Frage zum "Ritterschwur"

Dieses Thema im Forum "Rittertum und Kreuzzüge" wurde erstellt von Kamaz4911, 10. Oktober 2017.

Schlagworte:
  1. Kamaz4911

    Kamaz4911 Neues Mitglied


    Hallo,

    ich bräuchte für eine Unterrichtsstunde mal eine verlässliche Originalquelle zu einem Ritterschwur im Hochmittelalter.

    Im Netz findet sich nur immer was von mir völlig unbekannten Webseiten. Idealerweise etwas das im Rahmen einer Schwertleite aufgesagt wurde, darf aber auch zum klassischen Ritterschlag der späteren jahrhunderte sein. (Eigentlich lebt mein fiktiver Ritter im Stundenkonzept aber im 12Jh.)

    Bin selbst überrascht, dass sich da Nichts verlässliches zu im Internet findet, bzw. nur Zusammenfassungen oder Zeilen aus Dichtungen.

    Grüße
     
  2. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

    1813 Templar Oath

    “In the name of the Father, of the Son, and of the Holy Ghost.”

    “I pledge myself, from now and forever, to the holy Militia of the Order of the Temple. I declare to take freely and solemnly oath of obedience, poverty and chastity, as well as fraternity, hospitality and preliation.”
    “With this oath I state my strong and irrevocable intent”
    “To pledge my sword, my forces, my life and everything that I own to the cause, defence, honour and further knowledge of the Christian religion, of the Order of the Temple and of my companions in arms; to the rescue of the Temple of the Holy Sepulchre of our Lord Jesus Christ, of the Land of Palestine and the East and of the domains of our forefathers.”
    “To submit to the Rule of our Holy Father Bernard, to the Transmission Chart, the Rules, Law and Decrees and all other statements issued in conformity to the Statutes of the Order; not to invest any knight or divulgate title, grade, ritual or other custom of the Order unless authorized by the Statutes; to obey unconditionally and always, within the Establishments of the Order and without, and in all walks of life, the Grand Master and the high Officers of the Order, collectively and singularly.”
    “To love my brothers the Knight and my Sisters the Dames and help them, their children and their widows with my sword, my advice, means and wealth, my credit and everything in my power, and will favour them, with no exception, over those who are not members of the Order.”
    “To defend the pious pilgrims, to aid and comfort those who are persecuted for the Cause of the Cross, the sick and the poor.”
    “To fight the infidels and the non-believers with my example, virtue, charity and convincing arguments; and to fight with the sword the infidels and non-believers who attack the Cross with their own sword.”
    “To abhor all immodesty, and not to indulge in illegitimate pleasures of the flesh and then only with my legitimate spouse.”
    “Finally, barring rules dictated by Religion and the Order, to conform to the Laws and Customs of the countries in which I may reside, to fulfill my duties of citizen, and to be loyal knight in those countries which entertain relations with the Order.”
    “This oath I pronounce loudly before the Knights present at this Convent. I sign it and confirm it by my blood. Again, I write it and sign its registration in the documents relating to this Convent and witnessed by the Knights.”

    “Glory be to the Father, and to the Son, and to the Holy Ghost. Amen.”


    “Pursuant to the Magistral Decrees of 18 Adar 117 and (?) 694, confirmed by the Convent General on 1 Nisan 695 (2 April 1813), I declare to accede to the Unity of the Temple.”


    Oder hier:

    The Oath of the Knights of Malta
     
  3. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied


    Ich wundere mich immer, wenn ich im Internet einmal etwas finde, was wenigstens brauchbar ist. Aber nur eine Frage: Ist es nicht möglich, dass dein Ritter das mit dem Schwur indirekt macht.

    Prosatext:
    Ich / Er leistet/e den Schwur, und dann werde ich / wird er zum Ritter geschlagen. (Text ausblenden)
    Dein Ritter meditiert bezüglich des Schwurs, den er ablegen wird bzw. vor einigen Stunden abgelegt hat, anhand einer im Mittelalter verbreiteten Geschichte.

