Distanz zwischen Juden und Heiden

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von alsombra, 24. August 2018.

  1. alsombra

    alsombra Neues Mitglied


    Ich muss für Religion mind. eine A4 Seite Stichpunkte zur Distanz bzw. dem Zusammenleben von Juden und Heiden zur Zeit Jesu zusammentragen. Mir ist bekannt, dass Heiden für orthodoxe Juden nicht viel mehr als Tiere waren und die Juden ihrerseits von den Römern wegen ihrer Ablehnung des Kaiserkults diskriminiert wurden. Das reicht aber kaum für eine A4 Seite und im Internet finde ich wenig konkretes. Für Infos aus theologischen oder historischen Quellen bzw. Links zu entsprechenden Webseiten wäre ich sehr dankbar. Je mehr desto besser!
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. August 2018
  2. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Bist Du sicher, dass der Kaiserkult zur Zeit Jesu schon so ein Thema war?
    Und für das mit den Tieren solltest Du auch einen Beleg finden. (Das mag zwar nicht ausgeschlossen sein, aber soo verbreitet ist die Erkenntnis nicht, dass sie vorher schon zu einem einfachen Seemann durchgedrungen wäre.)
    Mit welchen Heiden hatten die Juden denn zu tun: a) daheim, b) im heidnischen Ausland?
    Sagt die Bibel etwas zum Verhältnis Juden-Römer?
    Eine Biographie Herodes' des Großen?
     
  3. alsombra

    alsombra Neues Mitglied


    Ja. Augustus wurde zwar erst nach seinen Tod zum Gott erhoben, aber im griechisch geprägten Osten, wo man mit der Vergöttlichung von Herrschern schon vertraut war, geschah das bereits zu seinen Lebzeiten.
    Wir haben "Die syrophönizische Frau" - Mk 7,24-30 behandelt. Jesus spricht darin von Hunden und in der Texterklärung steht: "Bezeichnung der Heiden, der Nicht-Juden, durch fromme Juden, da sie als unreine Tiere galten."
    Auf jeden Fall mit dem griechisch-römischen Heidentum, sowohl im In- als auch im Ausland.
    Ich bin mit der Thematik weder theologisch, noch historisch vertraut. Deswegen habe ich ja das Thema eröffnet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. August 2018
  4. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Das ist einigermaßen interessant. Ich habe jetzt mal nach der von Dir angegebenen Bibelstelle gegoogelt, ich kannte die gar nicht. Zunächst die Einheitsübersetzung. Da habe ich offen gestanden nicht verstanden, wie von dem Minigleichnis auf "Heiden=Hunde" geschlossen werden kann. Wobei ich da auch das ganze Gleichnis nicht verstanden habe.

    Das habe ich erst verstanden, als ich beim ca. dritten Treffer auf eine völlig andere und wortreichere Übertragung mit entsprechender Texterklärung gestoßen bin. Und bei der ist eine Deiner Aussage sehr ähnliche Erläuterung mundserviert dabei. Ich verlinke ausdrücklich nciht, da ich Bedenken habe:
    Das war eine ".ch"-Domain, die am Ende auf Livenet zurückverweist. Livenet wiederum ist ein evangelikaler Verein, der anscheinend sehr missionarisch tätig ist. Und genau dieser Eindruck hatte sich bereits vor diesem Check beim Lesen der Textstelle und Erläuterung bei mir breit gemacht, dass wir es hier mit evangelikalen Christen zu tun haben. Diplomatischer Versuch: Evangelikale sind Menschen mit einem ganz besonderen und besonders starken christlichen Glauben, der sich imho mehr am Gottesbild des Alten Testaments orientiert als an dem Reformer Jesus.

    Wie oben angedeutet: Damit will ich weder eine hier nicht erwünschte theologische Debatte auslösen und auch nicht behaupten, dass Pharisäer u. ä. nicht tatsächlich Heiden als Hunde bezeichneten. Ich - als ebenso Nichttheologe - finde aber, dass in diesem Fall in das Minigleichnis doch sehr sehr viel hinein interpretiert wird.

    (Und Jesus persönlich hatte offensichtlich kein Problem mit Römern - siehe die Episode mit dem Hauptmann von Kapharnaum Evangelium nach Matthäus (8,5–13 EU) - der war ja sogar Besatzer und sein Diener wurde trotzdem geheilt.
    Eigentlich war ja einer wie Jesus eher der Typ, der von den orthodoxen Juden nicht wirklich gemocht wurde.) Ich rate bei der oben dargelegten Auslegung zur Vorsicht.

    Mit der Herodes-Biographie meinte ich, dass Du über diesen - Juden, der ein enges Verhältnis zu den - Römern pflegt und in seinem Land u. a. deswegen auch Gegner hatte, herausfinden kannst, was denn seine Opposition von diesen diesen diesen Römern hielt. Da hilft ggf. schon ein Blick in ein Internetlexikon.

