeweils die Ideologie von der völkischen Reinheit der Nation dahinter. Von daher ist sicherlich auch das Verständnis für die Vorgänge in Deutschland erklärbar. Dazu kam dann noch eine gewisse Dankbarkeit Deutschland gegenüber für die Waffenhilfe im 1. Weltkrieg. Immerhin wäre für das Osmanische Reich ohne deutsche Unterstützung schon 1915 in der Gallipoli-Schlacht eine Niederlage und kurz darauf mit einer Belagerung/Einnahme von Konstantinopel die womögliche Niederlage im Krieg gekommen - so konnte sich der Staat jahrelang gegen modernste westeuropäischen Armeen behaupten und nach der Niederlage 1918 der Zerstückelung Anatoliens widerstehen.

    Die Mobilisierung der türkischen Armee kann man so oder so sehen. Die Türken wollten sich sicherlich alle Optionen offen halten. Einerseits einem möglichen deutschen Einmarsch begegnen - aber was hätte Hitler dort gewollt, nicht mal Erdöl hatte die Türkei - anderseits könnte man im Fall der absehbaren Niederlage der Alliierten auch schleunigst in deren Besitzungen (Kaukasus, Syrien, Irak, Palästina, Jordanien) einmarschieren und so altes osmanisches Territorium zurückgewinnen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Januar 2005
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  12. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Warum haben die erst 1951 den Kriegszustand für beendet erklärt. Kann mich da jemand aufklären?
     
  13. Klaus P.

    Klaus P. Neues Mitglied

    Lieber Rüdiger,
    Der Tip mit von Papen war hilfreich. Unter "von Papen"+"Botschafter in Ankara" findet man über Google Einiges. Danke!
     
  14. Klaus P.

    Klaus P. Neues Mitglied

    Lieber Florian,
    Die Beendigung des Kriegszustandes mit der Türkei durch die Bundesregierung konnte wohl erst nach der Anerkennung der Bundesregierung durch die Außenministerkonferenz der USA, GBs und Frankreichs im September 1950 erfolgen.
    Viele Grüße
    Klaus P.
     
  15. Gast

    Gast Gast

    Warum kämpfte die Türkei auf der Seite der Mittelmeermächte?

    warum kämpfte die trükei auf der seite der mittelmeermächten, wenn sie sich doch mit Österreich-Ungarn um den Balkan gestritten haben??
     
  16. Lungos

    Lungos Neues Mitglied

    Ich denke mal, dass die Türkei wieder mehr Einfluß auf dem Balkan gewinnen, evtl. russische Gebiete gewinnen und von inneren Konflikten ablenken wollte. Seit dem Balkan-Krieg von 1911/12 war das Osmanische Reich stark angeschlagen...
    Mit Österreich-Ungarn gab es keine nennenswerten Konflikte - im Gegenteil: man wollte sich mit denen und Bulgaren den Balkan aufteilen...
     
  17. Mercy

    Mercy unvergessen

    Die Sache ist doch etwas komplexer; die heutige Türkei ist Nachfolger des Osmanischen Reiches.
    Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Osmanische Reich an der Seite der Mittelmächte. Nachdem die Franzosen und die Engländer den Armeniern einen selbstständigen Staat in Ostanatolien versprochen hatten, begannen die Armenier, sich gegen die Türken zu erheben. ...
    http://www.google.de/search?q=cache...chte&num=20&hl=de&lr=lang_de&ie=UTF-8&strip=1
     
  18. Lungos

    Lungos Neues Mitglied

    Soviel ich weiß, gab es den Armenischen Staat nach der Auflösung des Osmanischen Reiches wirklich, doch dieser wurde von der Türkei (Nachfolger des Osmanischen Reiches) nicht anerkannt. Bei der Invasion des Armenischen Staates (1920/21?) durch die Sowjetunion und der Türkei wurde in den türkisch eroberten Gebieten Völkermord betrieben.

    Aber dies sei nur am Rande erwähnt, weil es mit dem eigentlichen Thema rein gar nichts zu tun hat.
     
  19. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Zu bemerken sei noch, dass das Deutsche Reich auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches die Bagdadbahn baute, um Zugang zu den Ölquellen im heutigen Irak zu haben. :thx:
     
  20. Fischhof

    Fischhof Neues Mitglied

    Hier gerät einiges Durcheinander:
    1. Die (letzten) Balkankriege (vor Ausbruch des 1. Weltkrieges) waren 1912/13.
    2. Den Völkermord an den Armeniern beginngen die Türken (übrigends unter freiwilliger und reger Beteiligung der Kurden) ab 1915, nach der Winterniederlage in den Karpaten, nicht erst nach dem Krieg.
    3. Die armenische Republik, die im Frieden von Sèvre (glaube ich, oder war das der Frieden mit den Bulgaren?) vorgesehene Republik Armenien wurde vom osmanischen Sultan durch die Annahme des Friedens anerkannt, doch nicht von dem politischen Nachfolger, Attatürk. Er verleibte sie der neuen Türkei ein. Diese hatte nichts mit der Republik Armenien zu tun, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion unabhängig wurde. Denn diese Gebiete waren schon vor dem 1. Weltkrieg Teil des russischen Reiches und nach der stalinschen Verfassung von 192? eine eigenständige Sowjetrepublik. Sie waren daher nicht politisch unabhängig, nicht einmal auf dem Papier.
    4. Die Deutschen planten und finanzierten Großteils die Bagdandbahn, aber ob der Anlaß für den Bau das Öl war, das noch nicht entdeckt war, ist eine sehr gewagte These. Vielmehr sollte mit der Eisenbahn zum persischen Golf Deutschlands Landhandelsverbindung nach Asien aktiviert werden.

    Die zunehmende militärische und wirtschaftliche Abhängigkeit des Osmanischen Reiches vom Deutschen Reich ist dann auch der Hauptgrund für das Eintreten des Osmanischen Reiches in den Krieg mit den Mittelmächten.
    Denn Differenzen zwischen dem Osmanischen Reich und dem Russischen gab es zuhauf, zwischen Österreich(-Ungarn) und dem Osmanischen Reich seit Metternichs Zeiten keine mehr, vielmehr eine intensive Freundschaft.
     

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