Fragen zum Augsburger Religionsfrieden

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Glaubensspaltung (1517 - 1648)" wurde erstellt von IceTea, 30. April 2017.



  1. IceTea

    IceTea Neues Mitglied

    Hallo hier einige Fragen :

    1.Der Augsburger Religionsfrieden ist doch nur der Frieden zwischen dem evangelischem und dem katholischen Glauben oder?


    2.Diese Frage schließt sich direkt an meine erste. Somit gilt immernoch keine Religionsfreiheit oder, da Cuius regio, eius religio gilt.? Also wenn der Landesherr bestimmt das man katholisch sein muss dann muss mann es sein, jedoch werden die evangelischen Landesherren und ihre untertarnen respektiert und andersrum auch. Stimmt das so?


    3.Meine letzte Frage gehört zur Bewertung des AR's.

    Dort steht ja keine Bestrafung bei anderer Glaubensrichtung. Das wiederspricht sich aber mit Cuius regio, eius religio.
    Also meine Frage ist jetzt gilt das allgemein also das die Untertarnen der evangelischen keine Bestrafung vor Katholiken fürchten müssen? Denn nur so würde es Sinn machen.

    4.Demnach müsste ein Mensch dessen Landesherr evangelische Religion befiehlt und er selber trotzdem katholisch ist ja bestraft werden oder?
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das ist so nicht richtig.
    Inhalte des Glaubens wurden hier ausgeklammert, denn darüber war keine Einigung möglich.


    Auch nicht ganz.
    Religionsfreiheit im heutigen Sinne gab es nicht, allerdings waren auch Zwangsbekehrungen nicht erlaubt: "§ 23. Es soll auch kein Stand den andern noch desselben Unterthanen zu seiner Religion dringen ..."
    Internet-Portal "Westfälische Geschichte" / 1555-09-25: Augsburger Reichsabschied ["Augsburger Religionsfrieden"]


    Wer sich der Religion des Landesherrn nicht anschließen wollte, dem blieb nichts anderes übrig, als anderswohin zu ziehen. Aber immerhin: Er hatte das Recht dazu:
    "§ 24. Wo aber Unsere Untertanen oder die der Kurfürsten, Fürsten und Stände der alten Religion oder der Augsburgischen Konfession anhängen und wegen dieser ihrer Religion aus Unseren Landen, Fürstentümern, Städten oder Flecken oder aus denen der Kurfürsten, Fürsten und Stände des Heiligen Reichs mit ihren Weibern und Kindern an andere Orte ziehen und sich dort niederlassen wollen, soll ihnen ein solcher Ab- und Zuzug und auch der Verkauf ihres Hab und Gut .... ungehindert möglich und gestattet sein"
    http://www.smixx.de/ra/Augsburger_Religionsfriede_1555.pdf
     
  3. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Sepiola ist da etwas zurückhaltend: Das Recht auszuwandern war das erste Menschenrecht. Allerdings gab es wohl oft recht kurze Fristen, dass Vermögen zu veräußern und Beschränkungen, was mitgenommen werden durfte, wenn ich mich recht erinnere.
     
  4. IceTea

    IceTea Neues Mitglied

    Wie siehts mit den Religionen aus.

    Es gibt ja ein Frieden zwischen Evangelium und den Katholiken. (laut meinem Geschichte Buch und meinem Schulaufschrieb)

    Aber wie siehts mit der Gleichberechtigung anderer Religionen aus.

    Das alle gleichberechtigt waren stimmt nicht oder?
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Auf die Gefahr hin, dass das kein Schreibfehler ist: Protestanten und Katholiken oder evangelischen und katholischen Christen. Die Evangelien sind für Protestanten und Katholiken gleichermaßen die Hauptquelle ihrer Glaubensinhalte. Der Unterschied war, dass die Protestanten ihrem Glauben nach - sola scriptura - nur durch die Schrift und den Glauben daran zum Heil gelangten. Deshalb eben evangelische Chrsiten.
     
  6. IceTea

    IceTea Neues Mitglied

    Hallo,

    ich meine Natürlich den Frieden zwischen evangelisch und katholischer Religion.

    Es wurden die zwei als gleichberechtigt eingestuft.

    Was ist mit anderer Religion. Anderes wurde nicht toleriert oder?

    Deswegen hieß es ja auch eingeschränktes Individuum um keine eigene Meinung, da wenn man die Religion seines Landsherren nicht akzeptieren wollte musste mann ja umziehen und einige Bekenntnisse zb Calvinismus waren ja garnet akzeptiert.


    -> Somit sind alle Religionen nicht gleichberechtigt gewesen oder?
     
  7. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Katholische und evangelische Christen gehören der gleichen Religion, nämlich dem Christentum, an. Statt Religion meinst Du Konfession (Bekenntnis).

    Der Augsburger Religionsfrieden bezog sich auf Katholiken und Lutheraner. Die reformierten Kirchen waren davon nicht betroffen (Lutheraner und Reformierten wurden erst später im frühem 19. Jhdt. vereint.)

    Ich zitiere einfach aus der Wiki:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Augsburger_Reichs-_und_Religionsfrieden

    Andere christliche Bekenntnisse (z. B. Orthodoxe) oder andere Religionen dürften in der Zeit zahlenmäßig keine Rolle gespielt haben.
     
  8. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das hat man damals nicht so eng gesehen. Nicht von ungefähr heißt das Ding "Augsburger Religionsfriede":

    § 17. Doch sollen alle andere, so obgemelten beeden Religionen nicht anhängig, in diesem Frieden nicht gemeynt, sondern gäntzlich ausgeschlossen seyn.

    Und der (später formulierte) Spruch heißt auch nicht "cuius regio, eius confessio"...
     
  9. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

  10. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Es war auch kein Friede zwischen Konfessionen. Es war ein Friede zwischen Reichsständen unterschiedlicher Konfession.
     
  11. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Neues Mitglied

    Calvinisten dürften in dieser Zeit neben Lutheranern und Reformierten noch eine Rolle als protestantische Konfession gespielt haben.
     
  12. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Lutheraner, Calvinisten, Zwinglianer, Mennoniten...

    Auch und gerade Calvinisten sehen sich als Reformierte. (Calvin fasste die Bezeichnung "Calvinist" als Schimpfwort auf.)
     

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