Erziehung im 19.Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Kultur- und Philosophiegeschichte" wurde erstellt von Gast399, 9. November 2007.



  1. Gast399

    Gast399 Gast

    Hallo,
    ich muss in der Schule ein 20-Minuten langes Referat über die Kindererziehung im 19.Jahrhundert in Deutschland halten. Der Schwerpunkt soll die Vater-und Mutterrolle sein.Ich habe vor, die Erziehung der Bauer und Bürger in der Agrargesellschaft mit der Erziehung der Bürger und Arbeiter in der Industriegesellschaft zu vergleichen. Ich habe schon verzweifelt nach geeigneter Literatur gesucht, jedoch nur sehr wenig gefunden.Habt ihr vielleicht Bücher oder Hausarbeiten oder sonstiges über mein Referatthema.Ich würde mich echt freuen und ihr würdet mir einen großen Gefallen tun, wenn ihr mir helfen würdet.
    Vielen Dank im Vorraus
     
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

    Der
    ermutigt mich nicht sonderlich.
     
  3. Gast 399

    Gast 399 Gast

    hey,
    es tut mir leid, dass ich gestern zu müde war, um einen Rechtschreibfehler zu übersehen.Kannst du mir trotzdem helfen?
     
  4. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

  5. Muspilli

    Muspilli Neues Mitglied

    Versuch es doch mal mit Familienforschung - Zur Einführung: http://www.systemagazin.de/bibliothek/texte/koenig_familiensoziologie.pdf

    Ansonsten erinnere ich mich, daß in der folgenden Buchempfehlung auf jeden Fall auch solche Informationen, die deine Fragestellung, nämlich Untersuchungen bezüglich der bürgerlichen, proletarischen und bäuerlichen Erziehung zu finden sein müßten:
    Prof. Dr. Heidi Rosenbaum, "Formen der Familie. Untersuchungen zum Zusammenhang von Familienverhältnissen, Sozialstruktur und sozialem Wandel in der deutschen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts", Frankfurt: Suhrkamp 1982 (630 S.), 7. Aufl. 1996.

    Sofern es sich nicht um dieses Buch handelt, das ich zwar selbst habe, aber gerade nicht finde, werde ich das morgen Mal korrigieren.
    Und viel Erfolg!
     
  6. Gast399

    Gast399 Gast

    Vielen Dank dafür, dass ihr euch die Zeit genommen habt zu antworten.
     
  7. TGDarmstadt

    TGDarmstadt Neues Mitglied

    Vielleicht hilft dir auch diese Buch weiter:

    Ludwig Fertig (Hg.): Bildungsgang und Lebensplan. Briefe über Erziehung 1750-1900. Darmstadt 1991.

    Darunter sind einige Briefe von Eltern und Kindern, die zudeinem Thema passen.
     
  8. Muspilli

    Muspilli Neues Mitglied

    Also ich habe tatsächlich das Buch gefunden und es ist Rosenbaums "Formen der Familie". Dort steht auch etwas über die jeweiligen Rollen der Eltern drin.
    Dann habe ich in meiner Sammlung noch eines von Reinhard Sieder, Sozialgeschichte der Familie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1987.
    Aber was die Empfehlung betrifft, tendiere ich zu Heidi Rosenbaums grundlegender Arbeit zum Thema!
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Rosenbaum gehörte zu den Göttinger Professoren, die in Seminaren und bei Projekten im persönlichen Umgang oft nur schwer zu ertragen war, ihr Buch über Familienforschung ist allerdings ein Standardwerk und auch gut lesbar geschrieben.

    Muspilis Literaturtipp kann ich mich daher nur anschliessen
     
  10. Franziska P.

    Franziska P. Neues Mitglied

    Hallo!:)
    Ich muss auch ein Reverat machen. Bei mir liegt der Schwerpunkt bei der Erziehung selbst. Wie sie erzogen wurden, ob sie geschlagen wurden .... . Ich habe schon länger im Internet gesucht (auch bei google). Habe aber leider nur wenig gefunden. Auch bei den links dir ihr hier angegeben habt. Könnt ihr mir trotzdem bitte helfen ? Es wäre auch sehr nett, wenn ihr es gleich in die Nachricht schreibt.

