Ethnogenese der Türken

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von Dieter, 11. Mai 2007.

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  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Natürlich haben Vorkämpfer eines Freiheitskampfes einen besonderen Blick auf diesen, schließlich müssen sie ihn rechtfertigen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Aussagen 1:1 von den Nachgeborenen zu übernehmen sind.
    Das zu bemerken bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass der Freiheitskampf ungerechtfertigt gewesen sei.
    Zu den Vergleichen sage ich jetzt mal nichts.
     
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  2. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Dass das osmanische Reich ein besseres Rechtssystem wie die nordafrikanischen und tatarischen Völker aufwies bezweifle ich nicht. Es ist aber doch zweifelhaft, dass Christen als Volk des Buches eine gewisse Achtung entgegen gebracht wurde, wenn Angehörige dieser Religionsgemeinschaft vollkommen legal, von den Menschenraub betreibenden Reichsanghörigen (Tatataren, Barbaresken) im gesamten Staatsgebiet als Sklaven verkauft werden konnten.
    Ich zitiere noch einmal Heberers Beschreibung der Basare in Istanbul: "...-in beiden werden auch Menschen verkauft. Denn fast jeden Monat kommen aus der Tatarei Schiffe mit gefangenen Christen an, welche aus Moskowien und den angrenzenden Ländern geraubt werden. Sie werden Männer und Weiber, nackt ausgestellt ,wie bei uns Tiere auf dem Viehmarkt. Da werden oft Vater und Sohn, Mutter und Tochter getrennt und verschachert, daß einem Fremden das anzusehen das Herz blutet...."
    Letztendlich war doch die einzige Rechtfertigung, diese Leute in die Sklaverei zu führen, dass sie Christen waren, denn sobald sie konvertierten wurden sie freigelassen. Das passt ,in meinen Augen nicht zu der oft gerühmten Toleranz und der Achtung gegenüber der Völker des Buches im osmanischen Reich.

    Auch war es offenbar Christen verboten Beziehungen zu Musliminnen einzugehen.
    Heberer: " So war zu meiner Zeit eine junge türkische Witib (Witwe) , die sich mit einem armen Griechen abgab. Weil der nicht Türke werden wollte, so wurden Beide auf einen Esel gesetzt, dem Weib der Zaum ,dem Manne der Schwanz in die Hand und sie so durch die vornehmsten Gassen von Konstantinopel geführt ,dann über den Fischmarkt hinaus ans Meer, wo das Hochgericht war. Da wurde der Grieche an einem eisernen Haken, der ihm durch die Rippen ging, nackt an den Galgen gehenkt. Da die Türkin die schreckliche Strafe sah, rief sie ihm zu und mahnte ihn zur Geduld. Aber man ließ sie nicht lange reden, band ihr die Augen zu und ersäufte sie im Meer."
    Auch hier ,entweder konvertieren oder Tod. Freiwilligkeit sieht doch etwas anders aus.
    Man kann Heberer nicht unbedingt großen Türkenhaß bescheinigen (als Protestant schimpft er häufiger über die Gnadenlosigkeit von katholischen Priestern und dem deutschen Gesandten, die ihren versklavten Landsleuten die Hilfe verweigerten) , denn er findet in seiner Beschreibung auch zahlreiche Beispiele, in denen er die positiven Seiten dieses Volkes hervorhebt. Zitat:" Die Türken sind in den Moscheen und sonst beim Gebet still, anständig und andächtig; auch freigiebig, so daß sie in diesem äußeren Wesen uns Christen übertreffen.... Im Kriegswesen herrscht bei den Türken eine höchst löbliche Ordnung und Zucht. Da geht es allenthalben in einem großen Feldlager friedsam und still zu, ohne Zank und Hader, ohne Spielen und Fluchen, ohne Zechen und Zutrinken, ohne Unzucht und Ueppigkeit, mit unaussprechlicher Sparsamkeit.... Wer das nicht mit angesehen, glaubts einfach nicht." Auch über das Rechtssystem findet er anerkennende Worte: "So hat es in allen Gassen Unterkadi und zwei Janitscharen, welche mit ihren Stecken Wache halten, so daß kein Lärm und Zank entsteht. Geschieht das so laufen sie herbei und führen den Schuldigen vor den Gassenschulzen. Daher gibt es auch wenig Schlägereien. "
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Vorsicht, Galeotto, du vermengst hier zwei Dinge. Das eine ist der Umgang mit christlichen Untertanen, die - solange sie nicht rebellieren - das Anrecht auf den Amān hatten. Also Christen, die im Dār al-Islām/as-Salām lebten. Christen, die außerhalb des Dār al-Islām/as-Salām lebten, im Dār al-Ḥarb, waren als Ḥarbīs, nicht Teil der Schutzgemeinschaft, bis sie den Amān erbaten. Amān bedeutet in etwa 'Schutz', je nach Kontext auch 'freies Geleit', kann aber auch so verstanden werden, dass eine Person oder ein Personenverband sich unter den Schutz des islamischen Herrschers stellte, was gleichbedeutend damit war, dass sie die Herrschaft dieses Herrschers über sich anerkannten.

