Hitler Vater?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von ing_290470, 28. Februar 2016.

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  1. ing_290470

    ing_290470 Gast

    Ist man in der Geschichtsforschung absolut sicher, dass Adolf Hitler keine Kinder gehabt hat?
    Ich habe zwar vom Kryptorchismus gelesen, das bedeutet in den meisten Fällen Infertilität, aber nicht mit absoluter Sicherheit in allen. Hitler soll, bevor er verheiratet war, mehrere Freundinnen gehabt haben, kann es sein, dass es dabei zu einem Kind kam?
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Werner Maser meinte in einem Franzosen mit Namen Jean Loret den Sohn Hitlers identifiziert zu haben... Das wird aber in der Geschichtswissenschaft kaum ernst genommen.
     
  3. Lili

    Lili Moderatorin

    Klar hätte es sein können, dass Hitler irgendwann mal ein Kind gezeugt hat. Nur: welche historische Relevanz hätte das denn schon?
     
  4. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Ich glaube bei keiner historischen Gestallt kann man mit 100 % ausschließen das er biologische Kinder hatte, außer medizinische Gründe.
     
  5. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Das wurde auch vor langer Zeit mal hier im Forum diskutiert:

    http://www.geschichtsforum.de/f66/werner-maser-jean-marie-loret-7648/index3.html

    Mir ist kein anderer Historiker bekannt, der Maser hier auch nur partiell zugestimmt hätte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. März 2016
  6. Iceman

    Iceman Mitglied

    Jetzt mal von der historischen Korrektheit ab in die Literatur, es gibt einen wirklich guten Roman über das Thema: Unternehmen Brandenburg
     
  7. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Das rote Gegenstück: in "Aurora" von Robert Harris bauen Sowjet-Nostalgiker einen unbekannten Sohn Stalins zum neuen Machthaber auf
     
  8. Caro91

    Caro91 Aktives Mitglied

    In dem Roman zeigt sich allerdings auch, dass Lili nicht unrecht hat, wenn sie die Relevanz einer solchen rein biologischen Verbindung anzweifelt. Harris muss ja, um überhaupt eine Handlung entwickeln zu können, die bedrohlich und spannend wirkt, diesen Sohn zu einer Art Klon Stalins in Aussehen und Charakter zugleich machen. Stalin hatte in der Realität ja Kinder, aber diese hatten zwar gewisse Privilegien, aber der Schatten des Vaters lag auch schwer auf ihnen.

    Wenn heute ein Enkel Hitlers (oder eine Enkelin) in dessen Namen auftreten würde, fände er /sie wohl nur wenig Zuspruch außerhalb rechtsextremer Kreise (und vermutlich selbst dort nur eingeschränkt, zumal die Person vermutlich den Namen der Großmutter bzw. der Eltern führen würde, also nicht Hitler hieße). Wenn sie oder er dagegen ein normales Leben führen würde, verböte eigentlich schon der Respekt vor der Privatsphäre dieser Person, das öffentlich zu machen. Historiker sind ja schließlich keine Klatschblattautoren. :winke:
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. März 2016
  9. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Ach, ich weiss nicht. Die Menschheit hat jahrtausendelang ihre Führer wegen der Relevanz biologischer Verbindungen ausgewählt. Und schlechte Gewohnheiten sterben langsam.

    Das wäre auf jeden Fall ein interessantes Marketingprojekt. Arbeitstitel: der verlorene Prinz Adolf kehrt zurück oder vielleicht, in Anlehnung an die Jugendliteratur, The Chosen One.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. März 2016
  10. Caro91

    Caro91 Aktives Mitglied

    :rofl:Das stimmt natürlich.

    Allerdings ist die Bundesrepublik ja keine Erbmonarchie und Hitler gilt nicht gerade als das leuchtende Vorbild in der Geschichte. Nicht einmal das nationalsozialistische Deutschland war im Grunde erbrechtlich organisiert. Ich glaube wirklich, dass ein solcher Nachkomme (vermutlich ein Enkel, weniger ein Kind, das dann um die 80 sein dürfte) eher die Regenbogenpresse als die Politik interessieren würde, selbst wenn die Person ihre Herkunft öffentlich machen und sich für ein politisches Amt bewerben würde.

