Die Parther

Dieses Thema im Forum "Das Reich der Perser" wurde erstellt von Tib. Gabinius, 27. September 2004.

  1. Tib. Gabinius

    Tib. Gabinius Neues Mitglied


    Da es in einem anderen Thema zur Sprache kam, ein paar erklärende Worte zu den Parthern:

    Über ihre Abstammung wird zwar noch immer im Detail diskutiert, aber hier ein paar Daten und Fakten.

    Vermutlich verwandt mit den Skythen nannte sich dieser Stamm zu früheren Zeiten wohl noch Parner.
    Sie füllen einen Teil des Machtvakuums, welches durch den Zusammenbruch des persischen Reiches unter dem Ansturm der Makedonen und deren Streitigkeiten untereinander verursacht worden war.
    Aus den Gebieten südöstlich des Kaspischen Meeres schwärmten sie in die persischen Gebiete unter den Seleukiden ein und leiten ihren Namen vermutlich von der Satrapie Parthia ab.
    S. dazu Zeitleiste der Parther http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=1326

    Im Gegensatz zu den Persern nutzen sie in ihrer Armee vor allem die Reiterei und kämpfen nach Beginn der Auseinandersetzung mit den Römern unter Mithridates II. recht erfolgreich gegen deren Infanterieheere. Dabei verwenden sie sowohl schwere Schockkavallerie, entsprechend der sarmtischen Kataphrakten als auch leichte, berittene Bogenschützen, die durch einen beständigen Nachschub an Pfeilen den Feind unablässig schwächen können.

    Sie sind so erfolgreich, dass sie sich nicht nur jahrhundertelang behaupten, sondern sich in einem fortwährenden Streit z.B. um Armenien befinden.
    Unter ihrem König Ardavan IV gelingt nicht nur ein großer Sieg gegen die Römer im Jahr 217 n. Chr. sondern sie pressen ihnen auch hohe Reperationen ab.
    Doch schon kurz darauf werden sie von den Sassaniden unter Ardeschir geschlagen und verlassen die Bühne der bedeutenden Weltgeschichte. Vermutlich haben sie Feinde aus dem Osten, die Römer und ihr eigenes, recht föderales System zu viel Kraft gekostet, um gegen diesen Feind noch zu bestehen. Immerhin wurden sie gegen Ende des 3. Jh. durch eine Reihe von Bürgerkriegen gebeutelt.
     

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    Zuletzt bearbeitet: 27. September 2004
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  2. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    Freut mich, wenn hier mal wieder was los ist (und Buddy Alexandros sicher auch; aufwachen Buddy).

    Sehr gute Zusammenfassung erstmal....


    Im Vergleich zu den "großen" Dynastien gehen die Parther (Aschkeniden/Arsakiden) eher unter, was vielleicht daran liegen mag, dass sie keine Iranisierung im eigentlichen Sinn betrieben haben (allenfalls Elemente; gegenüber den genannten Dynastien fallen sie diesbezüglich deutlich zurück).


    Zum eigenen "zu föderalen" System, das sie dann letztendlich zu Fall gebracht hat: Richtig bemerkt, schließlich haben die Sassaniden selbst als Teilkönige angefangen.


    Aber weil ich jetzt qualitativ "hochwertige" Ware abliefern will, sei es erstmal vertagt (es ist zu spät um wirklich kreativ zu sein)
     
  3. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied


    Immerhin schaffen es die Parther etwa 500 Jahre (und damit doppelt so lang wie die Achämeniden) das Land zu beherrschen. Die Frage dabei (und das war ja Ausgangspunkt der Fragestellung im anderen Thread): Wie persisch sind und waren die Parther eigentlich? Nach der Machtergreifung bleibt der Hellenismus des seleukidischen Interregnums nämlich erst mal unangetastet. Sie lebten als iranischer Stamm "europäisch": Griechisch als Amtssprache, Tempel im griechischen Stil und in den Theatern "läuft" Sophokles oder Euripides.
    Vielleicht auch deshalb stehen die Parther immer etwas im Schatten der "großen" Dynastien die sich sehr "iranisch" geben. Möglicherweise auch weil sie mit einem mächtigen Nachbarn zu tun hatten: Rom. Im großen Ganzen haben sie denen aber Stand gehalten. Zudem kamen immer wieder Einfälle im Nordosten dazu.



    Parner/Parthia/etc....: Die Ableitung des Namens (nicht zu verwechseln mit Persis) von der Satrapie Parthia im heutigen Turkmenistan. Allerdings befand sich selbst diese Satrapie nicht vollständig unter Kontrolle und war lange Streitpunkt mit den seleukidischen Herrschern.
    Die Herkunft von den Skythen bezieht sich auf (ich glaube) Strabon, der Arsakes einen Skythen nennt und seine Gefolgschaft Parner.
    Ein anderer Geschichtsschreiber (müsst ich nachschlagen) spricht bei Arsakes von Verbannten der Skythen, die infolge binnenskythischer Kämpfe verdrängt worden waren.

    Eines allerdings ist auch unter den Parthern iranisch: Die Könige der Parther (in Anlehnung an Arsakes wurden so alle Könige genannt) regieren vielleicht föderaler als die anderen beiden großen Dynastien (durch Teilkönige), aber auch sie beziehen sich wieder auf mythische Verwandschaftsverhältnisse zu anderen Regenten und Dynastien zur Legitimation (wobei fraglich bleibt, wie dicht an der Wahrheit das nun sein mag). Im Fall Arsakes ist das Artaxerxes. Damit geben sie sich einen "national-iranischen" Anstrich und berufen sich darauf, das achämenidische Reich weiterzuführen.
     
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  4. Cutter

    Cutter Neues Mitglied

    Ich bin mal so dreist und füge hier eine meiner Hausarbeiten ein. :)


    Die begrenzte Großmacht.
    Die Grenzen der parthischen Außenpolitik im Verhältnis zu Rom.

