Hitlers Mein Kampf : die komment. Fassung

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Helmut406, 19. Februar 2016.



  1. Helmut406

    Helmut406 Neues Mitglied

    Sehr geehrte Forenfachleute,
    sehr geehrte Forenteilnehmer,

    ... seit Jahresbeginn ist meines WIssens eine Vollfassung von Hitlers "Mein Kampf" mit ausgiebigen Kommentierungen auf dem Büchermarkt zu kaufen.

    Bei einem Medientermin am Fernsehen konnte ich sehen, dass es sich hierbei sogar um ein 2-bändiges Werk handelt. Für mich stellen sich in diesem Zusammenhang 2 wichtige Sachfragen, die medial nur sehr unzureichend thematisiert worden sind :

    a) Weshalb hat der bisherige Inhaber der Urheberrechte nicht bereits in den Jahren vorher eine kommentierte Fassung auf dem Markt gebracht. Das wäre doch theoretisch machbar gewesen ?

    b) Ist es richtig, dass sich viele öffentliche Büchereien immer noch mit der Anschaffung dieser kommentierten Fassung schwer tun ?

    c) Hatte vor dem Januar 2016 der Bayerische Staat federführend die Urheberrechte für Nachdrucke dieses historischen Werkes ?

    Über einige aufklärende Anmerkungen zu diesem Sachthema wäre ich sicherlich sehr dankbar.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da Hitler seinen letzten offiziellen Wohnsitz als Bürger in München hatte, fiel nach seinem selbstgewählten aber angesichts seiner Verbrechen unvermeidbaren Ableben im April 1945 sein Erbe dem Freistaat Bayern zu, da es keine anderen Erben gab bzw. niemand Erbberechtigten, der das Erbe antreten wollte. Daher lagen die Urheberrechte all dessen, was Hitler verfasst hat, bei dem Freistaat Bayern. 70 Jahre nach dem Ableben einer Person endet das Urheberrecht. Das war am 31. Sezember 2015 dann der Fall.

    Das Buch war nicht verboten, es war einfach die Entscheidung des Landes Bayern, das Buch nicht aufzulegen und auch durch niemanden auflegen zu lassen. Es gab sicher gute Gründe, die für und gute Gründe die gegen eine Auflage gesprochen hätten. Für die bayrischen Landesregierungen ahben stets die Gründe dagegen überwogen.
     
  3. Naqia

    Naqia Neues Mitglied

    Natürlich wäre es machbar gewesen. Ich habe die kommentierte Fassung sehr stark als Reaktion, vielleicht auch Prävention auf das ablaufende Urheberrecht wahrgenommen. Eine Edition ist viel Arbeit, auch wenn man es ihr nicht unbedingt ansieht. Kommentierung ist ein Thema für sich und selbst in einem Zweizeiler steckt oft mehr Wissen und Recherche, als man vielleicht meinen möchte. Entsprechend braucht man auch eine Finanzierung für so ein Projekt: Vollzeitstellen, Reisekosten, Sachkosten etc. Nach den ganzen Widerständen, die das Projekt (selbst als es schon lief) erfahren hat, glaube ich einfach auch nicht, dass es sehr viel früher hätte zustande kommen können.
     
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Es gab m.W. bereits mindestens zwei Vorläufer:

    - C. Zentner: Adolf Hitler. Mein Kampf. Eine kommentierte Auswahl. 1974
    - B. Zehnpfennnig: Adolf Hitler: Mein Kampf. Ein Studienkommentar. 2011

    Zusammen mit den entsprechenden Hitler-Biographien eine m.E. völlig ausreichende Würdigung dieser Quelle zum NS-System.

    Ansonsten ist der "Konflikt" um die Publikation ja eigentlich die mediale Begleitmusik, um das Werk überhaupt verkaufbar zu machen. Es wurde durch die Diskussion überhaupt erst ein Markt für die kommentierte Auflage geschaffen. Es ist eher eine intelligente PR-Strategie, die auf Dramatisierung des Verkaufs setzt.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Sehe ich ähnlich.

    Zu ergänzen wäre noch, dass bzgl. der Schriften (und Reden) Hitlers Weiteres erschienen ist:

    Gerhard L. Weinberg (Hrsg.): Hitlers Zweites Buch. (= Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Band 7). Ein Dokument aus dem Jahr 1928, mit einem Geleitwort von Hans Rothfels. DVA, Stuttgart 1961.

    Domarus: Hitler. Reden und Proklamationen 1932–1945. Kommentiert von einem deutschen Zeitgenossen. Würzburg 1962/1963.

    Und schließlich die vielbändige Publikation:

    IfZ: Hitler, Reden-Schriften-Anordnungen
    Institut für Zeitgeschichte: Edition
     
  6. steffen04

    steffen04 Gesperrt


    Nein. Der Verlag bremst den Verkauf, wo er kann. Die Erstauflage betrug lausige 4.000 Exemplare. Die waren schon Wochen vor der Auslieferung vergriffen, und die Zweitauflage ist wohl nicht nicht im Handel.