    Zum anderen galt natürlich das islamische Recht, wobei sich im sunnitischen Islam vier verschiedene Rechtsschulen ausgebildet hatten. Im Maġrib und in al-Andalus herrschte die mālikitische Rechtsaufassung vor, im osmanischen Reich setzte sich die ḥanafītische Rechtsschule durch.
    Aber ähnlich, wie sich im Christentum nicht immer oder sogar eher selten an das kanonische Recht oder die Zehn Gebote gehalten wurde, hielten sich natürlich auch im muslimischen Raum nicht alle immer an das für sie gültige Recht.

    Dār al-Islām - Haus des Islam
    Dār
    as-Salām -
    Haus des Friedens
    Dār al-Ḥarb - Haus des Krieges
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Januar 2017
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Wie ich schon mehrfach sagte, waren die Christen im Osmanischen Reich Bürger zweiter Klasse. Und niemand bezweifelt, dass die Balkanvölker mehr als 400 Jahre unter türkischer Fremdherrschaft lebten. Man muss sich aber frei machen von der Vorstellung, dass die Christen tagaus tagein von den Muslimen gepeinigt oder schikaniert wurden. Die Rufe nach Freiheit, von denen du schreibst, erschallten erst im 19. Jh. und waren Folge des erwachenden Nationalismus.

    Auf religiösem Sektor herrschte gemäß festen Gesetzen Toleranz und im Alltag lebten Christen und Muslime auf dem Balkan über Jahrhunderte ohne großen Zwist nebeneinander,

    In einem Standardwerk schreibt Josef Matuz:

    "Der nicht muslimische Bevölkerungsteil lebte in verhätnismäßig günstigen Verhältnissen, wenngleich er zusätzliche aber nicht besonders drückende Steuern zu entrichten hatte. ... Es wäre jedoch verfehlt von solchen finanziellen Sondergegebenheiten auf eine Diskriminierung der nichtmuslimischen Untertanen im Osmanischen Reich zu schließen, wenngleich die cicye-Steuer in der osmanischen Spätzeit von den Betroffenen als Diskriminierung empfunden wurde. ... Dafür konnten Nichtmuslime ein mehr oder weniger unbehelligtes Leben führen, vorausgesetzt, dass es den Prinzipien des Islam nicht widersprach.
    Die Grundlage dieser toleranten osmanischen Religionspolitik bildete nicht nur das islamische Religionsgesetz. ... Außerdem sollte die Integration neuerworbener Gebiete nicht durch religiöse Unruhen zusätzlich erschwert werden."
    (Josef Matuz, Das Osmanische Reich, S. 112 f.)
     
  5. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Demnach hätte es genügen müssen, dass ein christlicher Sklave, der ja verschleppt wurde und nicht freiwillig ins osmanische Reich gekommen war ,nur um Amān bitten müssen und schon wäre er geschützt gewesen ? Soweit mir bekannt ist war das nicht so.
    Ein Christ bleibt ein Angehöriger einer Buchreligion, ob als Untertan des Sultans oder aus einem anderen Land. Trotzdem wurden diese fremden Christen mit der Begründung dass sie Giaur (Ungläubige) sind ,ganz automatisch zu Sklaven, sobald sie in die Fänge von Sklavenjägern gerieten und blieben auch Unfreie wenn sie dann auf osmanischen Territorium lebten. Im Prinzip waren sie damit ja automatisch Untertanen der Pforte. Trotzdem konnten sie nur durch Relionswechsel die Freiheit erlangen.