    Inhalt

    1 Einleitung

    2 Hintergrund

    2.1 Das Römische Hegemonialstreben im Osten

    2.2 Der „Zankapfel“ Armenien

    3 Die Grenzen der Parthischen Außenpolitik

    3.1 Die paritätischen Euphrattreffen

    3.2 Das parthische Militär und die Truppenmobilisierung

    3.3 Die innenpolitische Schwäche des parthischen Großkönigs

    4 Schlussbetrachtungen

    5 Literaturangaben

    5.1 Quellen

    5.2 Forschungsliteratur


    [font=&quot]
    [/font] 1 Einleitung

    Das Partherreich war eine antike Großmacht. Sein Einfluss reichte vom Euphrat bis zum Indus und sein Großkönig herrschte über Tausende von Menschen aus zahlreichen Kulturen. Für einen langen Zeitraum, einschließlich des hier untersuchten, war Parthien die einzige Macht, die mit dem römischen Reich vergleichbar ist.

    Diese an sich richtigen Feststellungen können jedoch nur mit Einschränkungen gelten: trotz seiner Größe war das Partherreich zu keinem Zeitpunkt in der Lage, die Integrität des römischen Reiches ernsthaft zu gefährden. Sämtliche Versuche, die parthisch-römische Grenze dauerhaft nach Westen zu verschieben, z.B. die Pakoros-Züge oder der Krieg des Vologeses IV., schlugen fehl. Man kann Parthien deshalb als eine „begrenzte Großmacht“ bezeichnen. Das Ziel dieser Untersuchung ist es, die Gründe für die Einschränkung darzulegen.

    Dazu müssen zunächst einige Kernthemen kurz erläutert werden: zum einen soll das Hegemonialstreben Roms im Osten beleuchtet werden, das für die parthische Außenpolitik von entscheidender Bedeutung war. Zum anderen muss die Bedeutung Armeniens beschrieben werden, dessen Status der Auslöser für die Mehrheit der Konflikte zwischen Parthien und Rom war. Das zweite Kapitel dieser Arbeit befasst sich schließlich konkret mit den Ursachen für die „Begrenztheit“ der parthischen Außenpolitik. Zunächst wird dafür jedoch das Konzept der paritätischen Euphrattreffen dargestellt, das die Gleichheit der beiden Mächte im Rang betont. In den beiden folgenden Unterkapiteln wird schließlich erläutert, wieso diese augenscheinliche Gleichrangigkeit nicht der politischen Realität entsprach.

    Abschließend einige kurze Bemerkungen zur Forschungsliteratur: besonders hilfreich bei der Bearbeitung dieses Themenkomplexes war die Monographie „Die Beziehungen zwischen Rom und dem Partherreich“ von Karl-Heinz Ziegler[1]. Zum generellen Verständnis der parthischen Geschichte war außerdem die Übersichtsdarstellung von Klaus Schippmann[2], zur Armenienfrage das Buch von Matthäus Heil über die Außenpolitik Neros[3] sehr nützlich.


    2 Hintergrund

    Um die Natur der parthischen Außenpolitik zu untersuchen, bedarf es zuerst die Klärung einiger Kernfragen, die für die Motive und Entscheidungsfindungen der Partherkönige von zentraler Bedeutung waren.

    Im ersten Abschnitt dieses Kapitels soll deshalb das römische Hegemonialstreben im Osten untersucht werden. Als wichtigster Gegenspieler der Parther und Herkunftsort der meisten bedeutsamen Quellen, lieferte Rom immer wieder Impulse, die der parthischen Außenpolitik ihren Anstoß gaben oder eine Reaktion abnötigten. Das zweite Unterkapitel behandelt den Stellenwert Armeniens, um dessen Kontrolle sich der Konflikts zwischen dem Römischen Reich und Parthien immer wieder entzündete. Was machte dieses Gebiet so wertvoll, dass beide Seiten bereit waren dafür in den Krieg zu ziehen?

    2.1 Die römische Hegemonialpolitik im Osten

    Schon die römische Republik verfolgte eine Expansionspolitik im östlichen Mittelmeerraum: der Sieg des L. Cornelius Scipio gegen den Seleukiden Antiochos III. in der Schlacht bei Magnesia 188 v.Chr. ist sogar eine der Ursachen für den folgenden Aufstieg der Parther[4], die das entstandene Machtvakuum ausfüllen konnten. In dieser frühen Phase standen die beiden späteren Kontrahenten noch nicht in direktem Kontakt. In den Folgejahren vergrößerten die Römer ihren Einfluss im Nahen Osten in den Mithridatischen Kriegen 88-64 v.Chr. und schließlich ordnete Pompeius den Osten neu: erst jetzt gewann Parthien für das römische Reich eine echte Bedeutung.[5]

    Nach anfänglichen, eher zögerlichen Beziehungen[6], begann das parthisch-römische Verhältnis mit einem Krieg: Crassus überschritt im Jahre 54 v.Chr. den Euphrat und wurde anschließend bei Carrhae von den Parthern vernichtend geschlagen. Dieser Feldzug war sicherlich eher ein Ergebnis der Profilierungssucht des Crassus als ein Ausdruck einer durchdachten Expansionspolitik.[7] Doch legte er einen bedeutenden Grundstein für das zukünftige Verhältnis zwischen beiden Mächte: die Parther hatten bewiesen, dass sie in der Lage waren, einem römischen Heer zu wiederstehen.

    Dennoch kam es in den folgenden Jahrhunderten wiederholt zu einzelnen Versuchen, die römische Vormachtstellung im Nahen Osten auf Kosten der Parther auszubauen. Doch selbst Trajan, der dabei am erfolgreichsten vorging, konnte das Verhältnis nicht dauerhaft kippen: Sein Nachfolger Hadrian stellte den status quo sogleich wieder her.

