Die Pelasger

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von askan, 11. November 2006.

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  1. askan

    askan Neues Mitglied


    Was weiss man zur Zeit eigentlich über die Pelasger?

    Die Pelasger waren die Ureinwohner Griechenlands, bis in die Klassische Zeit sollen sie ein Leben im Abseits geführt haben. *Ich stelle mir eine Ähnliche Stellung vor wie die heutigen Adivasi in Indien*
    Gibt es Zeugnisse von ihnen? Berichte, Überlieferungen oder Abbildungen über ihr Aussehen, Kleidung.
    Oder was aus ihnen im Laufe der Zeit geworden ist? Wahrscheinlich sind sie in der übrigen Bevölkerung aufgegegangen, aber wann war die letzte Erwähnung?

    Wie stichhaltig ist die These das die Pelasger ein Teil der Seevölker wurden, und das Peleset bzw Philster in Erscheinung traten?
     
  2. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Bei den Pelasgern handelt es sich mutmaßlich um einen Stamm aus vorgriechischer Zeit, der möglicherweise im östlichen Thessalien (dem Gebietsstreifen der Balkanhalbinsel entlang der Westküste der Ägäis) beheimatet war; späterhin wurde denn vielleicht der Begriff auf die vorindogermanische Bevölkerung Griechenlands sowie Italien („Groß Griechenland“) übertragen.
    Dann habe ich aber auch mal gelesen bzw. abgeschrieben, daß die Sprache der Pelasger – obzwar prägriechisch, doch zu den indogermanischen Idiomen gezählt wird.
    Das Pelasgische ist natürlich nicht schriftlich überliefert, sondern wurde lediglich aus Lehnwörtern und Namen, vor allem geographischen, rekonstruiert. Das prägriechische Sprachmaterial selbst wird wiederum als heterogen betrachtet und man hat auch erwägt, daß die indogermanischen Elemente des vorgriechischen Sprachmaterials möglicherweise (hethitisch-) luwischer Herkunft seien. Dazu paßt zumindest, daß irgendein antiker Schriftsteller meinte, daß die Pelasger mit den südwest-kleinasiatischen Karern verwandt gewesen wären.

    Zur pelasgischen Mythologie habe ich mal zusammengetragen:
    Nach Pausanias & Philostratos et al. (?) sollen die Pelasger im Tal des Alpheios am Hügel des Kronos (das spätere Olympia) eine den Göttern geweihte Naturquelle und Heiligtümer der Göttermutter Rhea und des Kronos verehrt haben, und auf einem Aschealtar wurde auch die noch ältere Erdmutter Gaia angebetet, mit der ein Orakel verbunden war.

    Ein pelasgischer Schöpfungsmythos erzählt, daß sich die „Göttin aller Dinge“ bzw. „Große Göttin des Mondes“ Erynome nackt aus dem Urzeitchaos erhob und nach der Trennung zwischen Himmel und Erde auf dem Eis tanzte, um sich zu wärmen; als sie zwischen ihren Händen den Nordwind rieb, entstand daraus Orphion, die große Schlange, die sich, durch ihren Tanz lüstern geworden, mit ihr paarte; in Gestalt einer Taube und umringt von Orphion, brütete Erynome das Weltei, bis die Welt daraus hervorging. Auf dem Olympos aber behauptet die Schlange schließlich, daß sie die Welt erschaffen habe, so daß ihr die Göttin mit ihrer Ferse auf den Kopf trat, ihr damit die Zähne ausschlug und schließlich in die dunkle Höhle der Erde verdammte.
     
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  3. hyokkose

    hyokkose Gast


    Ich meine, die Schlange heißt "Ophion".
     
  4. askan

    askan Neues Mitglied

    Sind nicht pelasgische Namen überliefert? Mir fällt ein das in Athen irgendein Bauwerk stehen soll, das noch von den P´s. stammt.
     
  5. aquilifer

    aquilifer Aktives Mitglied

    Herodot bezeichnete die Polygonalmauer auf der Akropolis als pelasgisch, sie ist als ein Teil der mykenischen Burganlage identifiziert worden.
     
  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das Problem der "Pelasger" und der "pelasgischen Sprache" wird bis heute sehr kontrovers diskutiert.

    Das Ethnikum "Pelasgoi" wurde in altgriechischen Quellen als eine Art Sammelbezeichnung für die vorgriechische Bevölkerung der Balkanhalbinsel verwendet. Erwähnung finden die Pelasger erstmals in Homers Ilias" (II 68 1, XVI 233), doch gibt es auch schemenhafte Hinweise in Werken anderer antiker Autoren. Nach den vagen Angaben siedelten die Pelasger nicht nur auf dem Balkan, sondern auch in Kleinasien. Spekulativ ist die Lokalisierung des pelasgischen Siedlungsgebiets im östlichen Thessalien, da sie sich weder archäologisch noch ethnografisch belegen lässt. Es schein gegenwärtig so zu sein, dass sich die Pelasger einer wissenschaftlichen Identifizieruzng entziehen.

