Deutschland aufgrund des 2.Weltkriegs noch immer benachteiligt?

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von Ailina, 14. November 2015.



  1. Ailina

    Ailina Neues Mitglied

    Hallo :)
    Ich bin neu im Forum und hoffe dies ist der richtige Platz für meine Frage.
    Und zwar habe ich vor einiger Zeit gehört, dass Deutschland aufgrund des 2.Weltkriegs militärisch gesehen noch immer benachteiligte Rechte im Vergleich zu anderen Ländern hat. Beispielsweise ein begrenztes Militär oder wie es sich im Falle eines erneuten Krieges zu verhalten hat. Antworten im Internet habe ich dazu bisher noch nicht gefunden.
    Meine Frage ist eigentlich nur, ob das stimmt, und wenn ja wie genau die Rechte begrenzt sind. Über Quellenangaben würde ich mich auch freuen.

    Liebe Grüße
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    1955 hat die Regierung Adenauer gegen den Widerstand der eigenen Bevölkerung die Bundeswehr geschaffen und ein Jahr später die Wehrpflicht wiedereingeführt. Seit 1989 hat es einen schleichenden Abbau der Wehrpflicht und der Bundeswehr gegeben (immer kürzere Wehrdienstzeiten, Abbau vieler Standorte), so, dass wir heute keine Wehrpflicht mehr haben sondern eine reine Berufsarmee.
    Mit den 2+4-Verträgen 1990 (2 steht für BRD und DDR, 4 für die vier Besatzungsmächte) hat Dtld. seine volle Souveränität wiedererhalten.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  4. Morifea

    Morifea Neues Mitglied

    Das einzige was das deutsche Militär begrenzt, ist das geringe Budget und die Probleme bei der Materialbeschaffung. Wir schaffen es ja nicht mal das 2% Ziel zu erreichen!

    Alles andere wurden in vorhergehenden Beiträgen erläutert...
     
  5. swie

    swie Aktives Mitglied

    @Morifea: Dein Hinweis zur Bundeswehr-Begrenzung ist leider nicht richtig.

    Der Zwei-plus-vier-Vertrag wurde zwar schon angesprochen, im Bezug auf die Eingangsfragen Ailinas sollte hier jedoch die festgeschriebene Obergrenze von 370.000 Mann nicht außer acht gelassen werden. Zum Vergleich: 1985 dienten knapp 500.000 Mann bei der Bundeswehr, davon aber auch beinahe die Hälfte als Wehrpflichtige. Die Grenze von 370.000 Mann wurde seit der Jahrtausendwende und der Abrüstung der alten NVA-Verbände nicht einmal mehr näherungsweise erreicht. So viel ich weiß war es auch niemals Ziel, das Limit voll abzurufen. Derzeit werden 185.000 Mann angepeilt.
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Fakt ist:

    1. das 3. Reich hatte einen Krieg verloren und die Wiederholung des WW1 und WW2 maßgeblich durch Deutschland sollte definitiv ausgeschlossen

    2. Das deutsche Militär ist in Ost und in West in die kollektiven Entscheidungsstrukturen integriert worden, um 1. zu gewährleisten

    3. Im Rahmen der Besatzung und im Rahmen des "Nato-Truppenstatus" sowie einer Reihe weiterer Verträge hat die Bundesrepublik und auch andere Mitgliedsstaaten der Nato Rechte an suprantionale Organisationen wie die Nato oder die EU abgetreten. (vgl. beispielsweise das kompetente Buch von Foschepoth)

    4. Eine "Benachteiligung" Deutschlands erkennen zu wollen, ist wohl nur auf der Basis einer völlig antiquierten nationalistischen Sicht aus der Blütezeit der Nationalstaaten zu erklären.

    5. In diesen Kontext gehört dann auch die These, dass Deutschland angeblich benachteiligt sei.

    Ansonsten ist deutlich zu sagen, dass der Unterhalt von Soldaten die Volkswirtschaft eines Landes belastet! Keine Armee zu haben ist für eine Volkswirtschaft ein Wettbewerbsvorteil gegenüber den Ländern, die sich diesen "Luxus" glauben leisten zu müssen. Und das "beste" Beispiel für diesen militärischen Größenwahn ist die UdSSR und ihr Kollaps.

    https://books.google.de/books?id=kLTdncQE6t4C&pg=PA262&dq=%C3%BCberwachtes+Deutschland&hl=de&sa=X&ved=0CCkQ6AEwAGoVChMIwpLmlOiQyQIVAZdyCh1qsQk_#v=onepage&q=%C3%BCberwachtes%20Deutschland&f=false
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. November 2015
  7. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Den Satz kann ich so nicht verstehen. Nach der Kapitulation der Wehrmacht mit allen Teilstreitkräften, gab es faktisch kein deutsches Militär, oder?
    Der Aufbau neuer deutscher Militäreinheiten geht einher mit der Bildung zweier deutscher Staaten und deren Machtblöcke, NATO und dem Warschauer Pakt, die relativ schnell den Punkt 1. übergangen haben. So bauten ehemalige Wehrmachtsangehörige aller Dienstränge die Bundeswehr wie die NVA auf ...
     
  8. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Das begrenzte Militär wurde auf Grund des Versailler Vertrages nach 1919 festgelegt und hat nach 1945 keinen bestand mehr, Ich glaube, du verwechselst somit etwas.