    2.2 Der „Zankapfel“ Armenien

    In seiner Monographie „Die orientalische Außenpolitik des Kaisers Nero“ weist Matthäus Heil zurecht darauf hin, dass es sich bei Armenien nicht um einen „Pufferstaat“ handelte: Parthien und Rom planten nicht, dieses Gebiet zwischen sich belassen, sondern beide Reiche wollten es für sich besitzen![8]

    Die Gründe für dieses beiderseitige Interesse sind schwer nachzuvollziehen: Armenien war eine öde Gebirgslandschaft, schwer zugänglich und strategisch unbedeutend. Es setzt sich aus mehreren Gebirgsketten zusammen, die ein zwischen 900 und 2100 Meter hohes Plateau bilden. Einzelne Berge erreichen dabei eine Höhe von über 5000 Metern. Das Hochland ist nur gering bewaldet und steppenhaft. Das Wasser der drei Gebirgsseen ist nicht trinkbar. Die Winter sind lang und hart, so dass militärische Operationen in der Antike nur während des Sommers möglich waren. Das Land war außerdem nur sehr spärlich besiedelt, fast ausschließlich in großen Tälern, voneinander durch Gebirge getrennt. Die Wirtschaft beschränkte sich hauptsächlich auf Land- und Viehwirtschaft, Armenien war also kein reiches Land. Das armenische Königshaus war schwach. Ähnlich wie in Parthien war der Adel dafür umso mächtiger: er schreckte auch nicht davor zurück, bei innenpolitischen Konflikten die Hilfe auswärtige Mächte (Parthien und Rom) auszunutzen.[9]

    Einerseits erleichterte dies den Zugriff von parthischer oder römischer Seite, andererseits erschwerte es die Aufrechterhaltung der Kontrollgewalt. Hier lässt sich der Grund dafür vermuten, dass sich beide Seiten stets darauf beschränkten einen Klientelkönig einzusetzen.[10]

    Das große Interesse beider Großmächte an Armenien lässt sich jedoch auch damit nicht erklären. Es bleibt also unklar, welche Vorteile sich Parthien und Rom von der Kontrolle Parthiens versprachen. Auf römischer Seite hat sicherlich die Tradition armenischer Feldzüge eine Rolle gespielt, die Motive der parthischen Könige bleiben ungewiss. Abschließend muss festgestellt werden, dass es sehr stark von den jeweils herrschenden Persönlichkeiten abhing, ob und wie in der „armenischen Frage“ gehandelt wurde.[11]


    3 Die Grenzen der Parthischen Aussenpolitik

    Dieser Kapitel ist der Kern der Untersuchung. Hier soll aufgezeigt werden, wieso das Partherreich nur eine „begrenzte Großmacht“ war und gar nicht erst das Potential hatte, eine echte Gefahr für das römische Reich darzustellen.

    Das erste Unterkapitel widmet sich dabei den paritätischen Euphrattreffen zwischen Rom und Parthien, wie sie seit dem Jahre 1 n.Chr. mehrfach stattfanden. Dies stellt in der Argumentation in der Hinsicht einen „Rückschritt“ dar, das zunächst auf die scheinbare Gleichstellung der beiden Großreiche eingegangen wird, bevor die realen Grenzen der parthischen Macht aufgezeigt werden. Im zweiten Abschnitt sollen dann die Struktur des parthischen Militärs und das Problem der Truppenmobilisierung kurz beleuchtet werden. Dabei geht es im Speziellen um die militärischen Begrenzungen, die dadurch der Außenpolitik Parthiens auferlegt waren. Das dritte und letzte Unterkapitel befasst sich schließlich mit der innenpolitischen Schwäche des parthischen Großkönigs und soll die daraus resultierenden Einschränkungen für die Außenpolitik erläutern.

    3.1 Die paritätischen Euphrattreffen

    Zum ersten paritätischen Euphrattreffen zwischen Rom und Parthien kam es im Jahre 1 n.Chr.: Caius Caesar, zu dem Zeitpunkt designierter Thronfolger des Augustus, traf den Großkönig Phraatakes (Phraates V.) auf einer Insel im Grenzfluss Euphrat um die armenische Thronfolge zu regeln. In einem wichtigen Punkt unterschied sich diese Zusammenkunft von allen vorhergehenden: Römer und Parther verhandelten diesmal auf Augenhöhe, als gleichwertige Parteien. Valleius Paterculus, Augenzeuge der Begegnung, beschreibt das Treffen folgendermaßen:

    „Mit dem Partherkönig hatte er [Caius Caesar] eine Zusammenkunft auf einer Insel, die der Euphrat bildet. Beide kamen hierzu mit der gleichen Anzahl von Begleitern. Mir wurde das Glück zuteil, dieses herrliche, denkwürdige Schauspiel mit eigenen Augen zu sehen: Auf dem einen Ufer standen die Truppen der Römer, auf dem anderen die der Parther, während die beiden hervorragenden Häupter ihrer Reiche und ihrer Bevölkerung ihre Zusammenkunft hatten. [...] Zuerst kam der Partherkönig zu einem Gastmahl zu Gaius auf unser Ufer, dann war Gaius beim König auf dem feindlichen Ufer zu Gast.“[12]

    Diese Darstellung ist in vielerlei Hinsicht besonders: zum einen fällt auf, dass im Protokoll scheinbar genau darauf geachtet wurde, die Parität der beiden Konfliktparteien zu betonen. Eine Hervorhebung der Römer drückt sich allerhöchstens in der Tatsache aus, dass Phraatakes zuerst auf dem römischen Flussufer speiste, bevor Caius Caesar den Besuch erwiderte. Zum anderen ist der Treffpunkt selbst ein bedeutsames Indiz: Der Euphrat galt seit dem Zusammentreffen zwischen Sulla und Orobazos (96/92 v.Chr.) als Grenze zwischen den beiden Reichen.[13] Dass die Zusammenkunft nun auf einer Insel inmitten des Flusses, also quasi auf neutralem Boden, stattfand, verdeutlicht die Gleichsetzung der beiden Parteien. Zuletzt gibt auch die Sprache des Valleius Paterculus einen Hinweis: Phraatakes und Caius Caesar werden beide als „hervorragende[] Häupter ihrer Reiche und ihrer Bevölkerung“ bezeichnet. Valleius Paterculus sah also im Rang keinen Unterschied zwischen dem parthischen Großkönig und dem Thronfolger und Adoptivsohn des Augustus!

