Die schönsten B-Filme

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Brissotin, 10. Juni 2015.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied


    "Rani - Herrscherin der Herzen" F 2011

    Eine Comicverfilmung, die die Gradwanderung zwischen Softporno und Angélique versucht. Oder Angélique auf etwas moderner mit noch hohleren Dialogen.

    Die "Handlung". Die völlig unschuldige Rani (Mylène Jampanoï) kommt als Schwester eines fiesen Ränkeschmieds, Philippe de Valcourt (Jean-Hugues Anglade), auf das Schloss ihres Vaters (wenn ich mich recht entsinne). Da ihr irgendwie ein Anteil am Erbe zusteht, muss sie ihr Halbbruder irgendwie aus dem Weg räumen. Da er sie nicht umlegen kann - warum eigentlich nicht? - schiebt er ihr den Diebstahl des Aufmarschplans der Franzosen zur Schlacht bei Dettingen (Huahaha!) in die Schuhe. Dann wird sie irgendwie verurteilt, entkommt, verliebt sich in einen irischen Spion, der aber auch irgendwie Engländer sein soll. Dann kommt sie irgendwann nach Indien, mal auf der Flucht vor ihrem Halbbruder, mal obenauf (also nicht auf ihrem Halbbruder, sonst wohl auf zahlreichen Männern und Frauen...). Dort ist sie dann mal Sklavin und dann an der Seite von irgendeinem Herrscher. Am Ende kommt sie als Racheengel zurück auf ihr Schloss um ihren Halbbruder umzulegen.

    Leider habe ich damals nur eine oder zwei Folgen gesehen. Das lief unter dem Motto französische Kultur mal auf Arte, was von daher stimmig ist, da Comics und dabei natürlich auch die teilweise (soft)pornographischen Erwachsenencomics zur franz. Kultur gehören. Dummerweise wurde nicht nur die Handlung übernommen, die wohl von einem Zwölfjährigen stammen könnte und auf sexuellen Fantasien und hölzernen Charakteren fußt, sondern auch die Dialoge, die an Dummheit kaum zu überbieten sind. Gerade nach dem Motto: "Ist das nicht der Geheimgang zum Schloss des Herrn von Valcourt?" "Ja das ist der Geheimgang zum Schloss des Herrn von Valcourt."
    Als ein B-Film aber so herrlich dumm und wohl auch kindisch-sexistisch, dass ich es wirklich bedauere nicht das ganze Werk damals angeschaut zu haben, als es mal auf Arte lief. Leider hat damals meine bessere Hälfte protestiert, da sie das doch zu anstrengend fand.
    Ich fragte mich schon nach ein paar Minuten, hat Anglade das Geld so nötig? Immerhin einer der besten französischen Schauspieler der Gegenwart und im "Maximilian"-Mehrteiler auch recht brillant. Er wirkte auch reichlich unmotiviert. Wer weiß wie schnell die Szenen runtergedreht wurden...
    Ich weiß garnicht mehr, was damals die Altersfreigabe oder Sendezeit war. Es wurde auf jeden Fall ähnlich Angélique viel Frauen ausgepeitscht und oftmals sinnlose Gewalt gezeigt, um das Schwarz-Weiß-Bild mit den Bösen und Guten (eigentlich fast nur Rani selbst) zu verdeutlichen.
    Ein bisschen fühlt man sich an die billig produzierten Hammer-Filme erinnert mit ihrem Mix aus Sex und Gewalt in der Spätphase.

    Auf jeden Fall ein Juwel unter den B-Filmen aus den letzten zwei Jahrzehnten!
     
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  2. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    "Was, wenn wir ihnen alles erkären könnten, die gesamte Geschichte der Welt? Was, wenn ihr ihnen sagen, dass wir nicht mal zwei Stunden bräuchten?" So fängt die B-Doku "Die Geschichte Der Welt Vom Urknall Bis Heute" (Original yt-Schreibweise) an. Pah, zwei Stunden, dass ich nicht lache. Die zwei Eröffnungsfragen dauerten 12 Sekunden, schon hatte diese Doku sich selbst erklärt. Weitere 48 Sekunden habe ich mir das Machwerk noch angesehen, dann ging es einfach nicht mehr. Vielleicht kann ja ein anderer User diesen Highscore von 60 Sekunden überbieten.
     