    Abgesehen davon gibt es natürlich eine Fülle von Hypothesen und Spekulationen, die sich mit diesem Thema befassen. So haben z.B. Sprachwissenschaftler wie W. Georgiew, van Windekens und andere die These vertreten, die Pelasger seien Indoeuropäer gewesen und ihre Sprache sei eine archaische Variante des Indoeuropäischen. Als Beweis für diese Hypothese zog man angeblich vorgriechische Substratelemente des Griechischen heran. Ferner nannte man für diese spekulative Identifizierung der Pelasger als eines den Griechen entfernt verwandten Volks die Seevolker. In Quellen werden die ägäischen "Pelasts" als eines der Seevölker genannt und mit den "Philistern" gleichgesetzt, deren Name man von griech. "pelagos" = Meer herleitet. Allgemeine Anerkennung hat diese Hpothese nicht gefunden.

    Als sicher kann gelten, dass es im Griechischen einen vorgriechischen Wortschatz gibt, der aus verschiedenen Quellen stammt. Es gibt daher ebenfalls Hypothesen, die das Pelasgische als vorindoeuropäische Sprache ansehen und die Pelasger als vorindoeuropäisches Volk betrachten. Danach wären die Pelasger die jüngste bzw. letzte Schicht der vorindoeuropäischen Bevölkerung, mit der sich die um 2000 v. Chr. einwandernden indoeuropäischen Protogriechen mischten. Diese Hypothese ist deshalb besonders reizvoll, weil sie auch der Verbreitung vorindoeuropäischer Populationen in Kleinasien und im östlichen Mittelmeer (z.B. das minoische Kreta) entspricht..

    Ich persönlich neige der letzten Hypothese zu, denn es scheint mir einsichtig zu sein, dass vor Einwanderung der Indoeuropäer in den Mittelmeerraum dort eine nicht-indoeuropäische Bevölkerung saß. Da es später zu einer Verschmelzung von autochthoner mittelmeerischer Bevölkerung mit den einwandernden Indoeuropäern kam, aus denen dann hstorisch fassbare Völker hervorgingen, müssen sich auch in der Sprache Reliktwörter oder geografische Namen erhalten haben - also ein Substrat. Aber wie gesagt: Das alles ist Hypothese und Spekulation!
     
  7. hyokkose

    hyokkose Gast

    Wobei Du hier eine Hypothese wiederum mit Spekulationen zu stützen versuchst, was nichts als einen Zirkelschluß darstellt.

    Die nachweisbar nicht-indoeuropäischen "Populationen" beschränken sich m. W. auf die Hatti, und die saßen weit von der ägäischen Küste entfernt.

    Und wer will derzeit schon wissen, ob auf dem minoischen Kreta indoeuropäisch gesprochen wurde oder nicht?
     
  8. askan

    askan Neues Mitglied

    Ich erinnere mich an irgendeinen Griechen der berichtete das die Sprache der Karer Ähnlichkeiten mit der kretischen und anderer Inseln haben, sodas er vermutete das es die Karer waren zuerst mit Schiffen Kreta und auch griechenland erreichten.
    Vielleicht gab es zu jener Zeit noch Sprachinseln, so ähnlich wie heute noch Hinterwäldler alte Dialekte benutzen.
     
  9. bender

    bender Gast

    Der englische Wikipedia-Artikel zu den Pelasgern sollte genügend Informationen und Anhaltspunkte bieten.
     
  10. hyokkose

    hyokkose Gast

    Könntest Du noch einmal in Deiner Erinnerung kramen, um eine etwas genauere Quellenangabe zu bekommen? Ich kenne so eine Stelle nicht, aber es würde mich natürlich interessieren.

    Laut Thukydides soll Minos die Karer von den Kykladen vertrieben haben.

    Die karische Sprache ist aus Inschriften bekannt; sie gehört zum anatolischen Zweig der indoeuropäischen Sprachen. Wikipedia kurz und knapp: http://de.wikipedia.org/wiki/Karische_Sprache
     
  11. Makedonas

    Makedonas Neues Mitglied

    Ich dachte immer man kenne die minoische sprache (zumindest in ihrer endform) aus funden in denen sie in griechischer schrift verfasst ist. Oder ist Eteokretisch nicht "minoisch"?
     
  12. askan

    askan Neues Mitglied

  13. hyokkose

    hyokkose Gast

    Vermutlich ja, aber man weiß trotzdem kaum etwas über Minoisch/Eteokretisch:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Minoische_Sprache
     
  14. Historian

    Historian Neues Mitglied

    Über die Pelasger weis man vieles nur durch die Griechen, Homer und etliche andere Autoren überliefern einiges, wie zBsp. dass die Pelasger mehrheitlich mit dem Speer kämpften und sehr gut darin waren.
    Ich kenne etliche Historiker die die These aufgestellt haben dass die Albaner die nachkommen der Pelasger sind, wa shaltet ihr davon?
    weitere Historiker mit der Albaner These sind:
    [​IMG]