    Zu ähnlichen Euphrattreffen, die sich im Zeremoniell nicht sonderlich von dieser ersten Zusammenkunft unterschieden haben dürften, kam es auch in der Folgezeit. So trafen sich z.B. 37 n.Chr. Artabanos II. und L. Vitellius[14] und Hadrian und Osroes im Jahre 117/123 n.Chr.[15]

    Man kann die Bedeutung der Euphrattreffen für das parthische Selbstverständnis im Umgang mit den Römern wohl gar nicht überwerten. Das Zeremoniell dieser Zusammenkünfte war ein klares Signal: Parthien und das Römische Reich waren als gleichrangige Mächte zu betrachten! Dementsprechend schlugen alle Versuche der Römer fehl, einen Vasallen auf dem parthischen Thron zu installieren. Leider gibt es keine Quellen, welche die parthischen Bewertungen der Euphrattreffen beleuchten. Es erscheint jedoch plausibel, dass sich die Arsakiden spätestens nach 1 n.Chr. als dem römischen Kaiserhaus ebenbürtig betrachteten.[16] Von daher ist es umso erstaunlicher, wie groß der Unterschied zwischen scheinbarer Stärke und faktischer Begrenztheit wirklich war.

    3.2 Das parthische Militär und die Truppenmobilisierung

    Die Außenpolitik eines Staates ist immer auch bedingt durch seine militärischen Möglichkeiten. Dies galt in der Antike in noch höherem Maß als in der Gegenwart. Aufgrund der schlechten Quellenlage ist nur wenig über die Struktur des parthischen Militärs und den genauen Ablauf der Truppenmobilisierung bekannt. Der Großteil der überlieferten Quellen – sowohl Schriftquellen, also auch Reliefs und Graffitis – geht eher auf die Kampfweise und Bewaffnung der parthischen Krieger ein.

    Einiges scheint dennoch gesichert: Das parthische Heer bestand in der Hauptzahl aus Reiterei. Die „Chronik von Arbela“ ist die einzige antike Quelle, die auch Fußsoldaten erwähnt. Die Stärke dieser parthischen Reiter war ihre Mobilität: strategisch nutzten sie diese, um eine Flucht vorzutäuschen und den Feind damit aus der Reserve zu locken.[17] Taktisch zeigte sie sich vor allem im sogenannten „parthischen Schuss“, der von berittenen Bogenschützen rückwärts bei vorgetäuschter Flucht abgegeben wurde, während die schweren Reiter („Kataphrakten“) Frontalangriffe auf die feindlichen Linien ritten. Diese Stärke war jedoch gleichzeitig die Schwäche des parthischen Heeres: für Belagerungen oder gar Okkupationen war es nicht geeignet. [18]

    Auch die Struktur und die Mobilisierung der Truppen erschwerten das Besetzen fremder Ländereien, wenn sie es nicht ganz und gar unmöglich machten. Der parthische Großkönig verfügte nämlich nicht über ein stehendes Heer, sondern war abhängig davon, dass die benötigten Truppen von seinen Unterkönigen und Satrapen gestellt wurden[19]. Die Mobilisierung war durch diese Dezentralisierung mit hoher Wahrscheinlichkeit viel schwerfälliger als z.B. in Rom. Außerdem erwies sich das Abhängigkeitsverhältnis als gewichtiges Problem für die Partherkönige: sie benötigten die Unterstützung und die Zustimmung des Adels um einen Krieg zu führen. Bei Herodian heißt es:

    „Der Parther [Vologeses V.] antworte [auf eine Anfrage des Septimius Severus nach Bündnishilfe], er werde seine Satrapen anweisen, Streitkräfte zu sammeln (denn so verfuhr er immer, wenn es nötig wurde, ein Heer aufzubieten, da er keine Söldnertruppen und kein stehendes Berufsheer unterhielt).“[20]

    Die Bedeutung des Adels für die parthische Kriegsführung zeigt sich auch an anderer Stelle: in der Schlacht von Carrhae hatte nicht etwa der Großkönig Orodes II. das Kommando, sondern Surenas aus der Familie der Suren, dem wichtigsten Adelsgeschlecht in Parthien.[21] Jedoch lässt sich aufgrund der vagen Quellenlage leider nicht beurteilen, ob diese Aufgabenteilung typisch war.

    Das parthische Heer war zweifelsohne schlagkräftig: der erfolgreiche Widerstand gegen die römische Kriegsmaschinerie ist dafür Beweis genug. Durch die Konzentration auf Reitereinheiten und die damit einhergehende Mobilität, und durch die unstetige, von innenpolitischen Machtverhältnissen abhängige Mobilisierung war es aber prinzipiell nicht in der Lage, ein erobertes Gebiet besetzt zu halten. Der Außenpolitik waren dementsprechend Grenzen gesetzt.[22]

    3.3 Die innenpolitische Schwäche des parthischen Großkönigs

    Ähnlich wie das Heerwesen, bedingen auch die innenpolitischen Verhältnisse eines Staates seine Außenpolitik. Und ebenso wie beim Heerwesen spielte in Parthien der Adel eine wichtige Rolle: dass er die Truppen für die militärischen Operationen des Großkönigs stellte, deutet bereits deutlich darauf hin.

