Französische Revolution als Nationsbildung

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von Krähenherz, 22. Februar 2017.



  1. Krähenherz

    Krähenherz Neues Mitglied

    Salut mes amis

    ich bin ziemlich tricolore affin und lese seit einiger Zeit viel über die Französische Revolution. Was mich dabei besonders interessiert und ich nicht so re cht im Internet finde (ich werd teilweise da einfach nicht schlau draus) ist die Frage
    ob man die Französische Revolution als Nationsbildung sehen kann. (Differenziert zu Nationalstaat, weil dazu findet man eine Menge, Verfassung und Nationalversammlung usw^^)

    Ich freue mich schon auf eine interessante Diskussion und hoffe dass ihr mir vielleicht mit dem ein oder anderen Tipp zur Seite stehen könnt^^ Danke dafür schon mal im Voraus

    Krähenherz
     
  2. Tangbrand

    Tangbrand Neues Mitglied

    Hallo,
    ich glaube ich verstehe nicht recht was du mit
    meinst.
    Fest steht aber, dass erst nach der Französischen Revolution in Europa moderne Nationen entstanden. Aufgrund der französischen Revolution vermehrte sich im 19.Jahrhundert überall ein Nationalismus, der erst zu der Einigung von Italien 1861 und Deutschland 1871 führte.
    Ich hoffe, dass ich zumindest einen Teil der Antwort auf deine Frage geben konnte.
     
  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Man kann die Französische Revolution (genauer die von 1789) als wichtigen Schritt der Bildung der französischen Nation sehen. Das vorrevolutionäre Frankreich war eine Ständegesellschaft, oberster Souverän war der Herrscher. Durch die Revolution wurde nun das Volk oberster Souverän, es entstand die Nation.
     
    1 Person gefällt das.
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ein wichtiger Punkt ist sicherlich die Zurückdrängung der Bedeutung der Provinzen indem die Privilegien abgeschafft wurden. Frankreich war nicht nur durch eine gesonderte Behandlung später hinzu gekommener Regionen durch den Zoll enorm inhomogen vor der Revolution. Dass die Vereinheitlichung nicht unbedingt konfliktfrei verlief und sich teilweise negativ ins kollektive Gedächtnis einprägte, steht auf einem anderen Blatt.
     
  5. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt

    Guck mal im entsprechenden Lemma "nation" im Dictionnaire de la Révolution française, herausgegeben von Albert Soboul
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Dieser Hinweis ist zielführend.

    Im wesentlichen war die Enstehung des ursprünglichen französischen Nationalismus der Ausdruck der "Volkssouveränität".

    Und dieser Ausdruck von "Fraternite" war zunächst eine politische Kategorie, die das "Volk", im wesentlichen den 3. Stand, im Gegensatz zur Aristokratie definierte.

    Und unter dem Druck der Bedrohung durch ausländische Mächte und durch die Revolten im Vendee (Bürgerkrieg) im Inneren verschärften sich diese Gegensätze zwischen den Revolutionären und den aristokratischen Mächten.

    Und wandelten sich unter diesem Druck der Mobilisierung der Massen in ein genuin und ethnisch definierten französischen Nationalismus. Und damit zusammenhängend entwickelte sich ein gewisses missionarisches Sendungsbewußtsein, dem Rest Europas das "Licht der Aufklärung" zu bringen, wie das Reed so schön für Deutschland beschrieben hat.

    Und in diesem Kontext mischten sich ideologische Konzepte der Französichen Revolution mit dem napoleonischen Hegemonialstreben und öffnete damit die Büchse der nationalistischen Pandora

    So als Kurzform, ausführlich bei Bell zur Frankreich und komparativ und gut zusammengefaßt bei Wehler.

    Der Hinweis auf Soubol erscheint dagegen wenig hilfreich in Bezug auf die Frage des Nationalismus, da Soboul das Thema eher historisch- materialistisch, also im Analyseraster des "Klassenkampfs", thematisiert, wie beispielsweise in "Kurze Geschichte der Französischen Revolution".

    Bell, David Avrom (2003): The cult of the nation in France. Inventing nationalism, 1680-1800. Cambridge, Mass: Harvard University Press.
    Reed, Terence James (2012): Mehr Licht in Deutschland. Eine kleine Geschichte der Aufklärung. 1. Aufl. München: C.H.Beck
    Soboul, Albert (2010): Kurze Geschichte der Französischen Revolution. Neuausg. Berlin: Wagenbach
    Wehler, Hans Ulrich (2001): Nationalismus. Geschichte - Formen - Folgen. München: C.H. Beck
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. März 2017
  7. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Ein gesonderter Punkt: Mit der französischen Revolution begann in Frankreich mWn die Verbindung von nation und Sprache, und damit die offensive Durchsetzung des "Standard-Französischen" durch den Staat auch in Gebieten, in denen vorher vornehmlich Dialekte oder eigene Sprachen gesprochen wurden.
     
  8. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    auf die Schnelle und aus dem Gedächtnis:

    Die Durchsetzung des Französischen in Gebieten, in denen nicht Französisch gesprochen wurde, gab es schon Jahrhunderte vorher (15. Jhdt. glaube ich). Allerdings betrifft das zunächst einmal nur die Verwaltungssprache. Ob als offizielle Staatssprache in der Verfassung der ersten Republik schon Französisch festgelegt wurde, weiß ich ad hoc nicht. In der gegenwärtigen Verfassung ist es auf jeden Fall so. Deshalb weigert sich Frankreich auch, die entsprechenden Schutzabkommen für Minderheiten umzusetzen.
    In Frankreich wurde erst in den 1880er Jahren die Schulpflicht eingeführt, sicherlich auch ein Punkt, der dazu beitrug, dass bis dahin regionale Sprache und Dialekte noch ungestört existieren konnten. Van Gogh hatte bei seinen Aufenthalten Verständigungsprobleme in der Provence, da dort die meisten noch Dialekte des Provenzalischen sprachen.
    Ein anderer Punkt ist der französische Zentralismus, der dazu führt, dass von Paris aus alles regiert (negativ ausgedrückt: diktiert) wird. Regionalen Bedürfnissen nach Bewahrung einer Minderheitensprache wird zumeist nicht entsprochen. Die wenigen Abgeordnete aus den entsprechenden Regionen können im Parlament nichts bewegen.
     

Diese Seite empfehlen