  3. Chan

    Chan Aktives Mitglied


    Der Autor Jean van Hamme, ein erfolgreicher Comic-Texter, plante das Projekt ursprünglich für eine TV-Verfilmung. Wegen Sarkozys umstrittener TV-Reform von 2009 kam es aber zu einer Verzögerung, die van Hamme veranlasste, die Story provisorisch in Comic-Bänden zu publizieren, bevor sie 2011 ins TV gelangte.

    Dem kann abgeholfen werden. Bei Eingabe von "Rani - Herrscherin der Herzen" findest du im Video-Bereich vier komplette deutsch synchronisierte Folgen, alle um die 50-52 Minuten lang.

    ´Sexistisch´ ist ein dehnbarer Begriff, der im Mittelpunkt der aktuellen #MeToo-Debatte steht, die - in diesem Fall zu Recht - ein weitverbreitetes machistisches Fehlverhalten anprangert. Der Begriff ´Sexismus´ bezeichnet den männlichen Tunnelblick auf die Frau als Sexualobjekt in Verbindung mit der Annahme einer grundsätzlichen männlichen Überlegenheit über die Frau. Auch wenn ich bisher nur kurze Ausschnitte der Videos gesehen habe, halte ich es für völlig ausgeschlossen, dass die Macher der Serie einen solchen sexistischen Standpunkt einnehmen bzw. zum Ausdruck bringen wollen. Der Trend geht seit einigen Jahrzehnten in der Literatur und in Filmen eher dahin, innerlich emanzipierte Protagonistinnen im Kampf gegen eine korrupte Männerwelt zu präsentieren, wobei es kaum zu vermeiden ist, dass die Heldinnen zu typisch männlichen Methoden und Verhaltensweisen greifen, um ihre Ziele durchzusetzen. Dass sie in den Stories in ´sexistische´ Situationen geraten, spiegelt die soziale Realität wieder und nicht die Einstellung der Storymacher.

    Es ist sicher raffinierter, einen Gegner mit manipulierten Beweisen ins Verderben zu manövrieren als ihn oder sie direkt zu töten oder töten zu lassen, wenn das dahinter stehende Motiv bekannt ist. Wie jeder Krimi-Zuschauer weiß, fällt ein Tatverdacht zuerst auf die Person, die das Mittel, die Gelegenheit und ein Motiv für die Tat hat. Der Halbbruder würde bei einer Tötung der Protagonistin also sofort als Verdächtiger gelten.

    Nach meiner Erfahrung ist es aus Gründen der Konzentration suboptimal, Filme in Gegenwart anderer Personen anzusehen, auch wenn es sich um die Ehefrau handelt. Man rezipiert die Details viel genauer, wenn man sich einen Film alleine anschaut. Interessant finde ich persönlich bei der Rani-Serie auch den Score von Fabrice Aboulker, da ich mich im Moment im Produzieren von Tracks im Stil von Hans Zimmer (z.B. "King Arthur") und Steve Jablonsky ("Transformers") versuche, an denen sich auch Aboulker orientiert, wie so viele Filmkomponisten unserer Tage. Schon die bewusst etwas süßlich gestaltete Titelmelodie im Vorspann mit ihrer pathetischen um zwei Halbtöne erhöhten Reprise, wie sie für Filmmusik typisch ist, demonstriert den Novela-Anspruch der Serie, sie ist eine intendierte Message an das Publikum, die Erwartungen nicht zu hoch zu hängen. Die sich unmittelbar daran anschließende Musik in der ersten Szene der Folge "Auf der Flucht", als sich ein Reiter einem Schloss nähert, ist dann wieder typischer dramatischer Hans-Zimmer-Sound. Ich betone das, weil der Score ein bedeutendes Element eines Filmes ist. Im Unterschied zu ´Rani´ hat z.B. die Serie ´Game of Thrones´ eine hochklassige Titelmelodie, geschrieben von Ramin Djawadi, wie Jablonsky ein Star aus der Hans-Zimmer-Schule. Damit signalisiert der Vorspann, anders als in ´Rani´, dass nachfolgend etwas höchst Anspruchsvolles zu erwarten ist.

    Dass die Rani-Story auch von einem 12-jährigen stammen könnte, wie du schreibst, erscheint mir doch arg übertrieben, außer der 12-jährige wäre frühreif.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Dezember 2017
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  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1.
    Krass. Hätte ich nicht gedacht. Aber denkbar wäre doch, dass der Comic-Texter sich schon von seinem Genre stark beeinflussen ließ. Also es ist nicht so, dass ich französische Erwachsenen-Comics dieser Art besäße, habe aber sowas durchaus mal in der Bahnhofsbuchhandlung durchgeblättert und hatte den Eindruck eines solchen Schemas. Gewalt - Sex - Handlung - Gewalt - Sex - Handlung. So in der Art.