    Bei 2001 erscheint heute folgende Meldung:
    Liebe Kunden, die Erstauflage dieses Titels ist leider schon vergriffen. Uns sind – wie allen Händlern – die Hände gebunden. Der Verlag druckt so schnell wie möglich nach. Sobald wir neue Exemplare bekommen, werden die Vorbesteller bedient und der Titel wird wieder als lieferbar gekennzeichnet. Nach 70 Jahren Wartezeit sind diese wenigen Wochen bis zur zweiten Auflage der kommentierten Edition doch eine Lappalie. Danke für Ihre Geduld, Ihr Zweitausendeins-Team.
     
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    "Tue gutes und rede drüber", ein paar Basics [1] zur Markenführung und der Positionierung von Produkten und dem damit zusammenhängenden Pricing im Verlagsmarketing

    Mit der Vermarktung des Produkts "Mein Kampf" haben wir es im analytischen Sinne im Bereich des Verlagsmarketings mit einer Marke zu tun, die in der kommentierten Auflage als "Luxusmarke" positioniert ist. Diese Premiumstrategie schöpft den höchsten Nachfrageüberhang ab, bei der eine Nachfrage unabhängig vom Preis vorhanden ist. Das macht unter dem Gesichtspunkt der Kostendeckungsrechnung den Controller glücklich und eröffnet dem Marketingmanager die Möglichkeit eines späteren Downtrading und schafft somit den Spielraum beispielsweise für die Reduzierung des Preises, um neue Käufergruppen anzusprechen.

    Ansonsten zur Markteinführung: In diesem Sinne schreibt beispielsweise Kapferer: "Die Kommunikation spielt in diesem System eine Schlüsselrolle, denn sie schafft die Geschichte, den Mythos der Marke und nicht das Produkt" (J.N. Kapferer: Luxusmarken, in: F-R Esch (Hrsg) Moderne Markenführung, 2. Aufl., S. 317ff) Und genau diese Diskussion lief um das Produkt und hat seinem "Mythos" eher genützt, denn geschadet.

    Und es ist keine "lausige" Auflage, sondern eine künstliche Verknappung des Angebots und somit auch der Fähigkeit, im Rahmen einer 2. Auflage eine entsprechende mediale Begleitstrategie im Rahmen der PR bzw. der Marketingkommunikation erneut und situativ angepasst zu inszenieren.

    Eine zu hoch kalkulierte und nicht vollständig verkaufte 1. Auflage wäre da eindeutig konterproduktiv für die gewählte Form der Vermarktung.

    Soweit zur Theorie und Praxis des Verlagsmarketings.

    [1] zur den Basics - immernoch - zählen beispielsweise für Buchprojekte
    -W.Ruf: Das 3x3 Verfahren zur Entwicklung von Verlagsobjekten
    - W. Ruf: Der GrundmärkteKreis zur Positionierung vorn Verlagsgeschäften

    Diese Basics durch entsprechende Marketingliteratur zur Produktpolitik, zur Markenführung und zur Preisbildung zu ergänzen
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Februar 2016
  8. hatl

    hatl Premiummitglied

    Worin der Sinn einer "künstlichen Verknappung" einer vom IFZ kommentierten Ausgabe jetzt liegen soll versteh ich dennoch nicht.
    Der Neupreis von rund 400 Euro bei einem bekannten Internetbuchhändler steht ja in einem bemerkenswerten Widersinn zu der Tatsache, dass eine unkommentierte Ausgabe im Internet jederzeit für nichts zu haben ist.

    Auch das Original-"Werk" ist "hierbei sogar" 2-bändig.
    Erster Band wird 1925 veröffentlicht, der zweite 1926/27.
     
  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Wenn Du ein Produkt hochpreisig verkaufen möchtest, dass es in einer anderen Form, aber dennoch mit einem ausreichenden "Basis-Nutzen" gibt, dann muss das neue Produkt in seiner "Positionierung" sich glaubwürdig von dem Produkt mit dem niedrigen Preis unterscheiden.

    Und die Positionierung als "Luxus-Produkt" kann nur durch die Exklusivität erreicht werden. Wenn es in der Auflage von 30.000 gedruckt worden wäre, dann hätte es passieren können, dass die unverkaufte Auflage in die Backlist wandert und "Mein Kampf" zu dem Preis zum Ladenhüter wird. :rofl:

    Und ich muss sagen, dass der Verlag eine gute Markteinführung für dieses "innovative" Produkt inszeniert hat. Denn es ist ja kein Relaunch!
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Februar 2016
  10. hatl

    hatl Premiummitglied

    Das ist jetzt wohl eine Betrachtung aus BWL-Sicht, deren Schwerpunkt ein stets zweifelhafter und arroganter Maximierungsgedanke ist, ferne von weit nützlicheren Optimierungsvorstellungen. :pfeif: :D
     
  11. romanus00I

    romanus00I Neues Mitglied

    Welcher Verlag? Soweit ich weiß hat das Institut für Zeitgeschichte das Buch im Selbstverlag herausgebracht. Wer also über künstliche Verknappung und BWL schwadroniert sollte doch lieber erst einmal beachten dass da gar keine Profitinteressen hinter stecken.
     
