Die Eburonen

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von Pope, 7. Februar 2007.



  1. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Frage:

    Eburonen = belgischer Stamm = Eber, Eiben oder Jochbauern?

    Oder nicht besser Ibar = "Rheinmündung, Maaszusammenfluss, Scheldedelta"?

    :)

    Abschweifend: Warum sind die Bojer vom fruchtbaren Raum in Bayern in die "Enge" Norditaliens gezogen? Waren die Kimbern, Teutonen und Amronen leicht verwirrt, als sie durch Westeuropa zogen? Wenn man das mit der Strukturiertheit und Nachvollziehbarkeit der römischen und griechischen Politik vergleicht, dann bekommt man den Eindruck, dass unsere nordeuropäischen Vorfahren ziemlich planlos waren. Und dass sie scheinbar unheimlich passionierte Fussgänger waren (wieviele km legten Vandalen, Goten, Langobarden, Teutonen im Jahr zurück??). Vielleicht die "Urheimat" der deutschen Fussgängerzone ...
     
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied


    In allen mir vorliegenden Publikationen finde ich die belgischen Eburonen zwischen Rhein und Maas angesiedelt, wobei man sich vor allem auf Caesars "de bello Gallico" bezieht. Insofern wäre es nicht ausgeschlossen, wenn der schon diskutierte Begriff "Ibar" damit zusammenhängt und sich auf die Gewässer Maas/Rhein bezieht. Natürlich ist das hochspekulativ, aber ich persönlich bin bereit, an diese Verbindung ibar = eber, was ja nicht selten vorkommt, zu glauben. Ein "Eber" ist nämlich meist nicht nachweisbar, auch wenn Orte ihren Namen gern auf dieses Tier zurückführen. Im übrigen sind wir nicht die ersten, die an einen solchen ibar-Zusammenhang glauben.

    Die Ausbreitung der Bojer ist eingebettet in die die keltische Expansion seit etwa 500 v. Chr., die nahezu ganz Europa erfasste. Diese Keltenzüge mögen planlos erscheinen, doch verbindet ein Element alle Wanderungen: Die Kelten strebten in erster Linie nach Süden, d.h. in die sonnigen und klimatisch angenehmen Regionen. Es kam ihnen nicht in den Sinn, nach Skandinavien oder ins nördlich Russland zu wandern. Dennoch gibt es Ausnahmen, wie z.B. die Britischen Inseln, doch sind sie immerhin mit nordeuropäischen Klimata nicht vergleichbar.

    Es muss sich im Prinzip ähnliches abgespielt haben wie in der fast 1000 Jahre späteren germanischen Völkerwanderung: Übervölkerung, Dürreperioden, klimatische Veränderungen und auch pure Abenteuerlust treiben Völker dorthin, wo es wohlhabende Landschaften, reiche Städte und somit viel Beute gibt. Das war meist der Süden, nicht aber der Norden.
     
  3. Corvus

    Corvus Neues Mitglied

    Hallo ich hätte da einige Fragen zu den Eburonen und Aduatucer.
    Caeser schreibt ja das die Aduatucer von den Teutonen (Ambronen)
    als „Trosswache“ in Galien (Belgien) zurückgelassen wurden.
    Könnte er damit nicht die Eburonen gemeint haben?
    Er (Caesar) schreibt, er habe die Eburonen aus der Klientel der
    Aduatucer befreit. Die Zurückgelassenen werden doch wohl eher
    Klientel der Eingesessenen als deren Herrn gewesen sein?
    Auch von den überlieferten Namen würden die Eburonen beser
    als die Aduatucer passen.
    Teutonen/Kimbern/Ambronen–Eburonen
    Teutobodus Catovolcus
    Biorix Ambiorix
    Auch wüßte ich gerne warum die Eburonen ihren Hauptort Aduatuca
    genannt haben sollen (nach den Eindringlingen die sie in Klientel hielten?),
    näherliegender wäre doch sowas wie Eburacum, oder?
    Na, vielleicht liege ich mit meinen Gedanken ja auch völlig falsch,
    und Jemannd hier im Forum kann mir das richtig erklären!
    schon mal Danke für eure Antworten.

    Ach so zu den Treverern noch etwas, kann der Ortsname Teveren
    ca. 90 km nordöstlich von Trier etwas mit denen zu tun haben?

    Corvus
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ein Klientenverhältnis ist eine Machtfrage, keine wer länger vor Ort war. nehmen wir Ariovist. Dieser hatte als cisrhenanischer germanischer Heerführer transrhenanischer Herkunft (immer aus römischer Sicht gesehen) gallische Klientel, weil er militärische Macht hatte.