    Heberers Bericht über den Überfall auf die Christen des Libanon zeugt von einer gewissen Rechtlosigkeit von Andersgläubigen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Autor zufällig bei dem einzigen Ereignis dieser Art anwesend war. Möglicherweise verhielt es sich ja anders auf osmanischem Teritorium ,wo die Christen die Mehrheit bildeten, wie in den griechischen und slawischen Provinzen, während sie im Libanon, Ägypten und Syrien immer nur eine Minderheit waren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Januar 2017
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es ist doch überall so, dass die Mächtigen das Gesetz oder die Religion so auslegen, wie es ihnen gerade passt. Es gibt da eine interessante Studie zum Christentumsbegriff in andalusischen Quellen (Bettina Münzel: Feinde, Nachbarn, Bündnispartner). Verbündete Christen oder Untertanen wurden in den Quellen als Nazarener (Naṣrānīyūn) oder Messiasanhänger (Masīḥīyūn), christliche Feinde als Kuffār (Ungläubige) oder Mušrikūn (Heiden, in Anspielung auf die Dreifaltigkeit) bezeichnet. Das ist in allen Gesellschaften so: Man legt es sich so, wie es einem gerade passt

    Das ist in der Tat nicht so. In Ägypten waren die Verhältnisse erst relativ spät so, dass die Muslime die Bevölkerungsmehrheit bildeten (in osmanischen Zeiten allerdings war das bereits der Fall), im Libanon sind die Christen bis heute mindestens wichtig. Vor dem Bürgerkrieg 1979 ff. bildeten die Christen etwa 52 % des libanesischen Staatsvolkes. Ein Grund des Bürgerkriegs war ja gerade, dass man die palästinensischen Flüchtlinge nicht integrierte, um das austarierte Religionsgewicht, auf dem der libanesische Staat basierte, nicht zu stören.
     
  7. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Da gebe ich Dir 100-prozentig Recht.
    Mir ging es nur darum die, so häufig hervorgehobene Toleranz im osmanischen Reich etwas zu relativieren.
     
  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Sicher muss man das relativieren. Der Koran ist wie auch die Bibel immer wieder verschieden ausgelegt worden, oftmals wie es Regierungen oder bestimmten Bevölkerungsgruppen opportun erschien.

    Die Regierung des Osmanischen Reichs war zu der Erkenntnis gelangt, dass angesichts der zahlreichen Völker religiöse Toleranz das beste Mittel sei, um die innenpolitische Stabilität zu gewährleisten. Diese Toleranz beruhte weniger auf religiöser oder gar ethischer Erkenntnis, als auf Nützlichkeitserwägungen. Auf der anderen Seite trieb das islamische Krimkhanat einen schwunghaften Handel mit christlichen Sklaven, die auf Raubzügen in Russland und der Ukraine erbeutet wurden.

    Für beide Handlungdweisen bot der Koran eine religiöse Grundlage, wenn man ihn entsprechend interpretierte und dazu bestimmte Suren heranzog, während man andere überging, die dem nicht entsprachen.

    Dennoch ist festzuhalten, dass Juden und Christen sowohl im Osmanischen Reich als auch im islamischen al-Andalus geringerem Druck ausgesetzt waren, als z.B. im christlichen Spanien, wo Ausweisung und Zwangskonversion geübt wurden.
     
  9. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Da bin ich mit Dir vollkommen einig.
    Dass Spanien total intolerant und das osmanische Reich und Al Andalus auf diesem Gebiet besser waren, steht für mich außer jedem Zweifel.
     
