Gesellschaft der Hethiter

Dieses Thema im Forum "Hochkulturen Mesopotamiens" wurde erstellt von Yggdrassill, 21. März 2012.



  1. Yggdrassill

    Yggdrassill Neues Mitglied

    Ich brauche mal ein paar Informationen über die Hethiter und ihre Gesellschaft. Welche Position hatte der König, gab es eine vergöttlicht oder war sie recht Bodenständig? Welche Rolle spielte der Adel und die Aristokratie. Waren die Bewohner und insbesondere die Bauern frei oder Unfrei? War das Hethiterreich eher Dezentral oder zentral organisiert? Welche Rolle spielten Sklaven? Und welche Rolle Frauen im Hethiterreich. Danke vfür die Antworten.
     
  2. bonito

    bonito Neues Mitglied

    Die Hethiter waren, soweit ich weiss, in vielem ähnlich organisiert wie die "anderen" mesopotamischen Völker (Babylon, Assyrien, Sumer)

    D.h. der König war DIE zentrale Figur und er war immer göttlich zum Herrscher legitimiert. Die Könige waren dabei in der Regel nicht vergöttlicht, aber direkt Göttern unterstellt.

    Bauern waren frei und haben zum Teil Sklaven eingesetzt. Sklaven stellten überall in dieser Region ein durchaus nicht unerheblichen Teil der Arbeitskraft.

    Die Literatur / Kulte der Hethiter sind stark durch die "ältern" Völker in Mesopotamien geprägt worden - haben aber auch eigenes hinzugefügt.

    Soweit ich weiss werden einige "griechische" Mythen auf hethitische Texte zurückgeführt. (die Titanen z.B. denke ich)
     
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  3. bonito

    bonito Neues Mitglied

    Frei und unfrei sind etwas schwierig für die allgemeine Bevölkerung zu beantworten.

    Im Prinzip war die Bevölkerung "frei", aber immer dem Willen des Königs unterworfen und ggf. auch zu Diensten für den Staat / König verpflichtet.
    (wie in ganz Mesopotamien soweit ich weiss)
     
  4. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    einiges dazu kannst Du schon im Wiki-Artikel (mit weiterführenden Links und Literaturangaben) finden: Hethiter ? Wikipedia
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Wobei der König aber trotzdem durch einen Adelsrat eingeschränkt war, der sogar bei der Thronfolge mitzureden hatte.

    Das scheint mir aber doch reichlich spekulativ zu sein.
     
  6. bonito

    bonito Neues Mitglied

    Naja die Theologische Realenzyklopädei Band 8 S. 294 verweist z.B. auf diverse hethitische Einflüße in der griechischen Mythologie hin, z.B. bei den Texten Homers und Hesiods.
    Ähnlichkeiten in
    - den Anfängen von Ilias und Ullikummlied
    - im Sukzessionsmythos des Kumarbikreises und Hesiods Theogonie
    uvm.


    "In this same scene, Hesiod identifies them as “earth-born” – chthonian – the Titans who will become denizens of the ... of the upper world. This parallelism persists as the Hittite myth continues to unfold in the Song of Ullikummi."
    The Cambridge Companion to Greek Mythology S. 97

    Falls solche Quellen spekulativ sind .. von mir aus.
     
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  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die "Theologische Realenzyklopädie" und "The Cambridge Companion to Greek Mythology" sind keine Quellen. Homer und Hesiod schrieben etwa ein halbes Jahrtausend nach dem Untergang des Hethiterreiches. Mit diesem ging zwar nicht auch gleich die hethitische Kultur unter, aber die Ausstrahlung der Kleinkönigreiche, die in Ostanatolien als Nachfolgestaaten entstanden, auf Griechenland wird sich kaum belegen lassen, und zu Homers Zeiten waren sie längst assyrisch.

    Ich weiß nicht, welche Belege in Deinen beiden Büchern genannt wurden, aber ich habe einmal von einer Theorie gelesen, derzufolge die griechische Titanen-Mythologie von den Akkadern herrühren soll. Als "Beleg" wurde auf Ähnlichkeiten der Namen einiger Titanen mit einigen akkadischen Wörtern hingewiesen. Da ist wohl Skepsis angebracht.