    Zwar gilt es als gesichert, dass der parthische Großkönig aus dem Clan der Arsakiden stammen musste. Dennoch gibt es Anzeichen für ein Wahlkönigtum in Parthien. So schreibt Strabo:

    „[...] the Council of the Parthians, according to Poseidonius, consists of two groups, one that of kinsmen, and the other that of wise men and Magi, from both of which groups the kings were appointed.“[23]

    Es gibt jedoch auch zahlreiche Quellen, die eher für ein Erbkönigtum sprechen und meistens war der Nachfolger ein Sohn oder auch ein Bruder. Trotz dieser Ungewissheit hat der zitierte Ausschnitt aus Strabo einen nicht zu unterschätzenden Wert: offensichtlich hatte der parthische Adel ein gewisses Mitspracherecht bei der Nachfolgeregelung. Dafür spricht auch die Tatsache, dass der Großkönig von einem Mitglied des Adelsgeschlechts der Suren gekrönt wurde.[24] Außerdem ist die parthische Geschichte voll von Ursupatoren und Gegenkönigen: besonders nachdem Phraates IV. seine Söhne nach Rom geschickt hatte, forderte der parthische Adel häufig einen „römischen“ Gegenkönig, wenn sie mit der Politik des Großkönigs unzufrieden waren.[25]

    Obwohl parthische Quellen zu diesem Thema weitestgehend fehlen, lassen sich folgende Schlussforderungen ziehen. Erstens: ein König, der auf die Unterstützung des Adels angewiesen ist, muss seine Politik mit diesen abstimmen und gegebenenfalls Kompromisse eingehen. Zweitens: ein König, der Kompromisse eingehen und beachten muss, ist nur bedingt in der Lage eine aggressive oder gar expansive Außenpolitik zu verfolgen.


    4 Schlussbetrachtungen

    War also das Partherreich eine „begrenzte Großmacht“? Ich denke, diese Frage muss eindeutig mit Ja beantwortet werden.

    Zwar war Parthien formell durchaus gleichrangig mit dem römischen Imperium, wie das Zeremoniell der Euphrattreffen zeigt. Doch entsprach diese formelle Parität nicht der Wirklichkeit: die Parther haben in zahlreichen Schlachten bewiesen, dass sie in der Lage waren dem römischen Heer standzuhalten. Einen erfolgreichen Gegenschlag konnten sie aber nie führen, trotz einiger Versuche. Anders als Rom war Parthien nie in der Lage, die Substanz und die Integrität seines Kontrahenten zu bedrohen. Das parthische Heer war dafür zu unflexibel und zu spezialisiert. Die Arsakiden waren dafür innenpolitisch zu schwach und nicht durchsetzungsfähig genug.

    Das parthische Reich war sicherlich eine Großmacht. Doch es war nicht bestimmend für seine Epoche und erst recht nicht dominant, es reagierte mehr, als das es agierte. Was bleibt ist die unbezweifelbare Tatsache, dass Parthien für lange Zeit der einzige echte Gegner für das römische Weltreich war.

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    [/font]
    5 Literaturangaben

    5.1 Quellen

    Cassius Dio: Römische Geschichte, übers. v. Otte Veh, Zürich 1985-1987.

    Herodian: Geschichte des Kaisertums nach Marc Aurel, übers. v. Friedhelm Müller, Stuttgart 1996.

    Plutarch: Vitae parallelae, übers. v. Konrat Ziegler, Erscheinungsort und –datum unbekannt (aus: Quellenreader zum Proseminar).

    Strabo: Geographica, the geography of Strabo, übers. v. Horace Leonard Jones, Cambridge 1929.

    Tacitus: Annalen, übers. v. Carl Hoffmann, München 1954.

    Valleius Paterculus: Historia Romana, übers. v. Marion Giebel, Stuttgart 1989.

    5.2 Forschungsliteratur

    dtv-Atlas zur Weltgeschichte, Bd. 1, Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, hg. v. Werner Hilgemann und Hermann Kinder, München 362003.

    Matthäus Heil: Die orientalische Außenpolitik des Kaisers Nero, München 1997.

    Klaus Schippmann: Grundzüge der parthischen Geschichte, Darmstadt 1980.

    Josef Wiesehöfer: Das antike Persien, Zürich 1994.

    Karl-Heinz Ziegler: Die Beziehungen zwischen Rom und dem Partherreich: Ein Beitrag zur Geschichte des Völkerrechts, Wiesbaden 1964.


    Endnoten

    [1] Karl-Heinz Ziegler: Die Beziehungen zwischen Rom und dem Partherreich: Ein Beitrag zur Geschichte des Völkerrechts, Wiesbaden 1964 (fortan: Ziegler: Beziehungen).

    [2] Klaus Schippmann: Grundzüge der parthischen Geschichte, Darmstadt 1980 (fortan: Schippmann: Grundzüge)

    [3] Matthäus Heil: Die orientalische Außenpolitik des Kaisers Nero, München 1997 (fortan: Heil: Nero)

    [4] Der Partherkönig Arsakes II. war zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich ein Vasall von Antiochos III. Vgl. Schippmann: Grundzüge, S. 20f.

    [5] Alle Zahlen nach dtv-Atlas zur Weltgeschichte, Bd. 1, Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution, hg. v. Werner Hilgemann und Hermann Kinder, München 362003.

    [6] Durch Lucullus 69 v.Chr. (Cassius Dio 36, 3, 2) und Pompeius 64 v.Chr. (Cassius Dio 36, 45, 3).

    [7] Zurecht bezeichnet Ziegler das Unternehmen des Crassus als bellum inustium et inpium. Vgl. Ziegler, Beziehungen, S. 33.

    [8] Vgl. Matthäus Heil: Die orientalische Außenpolitik des Kaisers Nero, München 1997, S. 14 (fortan: Heil: Nero).

    [9] Alle Angaben aus Heil: Nero, S. 14-19.