    Szenisch:
    - Gespräch zwischen anderen anwesenden Personen / einer Zuseherschaft, die den Ritterschlag kommentiert, während sie ihn beobachtet.
    - Der anwesende Priester äußert sich beim Festmahl oder einem Kollegen gegenüber, wie die Ritterschläge heute abgelaufen sind.
    - Der müde Kaiser / König / Herzog berichtet über die Ritterschläge, die er gerade durchgeführt hat (während er darüber klagt, wie anstrengend das ist.)
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wenn ich das richtig verstanden habe, sucht Kamaz eine verlässliche Originalquelle zu einem Ritterschwur im Hochmittelalter.

    Auf den spätmittelalterlichen "Ritterspiegel" des Johannes Rothe bist Du schon gestoßen?
    Johannes Rothe - ORKA (Open repository Kassel)
     
  5. Kamaz4911

    Kamaz4911 Neues Mitglied

    Ja genau im Idealfall eine Form von Schwur, wie sie im Bereich 1000-1300 aufgesagt wurde im deutschen Reich.

    Allerdings dann freilich mit deutscher Übersetzung (werde es noch weiter vereinfachen natürlich)
     
  6. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

    Bei der Aufnahme in den Malteserorden hatten die Ritter folgende Gelübde abzulegen:

    „Wir geloben und versprechen vor Gott und unserer Lieben Frau, vor unserem Herrn Johann Baptist, im Gehorsam dem Oberen, den Gott uns geben wird, zu leben und zu sterben. Wir geloben, keusch bis in den Tod zu leben und geloben, ohne Eigentum zu sein. Und noch ein Versprechen legen wir ab, das kein anderer Mensch leistet, denn wir versprechen, Diener und Sklaven zu sein unserer Herren Kranken.“

    http://www.malteser-solingen.de/fil...ente/geschichte_malteserorden_deutschland.pdf

    Der Werdegang eines Ritters von Kindesbeinen an. Leider in Französisch:

    L'adoubement du chevalier
     
  7. balkanese

    balkanese Aktives Mitglied

    ob wirklich alle Ritter Keuschheit und Armut beschwören haben müssen?
     
  8. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Gangflow, es sind wohl keine Ordensritter gemeint.
     
  9. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    So, etwas mehr Zeit:
    Im 12. Jahrhundert geht es noch um die Schwertleite. Gern, aber wohl nicht zwingend, nach einer Messe wurde dem jungen Mann das Schwert umgehängt, sowie die Sporen, mitunter auch der Schild überreicht. Derjenige, der die Zeremonie durchführte, ermahnte den neuen Ritter dabei, seine Pflichten einzuhalten. Ein Ritterschwur war nicht vorgesehen, es war ja zunächst nur das für alle Freien übliche Mannbarkeitsritual. Ich meine, der Ritterschwur hätte sich aus der Bestätigung der Pflichten durch den angehenden Ritter entwickelt. Ohne nachzulesen würde ich nicht beschwören, dass es nicht später mit dem Ritterschlag aus Frankreich übernommen wurde. Das bringt uns zur Frage nach Ort und Zeit, da es da Unterschiede gab.

    Eine Schwertleite ist im Tristan Gottfrieds von Straßburgs, V5012-5049 beschrieben. Wikipedia nennt das als eine der "bekanntesten" Darstellungen. (Ich kann gerade nicht in meine Bücher schauen und hatte eine andere Quelle im Auge, aber Gottfried von Straßburg ist ja auch nicht schlecht. Im Projekt Gutenberg ist die Übersetzung Simrocks zu finden, wenn Du den Schülern das Mittelhochdeutsch nicht zumuten willst.)
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Simrock würde ich nicht verwenden. Seite Übersetzungen (Mitte des 19. Jhdts.) sind häufig mindestens so schwer zu verstehen, wie das mhd-Original und zudem viel zu ungenau, da Simrock eher nachdichtete als übersetzte. Historisch akkurat sind seine Übersetzungen - zumindest die von Versen - nicht!
     
