Familie Medici

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Bonnie, 16. Mai 2018.

  1. Bonnie

    Bonnie Gast


    Hallo ich habe eine Frage gestellt bekommen die ich selber nicht so richtig beantworten kann. Die Antwort würde mich aber sehr Interressieren: Kann man die Familie Medici als Vorreiter des Absolutismus betrachten? Wenn ja, warum? Bzw wenn nein, warum nicht?
    Ich hoffe ihr könnt mir helfen! Liebe grüße
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nicht im Sinne deiner Frage lässt sich die Frage so beantworten, dass Medici-Frauen (Katharina, Maria) Mütter französischer Könige waren. Da die Medici über Jahrhunderte durch Heiraten Querverbindungen mit dem europäischen Hochadel etablierten, war so mancher Medici-Spross oder -Nachfahre väterlicher oder mütterlicherseits während des Absolutismus in Amt und Würden, als Papst, König oder Kurfürst. Wenn man aber die klassische Herkunft der florentinischen Patrizierfamilie im ausgehenden Mittelalter sieht, kann man den Medici keinen Prä-Absolutismus unterstellen.
     
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  3. Armer Konrad

    Armer Konrad Aktives Mitglied


    Die Medici waren eine ganz normale spätmittelalterliche Dynastie, welche bestimmt nicht als Vorläufer des Absolutismus gelten können.
    Etwas sehr um die Ecke gedacht - resp. an den Haaren herbeigezogen (aber vielleicht wird so ein konstruierter Zusammenhang gesucht): Machiavelli wird gelegentlich als Vorläufer oder Vordenker des Absolutismus interpretiert (ich sehe das allerdings anders). Und Machiavelli war gleichzeitig ein vehementer Gegner der Medici, also können die Medici auch aus dieser sehr konstruierten Sichtweise keine Vorläufer des Absolutismus gewesen sein.
     
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  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich habe mich nie intensiver mit den beiden Medici-Königinnen in Frankreich beschäftigt. Dafür habe ich mal zwei Dokus zu ihnen gesehen, wo die Historiker schon sagten, dass Katharina von Medici bspw. schon sehr stark ihre Gepflogenheiten aus Italien mit nach Frankreich übertrug. Sie war ja auch eine sehr starke Herrscherin, anders als Maria von Medici, die sehr von ihren Favoriten beeinflusst wurde, die ihr zum Teil auch zum Verhängnis wurden. Catherine de Medici sehe ich schon als eine Wegbereiterin des Absolutismus indem ihr scheinbar nichts anderes übrig blieb, als in Zeit der religiösen und innenpolitischen Wirren die Macht des Königtums zu behaupten oder wo es ging auszubauen, wozu ihre Söhne nicht in der Lage waren, da sie schlichtweg zu jung starben oder zu unerfahren waren. Die Frage ist freilich, ob Catherine de Medicis Mittel dazu die richtigen waren. Aber ihre Kaltblütigkeit ist durchaus mit der von Louis XIV zu vergleichen.

    Die Frage ob die Medici in Florenz eine Art Protoabsolutismus betrieben lässt sich kaum beantworten. Sie regierten in einer anderen Zeit. Dass Machiavelli ihr Gegner war, hat damit m.E. nichts zu tun. Das heißt ja nicht, dass sie die von ihm gelehrten Mittel nicht anwendeten. Bei Machiavelli geht es ja immer wieder um eine Einigung Italiens unter einem starken Fürsten. Vielleicht sah er diesen eben just nicht in den Medici. Vielleicht war deren Fokus zu stark auf die Macht innerhalb von Florenz konzentriert. Eine Einigung Italiens wäre unter einem begabten Mann wie Ceasare Borgia wohlmöglich denkbarer gewesen. Außerdem sagt die Gegnerschaft Machiavellis gegenüber den Medici auch nichts über ihre Regierungsweise nach Machiavellis Tod 1527 aus. Letztlich hatte Machiavelli in den 1520ern auf den falschen Mann gesetzt und wurde durch Soderini enttäuscht.

    Die Frage wäre, ob die Medici im 17./18.Jh. als Vorreiter des Absolutismus fungierten. Gian Gastone, der letzte Medici, der Florenz regierte, scheint schon einige Reformen auf den Weg gebracht zu haben, was für eine größere Machtfülle sprechen würde. Noch im frühen 17.Jh. galt der Reichtum der Medicis als sagenhaft und eine eheliche Verbindung mit dem Fürstenhaus als höchst lukrativ.
     
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  5. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Ich vermute, dass wohl jede Herrschaft im Spätmittelalter und in der Renaissance, der es gelang, andere mit Teilhabe an der Herrschaft (Adel, Landstände etc.) auszuschalten, als Vorläufer des Absolutismus gelten kann.
     
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  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das Bedürfnis adliger Familien, Konkurrenten um die Macht auszuschalten, gab es seit jeher. Das ist kein Merkmal des Absolutismus. Erst wenn der Herrscher den Anspruch hat, von Gesetzen losgelöst zu regieren, wenn er die uneingeschränkte und ungeteilte Herrschaftsgewalt besitzt und wenn er seine Macht als gottgegeben (Gottesgnadentum) bestrachtet, kann man vom Absolutismus sprechen.

    Bei den regierenden Medici in Florenz sind solche Merkmale nicht erkennbar, abgesehen von der immanenten Bereitschaft, sich gegenüber konkurrierenden Adelsfamilien durchzusetzen.
     
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