Frage zu Siebenjährigem Krieg

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Sirah, 8. Januar 2016.



  1. Sirah

    Sirah Neues Mitglied

    Hallo!
    Da ich auf militärhistorischem Gebiet nicht viel Erfahrung habe, habe ich eine Frage zum Siebenjährigen Krieg: Mit welchen archäologisch relevanten Hinterlassenschaften muss man auf einem solchen Schlachtfeld rechnen? Ich meine hier nicht Einzelfunde wie Munition, Kleidungsbestandteile oder ähnliches, sondern bauliche Dinge (Palisaden oder so etwas?) oder Eingriffe in die Landschaft (wie Wälle oder Gräben). Gibt es in dieser Hinsicht "typische Hinterlassenschaften"?

    Kann mir jemand vielleicht einen Hinweis auf aussagekräftige Abbildungen oder eine Buchempfehlung nennen, damit ich mir hierzu eine etwas bessere Vorstellung machen kann, was sich auf einem Schlachtfeld dieser Zeit abgespielt hat?

    Würde mich über ein paar Anregungen sehr freuen, vielen Dank!
     
  2. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Willkommen im Forum!

    Man bemühte sich seine Linien schnell aufzustellen und dadurch einen Vorteil zu gewinnen. Da blieb keine Zeit für bauliche Vorbereitungen. Es kam aber vor, dass Lager involviert waren. Allenfalls Gerüste zur Beobachtung würde ich sonst erwarten, wenn es keine andere Möglichkeiten gab. Ausgebaute Stellungen für Artillerie dürften bei der Feldschlacht ebenfalls die Ausnahme gewesen sein.

    Für Gemälde und Zeichnungen, insbesondere zu Preußen, würde ich nach den Werken von Carl Röchling , Richard Knötel und Adolph von Menzel suchen.

    Es gibt natürlich eine Fülle von Literatur. Ausdrücklich für Neulinge im Thema geschrieben sind die Bände des Heerwesen der Neuzeit. Die zweite Empfehlung lässt durch die Beschreibung von Schlachten ein allgemeines Bild gewinnen. Allerdings gibt es zu dem Werk im einzelnen sicher Kritikpunkte. Aber es kam ja auf das Bild der Schlacht allgemein an.

    Einführend zum Thema Heerwesen: Die entsprechenden Bände von Georg Ortenburg (Hg.), Heerwesen der Neuzeit, Koblenz 1984ff: Georg Ortenburg Waffen der Kabinettskriege 1650-1792, Koblenz 1986 und Siegfried Fiedler, Taktik und Strategie der Kabinettskriege 1650-1792, Koblenz 1986. (Mit Waffen sind auch die Einheitentypen gemeint. Im Waffenband finden sich auch Marsch, Lager, Festungen und das Zusammenwirken der Waffen in der Feldschlacht beschrieben. Wegen der Fülle der Literatur wird darin eine vertiefende Auswahl aufgeführt.)

    Schlachtbeschreibungen: Günter Dorn, Joachim Engelmann, Die Schlachten Friedrichs des Großen Führung. Verlauf. Gefechts-Szenen. Gliederungen. Karten, Augsburg 1997. (Szenen der Schlachten sind durch Günter Dorn illustriert.)

    (Bei den Schlachten Friedrichs des Großen muss man eigentlich immer auch die strategische Lage und die von Friedrich und seinem Vater geschaffenen Grundbedingungen wie Festungen, Versorgungs- und Transportmöglichkeiten betrachten. Dies kommt m.E. in dem Band wesentlich zu kurz, um einen der Mängel zu benennen. Das allgemeine Bild einer Schlacht dürfte zusammen mit den genannten Bänden zum Heerwesen aber klar werden.)
     
  3. Neddy

    Neddy Aktives Mitglied

    Du zielst auf den Landkrieg in Europa ab? In diesem Falle könnten die Schauplätze außerhalb Europas und zur See ausgeklammert werden.

    Bezüglich des Kriegsschauplatzes im Osten (Sachsen, Schlesien etc.) wäre mir ebenfalls unbekannt, dass die Schlachtfelder der großen Feldschlachten großartig präpariert gewesen wären.