  11. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Eine bessere Übersetzung hatte ich so schnell nicht gefunden. Beim googeln bin ich nicht der Beste. Wenn denn bei der gewünschten Internetverfügbarkeit überhaupt eine Prosaübersetzung zu finden ist. Wie sagt man so schön: Im Reich der Blinden ist die schlechte Übersetzung König. Und natürlich werde ich einen Lehrer nicht beleidigen, indem ich ihm unterstelle, noch nicht an eine der doch immer noch recht verbreiteten Übersetzungen von Simrock geraten zu sein.

    Historisch akkurat ist im Übrigen keine Übersetzung.
     
  12. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

    Gottfried von Straßburg gab seinem Helden Tristan mit auf den Weg: "Jetzt ist dein Schwert gesegnet, jetzt bist du Ritter geworden, bedenke nun auch die ritterliche Ehre, deinen Stand, deine Person, deine Geburt, deinen Adel, sei demütig ohne Falsch, wohl erzogen, dem Armen gütig, den Mächtigen gegenüber hochgesinnt, halte dein Äußeres schön, ehre und liebe die Frauen, sei freigebig und treu, unverdrossen, dies immer wieder von neuem."

    Aber man muß die Ritter nicht idealisieren. Der bretonische Gelehrte Petrus von Blois sah auch Schattenseiten des Ritterwesens: "Sobald sie mit dem Rittergürtel geschmückt sind, plündern und berauben sie die Diener Christi. Sie geben sich dem Nichtstun und der Trunkenheit hin, sie schänden den Namen und die Pflichten des Rittertums. Wenn unsere Ritter einen Feldzug unternehmen, werden die Pferde nicht mit Waffen, sondern mit Wein beladen, nicht mit Lanzen, sondern mit Käse, nicht mit Speeren, sondern mit Bratspießen."
     
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  13. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Die gibt es hier:
    Der Ritterspiegel

    "Der Eid wurde von ihm geschworen,
    dass er für die heilige Christenheit
    allezeit kämpfen wolle
    und der Schaden des Reiches ihm verhasst sei,
    nach den aufgeschriebenen Kaiserrechten,
    auch dass er Witwen und Waisen
    allezeit verteidigen wolle
    und sie vor Gefahr schützen
    und dem frevelhaften Unrecht Einhalt gebieten,
    dass er den Ketzern und ungläubigen Heiden
    und den anderen schlechten Christen
    Leid zufügen
    und keinen von ihnen gerne schonen wolle."
     
    Riothamus gefällt das.
  14. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

    Ähnliches aus dem Französischen:

    Du wirst an alle Lehren der Kirche glauben und ihre Gebote halten.
    Du wirst die Kirche beschützen.
    Du wirst alle Schwachen verteidigen.
    Du wirst das Land lieben, in dem du geboren wurdest.
    Du wirst nie vor dem Feind fliehen.
    Du bekämpfst die Ungläubigen entschlossen.
    Du wirst deinem Herrn gegenüber deine Pflichten erfüllen,
    sofern sie nicht gegen das göttliche Gesetz verstoßen.
    Du wirst niemals lügen und du wirst deinem Wort treu sein.
    Du wirst vorurteilsfrei und großzügig sein.
    Du wirst immer der Verfechter von Recht und Gutem gegen Ungerechtigkeit und Bösem sein.

    L'adoubement du chevalier
     
  15. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Aus welcher Zeit stammt der Text?
     
  16. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

    Da suchen auch die Franzosen anscheinend verzweifelt. Diese Zehn Regeln finden sich immer in der zweiten Person. So wird es der Ritter nicht vorgetragen haben. Immer wieder taucht dabei der Name des Chrétien de Troyes auf, der zurückschaut auf die "herrliche" Zeit des Rittertums. Vielleicht eine Zusammenfassung seiner Gedanken?
     

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