    lg Franziska ;)
     
  11. Lili

    Lili Moderatorin

    Hallo Franziska, mir ist deine Frage noch etwas zu schwammig um wirklich drauf antworten zu können. Geht es dir um die Erziehung in der Familie? Was willst du dabei genau wissen? Geht es dir mehr um empfohlene Erziehungsstile, oder um die Rollenverteilung innerhalb der Familie des 19. Jahrhunderts, um idealtypische Vorstellungen im Wandel der Zeit, oder doch um die Realität? Welche gesellschaftliche Schicht willst du betrachten? Welches Land, bzw. welche Region? In welcher Klasse bist du, wie lang soll dein Referat werden?
     
  12. Franziska P.

    Franziska P. Neues Mitglied

    Hallo Lili, danke das du so schnell auf meine Frage antworten konntest. Mir geht es eigentlich um die Erziehung innerhalb der Familie vor etwa 100 Jahren. Ich würde gern wissen wie es dort zuging, wie sie erzogen wurden ,oder was sie durften/nicht durften. Mir geht es eigentlich weniger um die Rollenverteilung, aber trotzdem um die Realität. Es wäre sehr toll, wenn es um die Erziehung in Österreich handelt. Aber das ist nicht so wichtig. Mein Reverat soll circa 10 Minuten werden, aber von diesem Thema brauche ich nur circa 3-5 Minuten. Ich bin in der 9. Schulstufe.
    Ich hoffe du kannst mir weiterhelfen.
    lg Franziska :)
     
  13. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

  14. Franziska P.

    Franziska P. Neues Mitglied

    hallo,
    Vielen, vielen Dank!! Werde mir gleich alles durchlesen. :)
    lg F.
     
  15. Lili

    Lili Moderatorin

    Wirklich ein toller Film, allerdings spielt er in einem protestantischen Umfeld, das lässt sich nicht 1:1 auf ein katholisches Umfeld übertragen.

    @Franziska: du suchst also was zur innerfamiliären Kindererziehung im frühen 20. Jahrhundert, richtig? Verreätst du mir noch, welche gesellschaftliche Schicht du betrachten willst? Und woraus besteht der Rest deines Referats? Schließlich sollte ja ein roter Faden innerhalb des Referats vorhanden sein.
     
  16. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Hallo Franziska,
    eigentlich kann die Frage nicht schlüssig beantwortet werden, da es sicherlich in jeder Familie anders zuging. Mir fällt spontan auch keine Quelle im Internet ein. Was eventuell helfen kann, sind Dichter und Schriftsteller aus dem 19. Jh., wenn auch die wenigsten von ihnen etwas über ihre Kindheit und Jugend geschrieben haben. Ich versuche mal ein paar Dinge aufzulisten, von denen ich glaube, dass sie im Allgemeinen üblich waren - aber unter Vorbehalt:

    - Die Erziehung war gundsätzlich strenger als heute, Verstöße wurden teilweise mit drakonischen Strafen geahndet und nicht nur von den Eltern. Unartigkeiten, die die Kinder in ihrer Freizeit ausheckten, wurden nicht nur im Elternhaus bestraft, sondern auch in der Schule.

    - Die Kinder haben ihre Eltern gesiezt. (In Ungarn war das noch bis vor etwa 50 Jahren üblich, in einzelnen Familen gibt es das noch heute. In Österreich hat sich das auch recht lange gehalten, soweit ich weiß)

    - Bei Tisch musste geschwiegen werden, Kinder hatten grundsätzlich keine Redeerlaubnis bei Tisch.

    - Bei Tisch bekam der Vater grundsätzlich als erster und grundsätzlich das bevorzugte Stück Fleisch, die Kinder hatten zu warten, bis der Vater mit dem Essen begonnen hatte (die Frau übrigens auch). War der Vater fertig mit seiner Mahlzeit, musste der Rest der Famile ebenfalls aufhören, egal ob sie satt waren oder nicht.

    - Den Eltern widersprach man grundsätzlich nicht. In die Erziehung mischten sich neben den Eltern auch noch weitere Angehörige der Verwandtschaft, Nachbarschaft, die Schule, der Pfarrer, etc.