  10. Sandy123

    Sandy123 Neues Mitglied

    Türkentum

    Fakten über das Türkentum
    Die Türken sind kein einheitliches Volk, wie es von türkischen Nationalisten immer dargestellt wird. Das ist eine Illusion, die besonders nach 1923 geschaffen wurde – wie so ziemlich alles, was mit dem „Türkendasein“ zutun hat. Es ist kein Zufall, dass Pan-Turkisten den Begriff „Türke“ gleich auf alles andere ausweiten, was auch nur mit dem offensichtlich „Türkischem“ in Berührung kommt.Ein türkischer Minister hat vor ein paar Wochen sogar behauptet, ProphetMuhammad sei in Wirklichkeit ein Türke gewesen.Atatürk hat sogar Gesetze verabschieden lassen, die ganz bewusst eine falsche Geschichte propagierten: nämlich dass alles in Wirklichkeit türkisch ist, und alle anderen Türken nachahmen. Aus unserer Sicht ist das alles sehr absurd, aus türkischer Sicht ist das aber ein Bestandteil des türkischen Nationalbewusstseins. Die Türken haben weder eine geschriebene Geschichte oder Herkunft, noch eine „türkische Kultur“. Das, was wir als „ur-türkisch“ kennen, war in Wirklichkeit chinesisch oder mongolisch. Was wir heute als „türkische Kultur“ kennen, ist persisch-arabische Kultur des Orients. Die Turkvölker waren Nomaden aus den Steppen Asiens, die erst durch die Indogermanen nach Osten verdrängt wurden, später durch die Chinesen und Mongolen wieder nach Westen. Ihre Islamisierung erfolgte im 10. Jahrhundert durch Perser, später durch Araber. Sesshaft wurden sie erst im 13. Jahrhundert. Sogar die Osmanen waren noch Nomaden – die Seldschuken, die „Urväter der West-Türken“ – waren vollkommeniranisiert und sprachen sogar Persisch und nicht Türkisch. Die Turkvölker unterschieden sich in Kultur, Religion und sogar Rasse, und dennoch beharren die Pan-Turkisten auf eine „all-Turkic nation“.Als 1923 Atatürk den Islamismus und das osman. Kalifat vernichtete, wusste er – zu Recht – dass nur Nationalismus eine Alternative zu Religion sein kann. Das Problem war jedoch, dass die Türken keine Nation waren. Es gab nichts, was einen „Türken“ definierte, außer die türkische Sprache. Also wurde aus dem Nichts ein türkisches Nationalbewusstsein geschaffen, zusammengesetzt aus nicht-türkischer Geschichte und Kultur. Plötzlich wurden die Sumerer zu „Ur-Türken“, Prophet Muhammad wurde zu einem „Türken“, persische- und arabische Denker und Dichter wurden zu „Türken“, persische und arabische Kultur wurde zur „türkischen Kultur“. In der Türkei hat sich das durchgesetzt, im sowjetischen Zentralasien nicht. Die Türkei hat den Namen „Türkei“ angenommen und beansprucht nun das Recht, alle Turkvölker „Türken“ nennen zu können. Irgendwie wird das sogar von vielen toleriert, obwohl sich Deutschland nicht erlauben kann zu sagen, „Österreicher seien auch Deutsche“. Das gleiche gilt für den Iran: obwohl es wissenschaftlich korrekt ist zu sagen, Kurden seien „Iraner“, wurde dennoch das Wort „IranIer“ geschaffen, um einen „Iraner“ von einem „Iranier“ zu unterscheiden.

    Azeris sind weder ethnisch noch kulturell oder religiös „Türken“. Nur ihre Sprache ist Türkisch. Usbeken, Turkmenen, etc. haben alle ihre eigene Sprachen, ihre eigenen Kulturen und sogar ihr eigenes Aussehen, gaz anders als Westtürken. Dennoch fasst man all diese Völker als „Turkvolk“ oder „Türken“ zusammen.

    Dass die Türken nach 1923 ihre eigene Version der Geschichte zusammengeschmiedet haben, ist eine Tatsache. Dass die Seldschuken Persisch-sprachig waren, wie die Ghaznaviden zuvor, ist auch eine Tatsache. Dass die Ghaznaviden und Seldschuken hauptsächlich persische und arabische Kultur gefördert haben, ist auch eine Tatsache (siehe Rumi, Biruni, Ferdousi, etc etc etc).