    Die meisten archäologischen Befunde bezüglich Deiner Frage dürftest Du im Umfeld der Belagerungen von Festungen und Depots finden. Hier dürftest Du in der Regel ordnungsgemäße Grabenanlagen nach Lehrbuch vorfinden. Eine hastige Recherche am Beispiel von Schweidnitz ergibt aber, dass die meisten "Belagerungen" dieser Festungen wohl eher als Umlagerung bezeichnet werden müssen. Aber zumindest die Preußen scheinen 1762 ordentlich geschanzt und gegraben zu haben.

    Ein Zwitter aus Feldschlacht und Belagerungskrieg wären verschanzte Lager wie das Feldlager von Bunzelwitz, das Friedrich 1761 mit seinem Heer bezogen hatte. Hier dürften die Preußen etliches an Erde und Holz bewegt haben.

    Zu guter Letzt gibt's sicherlich das eine oder andere in Brand geschossene Dorf oder Gehöft, zerschossene Friedhofsmauern etc.
     
  4. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Zu der Zeit gab es Grenzen, welche mittels Graben und Wallsystemen und Buschwerk befestigt waren. Das waren die sogenannten Landwehren. Die kann man heute noch zum Teil finden. Und in denen wurde auch gekämpft.
    Das gibt es die Schlacht an der Hückelsmay oder Schlacht bei Krefeld. Also westlicher Schauplatz des Siebenjährigen Krieges.

    Apvar
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich denke, man kann von ähnlichen Funden wie bei Schlachtfeldern des Dreißigjährigen und der Napoleonischen Kriege ausgehen. Das Schlachtfeld von Wittstock wurde archäologisch erschlossen und in folgender Publikation wurden die Ergebnisse widergegeben:
    "1636 - ihre letzte Schlacht: Leben im Dreißigjährigen Krieg" Theiss-Verlag, 2012
    Die Ergebnisse der Schlachtfeldarchäologie in Leipzig (1813) und Waterloo (1815) wurden ausschnittsweise bspw. in der TV-Dokumentation "Die letzten Minuten - Archäologie auf Schlachtfeldern" präsentiert.
    Sehr empfehlenswert und auch im Internet auffindbar sind die Folgen der Doku-Reihe "Two Men in a trench", wo u.a. das Schlachtfeld von Culodden (1746) vorgestellt wird - ist ja dann von den Funden her wahrscheinlich ähnlich wie die im Siebenjährigen Krieg. http://www.geschichtsforum.de/748688-post56.html

    Schlachtfeldarchäologie findet natürlich Massengräber. Die darin entdeckten menschlichen Überreste, also Skelette, Totenschädel etc., werden auf Feindeinwirkungen, auf die Todesursachen der Opfer der Schlacht untersucht. In Schlachten des Siebenjährigen Krieges kann man von verlorenen Waffen wie Musketen, Säbeln, Degen und deren Einzelteilen wie Feuersteinen (der Musketen) ausgehen. Normalerweise finden sich auch Münzen, welche die Toten am Leib trugen (wie in der oben genannten Doku vom Schlachtfeld von Waterloo) und die zahlreichen Knöpfe. Selbst wenn den Leichen die Uniformen ausgezogen wurden, gingen immer viele Knöpfe im Kampf oder auch nur im Alltag der Soldaten verloren. Entsprechend der Verteilung von Relikten können dann die Historiker und Archäologen oftmals bestimmte Brennpunkte der Schlacht aber auch eventuell die Lager der beiden Parteien vor der Schlacht lokalisieren. Am Beispiel der Schlacht bei Wittstock (1636) wurden einige Fortschritte in der Hinsicht erzielt, bei Sedgemoor (1685) in der Reihe "Two men in a trench" ebenfalls.
     
  6. Sirah

    Sirah Neues Mitglied

    Guten Morgen!

    Einen ganz herzlichen Dank für die vielfältigen und wertvollen Hinweise! Da werde ich mich nun erstmal durcharbeiten.

