Ethnische Minderheiten bei den Wikingern ?

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von VendelPanzer, 7. August 2018.


  1. Gab es bei den Wikingern damals Minderheiten ? Sprich auf den Raubzügen oder im Alltagsleben. Die Waräger beispielweise waren ja in Byzanz, Osteuropa oder im Kaukasus. Kann es sein das sich dann einheimische den Warägern angeschlossen haben oder ist das mehr als unrealistisch ?
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ich glaube nicht, dass die diversen dänischen, schwedischen und norwegischen Wikinger die Muße hatten, nach ethnischen Kriterien des 19. Jhs. akribisch demografisch Buch über ihre Mitwikinger zu führen ;)

    was die byz. Warägergarde betrifft: welche Sprache verwendeten die untereinander? Noch irgendwas nordgermanisches oder schon altrussisch?
     
  3. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied


    In den Sagas kommen mitunter Personen mit Migrationshintergrund vor. In Zusammenhang mit Vinland z.B. Thirk der Sachse, der den namensgebenden Wein entdeckt haben soll. Während der Sachsenkriege Karls des Großen suchte Widukind und wohl auch andere Sachsen in Dänemark Rückhalt.

    Aber: "Wikinger" ist kein Ethnonym. An den Annalen des 8./9. Jahrhunderts kann festgestellt werden, wie zumindest geographisch differenziert wurde, sobald die Herkunft einer Bande Plünderer klar wurde. Und die Einteilung in Norwegen, Schweden und Dänemark wurde erst in der "Wikingerzeit" grundgelegt. Da stellt sich dann auch die Frage, wie man die Ethnizität im Skandinavien dieser Zeit beurteilen soll. Waren es nur Machtbereiche und Personenverbände adliger Gefolgschaftsherrn oder gibt es Hinweise auf ein differenzierteres ethniches Verständnis. Bejaht man letzteres, bleibt fraglich, ob man noch brauchbare Hinweise auf solche Einteilungen hat.

    Wie schon von dekumatland gesagt, gab es natürlich die Vorstellungen des 19. Jh. von Nation und Volk noch nicht. Damit war dann, wenn man auf den Rest Europas schaut, eher Fragen, welches Recht angewandt werden soll und ob sich jemand schon genug assimiliert hat, um als xy zu gelten, im Vordergrund und nicht die Frage nach Minderheiten.

    Bei dem Thema Außenseiter im Mittelalter geht es meist eher um christliche Kulturen. Aber wenn dazu z.B. Arno Borst konstatiert, dass Außenseiter als außerhalb des normalen Bezugssystems stehend behandelt wurden, mag dies auch für die heidnischen Kulturen Nordeuropas gelten. Natürlich förderte das Christentum in dieser Zeit eine gewisse Internationalität oder Weltbürgertum jenseits von Ethnizität und der Eindruck von den so international denkenden Wikingern mag auf die Quellen oder gar auf die Auswahl uns in Mitteleuropa bequem zugänglicher Quellen zurückgehen. Doch liegt hier sicher ein anderer Umgang mit Ethnizität vor, als es uns das 19. Jahrhundert erklären wollte.

    Die rechtsgeschichtliche Gleichsetzung von fremd und feindlich ist auch nicht im wörtlichen Sinn zu verstehen. Feind war, wer nicht zur Familie, nicht zur Sippe gehörte und sich keine Freundschaft oder einen anderen Status erworben hatte, der ihn von den Feinden ausnahm. Ethnizität war dabei weitgehend egal. Zudem wäre heute auch wieder zu überprüfen in wie weit diese allgemeine Annahme bei "den Wikingern" zu aktualisieren ist. Denn die Tendenz, alles 'germanische' im weitesten Sinn gleich zu behandeln, zieht sich teilweise noch bis in heute benutzte Handbücher und Zusammenfassungen.

    Wird die Frage wörtlich genommen, muss konstatiert werden, dass Wikinger nur die Mitglieder einer Art Fahrtgemeinschaft meinte und daher die Ethnizität innerhalb der Gemeinschaft keine Rolle spielte. Eine unterschiedliche Sozialisation natürlich schon, da sich dies nun einmal nicht vermeiden lässt.

    Langer Rede, kurzer Sinn: Es ist erst einmal zu klären, ob unsere heutigen Begriffe damals anwendbar sind.

    Wenn es aber nur um einzelne Außenseiter geht, ist festzustellen, dass es recht sicher ist, dass es Außenseiter in Skandinavien und auch in Skandinavischen Heeren gab. Aber genauso ist sicher, dass es eben Ausnahmen waren. Ein Enkel muss nichts mehr von einem Migrationshintergrund gewusst haben. Dies lässt dann solche Gesellschaften einheitlicher erscheinen, obwohl die Herkunft nicht einheitlich sein muss. Wir wissen heute, dass es keine Ethnien mit einheitlicher Herkunft gibt, wenn man von Ausnahmen wie isolierten Ethnien absieht. Auch gesellschaftlicher Druck kann so etwas nicht durchsetzen: Als es während des 1. Weltkriegs im Ruhrgebiet zu Vorurteilen gegen Polnische "Gastarbeiter" und Herkunft kam, fanden viele kirchliche Eheschließungen heimlich statt. (Dabei wurde eine kirchliche Regelung aus der Zeit des Kulturkampfs ausgenutzt, die in Notzeiten Laien Eheschließungen erlaubt.)
     
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  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Harald Hardråde war zeitweise Mitglied der Warägergarde in Byzanz und später norwegischer König. Er fiel 1066 beim Versuch, sich Teile vom angelsächsischen Kuchen zu holen bei Stamford Bridge.
     

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