    Interessant ist die Frage nach dem Kriegsfall .. wann ist denn deiner Meinung nach, der Fall gegeben?
     
  9. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Er meint wohl, dass die Einbindung in die Strukturen es verhindert, dass ein erneuter Krieg bzw. Weltkrieg durch Deutschland ausgelöst wird.
     
  10. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Das wäre aber nicht korrekt, denn die Bundeswehr wie auch die NVA nach den 50er Jahren waren wichtige Bestandteile der jeweiligen Machtblöcke ... dieser Anspruch, dass von deutschen Boden nie wieder Krieg ausgehen darf, wäre unter Neutralität der beiden deutschen Staaten wesentlich glaubwürdiger realisiert worden.
     
  11. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Dem stimme ich nicht zu. Durch die Einbindung ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Krieg von Deutschland aus absricht, nicht von deutschem Boden aufgrund eines ausbrechenden Konflikts zwischen Ost und West, deutlich geringer.
     
  12. swie

    swie Aktives Mitglied

    Aus dem Zwei-plus-vier-Vertrag:

    Kürzungen und Hervorhebungen wurden durch mich vorgenommen.

    Für den vollen Vertragstext mit Kommentierung siehe: bpb.de - Staatsrecht der Bundesrepublik Deutschland
     
  13. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Das ist aber eine Selbstverpflichtung, die Frankreich, die UdSSR, GB und die USA zur Kenntnis nehmen. Damit hat es nichts mehr mit dem 2. WK zu tun, sondern mit den damaligen Abrüstungsbemühungen.

    Ich denke, es kann davon ausgegangen werden, dass dies mit Absicht so formuliert wurde.
     
  14. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Na dann sind wir ja mal einer Meinung. :winke:

    Ansonsten stand immer im Hintergrund die Diskussion über den "deutschen Sonderweg" und den wollte man durch eine Neutralität keine Chance geben.

    Man darf aber auch nicht übersehen, dass FDR den Krieg auch geführt hatte, um einen "liberalen" Weltmarkt zu festigen. Eine Einbindung von Deutschland in diese politischen Strukturen war somit nicht nur wünschenswert, sondern folgte zwingend dieser Logik.

    Und man darf nicht vergessen, dass es nach 45 durchaus, auch im Westen, substantielle politische Kräfte gab, die deutlich anti-kapitalistisch waren und somit genau diesem Ziel entgegenstanden.
     
  15. Iceman

    Iceman Mitglied

    Hatte man nicht damals in Europa Angst, dass ein vereinigtes Deutschland
    u.A. militärisch zu stark werden würde und erklärt sich daraus die Begrenzung die oben genannt wurde?
     
  16. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    Ob "man" Angst hatte, ist schwierig zu beurteilen. Die englischsprachige Wiki führt eine Umfrage vom Januar 90 an, nach der die befragten Franzosen und Amerikaner die deutsche Wiedervereinigung mehrheitlich begrüßten, während das Thema vor allem in Polen tatsächlich mit sehr gemischten Gefühlen betrachtet wurde. Aber auch in Großbritannien und Frankreich gab es einen signifikanten Anteil besorgter Stimmen. Margaret Thatcher, wird in der Wiki kolportiert, habe in ihrer Handtasche stets eine Landkarte von 1937 griffbereit gehabt, um bei Bedarf das "German problem" veranschaulichen zu können. Auch in Italien gab es kritische Stimmen: Er liebe Deutschland so sehr, daß er bevorzuge, zwei davon zu haben, soll der italienische Premier Andreotti gesagt haben.
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mitterand und Thatcher, also die Generation, die den Zweiten Weltkrieg noch miterlebte hatte, war zunächst wiedervereinigungsskeptisch. Aber ohne deren Zustimmung wäre die Wiedervereinigung nicht möglich gewesen. In den Jahren nach der Wiedervereinigung hat sich die Bundesrepublik immer geziert, militärische Mitverantwortung in der Weltpolitik zu übernehmen, obwohl die Regierung von den Verbündeten immer wieder in diese Richtung gedrängt wurde. Solange es keine Bündnisfälle gab, sah sich Dtld. nicht in der Pflicht und verwies auf die deutsche Rolle insbesondere im WK II. Das änderte sich dann 1999 ausgerechnet unter der rot-grünen Regierung unter Schröder und Fischer - ausgerechnet unter dem Star einer Partei, die eigentlich keine Politstars haben wollte und die sich den Pazifismus auf die Fahnen geschrieben hatte! Das wurde von der grünen Wählerschaft stark an der Person Fischers festgemacht. 2002 gelang es Schröder und Fischer dann, die Wählerschaft wieder mit sich zu versöhnen, als man sich weigerte der Koalition der Willigen beizutreten. "I am not convinced" ist der Satz von Fischer, der nachhallt. Und Powell hat gewissermaßen einige Jahre später ja zugegeben, dass der ihm von Fischer um die Ohren gehauene Satz seine Richtigkeit hatte.
    Es war u.a. diese Haltung, die Schröder seine Wiederwahl 2002 gesichert hat, da CDU/CSU sich deutlich für einen Beitritt zur Koalition der Willigen ausgesprochen hatten.
     

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