    Die Türken sind Nachkommen der Xiong-nu („Schreckliche Sklaven“), und wurden nach mehreren militärischen Niederlagen von den Chinesen aus Ostasien nach Westen vertrieben. Dort haben sie auch nicht sofort „erobert“, sondern unterstanden persischem und arabischem Oberbefehl. Sie wurden aktiv durch die persischen Samaniden islamisiert. Die erste grotürkische Dynastie waren die Ghaznaviden, ehemalige Sklaven der Samaniden, die sich durch jahrelangen Militärdienst die Freiheit erkauft hatten. Auf Druck der Chinesen wanderten immer mehr Türken aus Ost nach West, und überranten – aufgrund ihrer extrem großen Anzahl – die iranischen und semitischen Völker der Region, konnten sie aber nie zwingend assimilieren, sondern wurden selbst assimiliert. Kurz darauf kam der Sturm der Mongolen, unterstützt durch türkische Stämme der Steppen Asiens, weshalb die Usbeken heute noch ihre Abstammung auf mongolische Khane zurückführen! Tatsache ist:

    – Atatürk hat Gesetze verabschieden lassen, die ALLES als „Türkisch“ darstellen. Unter anderem glauben Türken bis heute hin, ALLE anderen Völker stammen von den Türken ab, bzw. alle anderen haben ihr Wissen und ihre Kultur von den Türken, was in Wirklichkeit genau andersherum ist.

    – Ein Beziehung zwischen Sumeren und Türken kann man nicht nachweisen, besonders weil das relativ unlogisch ist. Die Türken als „Nachkommen der Sumerer“ darzustellen ist auch eine erfundene Lüge von Pan-Turkisten, um den orientalischen Türken eine Geschichte vergleichbar mit den Persern, Griechen, oder Israeliten zu geben.

    – Atatürk hat das osmanische Türkisch (zu mehr als 60% Persisch und Arabisch) entfernt und durch das „Volkstürkische“, der Sprache der Bauern und einfachen Bürger, ersetzt. Zuvor hatten die Osmanen die Persische Sprache der Seldschuken entfernt und durch das osmanische Türkisch ersetzt.

    – Die Seldschuken waren eine vollkommen iranisierte Gemeinschaft, die sich nur noch auf türkische Vorfahren beruft haben. Sie sprachen Persisch, ihre Hofsprache war Persisch, sie heirateten persische Frauen, hatten persische Wesire und förderten persische Literatur.

    – Es ist ein fester Bestandteil des türk. Nationalismus, ALLES und JEDEN als „Türke“ darzustellen. Notfalls wird sogar Geschichte neugeschrieben, um das zu erzwingen. Persische und arabische Dichter, Denker und Phillosophen werden ganz plötzlich „Türken“ (Rumi, Biruni, Avicenna, etc.). Sogar iranische Dynastien (Samaniden, Sfawiden, etc) werden plötzlich „Türken“.

    – Die Azeri sind KEINE Türken. Sie sind Turk-sprachig, aber KEINE Türken. Sie nehmen genau die gleiche Position innerhalb der türkischen Gemeinschaft ein, wie die Persisch-sprachigen Hazara in der iranischen Gesellschaft. Der Name „Azerbaidschan“ ist Persisch, die Sprache der Azeri sehr sehr stark vom Persischen beeinflusst, sogar ihre Religion ist typisch Persisch (schiitischer Islam). Nach Jahrhunderten türkischer Herrschaft wurden sie türkisiert – sie sind jedoch KEINE Türken.

    – Die Timuriden waren KEINE Türken, wie das vor allem Usbeken gerne behaupten. Sie waren Persisch-sprachige Mongolen, später sogar ganz iranisiert bzw. indisiert. Die Khane Shahroukh und Ulugh-Beg waren 1/2 bzw. 3/4 Persisch, waren Persisch-sprachig und sahen sich selbst als Perser. Nur Babur sah sich wieder als Mongole, bevor spätestens mit Jahan Schah alle zu Indern bzw. Persern wurden.