    - Auf die Sauberkeit, Pünktlichkeit und Höflichkeit der Kinder wurde größten Wert gelegt, noch bei meinen Eltern (heute 70 jährig) wurden täglich die Fingernägel in der Schule kontrolliert, auch mussten sie immer ordentlich gekämmte Haare vorweisen und über ein sauberes Taschentuch verfügen. Kinder hatten immer mit Knicks oder Verbeugung gegenüber Erwachsenen ihren Respekt auszudrücken.

    - Die religiöse Erziehung hatte einen enorm hohen Stellenwert. Vor den Mahlzeiten wurde grundsätzlich gebetet, Beten in der Schule und sonntäglicher Kirchenbesuch waren Pflicht

    Das hört sich jetzt natürlich ziemlich krass und überspitzt an, ist es vielleicht auch.... es ist das, was ich aus Erzählungen und Lebensbeschreibungen aus dem 19. herausgelesen habe. Ich erhebe also KEINEN Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit, aber vielleicht liefert es Dir doch den ein oder anderen Hinweis.

    Manchmal kann es auch ganz nützlich sein, Großeltern oder liebe ältere Nachbarn zu fragen, denn auch die hatten Großeltern... ;)

    Liebe Grüße
    KeineAhnung
     
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  17. Franziska P.

    Franziska P. Neues Mitglied

    Vielen Dank, dass du dir so viel Mühe gibst. Die gesellschaftliche Schicht ist mir eigentlich nicht so wichtig. Mein restliches Reverat handelt von der Jugend früher und heute (wie es in der Schule zuging und dort würde ich noch gern hineinschreiben, wie die Erziehung innerhalb der Familie war). Sonst handelt es sich nur mehr über das Alter(ob man heute anders altert als früher). Aber bitte zerbrich dir nicht den Kopf wegen mir, es muss wirklich nicht so genau sein.:)
     
  18. Franziska P.

    Franziska P. Neues Mitglied

    vielen Dank für diese lange Nachricht. Einiges davon kam mir sogar bekannt vor. :)
    lg,
    . Franziska
     
  19. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Lili

    Da hst Du recht. Die aus heutiger Sicht, rigide und autoritäre Erziehung der Kids, wird sich im katholischen Umfeld nicht fundamental vom protestantischen unterschieden haben.

    Natürlich hatte der katholische Pfarrer keine Familie. :pfeif:


    M.
     
  20. Lili

    Lili Moderatorin

    Zumindest nicht offiziell ;)

    @Franziska: ab ca. 1890 hat sich in der Erziehung und im Erziehungsverständnis viel getan. Zunächst wären die kulturellen Einflüsse, die Einfluss auf die Erziehung haben. Jedes ideologische Lager hatte eine andere Meinung zur familiären Erziehung und v.a. wie dabei die jeweilige ideologische Vorstellung am besten weitergegeben werden kann. Außerdem fallen in diese Zeit auch die ersten Forschungen zur kindlichen Entwicklung, eine durchgreifende Veränderung der Erziehungsverhältnisse durch den demographischen Wandel sowie den Zerfall der Großfamilie. Weiterhin in diesen Zeitraum fällt die sog. "Entdeckung der Jugend". In früheren Zeiten war man Kind und dann Erwachsener, eine Übergangsphase wie wir sie heute kennen, gab es davor noch nicht.

    Der Erziehungsstil lässt sich allgemein als autoritär beschreiben, wobei der Vater zwar das Oberhaupt der Familie, die Mutter aber hauptamtlich zuständig für die Erziehung war. Entsprechend den gesellschaftlichen Geschlechterrollen wurden Jungen und Mädchen unterschiedlich erzogen, was zum einen die Freiheiten, aber auch die Pflichten innerhalb des Haushalts und der Familie betrifft. Insobesondere Spielzeug wurde dazu genutzt, Kinder auf ihre spätere gesellschaftliche Rolle spielerisch vorzubereiten. Die Vermittlung erzieherischer Inhalte erfolgte in der Regel durch Bestrafung unerwünschten Verhaltens, wobei die Strafen durchaus auch körperlich waren. Neben Schlägen aber auch Nahrungsentzug und Arbeitsstrafen.
     

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