Forschungsmeinungen zu Kleisthenes

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von klei09, 9. Januar 2019.

  1. klei09

    klei09 Neues Mitglied


    Hallo Zusammen,

    zu der Frage, ob Kleisthenes versucht hat, sich persönlich eine Machtstellung zu schaffen, den Adel zu entmachten und militärisch aufzurüsten oder ob er doch das Wohl des Volkes wollte, hätte ich gerne ein paar Forschungsmeinungen..bin leider nicht fündig geworden und habe auch keine Zeit mehr für weitere Recherche. Für Meinungsbilder zu einer anderen These über Kleisthenes aus der Forschung/Literatur wäre ich auch offen.

    Zitate aus der jeweiligen Literatur wären hilfreich, da ich es (wie bereist erwähnt nicht) schaffe mir die Literatur selbst anzueignen.

    Besten Danke
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nun klei09, das klingt leider nicht danach, als wolltest du eine Frage beantwortet sondern die Arbeit für eine Seminararbeit abgenommen bekommen. Könnte ein Grund für die mangelnde Rückmeldung sein.
    Du könntest ja mal in den Kleinen oder in den Neuen Pauly (KlP, DNP) schauen, was dort unter dem Lemma Kleisthenes steht, ob dort auf weitere Literatur zu deiner Fragestellung verwiesen wird.
     
  3. Chan

    Chan Aktives Mitglied


    Die generelle Forschungsmeinung geht tatsächlich dahin, dass Kleisthenes´ Motive mehr egoistischer als altruistischer Natur waren. Das hat auch Herodot schon so dargestellt:

    By adding the people to his side, he gained the upper hand by far over his political opponents (5.69).

    Athens from Cleisthenes to Pericles

    As for Cleisthenes himself, and the intentions that may have motivated him, the historical evidence, though limited, suggests a less edifying set of developments than those woven around the fact that democracy was established by his agency. In 508/7 Cleisthenes followed family tradition as the ultimate "outsider." He separated himself from his peers in birth and station by attempting to attain a predominant political position by forging an alliance with the enemies of his enemies, the people hitherto protected under the banner of the tyrants. This repetition of the Megacles II affair suggests rather more than the operation of coincidence. Indeed, the association of the Alcmeonids with the house of Peisistratus is a red thread running continuously through the fabric of archaic and fifth-century Athenian history—viz., Megacles' marriage, Cleisthenes' archonship, Cleisthenes' embassy to Persia, the shield signal at Marathon, even the tradition that Pericles and Peisistratus looked alike. It is pertinent to repeat, moreover, that Cleisthenes' "clients" in 508/7 were, at least in the city, the former constituents of Peisistratus and his sons.[56] The inference that Cleisthenes in 508/7 tapped a vast reservoir of resentment against the aristocracy.


    Meine Wenigkeit hat zu dem Thema früher einmal hier geschrieben:

    Nicht, weil er die Demokratie realisieren wollte, verbündete sich
    der adlige Kleisthenes 508 v.u.Z. mit dem Volk - zu seiner Zeit gab es den
    Demokratiebegriff ohnehin noch nicht -, sondern um seine drohende Niederlage im
    Kampf um die politische Macht abzuwenden; gleichwohl war er überaus kompetent
    für die Aufgabe, in Attika das Werk Solons auf ein höheres Niveau zu heben und
    Demokratie (mit den spezifischen Einschränkungen der Antike) weitgehend zu
    konkretisieren.
    (...)
    Mit der Peisistratidenherrschaft ist also die dritte,
    wenn auch indirekte Bedingung des attischen Demokratisierungsprozesses gegeben.
    Nach dem Sturz dieser Dynastie kann Kleisthenes die sich wieder in den
    Vordergrund drängenden Aristokraten in Schach halten und in den Jahren 508/7 die
    Verfassung neu ordnen, er kann aus Athen den Typ des politisch einheitlichen und
    dennoch vielheitlich regierten Staates schmieden, als der es für die Städte seiner Zeit
    und die Staaten späterer Zeiten zum freiheitsverheißenden Modell, ja Symbol wird.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Januar 2019

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