    2.
    Danke!:) Wenn ich die David-Balfour-Miniserie von 78 durch habe, wage ich es vielleicht nochmal.

    3.
    Mir scheint hier der emanzipierte Unterton mit den durchweg bösen Männerfiguren aber eher wie ein Vehikel, wie wenn in den 70ern Emmanuelle etwas von Freiheit etc. faselte und doch primär auf die Rolle als Lustobjekt fixiert war. Dass Rani auch eine kämpfende Actionheldin ist, macht die Sache nicht besser.
    Ich weiß nicht, welche soziale Realität die "sexistischen Situationen" widergespiegelt haben sollen. Dafür war mir die Handlung zu hanebüchen.
    Ich weiß nicht, ob jemand die soziale Realität des 18.Jh. wirklich sehen wollte. Ziemlich ungerecht und im wahrsten Sinne des Wortes sexistisch, aber eben nicht konstruiert wie hier.

    4.
    Wenn da mal etwas raffiniert gewesen wäre. Unter einer raffinierten Intrige stelle ich mir sowas wie in "Tödliches Geheimnis" vor.
    Andererseits warben auch die Trailer schon mit dem Reißerischen (und Abwechslungsreichen) der Story.

    5.
    Manche Filme sind gemeinsam besser zu ertragen, langweilen weniger. Meistens schaue ich sowas beim Nähen oder so. Da kann es auch mal was weniger anspruchsvolles sein, wo man sich nicht konzentrieren braucht.

    6.
    Vielleicht sollte ich nicht von mir auf andere schließen. :oops:;)

    Vielen Dank für die Impulse, auch wenn ich anderer Meinung bleibe. :)
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    When the Redskins Rode (1951) Regie: Lew Landers

    Eine Art Mix aus Indianerwestern und Mantel- und Degenfilm, angesiedelt in den 1750ern. Gut allerdings, wenn man weiß, wann es spielen soll, da die Handlung kaum Bezüge zur Geschichte hat. Ein paar historische Figuren wie Washington und Gist kommen vor. Die Ausstattung ist ein Äquivalent zu den Mantel- und Degenfilmen aus Europa. Die Damen tragen Kostüme, die wohl durch "Vom Winde verweht" inspiriert sind. Die Indianer werden der Einfachheit halber im Erscheinungsbild etc. denen aus dem 19.Jh. angeglichen, statt Waldindianer des 18.Jh. zu zeigen. Auch die Vegetation etc. hat nichts mit dem Grenzland zwischen Kanada und den 13 Kolonien zu tun, sie erinnert eher an Steppe.
    Das gesamte Erscheinungsbild weist einfach Parallelen zu Konstruktionen des italienischen Sandalenfilms auf, wo Robin Hood in kurzen Hosen gegen Piraten kämpfen darf.
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Erstmal zu "Hektor, Ritter ohne Furcht und Tadel". Es gibt irgendwo eine HP, wo geschnittene Szenen aus dem Film gezeigt werden in Screenshots und da wird deutlich, dass der Film ursprünglich tatsächlich noch deutlich weniger als Klamotte angelegt war. So wie eine Stelle, an der einer der Gefährten von Hector, von den Franzosen massakriert aufgefunden wird. V.a. die Klopperei am Ende steht da in einem eigenwilligen Kontrast zu den ansonsten eher ernsthaften Momenten.

    Ein waschechter B-Film ist ein weiterer "historischer" Film mit Bud Spencer: "Freibeuter der Meere" (Il corsaro nero") von 1971.
    Die Handlung ist recht einfach. Blackie (Terence Hill) hat es aufs ganz große Geld abgesehen. Er weiß dass ne Menge Kohle bei den Spaniern zu holen ist. Aber seine Konkurrenz auf Tortuga schläft auch nicht, v.a. der eher tumbe Kapitän Skull (Bud Spencer). Blackies Gegner schaffen es zwar sein Schiff in ihre Gewalt zu bringen, kommen aber nicht hinter den Ort, wo das Gold der Spanier ist. Irrigerweise greifen sie die Stadt San Luis von der Landseite an, während die Spanier einen fingierten Angriff von See abwehren in dem Blackies Schiff geopfert wird. Blackie gelingt sich zu befreien und schnappt sich Skulls Schiff, welches aber ein recht schwacher Trost für sein eigenes ist. Skull darf sein Schiff in den Tod steuern. Denn Blackie weiß, dass die Spanier gut getarnt auf einem Schiff das Gold retten wollen, greift sie an und erobert das Gold. Am Ende stellt sich heraus, dass er kein gewöhnlicher Pirat sondern Freibeuter der englischen Krone ist.