    [10] Die einzige bekannte Ausnahme war Trajan, der den Parthamasiris tötete anstatt seine Unterwerfung anzuerkennen und Armenien provinzialisieren wollte. Vgl. Cassius Dio 68, 20, 3.

    [11] Anders lassen sich die langen Friedensphasen (z.B. unter Antoninus Pius) zwischen den einzelnen Konflikten kaum erklären.

    [12] Valleius Paterculus, Historia Romana II 101.

    [13] Vgl. Plutarch, Sulla 5 und für eine Interpretation Ziegler: Beziehungen, S. 20-24.

    [14] Vgl. Ziegler: Beziehungen, S. 60-64. Hier ist fälschlicherweise von Artabanos III. die Rede.

    [15] Zum Treffen zwischen Hadrian und Osroes vgl. Ziegler: Beziehungen, S. 105f und SCHIPPMANN: Grundzüge, S. 63f.

    [16] Zur Bedeutung der Euphrattreffen für die diplomatischen Beziehungen zwischen Rom und Parthien vgl. Ziegler: Beziehungen, S. 82f.

    [17] So geschehen beim Feldzug des Crassus vgl. Plutarch, Crassus 20-21.

    [18] Zum parthischen Heer vgl. die kurzen Kapitel in Josef Wiesehöfer: Das antike Persien, Zürich 1994, S. 202-294 und in Schippmann: Grundzüge, S. 93f.

    [19] Zur Bedeutung von Söldnertruppen für die parthische Armee vgl. Schippmann: Grundzüge, S. 86. Es ist umstritten, ob sie eine entscheidende Rolle für die militärischen Möglichkeiten Parthiens spielten.

    [20] Herodian 3, 1, 2.

    [21] Zur Person des Surenas vgl. Plutarch, Crassus 21. Hier werden auch Panzerreiter und leichte Reiter erwähnt.

    [22] Schon Tacitus weist auf das Unvermögen der Parther hin, einen Offensivfeldzug zu führen: Tac. ann. 40, 15, 6.

    [23] Strabo 11, 9, 3.

    [24] Plutarch, Crassus 21.

    [25] Diese Gegenkönige sind sowohl durch zahlreiche Münzfunde als auch durch römische Quellen belegt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Dezember 2004
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  5. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Das ist in der Tat dreist. Demnaechts fuegt noch jemand seine Magister- oder Diplomarbeit ein...

    Liebr Cutter, beschraenke dich in Zukunft bitte auf etwas kuerzere Texte, die ueberschaubar sind. In dem Fall haette eine Zusammenfassung deiner Arbeit mit Betonung der wichtigsten Punkte es getan. Wenn sei online verfuegbar ist, haettest Du einen Link setzten koennen.

    Bedenke dies bitte bei zukuenftigen Beitraegen...
     
  6. ??????

    Was soll das für eine Aussage sein ??

    Dankbar sollte man sein, für derart gute Beiträge !

    Ich verstehe deine Haltung nicht im geringsten, ich hoffe du meinst das nur ironisch, aber daran zweifle ich.
     
  7. manganite

    manganite Neues Mitglied

    Nein das ist keine Ironie. Wir sind hier nicht auf www.hausarbeiten.de. Das ist ein Diskussionsforum, keine Bibliothek oder online-Lexikon. Zweck ist es demnach zu diskutieren, nicht die Verbreitung von Wissen, sei es noch so viel oder gut.

    Denn wo ist sonst die Grenze? Bei einer 100 seitigen Magisterarbeit oder wo?
     
  8. Cutter

    Cutter Neues Mitglied

    Du kannst meinen Beitrag gerne löschen.

    Ich bin einfach davon ausgegangen, dass es sich hier um einen Informations-Thread handle, da ich in den vorangegangenen Beiträgen beim besten Willen keinen Diskussionscharakter erkennen kann. Und ehrlich gesagt bin ich nicht der Meinung, dass mein Posting übermäßig lang ist. Ich wette, wenn ich Inhaltsverzeichnis, Fußnoten und Litertautangaben weggelassen hätte, würde man den Ursprung des Textes gar nicht erkennen. ;)

    Aber gut, in Zukunft werde ich meine Beiträge möglichst kurz verfassen, denn: Zeit ist Geld und Lesen heißt Verschwendung.

    :confused:
     
  9. Hänsel

    Hänsel Neues Mitglied

    Also ich finde so lange Texte auch gut.... und Diskussion schafft auch Wissen..da ist das Argument:

    keine Bibliothek oder online-Lexikon. Zweck ist es demnach zu diskutieren, nicht die Verbreitung von Wissen, sei es noch so viel oder gut.

    fehl am Platze sorry......
    und wie soll man ohne Wissen sachgemäß diskutieren :) ?
     
  10. Völlig recht hast du. Vergleich das mal mit einigen meiner Beiträge !

    Der Beitrag ist kürzer als so einige die ich schon verfasst habe. Natürlich gibt es Grenzen, wo es dann aushakt, aber hier ist die noch lange nicht erreicht. Noch lange nicht.

    Bitte nicht.

    Mir fehlt gerade die Zeit und bis zum WE wird das wieder mein letzter Post sein, aber mal kurz um eine Diskussion anzuregen:

    Wie kommst du auf diesen Punkt ? Ich halte die parthischen Truppen nicht für unflexibel und auch nicht für überspezialisiert ? Eher im Gegenteil.

    Das halte ich für den primären Grund. Die Sozial- und Gesellschaftsstruktur behinderten die Parther und verbrauchten ihre Kräfte zu sehr in inneren Auseinandersetzungen.
     