    Zu Aduatuca: Wenn Aduatuca schon vor Ankunft der Eburonen existierte:
    warum sollten diese den Ort unbedingt umbenennen? Ortsnamen halten sich z.T. recht lange, es sei denn, es gehört zum politischen Programm, Orte umzubenennen, etwa um die Größe des Stadtgründers hervorzuheben (Alexandria, Colonia Agrippina, Antiochia, Cäsaräa, Konstantinopel) oder um vergessen zu machen, dass ein Ort mal von einer anderen Bevölkerung bewohnt wurde (z.B. nach einer ethnischen Säuberung).
    Vergleiche moderne Städte in kolonialisierten Ländern: Du wirst Städte mit einheimischen Namen neben Städten mit Namen in der Kolonialsprache finden oder auch Städte, deren Namen auf Namen von Städten aus den Herkunftsländern der Kolonialherren, meist mit einem Neu- davor.
     
  5. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Eburonen lieferten den Römern unter ihren Führern Ambiorix und Catuvolcus heftige Kämpfe bis zu ihrer Vernichtung durch Caesar. Einige Forscher vermuten, dass die Aduatuci, die zu den Germani cisrhenani zählten, ein Teil der vernichteten Eburonen gewesen sind. Sie waren ursprünglich Abkömmlinge der Kimbern und Teutonen, und wurden unter Augustus den hier angesiedelten Tungri untergeordnet.

    Hauptort des Stammesgebietes aller genannten Stämme war Aduatuca, das auch unter den Tungri fortbestand und seinen alten Ortsnamen als "Aduatuca Tungorum" - heute "Tongern" - bewahrt hat.

    Diese linksrheinischen germanisch-keltischen Stammesverhältnisse bleiben bis heute undurchsichtig, was angesichts der mageren Quellenlage nicht anders zu erwarten ist. Man muss sich deshalb mit Hypothesen und Spekulationen behelfen und es besteht kaum Hoffnung, diese komplexen Zusammenhänge jemals zufriedenstellend zu entwirren.
     
  6. Corvus

    Corvus Neues Mitglied

    Zu Aduatuca: Wenn Aduatuca schon vor Ankunft der Eburonen existierte:
    warum sollten diese den Ort unbedingt umbenennen?

    Caesar schreibt aber das die Aduatucer die „Neuankömmlige" waren
    bzw. dort zurückgelassen wurden.
    Haben sich dann die Aduatuker nach dem bereits bestehenden Ort
    genannt, oder wie soll ich das verstehen?
    Corvus
     
  7. Corvus

    Corvus Neues Mitglied

    Einige Forscher vermuten, dass die Aduatuci, die zu den Germani cisrhenani zählten, ein Teil der vernichteten Eburonen gewesen sind. Sie waren ursprünglich Abkömmlinge der Kimbern und Teutonen,

    Wenn das so war das die Aduatuci ein Teil der Eburonen waren, waren sie
    aber der mächtigere Teil (siehe Antwort zu Klientel), warum hat Caesar dann nicht den mächtigeren Teil ganz ausgerottet und den Namen getilgt,
    so wie er es mit den (schwächeren) Eburonen gemacht hat?
    Corvus
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das kann wohl sein, dass sie sich selbst oder Cäsar sie nach dem Ort benannt haben/hat.
    Ich finde gerade in einer Fußnote (372, S. 608 zu Buch VI, 32) in der Reclam-Ausgabe von Marieluise Deissmann folgenden Hinweis zu Aduatuca:
     
  9. Corvus

    Corvus Neues Mitglied

    Zitat
    Man hat vermutet, dass die gleichnamigen Aduatucer, Nachkommen der Cimbern und Teutonen, von den umliegenden Völkern diese Bezeichnung erhielten, weil sie Bewohner von befestigten Ortschaften waren, so, dass der Name dieses Kastells nichts anderers bedeutete als eine befestigte Siedlung;...

    Das oben zitierte würde mir nur einleuchten, wenn man die Kimbern und Teutonen als eher keltische Stämme ansehen würde. Nach meinem
    bescheidenen Kenntnisstand war die befestigte Siedlung eher unter
    keltischen als unter germanischen Stämmen verbreitet. Aber ich lasse mich
    gerne eines beseren belehren.

    Corvus
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Du meinst die Oppida, die als ein typisches Merkmal der Kelten gelten. Da hier eine Zone des Kulturkontaktes war, kannst Du davon ausgehen, dass Kelten und Germanen gegenseitig Einfluss aufeinander nahmen, soprich, Verhaltesnweisen, die als typische für eine Gruppe gelten - hier das Siedeln in Oppida - auch auf die andere Seite zutreffen.
     
  11. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Es gibt zur Herkunft der Aduatuci oder Aduatuker verschiedene Aussagen. Es heißt einerseits, sie seien Nachbarn der Eburonen gewesen, während andere sie als Teil der Eburonen betrachten, der nach ihrer Vernichtung durch Caesar zurückblieb. Caesar betrachtete die Aduatuker als Nachfahren der Kimbern und Teutonen. Inwieweit das zutreffend sein kann, ist ungewiss.

