Guido Knopp: Göring, eine Karriere

Dieses Thema im Forum "Buchempfehlungen" wurde erstellt von Carolus Magnus, 31. März 2011.

  1. Carolus Magnus

    Carolus Magnus Neues Mitglied


    Ich muss offen sagen, ich weiß nicht was ich von diesem Buch halten soll. Es ist nicht so, dass ich Herrn Knopp für einen absoluten Gewinn im Kreise der Historiker halte, dazu ist er zu kommerziell ausgerichtet und geneigt, Dinge zu biegen.
    Aber er schreibt ein Buch über H. Göring. Ist es jetzt eine Biographie oder ein biographischer Roman. Hunderte von Zitaten werden angeführt, ohne jegliche Quellenangabe. Knopp "zitiert" Görings Mutter, woher weiß er ? usw.

    Ist dass noch historisches Niveau oder schon Kommerz ?

    Carolus
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Man kann mit Knopps Wahl der Präsentationsformen ein Problem haben, man kann mit seinem Umgang mit Zeitzeugen ein Problem haben, man kann mit seinem Hang zur Vereinfachung ein Problem haben (wobei letzteres wohl schlicht auch seinen Anforderungen ein Massenpublikum zu erreichen geschuldet ist), ihm vorzuwerfen Historische Romane zu verfassen, dürfte aber überzogen sein. Man findet hin und wieder Literatur, insbesondere populärwissenschaftliche, die sich die Belege erspart. Das ist auch zielpublikumsabhhängig. (Wiewohl ich selbst auch lieber die Literatur, insbesondere die Q-Stellenbelege per Fuß- oder wenigstens per Endnote oder bibliographischer Angabe angegeben habe. Ich hasse, es, wenn irgendwo steht "Ein Zeitgenosse schrieb...". Ja wer denn, und wo finde ich das?! Oft genug erlebt, auch bei seriösen Autoren.)
     
  3. Speaker

    Speaker Aktives Mitglied


    Yep, so isses. Mit solch einem vermeintlichen Zitat kann man sich viel Recherche ersparen und eigene Idee einfach mal historisch belegen. Früher war der mal ganz gut, aber mittlerweile nur noch Niveau von PM oder Welt der Wunder.
     
  4. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Wenn du Wert auf eine seriöse, wissenschaftlich, mit entsprechendem Anmerkungsapparat, sauber recherchierte Arbeit legst, dann ist Guido Knopp sicher die falsche Adresse.
     
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die Liste der Personen, die keinen Gewinn für die Darstellung von Geschichte darstellen, ließe sich deutlich erweitern und vor allem ließen sich deutlich negativere Beispiele finden wie Knopp.

    Knopp schreibt populärwissenschaftlich und Geschichte wird aus seiner Sicht zur Geschichte einzelner handelnder Subjekte, eine Auffassung von Geschichte, die zu hinterfragen wäre.

    Der Behauptung, er würde Dinge verbiegen, würde ich im Prinzip widersprechen. Zumindest in dem Sinne, dass er die zentralen Interpretationslinien der akademischen Historiographie nicht verläßt und durchaus im Detail zu einer Vereinfachung neigt. Und dieses halte ich im Rahmen einer Doku für eine verantwortbare künstlerische Freiheit.

    Im Rahmen eines Selbstversuchs sollte jeder mal versuchen, einen historischen Sachverhalt als Storyboard bzw. Drehbuch zu schreiben. Dann relativiert sich manches an Kritik!

    Die generelle Problematik der Vermittlung von historischen oder aktuellen Inhalten bzw. Ereignissen im Film (und ein Großteil der Tätigkeit von Knopp ist multimedialer Natur) ist seit Bernhard Wembers-Analyse über den Nordirland Konflikt sehr deutlich geworden.

    Erinnerungsarbeit im Fernsehen: das ... - Google Bücher

    Und auch seit Wember ist deutlich geworden, und das ist sicherlich eine der stärksten Rechtfertigungen für Knopp, in welch geringem Maße Informationen durch den Rezipienten einer Sendung reproduzierbar behalten werden.