    Und was Ähnlichkeiten zwischen griechischen und hethitischen Mythen betrifft: Sie beweisen nicht zwangsläufig, dass die einen von den anderen abgekupfert wurden. Ich verweise nur darauf, dass es nicht nur in den verschiedensten Regionen Asiens und Europas, sondern sogar in Amerika und Australien Sintflutmythen gibt, ohne dass man daraus schließen kann, dass die Sintflutmythen in Amerika von dem in Mesopotamien abstammen.
    Übrigens ist mir auch einmal eine interessante Parallele zwischen einem japanischen und einem griechischen Mythos aufgefallen: In beiden geht es darum, dass sich jemand (Amaterasu bzw. Zagreus) in einer Höhle versteckt und herausgelockt wird, indem ein Spiegel vor der Höhle befestigt wird und die versteckte Person von ihrem Spiegelbild so fasziniert ist, dass sie herauskommt, um es aus der Nähe zu betrachten. Sollen da die Griechen von den Japanern abgekupfert haben oder umgekehrt?
    Aus einer bloßen Ähnlichkeit zwischen Mythen regional und zeitlich unterschiedlicher Kulturen kann man also nicht zwangsläufig auf Beeinflussung schließen. Bei den Hethitern und Griechen ist sie zwar möglich, aber etwas mehr Belege wird man schon brauchen, um sie als Faktum ansehen zu können.
     
  8. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

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  9. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Vor allem muss man sich klar machen, dass die Mythologie der Griechen uralten Einflüssen aus Anatolien bzw. Vorderasien ausgesetzt war. Das zeigt sich z.B. an solchen Gottheiten wie Aphrodite, Artemis oder Dionysos. Es ist also leicht möglich dass einige Mythen der Hethiter und der mykenischen Griechen gleichen Ursprungs sind und auf die altmediterrane Vorbevölkerung zurückgehen.
     
  10. lesiem

    lesiem Neues Mitglied

  11. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Solche Einflüsse sind durchaus denkbar, obwohl sie dann gewaltige Kulturbrüche überdauert hätten. Da das Reich der Hethiter bereits 1200 v. Chr. unterging, müsste ein solcher hethitischer Einfluss auf das mykenische Griechenland eingewirkt haben, das allerdings seinerseits ebenfalls etwa um 1200 v. Chr. zerstört wurde. Der Mythos hätte dann 300 Jahre Dark Ages überdauern und sich im frühklassischen Griechenland fortsetzen müssen.

    Ist problematisch, aber nicht undenkbar.
     
  12. Muspilli

    Muspilli Neues Mitglied

    Eigentlich auch nicht weniger problematisch, als das, was du als Alternative in deinem vorhergehenden Beitrag (#9) für "leicht möglich" hälst. Für die Menschen, unter denen mögliche Poeten sich tummelten, und die in der von dir problematisierten Zeit lebten, waren die Jahrhunderte vielleicht gar nicht so dunkel, wie für uns! Zumindest dachte ich immer, daß die Forscher nicht ohne Grund von einer oralen Sänger-Tradition sprechen.
     
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  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Stimmt! :winke:

    Es gab immerhin einen großräumigen Zerstörungshorizont, einen Zusammenbruch der Wirtschaft, ein Sinken des Kuturniveaus (erkennbar an den archäologischen Überresten, großräumige Bevölkerungsbewegungen usw. Schriftquellen aus dieser Zeit gibt es nicht und die wenigen archäologischen Funde zeigen eine Verarmung. Dunkle Jahrhunderte (Antike) ? Wikipedia

    Dass im klassischen Griechenland eine schwache Erinnerung an die glanzvoll-feudale mykenische Zeit fortlebte, zeigen Ilias und andere Quellen. Auf jeden Fall fanden kleinasiatische und vorderasiatische Mythen Eingang nach Europa, was nicht nur die importierten Götter Aphrodite und Dionysos zeigen, sondern auch Kulte der Großen Mutter (z.B. Kybele und Attis-Kult).
     
  14. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  15. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

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