    Es kommt darauf an, wie man diese Begriffe definiert: geht es bei dem Wort „Türke“ um genetische Abstammung oder doch nur um kulturelle Verwandtschaft. Wenn es um genetische Abstammung geht, dann sind vor allem die Türken in der Türkei keine Türken, sondern nur turksprachig. Wenn es aber um kulturelle Verwandtschaft geht, dann sind Türken wiederum nichts besonderes, denn eine ähnliche kulturelle Verwandtschaft existiert bei vielen anderen Völkern auch, vor allem zwischen den Indoeuropäern, auch wenn man das auf den ersten Blick nicht erkennt.

    Es ist mitlerweile schon fast lächerlich, wie die Türken andere Völker auseinander reißen wollen und gleichzeitig für sich die große „türkische Gemeinschaft“ beanspruchen. Was hat denn ein Kyrgize mit einem Türken gemeinsam, bis auf die selbe Wurzel der Sprachen, die sie sprechen?
     
  11. Sandy123

    Sandy123 Neues Mitglied

    Türkische Politiker und ihre Abstammungsvorstellungen
    12. Juni 2016 Peter Mühlbauer
    Nicht nur Erdoğan operiert mit dem Vorwurf einer armenischen Herkunft

    Letzte Woche kritisierte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan den deutschen Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir auf einer Rede vor Dorfbürgermeistern im Zusammenhang mit dessen Äußerungen zum Massenmord an Armeniern im Ersten Weltkrieg mit den beiden Worten "kani bozuk". Wörtlich übersetzt bedeuten sie "verdorbenes Blut", weniger wörtlich "charakterlos". Später betonte Erdoğan, er habe die Kombination im übertragenen Sinne verwendet. Drei Tage vorher hatte er Özdemir allerdings aufgefordert, sein Blut in einem Labor untersuchen zu lassen.


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    Über den Charakter eines Menschen lässt sich in solch einer Laboruntersuchung bislang nur sehr bedingt etwas herausfinden - außer, man rechnet die Neigung zu erblichen Geisteskrankheiten wie Schizophrenie oder den Blutalkoholwert mit ein. Dafür lassen sich Informationen über die Abstammung von Menschen gewinnen, auf die Erdoğan mit gewisser Wahrscheinlichkeit anspielte.

    Die Türken sind jedoch ein Mischvolk, das nicht nur physisch, sondern auch genetisch weitaus mehr mit den sie umgebenden Völkern gemein hat, als mit seinen sprachlichen Stammvätern aus der Baikalseegegend (vgl. Jakutenpferde durchliefen Instant-Evolution). Zu 94,1 Prozent gehören sie zu den in Europa und dem Nahen Osten verbreiteten Haplogruppen E3b, G, J, I, L, N, K2 und R1. Zentralasiatische Anteile der Haplogruppen C, Q und O machen mit 3,4 Prozent nur wenig mehr aus als indische (1,5 Prozent) und afrikanische (1 Prozent).


    In Zentralanatolien lebten in römischer Zeit Kelten. Karte: QuartierLatin1968. Lizenz: CC BY-SA 3.0
    Einen Türken zu finden, der keine engeren genetischen Gemeinsamkeiten mit einem Armenier, Griechen oder Assyrer aufweist, dürfte deshalb relativ schwer sein. Zudem deuten SNP-Analysen ebenso wie Geschichtsquellen darauf hin, dass der verhältnismäßig kleine genetische Einfluss aus Zentralasien fast ausschließlich über die väterliche Linie erfolgte, weshalb auch die Haplotypen C, Q und O nur sehr bedingt etwas über eine mögliche armenische Mutter eines Anatoliers aussagen, um die es dem türkischen Staatspräsidenten womöglich ging. Darüber hinaus ist Özdemirs Vater nach eigenen Angaben gar kein ethnischer Türke, sondern ein Tscherkesse - also ein Abkömmling eines Kaukasusvolks, dessen ursprüngliche Heimat heute zur Russischen Föderation gehört.

