Geschlechterrollen in der Steinzeit

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von Nvth, 26. Februar 2009.

  1. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied


    Wenn der Ansatz so ist wie von @silesia beschrieben, könnte eine sinnvolle Aussage doch eher lauten: "explosionsartiges Anwachsen der menschlichen Population anhand Berechnungen zu Mutationsraten des Y-Chromosoms und daraus abgeleiteter Aussagen zur männlichen Bevölkerungszahl". Dann wäre eine Aussage nur über die männliche Bevölkerung eher irreführend als präzise, wie man am Diskussionsverlauf ablesen kann. Denn demnach wäre die Einschränkung der Aussage ja Ausdruck der Messmethode und nicht Gegenstand der Betrachtung.
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Für die Geschlechterrollen in der (Mittel)Steinzeit ganz interessant ist die Auswertung des Gräberfeldes von Ostorf (Schwerin).
    Die "Ostorfer" sind vor allem deswegen bekannt, weil sie regionale Fortsetzer der spätmesolithischen Ertebølle-Ellerbek-Kultur in einem Zeitraum waren, als die Umgebung längst neolithisiert war. Sie lebten also weiter als Jäger, Sammler und Fischer, als in den benachbarten Gunstzonen längst Landwirtschaft betrieben wurden. Sie nahmen offenbar weder die neuen Techniken* an noch vermischten sie sich mit neolithischen Neusiedlern.
    Bemerkenswert jedoch ist, dass Frauen- und Männergräber derselben Zeitstellung differenzierte C14-Datierungen aufweisen.
    Dieses Problem lässt sich auflösen, wenn man in die Überlegungen mit einbezieht, dass sich marine und terrestrische C14 aufgrund des unterschiedlichen Einflusses der Sonnenaktivität auf Land- und Wasserwesen anders verhalten. Unsere C14-Datierungen sind normalerweise terrestrisch.
    Für die Population des Ostorfer Flachgräberfeldes ergibt das Folgendes: Offenbar ernährte sich die Population insgesamt von Fleisch, Fisch, Muscheln** und gesammelten Nahrungsmitteln (Wurzeln, Beeren).
    Die Frauen aber lebten wohl mehr oder weniger ganzjährig in der engeren Umgebung ihres Dorfes und ernährten sich in ganz erheblichem Maße von Fisch, wohingegen die Männer offenbar häufiger über Tage und Wochen Jagdzüge unternahmen und in dieser Zeit einen ganz erheblichen Teil des Jagdwildes aßen und offenbar nur relativ geringe Anteile davon ins Dorf zurückbrachten, so dass die Frauen nur einen vergleichsweise geringen Anteil an Fleisch bekamen.


    *das stimmt so nicht ganz, die Ostorfer kannten Keramik, welche erst während des Neolithikums in Gebrauch kam und kopierten die der sie umgebenden Trichterbecherkultur (TBK).
    **Zumindest ist die Ertebølle-Ellerbek-Kultur ja für ihre Muschelhaufen bekannt; inwieweit der Muschelkonsum an Binnengewässern eine Rolle spielte, ist natürlich eine andere Frage.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Eine weiterer Aufsatz aus der PLOS One hat Beachtung gefunden, weil er eine Art "hybrider Subsistenzwirtschaft" aufzeigt: in der Ochostk-Kultur, einer spezialisierten Jäger-/Sammler-Gesellschaft in Kombination mit Landwirtschaft vollständig domestizierter Pflanzen.

    Die Art der Betätigungen dürfte auch auf die durchmischten Spezialisierungen und Rollen- bzw. weit gefächerten Arbeitsverteilungen innerhalb solchen Gruppen hindeuten. Vermutlich ist auch eine gewisse Gruppengröße Voraussetzung für diese Spannbreite und "Flexibilität" in der Ernährung.

    Hier ein Pressebericht:
    Ernährung vielfältiger als bisher angenommen ? Archäologische Nachrichten ? [Archäologie Online] ? ?

    Zum Aufsatz, digital verfügbar:
    Barley (Hordeum vulgare) in the Okhotsk culture (5th?10th century AD) of northern Japan and the role of cultivated plants in hunter?gatherer economies
     
  6. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    „Kräftige Oberarme“, bei denen heutige Athletinnen nicht mithalten können.

    ScienceAdvances, im open access:

    Prehistoric women’s manual labor exceeded that of athletes through the first 5500 years of farming in Central Europe

    Presse, zB

    Kräftige Arme - So fit waren die Frauen der Jungsteinzeit
    „Die Frauen-Rudermannschaft der Uni Cambridge ist stark. Gerade erst stellte sie einen neuen Rekord auf. Doch mit ihren Vorfahrinnen vor 7000 Jahren könnten auch die kräftigen Sportlerinnen nicht mithalten. - Frauen in der Jungsteinzeit hatten im Schnitt trainiertere Oberarme als heutige, ambitionierte Ruderinnen. Das ergab eine Vergleichsstudie zwischen rund 7200 Jahre alten Knochen aus Skelettfunden und der heutigen Frauen-Rudermannschaft der Universität Cambridge.“
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Vielleicht hätte man die jungsteinzeitlichen Bäurinnen auch lieber mit Bäurinnen des 19. und frühen 20. Jhdts. vergleichen sollen.
     

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