  11. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied


    Ein Großteil der iranischen Geschichte ist aber nunmal "oral history" und wird viel eher von Griechen und Römern erzählt (die sich in Teilen auch widersprechen). V.a. die frühparthische Zeit gibt nicht gerade viel her. Ich würde sogar so weit gehen, als dass die Parther von den Achämeniden nicht sehr viel mehr wussten, als die mündlich überlieferten Legenden (und eben das, was noch so rumstand an Architektur etc).
    Was genau meinst du mit den Sozial- und Gesellschaftsstrukturen? Den sehr hohen "Föderalismus", der ihnen dann schließlich auch zum Verhängnis wurde? Immerhin haben die Parther einige Jahrhunderte lang die Region deutlich bestimmt und eigentlich den Römern ganz schön zu schaffen gemacht....
     
  12. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied


    Erstmal bestreite ich nicht, dass der persische Adel (seit jeher) eine Art "Rückgrat" des Heers bildete. Ich hab da aber grade eben mal ein bißchen in meiner sooooo umfangreichen Bücherei ( :p ) rumgekramt und bin auf Iustin gestoßen. Ein insgesamt etwas widersprüchliche Quelle. Der beschreibt die persische Armee als Sklavenheer (zumindest großteils). Angeblich seien Antonius 50000 reitende Parther entgegengestanden, von denen aber wiederum lediglich 500 freie Bürger gewesen seien. Wo ich dann aushake ist der Nachsatz, wonach die Sklaven eine "Fußarmee" gewesen sein sollen und nur die Freibürger geritten seien....

    Bei Bedarf bring ichs auch sehr gerne im exakten Wortlaut....
     
  13. Cutter

    Cutter Neues Mitglied

    Nun, auf taktischer Ebene war das parthische Heer nur in passendem Gelände schlagkräftig. D.h. der Gegner musste auf eine weite, möglichst flache Ebene gelockt werden. Das Erfolgsgeheimnis der Schlacht von Carrhae z.B. liegt im Grunde darin, dass Crassus auf die vorgetäuschte Flucht der Parther hereinfiel und ihnen folgte.
    Dies ist eine typische Überspezialisierung eines "Reiter-Heeres", wie sie sich z.B. auch im westafrikanischen Oyo-Reich finden lässt (mal ein ganz spontanes Beispiel ;)). Fußvolk wurde wahrscheinlich nur in absoluten Ausnahmen eigesetzt, wie bei der in der Chronik von Arbela beschriebenen Niederschlagung einer Rebellion in den Bergen. Die Qualität dieser Fußtruppen dürfte jedoch sicherlich eher gering gewesen sein, jedenfalls im Vergleich zu Rom.

    Auf strategischer Ebene war das parthische Heer äußerst unflexibel, da der Großkönig in dieser Beziehung fast vollständig vom parthischen Adel (Satrapen und Regionalkönige) abhängig war. Deren Beteiligung an militärischen Aktionen wurden im Gegenzug mit Landschenkungen u.ä. vergütet. Für den Großkönig war dies also sehr teuer und letztlich erhielt er nur eine Armee auf Abruf. Wie sollte er unter solchen Umständen eine langfristige Strategie für Eroberungsfeldzüge entwickeln oder gar Belagerungen und Besetzungen durchführen? Der einzig mögliche Ausweg war der Aufbau eines Söldnerheeres. Schippmann u.a. weisen jedoch darauf hin, dass man die Bedeutung von Söldnern nicht überbewerten sollte. Zudem waren auch sie sehr teuer.

    Nun stellt sich mir die Frage: wie kommst du darauf das parthische Heer sei flexibel und vielseitig einsetzbar gewesen?

    Diese inneren Auseinandersetzungen waren sicherlich von großer Bedeutung, jedoch darf man sie m.M.n. nicht überbewerten. Immerhin wurde die Vorherrschaft der Arsakiden erst von Ardaschir angezweifelt und war vorher nahezu unbestritten. Die zahlreichen Gegenkönige kamen meist aus der engen Verwandtschaft des Größkönigs. Diese inneren Konflikte hatten jedoch nich zwangsläufig negative Auswirkungen auf die Schlagkraft Parthiens: Orodes II z.B. hatte lange Zeit einen Gegenkönig (seinen Bruder), war aber gleichzeitig trotzdem in der Lage Crassus bei Carrhae zu vernichten. Außerdem gab es immer wieder lange Phasen der politischen Stabilität, auch im letzten Jahrhundert der parthischen Herrschaft.

    <nitpick>Erstmal sollte man nicht vom "persischem Heer" sprechen, da die Parther aus einer völlig anderen Ecke kamen</nitpick> :p
    Aber du hast recht, Iustin is problematisch. Mit "Freien" sind höchstwahrscheinlich Adlige gemeint. Plutarch spricht in Bezug auf Carrhae von "Hörigen" und "unfreien Dienstmännern". Wo der Unterschied zwischen beiden Gruppen liegt, ist dabei unklar. Das dürften aber die Sklaven sein von denen Iustin spricht (übrigens: wo steht denn da was von Fußvolk *findets nicht*). Es ist durch Urkunden belegt, dass es in Parthien ein System der Hörigkeit gab. Diese Gruppe dürfte wohl den Großteil des Heeres ausgemacht haben, auf Geheiß ihres Herren. Womit ich zu meiner Frage komme: Wo lässt sich hier eine geringere Rolle des Adels bei der Truppenmobilisierung erkennen? Iustin selbst sagt ja schließlich: je reicher ein Mann, desto größer die Anzahl der Reiter, die er entsendet.
     
  14. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied


    Im Bezug zum persischen Heer: Das war in Bezug auf die achämenidischen und sassanidischen Dynastien. Auch wenn sie nicht urpersischen Ursprungs waren, haben sie sich wohl auch iranisch (zumindest in spätparthischer Zeit) orientiert. Die Theorie, dass sie nur eine "schlechte Griechenkopie" waren, stammt von den Sassaniden. Vermutlich die "alte" Perser/Iranerfrage (ein Großteil der Iraner würde sich wohl durchaus als Perser bezeichnen, wenngleich sie nicht aus Fars/Persis kommen)...