    Oder andersherum: Welche politische Rolle spielen heute die Nachfahren Bismarcks, Adenauers, Kohls oder Brandts? Und all diese Staatsmänner haben in Deutschland einen recht guten Ruf bei der Bevölkerung. Da würde ich eher eine Staatskrise in einer europäischen Monarchie erwarten, wenn ein älteres Kind eines Königs auftauchen würde. Allerdings wird da ja in der Regel die eheliche Herkunft verlangt, auch das wäre also eher ein gesellschaftliches als ein politisches Ereignis.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hat sie das? Ich zweifle daran, dass nach einer Fossilisierung von gesellschaftlichen Rollenverteilungen noch viele eine Wahl hatten.
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Leider zeigt sich mal wieder, wie erst das Abgleiten in den smalltalk, vermischt mit Aktualität provoziert und anschließend Schärfen in die Diskussion bringt.

    Mod: letzte Beiträge gelöscht.
     
  13. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Dazu fält mir ein dass ja vor einigen jahren was im TV war wo angenommen wurde Hitler hätte was mit dieser einen britischen Journalistin, die sehr von ihm begeistert gewesen sein soll und ihn oft besucht hat, der Name fällt mir nur nicht mehr ein, ein kind gehabt haben welches angeblich heute irgendwo im UK leben soll.
     
  14. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Meinst Du die?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Unity_Mitford
     
  15. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Genau das ist sie!
     
  16. Caro91

    Caro91 Aktives Mitglied

    Anhand von Unity Mitford könnte man eventuell weiterfragen, welche Folgen die Abstammung von einer historischen Persönlichkeit für einen Menschen haben kann. Zunächst waren wir ja von einem Nachkommen Hitlers ausgegangen, der sich freiwillig und bewusst an die Öffentlichkeit wagen würde, also auch selbst von seiner biologischen Herkunft wüsste.

    Eine Tochter oder ein Sohn von Frau Mitford müsste ja Mitte der 30er-Jahre geboren worden sein und wäre dann wohl in einem Waisenheim aufgewachsen wie viele andere Kinder dieser Zeit. Die biologische Herkunft wurde dort in der Regel nicht mitgeteilt, soweit sie überhaupt bekannt war.

    Stellen wir uns nun vor, eine Historikerin käme bei anderweitigen Recherchen zufällig darauf, dass ein solches Kind dort beispielsweise 1938 als Neugeborenes nachweislich von Unity Mitford abgegeben wurde. Der Vater wäre dann unbekannt, aber die Spekulationen würden sicher dennoch ins Kraut schießen.

    Für das Leben dieses Menschen und seiner möglichen Kinder und Enkel (und vielleicht inzwischen sogar Urenkel) hätte die Abstammung keinerlei lebensgeschichtliche Relevanz. Auch die Geschichte der nationalsozialistischen Zeit müsste (von diesem Detail abgesehen) wohl kaum anders betrachtet werden als bisher.

    Für eine solche Familie könnte das allerdings eine schwere Belastung darstellen, weil viele Menschen in dieser Abstammung vielleicht etwas Böses grundgelegt sähen (wir sind ja da nicht immer ganz rational).

    Hieltet ihr es in einem solchen Fall für wissenschaftlich vertretbar, wenn die genannte Historikerin über die ganze Sache den Mantel des Schweigens legte? Die meisten von uns dürften dieses Interesse beruflich oder privat auch deshalb verfolgen, weil sie von den Erkenntnissen fasziniert sind, die wir über vergangene Epochen und die in ihnen lebenden Menschen gewinnen können. Kann ein solches Erkenntnisinteresse eine Grenze akzeptieren, die nur aus der Gegenwart heraus begründet wird? Ich bin da ehrlich gesagt selbst etwas unschlüssig.

    Allerdings ist das vielleicht nicht mehr wirklich ein historisches Thema. In dem Fall bitte ich, meinen Ausflug in die Geschichtsphilosophie zu entschuldigen. :winke:
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Personenbezogen gibt es in den Archiven immer Schutzfristen. In Dtld. liegen die weitgehend (Bundes- und Länderarchive unterliegen jeweils eigenen Regelungen, die aber letztlich doch abgestimmt sind) bei 70 Jahren nach dem Tod der Person X bzw. bei 100 Jahren nach ihrer Geburt im Falle von Verschollenen.
    Ashigaru wird mich ggf. korrigieren.
     