    Hauptort der Aduatuker war "Aduatuca", dessen Gründungszeit ungewiss ist. Nach Vernichtung der Aduatuker siedelte Augustus etwa zur Zeitenwende die Tungrer in diesem Gebiet an, sodass der Ort künftig "Aduatuca Tungrorum" hieß und nunmehr Hauptort der Tungrer wurde.
     
  12. Corvus

    Corvus Neues Mitglied

    Hallo, ich danke euch für eure Antworten zu den Eburonen.
    Es ist gut sich mal mit Leuten austauschen zu können die
    sich für diese Zeit interessieren.
    Ich hätte noch viele Fragen zu eben diesen Eburonen,
    aber der ursprüngliche Thread von shingen handelte von den Treverern.
    Ich möchte Ihm das Thema nicht nehmen!
    Werde hier noch mal in der Suche stöbern was es noch so zu den
    Eburonen gibt und dann einen eigen thread starten nur zu den Eburonen
    und Caesar, wenn es den nicht schon mal hier gab.
    Ich hoffe Ihr seid dann wieder dabei.
    Corvus
     
  13. Pope

    Pope Neues Mitglied

  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Interessant im Rahmen des Aufstand finde ich diese Stelle:

     
  15. Corvus

    Corvus Neues Mitglied

    Hallo El Quijote,
    ich verstehe nicht ganz was man aus dem zitierten folgern kann?
    Etwa das die Gelegenheit günstig zu einem Aufstand war, weil
    Caesar sich selbst geschwächt hat?

    Corvus
     
  16. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Nein, das ist vermutlich der Teil, auf den dann die Vernichtung der Eburonen folgte, was ja Bestandteil des Gallischen Kriegs ist.
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nein. Vor dem großen Aufstand hatte Cäsar zwar immer mal wieder Probleme mit den Häduern (besonders Dumnorix) und Germanen sowie deren jeweiligen Klientelstämmen, aber er hatte eben auch Stämme, die ihm mehr oder weniger treu ergeben waren bzw. offensichtlich keinen Sinn sahen, Energie in einen antirömischen Kampf zu stecken.
    Jetzt gibt es offensichtlich Mangelernten, sei es wegen der allgemeinen Wetterlage des Jahres 54, sie es wegen des Krieges und der langen Konzentration der römischen Legionen in Belgien vor der Überfahrt nach Britannien. Die Bevölkerung hat also nicht ausreichend zu Essen für sich selbst, soll aber zusätzlich noch die fremden römischen Truppen versorgen. Cäsar scheint dieses Problem zwar abzumildern versucht zu haben, indem er die Legionen aufteilte, aber den Kern des Problems hatte er damit nicht behoben, eben den erwähnten Nahrungsmangel. Jetzt also, wo es ans Eingemachte geht, bzw. die von Cäsar für seine "Befreiung" der Eburonen aus der Tributknechtschaft der Aduatuker erwartete Dankbarkeit* überstrapaziert wird, lohnt es sich plötzlich doch, sich gegen die militärisch stärkeren Römer aufzulehnen.


    *hier die Stelle:
     
  18. Corvus

    Corvus Neues Mitglied

    Könnte es nicht sein das Caesar durch seine Maßnahmen bewußt einen
    Aufstand provoziert hat, um in diesem Jahr das ganze Gallien zu
    befrieden oder auszurotten, um sich Britanien widmen zu können.
    Das sich gerade die Eburonen gegen ihn wandten war doch der beste Vorwand für eine Ausrottung bzw. rücksichtsloses Vorgehen. Denn diese Babaren, die man wie Freunde behandelt hatte, hatten sich hinterlistig gegen das Römische Volk gestellt.
    Es war doch eigentlich egal welches Volk der Belger den Aufstand anfängt,
    es lieferte den Gund gegen alle vorzugehen.
     
  19. Pope

    Pope Neues Mitglied

    Ich glaube, dass ein Feldherr vom Schlage Caesars die Bedeutung verlässlicher Nachschublinien erkannt hat. Vielleicht wären die Eburonen eben durch die Situation ihrer dankbaren "Befreiung" (und nicht Unterwerfung!) zu einem unkalkulierten Risiko geworden.
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nein, das glaube ich nicht. Was hätte er von einem entvölkerten Gebiet gehabt? Wo nichts erwirtschaftet wird, können auch keine Tribute gezahlt werden, die wiederum Grundlage für Cäsars römische Politik waren. Zudem hätte es seinem Status als Feldherr sehr geschadet, wenn seine Soldaten das Gefühl gehabt hätten, sie wären sinnlose Bauernopfer.
     

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