    In diesem Sinne müßte man erst einmal über die "Wirkungsforschung" nachdenken, welche Formen von Lernen ich durch populärwissenschafltiche Vermittlung erzielen möchte.

    Und bei diesem Ansinnen steht Knopp in einem deutlichen Gegensatz zu einer Reihe von revisionistischen Gesinnungshistorikern und sollte m.E. zwar eine kritische fachliche Bewertung im GF erhalten, aber auch die Solidarität gegenüber Kritikern, nicht selten aus einem rechten Lager.

    Deswegen schätze ich persönlich sein bildungspolitisches Anliegen, Geschichte unters Volk zu bringen und es ärgert mich persönlich, wenn er vorschnell zu einem beliebten Bashing-Objekt gemacht wird!
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. April 2011
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  6. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    In der Tat.

    Da muss ich dir zustimmen. Das er bemüht ist, komplexe Geschichte und komplizierte Zusammenhänge für die breitere Masse herunterzubrechen und damit interessant zu machen, ist durchaus lobenswert.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. April 2011
  7. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Hast du dich mal gefragt wer das Zielpublikum von seinen Büchern ist?
     
  8. pfirsich1508

    pfirsich1508 Neues Mitglied

    Ich habe kein Problem mit Guido Knopp, er nimmt ja nicht für sich in Anspruch, wissenschaftliche Abhandlungen zu verfassen.

    Mir ist ein Autor wesentlich lieber, der Geschichte zu den Menschen bringt (und das tut Knopp ja, was man an den Verkaufszahlen seiner Bücher sehen kann), als ein Gelehrter, der zwar wissenschaftlich korrekt und fundiert schreibt, dessen Bücher aber nur von einigen wenigen ebenfalls akademisch vorgebildeten Historikern gelesen werden.

    Wichtig ist, daß Geschichte den Menschen verständlich gemacht wird, so mein Zugang zu diesem thema.
     
  9. Afkpu

    Afkpu Aktives Mitglied

    Da wird dir niemand widersprechen, aber Knopp Dokus (ich kann hier nicht wirklich über die neuzeitlichen sprechen, da kenn ich mich nicht so sehr aus), neigen dazu Forschungsdiskussionen falsch oder garnicht darzulegen, Vereinfachungen der Thematik oder auch einfahc nur falsches darzustellen.

    Außerdem neigt Knopp dazu Geschichte als Produkt von Einzelpersonen darzustellen, was eben nicht immer so sein kann.

    Und ich sehe nicht das Problem daran wissenschaftliche Literatur zu lesen, Einführungsliteratur und Überblickswerke sind i.d.R. so geschrieben das jeder der die Schulpflicht beendet hat im Selbststudium durchsteigen kann.
     
  10. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Das nicht. Dennoch kann man erwarten, dass seine Bücher auf dem neusten Forschungsstand sind.

    Er schreibt für den historisch Interessierten und nicht für die Fachleute.

    Was heisst denn wissenschaftlich korrekt in den Augen?

    Seine Filme über den Widerstand, sind auf dem Forschungsstand vor 1990. Die neue Widerstandsforschung die seit 1990 viel aufgearbeitet und mit den Klischees aufgeräumt hat, wird nicht berücksichtig. Das ist mir im Zusammenhang mit Stauffenberg oder der Roten Kapelle aufgefallen. Es ist zwar wissenschaftlich vorgetragen, leider aber veraltet.

    Ja schön. Nur sollte man sich dann nicht den alt bewährten Klischees bedienen.
     
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  11. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Selbst wenn man zugute halten möchte, dass Knopp ja nicht die Speerspitze der Forschung sein will, und sich dementsprechend aus innerakademischen Debatten raushält, so vertritt er doch ein krachend altmodisches Geschichtsbild, nach dem Motto "Große Männer - große Taten". Ich finde, darin steht er erfolgreich in der Tradition der Populärhistoriker und historischen Journalisten der 60er bis 70er Jahre, wie etwa Jochen von Lang, Jochen Fernau und nicht zuletzt seinem eigenen Doktorvater Werner Maser (der seinen Schüler nicht liebte).
     

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