  18. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Eine Frist von 70 Jahren nach dem Tod der Person gilt für das Urheberrecht. Mit Archiv-Schutzfristen hat das nichts zu tun.
    Bei Bundesarchivalien gilt eine 30-Jahre-Schutzfrist, bei Länderarchivalien würde ich von einer 10-Jahre-Schutzfrist ausgehen (kann sein, dass das unterschiedlich geregelt ist).


    https://www.bundesarchiv.de/bundesarchiv/rechtsgrundlagen/bundesarchivgesetz/index.html.de
     
  19. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Es hätte keine politisch oder sozial induzierten negativen Folgen für diese Person gehabt, eher positive Protegierung aus dem Umfeld der NS-Netzwerke.

    Ansonsten: Es gibt lediglich zwei bekannte Beispiele, der UdSSR unter Stalinismus bzw. dem 3. Reich unter Hitler, die die "Sippenhaftung" der Familie bzw. des familiären Umfelds kennen bzw. noch weitergehende Formen der Haftung von Kollektiven für das Verhalten von Einzelnen.

    Diese ist für demokratische Staaten wie GB oder für Deutschland kaum anzunehmen und insofern hätte diese fiktive oder reale Person, wenn sie es gewollt hätte, ein normales Leben führen können ohne irgendwelche Formen der Restriktion oder Sanktionierung.

    Ob die betreffende fiktive Person darüberhinaus bereit gewesen wäre, ein politisches Erbe im Rahmen einer NS-Nachfolgeorganisation anzutreten wäre eine persönliche Entscheidung. Diese hätte vielfältige Konsequenzen haben können, abhängig vom Grad der Radikalisierung dieser fiktiven / realen Person als Abkömmling von Hitler.

    Eine für mich unverständliche Sicht, die m.E. auch empirischen Beispielen nicht standhält. Als ein Beispiel einer teils "normalen" von der NS-Ideologie emanzipierten bürgerlichen Karriere wäre ein Sohn von Hans Frank zu nennen. Er hat sich kritisch mit der menschenverachtenden Herrenmenschen-Ideologie seines Vaters auseinandergesetzt und zieht ebenfalls Parallelen zu heute. Als engagierte Lehre aus der deutschen Geschichte und dem Engagement unter anderem gegen Rassimus.

    Dieses Beispiel zeigt m.E. dass es durchaus individuelle Wege gab, sich mit der belasteten Vergangenheit der Väter auseinander zu setzen. Und diese Chance hätte sich auch einem Abkömmling von Hitler geboten.

    Ein Abkömmling von Hitler hätte ebenso gut zum leidenschaftlichen Ankläger gegen das NS-System werden können.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Frank

    Warum hätten sich Historiker unter normalen Voraussetzung - einer normalen Biographie eines Hitler-Abkömmlings - überhaupt mit dem Thema beschäftigen sollen? Der Hitlerismus war keine "Erb-Diktatur" und es gibt auch kein Gen, über das eine NS-Ideologie vom Vater auf seine Abkömmlinge übertragen hätte werden können. Insofern gab es keine "übertragbare" Erbschuld, die historisch oder wie auch immer hätte aufgearbeitet werden müssen.

    In diesem Sinne wäre ein Abkömmling von Hitler, wenn er denn ein normales Leben geführt hätte, absolut kein legitimes Objekte für irgendwelche "wissenschaftlichen" Analysen und somit auch nicht für eine Historiographie.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. März 2016
  20. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Ernstzunehmende Hinweise auf direkte Nachfahren von Adolf Hitler habe ich noch nie gehört. El Q. hat ja bereits oben auf diese äußerst zweifelhafte Geschichte hingewiesen, dass Hitler im 1. Weltkrieg einen Sohn gezeugt haben soll: https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Loret#Die_Causa_Loret.E2.80.93Hitler

    Es gibt allerdings einige Verwandte von Hitler in den USA (Nachkommen von Hitlers Halbbruder). Sein Neffe Patrick diente während des 2. Weltkrieges in der US Navy: https://de.wikipedia.org/wiki/William_Patrick_Hitler

    Seine Söhne (sprich Hitlers Großneffen) sind alle kinderlos. In der Presse wird darüber spekuliert, dass sie ihr genetisches Erbe nicht weitergeben wollen. Politische Ambitionen hat m. W. keiner von ihnen gehabt.

    Ein Stiefenkel eines Neffen von Hitler (also nicht blutsverwandt) hat einen ganz anderen Weg gewählt: er ist zum Judentum konvertiert und nach Israel ausgewandert: Nachfahre Hitlers: Ein deutsches Leben |*ZEIT ONLINE
     

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