    Einen schönen Tag allerseits,
    Sirah
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Es gibt schon einige Schlachten im Siebenjährigen Krieg mit verschanzten Stellungen, wo nicht nur wie von Aqvar richtig beschrieben vorhandene Hindernisse ausgenutzt wurden (das wurde ja praktisch immer gemacht). Bei Kunersdorf, 12. August 1759, hatten sich die Russen und Österreicher eine befestigte Stellung eingerichtet gegen welche dann die Preußen erfolglos anrannten. Auch bei Burkersdorf, der letzten großen Schlacht Friedrich II. im Siebenjährigen Krieg, und Freiberg, der letzten großen Schlacht im Osten, legten die Verteidiger Verhaue und Schanzen an. Das spezielle Gelände und die Stellungen der Österreicher führten dazu, dass zu jener Zeit aber bereits mit einzelnen Kolonnen angegriffen wurde. Die Lineartaktik musste sich der veränderten Kriegsführung und dem Terrain anpassen.
     
  8. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Sowohl im Vorfeld von Festungen, als auch beim Anlegen von Lagern sowie bei beim Aufstellen der Artillerie am Schlachtfeld wurden passagere Befestigungen angelegt; deshalb gehörte das Schanzzeug zum mitzuführenden Kriegsmaterial.
    Bzgl. der Schlachten des 18. Jhs. wurde die Artillerie, sofern sich keine günstig gedeckten Geländepunkte finden ließen, passager befestigt: man errichtete mittels Wallaufschüttungen und Schanzkörben gegen Splitterflug gedeckte Batterien.
    https://books.google.de/books?id=T6...y#v=onepage&q=passagere befestigungen&f=false
    leider ohne Vorschau: https://books.google.de/books/about...m_Kriege_und.html?id=9UHzMgEACAAJ&redir_esc=y
     
  9. letztergisone

    letztergisone Aktives Mitglied

    Morchen,
    ja Grenzen gab es (lach) und die wurden aber nicht so genau eingehalten wie im Fall HK – HD.
    Seit ich mich mit diesen Thema beschäftige haben ich im Laufe der Zeit vier Schanzen und Wälle, zwei Kanonenstellungen, vier Lagerplätze und vielleicht auch einen Soldatenfriedhof aus diesem Zeitraum gefunden. In den vier bis 6 Wochen vor Ende des Waffenstillstandes (1762) lagen hier, an beiden Seiten der Lahn sich die gegnerischen Truppenteile gegenüber. Wobei es immer wieder zu Auseinandersetzungen kam. Es sind nun keine Schlachten aber immerhin kriegerische Auseinandersetzungen. Mein Heimatort lag genau im Mittelpunkt (1760) eines solchen Geschehens. Auf dem Hügel Richtung Wetter wurden Kanonen platziert. Sie schossen die Kugel über das Dorf auf den Lagerplatz der Franzosen und drängten sie auf die andere Lahnseite zurück. Über diese „Auseinandersetzung“ gibt es von Seiten der Literatur leider nur einen kleinen Vermerk aber zum Glück eine Privatchronik, so dass ich mir den Ablauf dieses Geschehens aneinander reihen konnte.
    Das Landesamt weiß von diesen Plätzen aber macht nichts. Bei der einen Kanonenstellung waren ca. 20 bis 25 Kanonenkugeln, die jetzt im Keller eines Sammlers lagern. Sondengänger haben ein Teil dieser Punkte schon längst geplündert. Schade ist nun mal so.



    Gruß aus hesse
     
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  10. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Ja, an Kunersdorf und die späten Schlachten hatte ich nicht gedacht. (s.u.) Aber für die bloß feldmäßige Befestigung der Artillerie blieb wohl meist zu wenig Zeit. Nur mag mich da die übliche Geschichtsschreibung, die immer wieder das Streben nach Schnelligkeit bei der Entwicklung der Schlachtlinie betont, täuschen.

    Landwehren, Gräben und Mauern sind allerdings keine Hinterlassenschaften von Schlachten.

    Zu den späteren Schlachten ist auch zu sagen, dass die Massen so groß geworden waren, dass man Probleme hatte, sie als eine Schlachtreihe zu lenken. Auf der anderen Seite wusste man verschiedene Abteilungen noch nicht zu koordinieren, wie z.B. Torgau zeigt. Ich ging hier von den früheren Schlachten als typisch aus. Aber es hat natürlich eine Entwicklung gegeben, die in der genannten Literatur auch berücksichtigt ist.
     

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