  12. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    @romanus001:

    1. Jeder Verlag, der am deutschen Publikationsmarkt teilnimmt, unterwirft sich seinen Regel. Insofern wird ein Verlagsleiter, ein Marketingleiter, ein Lektor oder wer auch immer, sich Gedanken über die Vermarktung machen müssen und es wird ein Marketingplan für ein entsprechendes Objekt geben.

    Verlage, die sich dieser Notwendigkeit nicht unterzogen haben, sind der Konzentration zum Opfer gefallen, weil sie unwirtschafltich produziert haben. Und ein "Selbstverlag", der nicht wirtschaftlich arbeitet wird in der Regel "outgesourct", weil die entsprechenden - wirtschaftlichen und politischen - Prüfungsstellen derartiges Mißmanagement nicht mehr akzeptieren.

    2. In nahezu jedem Unternehmen, inklusive öffentlicher Dienst bzw. Universitäten bzw auch Stiftungen unterliegt wirtschaftliches Handeln dem Zwang zur Mitteloptimierung. In der Regel wird ein Controller über den Einsatz der Mittel im Rahmen eines Marketing-Controllings "wachen".

    3. Diese beiden Aspekte treffen natürlich auch auf das Institut für Zeitgeschichte und den im Selbstverlag produzierten Publikationen zu.

    4. Das hat überhaupt nichts mit "Profitinteresse" zu tun, sondern damit, dass Kosten nicht unkalkuliert entstehen. Und Lagerhaltung einer nicht verkauften Restauflage sind - auch kumulativ - ein Kostenfaktor.

    5. Und wenn jemand aus langjähriger Erfahrung über die Probleme bei der Markteinführung von Publikationen sachlich und fundiert etwas schreibt, dann ist das kein "schwadronieren". Diese negative Beurteilung solltest Du Dir in Zukunft sparen.
     
  13. Helmut406

    Helmut406 Neues Mitglied

    Erscheinungsformen und Fragen zur Gliederung

    Für mich ist an dieser Stelle jedoch noch unklar, ob es eine intensiv kommentierte Fassung gibt und eine nur mit Historiker-Vorwort versehen.

    Ungeachtet dessen kann ich mir vorstellen, dass zwischenzeitlich auch eine weitere Version als E-Book erschienen ist. Über Google kann ich das jedoch nicht bestimmen.

    Ich bitte um einen zielführenden Hinweis, weil ich das Werk so noch nicht gesehen haben. Mir bekannte stationäre Buchhandlungen haben die Veröffentlichung offenkundig weitgehend boykottiert ; gesehen habe ich dieses Werk jedenfalls nirgends.
     
  14. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    1. Jede Buchhandlung bestellt das entsprechende Buch. Meistens auch zur Ansicht.

    2. Bei den online-Buchhändlern ist es problemlos zu erwerben

    3. In kleinen Buchhandlungen, die eher auf den allgemeinen Publikumsgeschmack ausgerichtet sind, ist das Buch auch zu finden. Definitiv!

    4. Das Budget von öffentlichen Büchereien ist nicht selten begrenzt. Ich kann jeden verstehen, der für die kommentierte Ausgabe sein Budget nicht verplempern will.

    Also, wo ist das Problem?
     
  15. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Ich habe auch ein paar Exemplare davon in Bahnhofsbuchhandlungen entdeckt, für die das eher ungewöhnliches Sortiment darstellt...
     
  16. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    ---und ich zwischenzeitlich auf dem Billig-Reste-Tisch einer Grossbuchhandelskette

    Offensichtlich ist das Publikumsinteresse also nach anfänglichem Pressehype sehr schnell abgeebbt, was jetzt angesichts der literarischen Qualität des darin enthaltenen, langatmigen und langweiligen Geschwurbels kein Wunder ist.
     
  17. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Das ist das normale Los von Hardcovern. Die Bibliotheken, die es brauchen, haben es gleich bei Erscheinen gekauft, ein Quantum wird an normale Kunden gegangen sein, wo es ihm ebenso ergeht wie in den dreißiger Jahren, nun wandern die Reste in den Ramsch
     
  18. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Ich erinnere mich an Besuch aus Tadschikistan, vor etwa 10 Jahren. Eine Studentin fragte ob wir ihr nicht ein Buch besorgen könnten, Freunde hätten sie gebeten es aus Deutschland mitzubringen.
    Dreimal dürft Ihr raten um welches Buch es ging ... wobei ich den Gedanken, dass man dieses Werk sozusagen an der Quelle besorgen könnte gar nicht prinzipiell unlogisch fand.
     

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