Glaube zu Zeiten der NSDAP

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Jeckerle 14, 14. März 2017.



  1. Halli Hallo,
    Hitler wurde zur Zeiten der NSDAP oftmals in nazionalsozialistischen Dokumenten in Verbindung mit Gott gebracht.
    Nur war Der Glaube nicht verboten, oder sollte die NSDAP die Religion nicht ersetzten?

    Danke für die Antworten!
    Lg
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Äh... nein, der Glaube war nicht verboten. Die meisten NS-Granden waren nominell katholisch (wobei sie in protestantischen Gegenden mehr Anhänger hatten) und natürlich wurden auch kirchliche Würdenträger jeglicher Konfession, die sich ns-kritisch zeigten, drangsaliert und bedroht, teilweise auch ins KZ gesteckt und ermordet. Besonders wurden die Zeugen Jehovas (damals "Bibelforscher") verfolgt.

    Es gab - vereinzelt - Versuche, die Wurzeln des Christentums zu europäisieren: Die Diskrepanz für den rassistischen Antisemitismus im christlichen Gewand war ja, dass Jesus ausgerechnet Jude war. Um den Rassenantisemitismus mit dem Christentum zu harmonisieren erklärten einige Rassetheoretiker, dass die Galiläer, zu dieser Gruppe gehörte Jesus, eigentlich Gallier (also Kelten) und damit keine Juden seien.
    Zwischen dem Vatikan und dem Dritten Reich gab es ein Konkordat, welches das Verhältnis beider Staaten zueinander regelte. Die Kirche wird dafür häufig kritisiert, dabei war dieses Konkorat im Grunde ein relativ normaler Vertrag zwischen zwei Staaten, der letztendlich nur die freie Religionsausübung für die Katholiken garantierte und dass Priester und Ordensleute in ihrer Arbeit nicht gehindert würden.
    Eine wohl eher kuriose Nebenerscheinung - aus christlicher Sicht eine klare Häresie - war, dass sich wohl das Gebet nicht für sondern an Hitler bei einigen Menschen etablierte.

    Was die Nazis durchaus wollten, war die Überwindung der konfessionellen Spaltung (weshalb konfessionelle Vereine und Bünde im Laufe der Zeit gezwungen wurden, sich überkonfessionell zu öffnen, später wurden sie aber meist als Konkurrenzveranstaltungen zu den Parteiorganisationen, etwa der HJ oder dem BdM, ganz verboten).
    Für die Zeit nach dem Endsieg war zudem eine Zerstreuung der ns-kritischen bäuerlich-katholischen Bevölkerung Westfalens und des Emslandes gepant. Die hatten sich zu renitent gezeigt.
     
  3. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Das sind mWn Spekulationen, was bei einem Andauern der NS-Terrorherrschaft geschehen wäre.

    Die NSdAP berief sich lt. Programm auf das Christentum:
    documentArchiv.de - Das 25-Punkte-Programm der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (24.02.1920)

    Mit der NSdAP verbunden war die Gruppierung der "deutschen Christen" innerhalb der evangelischen Kirche.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Christen

    Aus familiärer Erfahrung: Die tiefgläubige (va die evangelische), arme, autoritätshörige und wenig gebildete Landbevölkerung war ideologische eine leichte Beute für die Nazis; vom Rheinland im Westen bis nach Ostpreußen. Nicht alle, natürlich, aber in erheblichem Ausmaße.

    Die Nazis beriefen sich also recht umfangreich auf das Christentum. Ist auch schwierig, sich als Verteidiger des christlichen Abendlandes vor dem gottlos-jüdischen Bolschewismus aufzuspielen, wenn man vom Christentum nichts hält (bzw das offen sagt)...
     
  4. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Danke, El und Reinecke, sowohl die protestantische Kirche (unter den "Deutschen Christen" gleichgeschaltet) als auch die katholische Kirche (durch das Konkordat an "politischen Aussagen" von der Kanzel de jure gehindert) waren natürlich nicht verboten.

    Es gab jedoch unter Himmler und dem "SS-Ahnenerbe" die Tendenz zu einem Okkultismus, bei dem man versuchte, antike/völkerwanderungszeitliche germanische Mythologie ideologisch zu verwursten - bewusst als nicht-christlich. Dieses esoterische Konstrukt war jedoch alles andere als eine "Staatsreligion".
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. März 2017

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