    Jetzt zum eigentlichen: Ich liefer nochmal nach....

    ....das war der wohl ganz offensichtliche Widerspruch auf den ich raus wollte....
     
  15. Die Parther und dann noch mehr die Sassaniden erwiesen sich aber auch als Meister im Belagerungskrieg, desweiteren kämpften sie sehr häufig erfolgreich in Gebirgigem Gelände, zum Beispiel in Armenien. Während dann Trajan die Parther in der Ebene schlug.....s.u.

    Das Erfolgsgeheimnis von Carrhae liegt im berittenen Bogenschützen und seinem Einsatz, in der gleichen Weise kämpften auch die Mongolen. Der Berittene Bogenschütze ist aber vor der Erfindung der Muskete mit Bajonett die Multifunktionalste Waffengattung gewesen, die man am ehesten gegen alle anderen Truppen einsetzen konnte. Gegen gegnersiche Kavallerie in dem man auf die Pferde hält, gegen leichte Infanterie die man mit Feuer vernichtet, gegen Schwere Infanterie, der man sich nach Belieben entziehen kann usw

    Die Mongolen waren wie die Parther auch in ganz anderen Gegenden als Ebenen erfolgreich und ebenso Meister der Belagerung. Ich würde darüber hinaus die parthische Armee zwar als Reiterarmee bezeichnen, aber sie bestand nicht nur aus Reitern und die Reitertruppen waren auch zu anderen Dingen fähig als nur zum Kampf in der Ebene.

    Gute Bogenschützen sind bei der Belagerung ebenso sehr gut geeignet und auch im Gebirge. Mit dem Pferd kann man in den Tälern sehr schnell verlegen, dann steigt man zur Fuß über den Hang und attackiert den Feind immer wieder neu mit Geschossen. Genau so haben die in Armenien in sehr gebirgigem Gelände den Römern erfolgreich zugesetzt.

    Warum bitte sollen die Reiter nie abgestiegen und zur Fuß gekämpft haben, daß haben viele andere Reitervölker auch gemacht. Ich sehe das so, daß die Parther ihre Berittenen Bogenschützen in entsprechendem Gelände auch zur Fuß eingesetzt haben. Ebenso bei Belagerungen.

    Was die schwere Infanterie angeht stimme ich dir zu, aber die leichte Infanterie und die Bogenschützen der Parther waren den entsprechenden römischen Truppen weit überlegen.

    Das hing von der Macht des Königs ab, wie stark die jeweilige Herrschaft war und variierte daher im Verlauf der Zeit sehr stark. In der Pauschalität kann ich deiner Aussage nicht zustimmen, sie trifft nur temporär und für die Spätzeit zu.

    Auf Operativer Ebene waren die Parther im übrigen herausragend gut, auch die Logistik war von Anfang an hochentwickelt und sogar der Roms ebenbürtig oder überlegen.
     
  16. Beetlebum

    Beetlebum Neues Mitglied

    Dies ist zwar mein erster Beitrag hier, aber ich möchte gleich zu Beginn klarstellen, dass ich Beiträge von der Länge und vom Niveau von Cutters "Begrenzter Großmacht" voll unterstütze. Wer sich nicht die Mühe machen will und lieber kürzere Texte hat, soll es doch einfach bleiben lassen. Es gibt ja genug Foren im Internet, in denen auf niedrigerem Niveau diskutiert werden kann.

    Zur Sache:
    Wie konnten die Parther weite Teile des Seleukidenreiches erobern und auf Dauer zu halten, wenn sie nicht in der Lage gewesen sein sollen, Gebiete dauerhaft zu besetzen?
     
  17. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied


    Die Seleukiden würde ich eher so als eine Art "Interregnum" sehen....und ich würde auch mal behaupten wollen, dass die Parther sehr wohl in der Lage waren Gebiete dauerhaft zu besetzen. Die Römer hatten mächtig Probleme mit ihnen und so ganz umsonst haben sie das Land nicht einige Jahrhunderte beherrscht....länger als ihre Vorgänger (Achaimeniden) und Nachfolger (Sassaniden)
     
  18. Werter L.B. : Korrigiere mich bitte wenn ich irre , aber die Parther waren ja auch ganz massiv griechisch beeinflußt. Desweiteren waren aber die Seleukiden umgekehrt auch persisch beeinflußt, beide Seiten waren in ihrer Art und Weise daher gar nicht so unähnlich.

    Desweiteren habe ich noch mal ein wenig dazu nachgelesen, auch wenn die Parther eine Reitermacht waren, so verfügten sie dennoch über große Mengen an Infanterie und diese war auch teilweise von guter Qualität. Die Achaimeniden waren ja auch eine Reitermacht und dennoch haben sie viel und zu Teilen (Unsterbliche) gute Infanterie gehabt. Wiesehöfer hat zu den Parthern einiges geschrieben.

    Hier habe ich ein Bild mit Parthischen Reitern:

    (die anderen beiden sind 1 Mobiler Turm des Kyros und Achaimenidische Reiter)

    (die Bilder sind von einer Parade im Iran, ich habe da noch eine ganze Menge und werde demnächst einen Thread zur Achaimenidenzeit starten, daher die beiden anderen sozusagen als Werbung)
     

    Anhänge:

    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 2. Januar 2005
  19. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied


    Werter Q.F. :king: : Ich muss dich nicht korrigieren...stimmt so weit....wobei man mittlerweile davon ausgeht, dass einiges auch von den Sassaniden angedichtet wurde...in der Spätpartherzeit gings schon persischer zu als noch zu Beginn....(vgl. eben Wiesehöfer). Sie waren sich daher schon ziemlich ähnlich, wobei aber im historischen Verständnis eines Iraners die Seleukiden die Griechen waren und die Parther Iraner....auch wenn sie sich zumindest während einer langen Phase wenig voneinander unterschieden haben...
     

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