    Vorstellung auch unter CHP- und MHP-Politikern verbreitet
    Bundestagspräsident Norbert Lammert kritisierte Erdoğan nach dessen Äußerung mit den Worten, er hätte es "nicht für möglich gehalten […], dass ein demokratisch gewählter Staatspräsident im 21. Jahrhundert seine Kritik an demokratisch gewählten Abgeordneten des Deutschen Bundestags mit Zweifeln an deren türkischer Abstammung verbindet, ihr Blut als verdorben bezeichnet". Allerdings ist der Staatschef beileibe nicht der einzige türkische Politiker, der eine Position zum Massenmord an Armeniern mit einer Abstammung in Verbindung bringt:

    2008 forderte beispielsweise die sozialdemokratische Abgeordnete Canan Arıtman den damaligen türkischen Staatspräsidenten Abdullah Gül auf, einen Gentest zu machen, um zu klären, ob er von einer armenischen Mutter abstammt (was, wie bereits oben erklärt, nicht möglich ist). Anlass für die Aufforderung Arıtmans war, dass Gül einen Aufruf zur Entschuldigung für die Massaker an Armeniern nicht öffentlich verurteilen wollte.

    Gül verklagte Arıtman darauf hin auf einen symbolischen Schadensersatz in Höhe von einer türkischen Lira wegen "Beleidigung" und betonte, dass seine Vorfahren seit Jahrhunderten Moslems und Türken gewesen seien. Arıtman wiederum warnte, mit gerichtlichen Klagen gegen Zeitungen und Personen vorgehen zu wollen, die sie als "Rassistin" oder "Nazi" bezeichnen. Dabei ließ sie offen, ob sie der Vorstellung anhängt, dass man auch diese Attribute mit einem Gentest feststellen oder ausschließen kann.

    Das meiste Aufsehen mit Abstammungsvorwürfen erregte der MHP-Abgeordnete Yusuf Halaçoğlu. Der ehemalige stellvertretende Rektor der Marmara-Universität, der 1978 mit einer Doktorarbeit über die Siedlungspolitik des Osmanischen Reiches promovierte, glaubt, dass ein großer Teil der Armenier Aleviten wurde und ein anderer die Vorfahren jener Kurden stellt, die heute der PKK anhängen. Außerhalb der Türkei gibt es kaum einen Wissenschaftler, der dieser Sichtweise folgen möchte.

    Verstärkter Polizeischutz und Türkei-Reisewarnung für Abgeordnete
    Das deutsche Auswärtige Amt hat elf türkischstämmigen Bundestagsabgeordneten währenddessen mehreren Medienberichten zufolge geraten, der Türkei vorerst fernzubleiben. Dort könne man nach der Armenien-Resolution nicht für ihre Sicherheit garantieren. Mehrere Abgeordnete sollen darauf hin ihre Urlaubspläne geändert haben - einer holte sogar seine Eltern zurück nach Deutschland.

    Auch die CDU-Abgeordnete Cemile Giousouf beklagte, "dass unsere Familien in Haftung genommen werden". In Deutschland hat man nach zahlreichen Drohbotschaften übereinstimmenden Medienberichten zufolge den Polizeischutz für die Abgeordneten und deren Angehörige ausgeweitet. (Peter Mühlbauer)

    Türkische Politiker und ihre Abstammungsvorstellungen
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Oktober 2018
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Sandy, dass du immer wieder Texte ins Forum kopierst, stellt uns vor eine Urheberrechtsproblematik. Bitte beteilige dich mit selbstgeschriebenen Texten und reduziere Zitate auf einen Aussagekern. Max. 20 % des Textes dürfen eingestellt werden, bei Texten größeren Umfangs max. zwölf Seiten (dabei bricht die Zwölf-Seiten-Regel die Zwanzig-Prozent-Regel und nicht etwa umgekehrt!) Vor allem sind wir aber auch ein Diskussionsforum und keine Seite, die andere Texte spiegelt.
     
  13. Sandy123

    Sandy123 Neues Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 7. Oktober 2018
  14. Biturigos

    Biturigos Aktives Mitglied

    Wenn du copy paste derart exzessiv machst, solltest du wenigstens die Quellen benennen. Grotesk wird es, wenn du einen Text von 2010 einkopierst, in dem steht, "vor ein paar Wochen hat ein türkischer Minister behauptet..." , als wäre es aktuell geschehen.
     

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