    Und zum Kaiserkult, der im hellenistischen Osten auf Vorbilder, z. B. die Vergöttlichung Alexanders des Großen zurückgehen soll, schreibt Wiki:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_der_Große

    Historisch könnte man ggf. noch untersuchen, wie sehr sich die Juden nicht mit den Römern, den Heiden, sondern mit den Römern, den Besatzern auseinandersetzten. Für diese waren die Juden durch ihre ständigen Rebellionen nun ja wirklich "a pain in the ...". Auf der anderen Seite müsste man aber ebenso mal schauen, wie gut die Juden mit den Heiden im Osten (Parthern) oder im Süden klarkamen. Alttestamentarisch z. B. waren die Baylonier, die Eroberer, verrufen, während die (achämenidischen) Perser, die Befreier, in sehr positivem Licht dargestellt werden. Womöglich spielen selbst in den jüdischen Schriften die politischen Verhältnisse eine große Rolle bezüglich gut und böse. Auch das Verhältnis zu Ägypten kennt im Alten Testament gute und schlechte Zeiten.
     
  5. alsombra

    alsombra Neues Mitglied

    Ich lese gerade; Die Römer haben das Judentum als religio licita anerkannt. Damit waren Juden, im Gegensatz zu Christen vom Kaiserkult befreit: Kaiserkult – Wikipedia
    Das ist schon mal hilfreich. Falls dir noch mehr einfallen sollte, kannst du es gerne posten.
     
  6. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Ich fühle mich geehrt...
     
  7. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Von "orthodoxem" Judentum zur Zeit Jesu zu sprechen, halte ich für einen Anachronismus.

    Mit der Herodes-Biographie meinte ich, dass Du über diesen - Juden, der ein enges Verhältnis zu den - Römern pflegt und in seinem Land u. a. deswegen auch Gegner hatte, herausfinden kannst, was denn seine Opposition von diesen diesen diesen Römern hielt. Da hilft ggf. schon ein Blick in ein Internetlexikon.

    Ein Thema war er spätestens einige Jahre später unter Caligula, über den Philo von Alexandria schreibt:

    "allein den Juden traute er nicht, weil sie allein entgegengesetzte Bestrebungen hatten und sie gleichsam von der Wiege an, von Eltern, Erziehern und Lehrern und noch viel früher durch die heiligen Gesetze und auch durch die nicht schriftlich festgelegten Sitten gelernt hatten zu glauben, dass es nur einen Gott, den Vater und Schöpfer der Welt, gebe. Denn alle anderen Menschen, Männer, Weiber, Städte, Völker, Länder und Erdteile, ob sie auch über das seufzten, was geschah, schmeichelten ihm nichtsdestoweniger, verherrlichten ihn über alle Maßen und vergrösserten dadurch seinen Dünkel. Einige brachten sogar die barbarische Sitte der Proskynesis, der fußfälligen Verehrung, nach Italien und schändeten dadurch den Adel der römischen Freiheit. Nur das auserwählte Volk der Juden war des Widerstands verdächtig, da es gewohnt war, freiwillig alle Arten des Todes auf sich zu nehmen, als ob es in die Unsterblichkeit ginge, weil sie es nicht dulden mochten, dass etwas von ihren väterlichen Sitten, und wenn es auch das Geringste ware, abgeschafft würde. Denn es steht mit diesen ebenso wie mit einem Gebäude: nimmt man einen Stein heraus, so senkt es sich, wenn es auch noch so fest zu stehen scheint, nach der leeren Stelle zu, wird brüchig und stürzt schliesslich ein. Es war aber durchaus nichts Geringes, was da vor sich ging, sondern das Grösste, was es gibt: ein geboreness und vergängliches Menschenwesen, so schien es, sollte zu einem ungeborenen und unvergänglichen Gott gemacht werden, was das jüdische Volk für die schlimmste Gotteslästerung hielt - denn eher könnte sich ein Gott in einen Menschen als ein Mensch in einen Gott verwandeln - , abgesehen davon, dass es noch die andern äussersten Übel hätte auf sich nehmen müssen: den Unglauben und die Undankbarkeit gegen den Wohltäter der ganzen Welt, der durch seine Kraft allen Teilen des Weltalls unermessliche Reichtümer an Gütern schenkt. So wurde also gegen dieses Volk der grösste und unvorhergesehene Krieg angezettelt. Denn was gibt es für Sklaven an schlimmerem Übel als einen ihnen feindlichen Herrn? Sklaven aber sind die Untertanen eines selbstherrlichen Kaisers, und wenn sie keine Sklaven eines der früheren Kaiser waren, weil diese mit Milde und nach den Gesetzen regierten, so waren sie doch Sklaven des Gaius, der allen Edelmut aus seiner Seele gerissen hatte und für die Ungesetzlichkeit eiferte - denn er hielt sich selbst für das Gesetz und löste die Gesetze jedweden Gesetzgebers auf, als wären es leere Worte - ; wir aber wurden nicht nur Sklaven, sondern auch unter die verachtetsten aller Sklaven gestellt, als sich der Herrscher zum Despoten wandelte."

    Zit. nach Hans Leisegang: Philons Schrift Über Die Gesandtschaft Der Alexandrinschen Juden An Den Kaiser Gaius Caligula on JSTOR

    Konfliktstoff gab es aber schon vorher. So überliefert Flavius Josephus folgende Begebenheit:

    Juedischer Krieg/Buch II 1-9 – Wikisource
     
  8. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

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