    Anders als in anderen Piratenfilmen gibt es zumindest schemenhaft korrekte Zusammenhänge. Tortuga war wirklich eine Weile eine Seeräuberhochburg und wirklich ganz in der Hand der Seeräuber. Auch der Konflikt zwischen Spaniern und Kapern aller möglicher Nationen hat ein bisschen historischen Hintergrund (ungefähr wie in Klassikern des Genres wie "The Black Swan" mit Tyrone Power, Maureen O'Hara und Anthony Quinn).
    Zum absoluten B-Film wird er allerdings bei der Ausstattung, die eine wilde Jagd durch 3 Jahrhunderte ist. Die offensichtliche alte, abgetragene Kleidung von Skull z.B. ist die "modernste" - schaut ein bisschen nach 18.Jh. aus - die coolen schwarzen Klamotten von Blackie sind vom 17. Jh, inspiriert und die Spanier leben klassischerweise noch im 16. Jh..
    Da man offenbar kein Geld für Schiffe hatte, wurden sämtliche Szenen mit Schiffen zur See aus dem Film "Unter der Flagge des Tigers" (El tigre de los siete Mares) von 1966 recycelt. Das gibt dem Film einen zusätzlich billigen Anstrich. Man erkennt sogar manchmal die Trikolore am Schiff, das im Originalfilm als "Confiance" fungiert und die Masten und Segel passen garnicht zu den Szenen von "Freibeuter der Meere".
    Für einen Spencer/Hill-Film eher langweilig mit müden Gags. Wahrscheinlich liegt es auch daran, dass das Konzept damals erst recht neu und noch nicht ausgereift war.

    Es gibt noch einige weitere Filme mit Bud Spencer vor eindeutig historischem Hintergrund wie "Die fünf Gefürchteten"(69) (Mexikanische Revolution), "Die im Dreck krepieren" (ernsthafter (Anti)kriegsfilm von 69) und "Sie verkaufen den Tod" (Amerikanischer Bürgerkrieg, eher brutaler Italowestern mit James Coburn, 72).
     
    Riothamus, Saint-Simone und Teresa C. gefällt das.
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Sehr lohnenswert sind offensichtlich die italienischen Versuche im Bereich des Piratenfilms Fuß zu fassen. Die Schiffe in diesen Streifen sehen ja oft zum Brüllen aus und funktionieren weder von den Segeln her, noch was die Bewaffnung anbelangt.

    Einige versuchten das Thema Seegefechte - wohl auch aus Budgetgründen - ganz außen vor zu lassen wie "Der Korsar vom Roten Halbmond" (1957).

    Sehr schön "Der schwarze Seeteufel" (Gordon il pirata nero) 1961. Die Kanonen stehen irgendwie auf dem Hauptdeck, keine Stückpforten und nichts weshalb sie nur praktisch in die Luft schießen könnten. Das Krähennest ist so geschickt angebracht, dass der Ausguck gegen das Segel gucken muss, auch gehen die Wanten einfach nicht höher und es bleibt ein Rätsel wie die Piraten denn überhaupt diese lächerlichen Segel setzen wollen, deren Segelfläche in Relation zur Größe des "Schiffes" viel zu klein wäre, wenn man dieses Schiff denn überhaupt als ein solches erkennen kann, denn es ist einfach No Period. Keine Brigantine und keine Galeone, eher ein verkrüppeltes modernes Schiff mit aufgeklebten Anbauten. Die Handlung nach den bewährten Mustern. Die Kostüme eben wie auf Sandalenfilmniveau die Römer etc.. Beliebt waren damals moderne Sportdegen für die Duelle...
    Wenn diese Filme nicht von heutigem Standpunkt her so schrecklich langweilig wären, würde ich mir ja mal ne Reihe für diesen Thread hier extra antun. ;)
     
    muheijo gefällt das.

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