    Hier einige Quellen der grichischen Mythologie wo Pelasger vorkommen.
    HOMERI

    1. ILLIAS

    Buch II
    Absaetze

    681, 750, 840, 850


    Buch X
    Absaetze

    430

    Buch XVI

    Absaetze


    235, 285, 290

    Buch XVII

    Absaetze

    290, 350

    Buch XXI

    Abseatze

    140, 145, 150, 155, 160, 165, 170, 175, 180, 205, 210


    2. ODYSSEA

    Buch XIV

    Absaetze

    315, 320, 325, 330

    Buch XIX

    Absaetze

    270, 290. 295


    HESIODI

    CARMINA

    Fragment 134 bzw. 156


    HERODOTI

    HISTORIAE

    Buch I

    Abseatze

    46, 57, 58

    Buch II

    Abseatze 52

    Buch IV

    Abseatze

    48

    Buch V

    Abseatze

    1, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 61, 98

    Buch VI

    Abseatze

    127, 137, 138, 139

    Buch VII
    Abseatze

    139

    Buch VIII

    Abseatze 47, 137

    Buch IX

    Abseatze

    43, 92, 93, 94


    Ich schreib jetzte einfach mal die Namen und in welchen Schriften, genauers, einfach Fragen.


    THUKIDIDI
    -Historiae

    ISOKRATI
    -Orationes bzw. 5 Filipi

    DEMOSTHENIS
    -Orationes/ Philippicae

    SCYLACSIS CARIANDENSIS
    -Periplus

    ARISTOTELI-1. Politica
    -2. De Animalium Hostoria

    POLIBII
    -Historiae

    SKYMNI CHII
    -Orbis Descriptio

    APOLLODORI
    -Bibliotheca

    MARK TERENTII VARRONIS
    -DE RE RUSTICA

    CICERO
    -1] Epistolae ad Familiares oder Ad Atticum also nur die Briefe

    -2] Orationes verschiedene wie In Pisonem oder Oratio pro P. Sextio, De provinciis consulariubus und Oratio de aruspiciis responsia

    C. JULIUS CAESARIS-1] Belli Gallici
    -2] Bella Civilis

    CORNELII NEPOTIS
    -Vitae/ XXV Atticus

    P. VERGILI MARONIS
    -1] Aeneidos
    -2] Georgicon

    T. Livi
    - Ab Urbe Condita
     
  15. hyokkose

    hyokkose Gast

    Nichts.

    Dein verlinkter Text ist übrigens unleserlich.
     
  16. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    D'accord! Das ist eine in keiner Weise begründbare Spekulation!
     
  17. aquilifer

    aquilifer Aktives Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 19. November 2006
  18. Jürgen

    Jürgen Neues Mitglied

    Obige Beschreibung der "Pelasgen" als gute Speerkämpfer aus Albanien deckt sich mit einer Beschreibung der sogenannten "Peltasten".

    Die Peltasten waren balkanische Hilfstruppen der... , wenn ich mich recht erinnere, ...der Römer, die gerüstet mit einem Lederhelm und einem Rundschild mit Halbkreisaussparung, bewaffnet mit zwei Kurzspeeren und einem Bündel von Wurfpfeilen als leichte Infanterie die Kampfhandlungen einleiteten.

    Ob es eine Beziehung zwischen den Begriffen "Pelasgen" und "Peltasten" gibt, weiß ich allerdings nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. November 2006
  19. Jürgen

    Jürgen Neues Mitglied

    Kürzlich sah ich einen Beitrag im Fernsehen, der die Irrfahrten des Odysseus anhand der Angaben aus der Odyssee nachvollziehen wollte.

    Hierbei wurde die nördliche Einmündung der Straße von Messina als die Meerenge von Scylla und Carybdiss identifiziert. Ein Segel oder Ruderschiff müsse auf den Felsen von Scilla (Kalabrien) zuhalten, dass heißt nach Osten fahren um in den Hafen von Messina zu gelangen, das im Südwesten liegt. Gelingt dies nicht zur rechten Zeit, so wird das Schiff durch Strömungswirbel wieder nach Norden getrieben, und landet, wenn es denn die Wirbel übersteht an der Küste der Pelasger.

    Demnach wären die Pelasger auf dem italienischen Stiefel, zwischen Stiefelspitze und Knöchel, also dem heutigen Kalabrien zu finden.

    Ein weiteres Indiz dafür wäre die Angabe aus der Odyssee, daß Odysseus vom Lande der Pelasger aus zwei Meere sehen konnte und mit einem pelasgischen Schiff nach Ithaka segelte, ohne Skylla und Carybdiss noch einmal passieren zu müssen.

    Diese Beobachtung trifft auch auf Kalabrien zu. Auch hier hat man an geeigneter Stelle freien Blick auf das Tyrrhenische Meer (mit Scylla u. Carybdis) sowie auf das Ionische Meer (ohne solche Hindernisse).

    Also ich glaube, daß das Volk der Pelasger in Kalabrien beheimatet war.
     
  20. Witege

    Witege Aktives Mitglied

    Sie waren ursprünglich thrakische Söldner der Griechen. Später gab es dann auch griechische Truppen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Peltasten
     
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